Re: Ist die Mittelklasse wirklich nutzlos?
Meine Empfehlungen, wenn mich jemand fragt, haben nicht zuletzt auch den Hintergrund, dass ich mich zweimal (aus Unerfahrenheit oder meinetwegen auch Dummheit) richtig "verkauft" habe. Das war, neben dem erwähnten Minox, das ich noch halbwegs akzeptabel wiederverkaufen konnte, auch ein Steiner 10x42 Rocky S (gekauft für ca. 1400 DM - ich hab es noch) ..
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Hallo Walter,
das Problem mit diesem mittleren Preissektor ist halt, dass sich dort auch immer wieder eine "Moechtegern-Edelmarke" einschleicht, die von der Leistung eher im unteren Feld anzusiedeln ist, dieses Manko aber durch einen hohen Preis verschleiert. Ein typischer Trick dabei ist das Verwenden eines kleinen Sehfeldes. Wenn z.B. ein 10x50 mit einem 5 Grad Sehfeld daherkommt, dann ist das mehr als verdaechtig, denn selbst ein kompaktes 10x50 koennte doch von den Prismen her locker 6 Grad durchlassen. Man nehme ein simples chinesisches Fernglas mit viel Streulicht und schlechter Randschaerfe, blende ueberall ab, und verkaufe es dann als leistungsfaehiges Geraet. Nachdem aus der Raupe der Schmetterling geworden ist, steht dann in der Jaegerzeitung etwas von guter Randschaerfe und wenig Streulicht, und irgendwo in den Kenndaten steht ja auch das kleine Sehfeld, das aber schnell ueberlesen wird und oft auch keine Punktabzuege bekommt. Allerdings: Die Verguetung kann man mit solchen Tricks nicht besser hinzaubern. Da hat man ploetzlich ein teures 'Hochleistungsfernglas' und wundert sich ueber das Feuerwerk an Geisterbildern bei Gegenlicht. Hier kommt die wahre Herkunft des Fernglases ans Tageslicht.
Ein gutes Fernglas erkennt man u.a. daran, dass dessen Leistungswerte gut balanciert sind. Je nach Preissektor kann es mehr oder weniger perfekt sein, aber dieses Niveau an Perfektion sollte alle Aspekte des Fernglases gleichermassen betreffen. Dazu gehoert in der mittleren Preisklasse auch ein ordentliches Sehfeld. Wer extrem abblendet, hat etwas zu verbergen, weil er unfaehig ist, ein entsprechendes Okular zu bauen und sich um Streulichtunterdrueckung zu bemuehen. Damit qualifiziert er sich fuer den unteren Leistungssektor, und dort gehoeren einige Marken, trotz ihres hohen Preises und klingenden Namens, dann auch hin.
Es ist wirklich leicht moeglich, sich einen Fehlgriff zu leisten. Zum Glueck bleibt das ja nicht lange unbemerkt, und Du hast ja selbst Konsequenzen gezogen und Dein Minox schon wieder verkauft. Ehrlich gesagt habe ich schon sehr oft durch Steiner Glaeser geschaut (weil die in jedem Kaufhaus herumstehen) und nie hat mich eines davon ueberzeugt. Die billigen Nikon Action, die daneben standen, gefielen mir besser. Um sicher zu gehen, wuerdest Du daher einem Anfaenger lieber gleich die High End Klasse empfehlen, und das kann ich auch nachvollziehen. Aber es gibt auch in der Mittelklasse Marken, bei denen man keine Tricksereien erwarten muss, und dazu gehoeren Docter, die besseren Nikons, die Porros von Fujinon, Miyauchi, in Amerika die besseren Geraete von Swift (japanische Fernglaeser mit solider Leistung), die besseren Osteuropaeer (IOR-SA Rumaenien), und sogar schon ein paar der guten Chinesen (wenn auch im unteren Bereich der Mittelklasse), die man hier bei den allseits bekannten Astro Haendlern findet. Keines davon ist billig, und je nach Preis sind sie mehr oder weniger weit von der Spitze entfernt, aber zumindest fair, man bekommt etwas fuer sein Geld. Hier im Forum sind wir ja alle fleissig dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen, auch wenn es dabei unterschiedliche Ansichten geben kann.
Gruss,
Holger