JSchmoll
Aktives Mitglied
Hallo !
Seit Monaten keine Beobachtungen von Durham mehr. Nebel, Regen oder andere Belange die mich vom Beobachten abhielten.
Gestern wars seit Langem mal wieder so weit. Die Akteure:
Refraktor 118/1750 "Mr Chevalier" auf EQ6 mit neuer Strebe zwischen Tubusvorderteil und Gegengewichtsachse.
Ungetaufter Intes ALTER D7 180/1800mm Maksutov-Cassegrain (leider nur ausgeborgt) auf meiner GPDX.
Beim Aufbau laechelte mich die Gartenlampe meines Nachbarn an. Angelassen. Finger wundgeklopft - keiner da. Also ein Stueck Alufolie mit Tesafilm daran befestigt und aus die Maus.
5 min spaeter kamen sie nach Hause und einer von ihnen nahm mein Angebot an, durch meine Roehren zu schauen. Ich lernte dass Astronomie ueber die Barrieren des Geordie-Englisch hinweg kommunizieren kann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .
Zunaechst der Mak: Ich stelle den Orionnebel ein. Schoen - aber irgendwie das Trapez kaum aufgeloest und alles matschig. Eine Katastrophe ! Saturn angepeilt. Astigmatismus ! Doppelbilder ! Ibaeh !
Der Nachbar war trotzdem happy, den Ring zu erkennen.
Also den Refraktor aufgebaut. Erst ohne die Strebe - er schaukelte ziemlich im Wind. Dann die Strebe (ein an zwei Stellen plattgeklopftes Rohr, welches normal zum Aufhaengen von Badetuechern verwendet wird) oben an den Tubus geschraubt und an das Ende der Gegengewichtsachse befestigt. Festgezogen. Und ? Wow ! Ploetzlich stoerte der fiese Wind kaum noch. Gerade die feinen hochfrequenten Schwingungen von der duennen Fernrohrwiegen-Adapterplatte sind verschwunden. Also, wer ein langes Rohr hat und eine nicht sonderlich verwindungssteife Adaption zur Monti, dem sei diese Technik waermstens empfohlen ! Ich habe sie aus der englischen Amateurzeitschrift ASTRONOMY NOW.
Nun, der Refraktor zeigte Saturn ungleich schaerfer, Cassini war erahnbar. Dennoch auch hier immer ein Schmandsaum zu einer Seite hin. Naja, erstmal auskuehlen lassen.
Ich liess meinen Nachbarn durchschauen und stellte waehrenddessen am jeweils anderen Scope ein neues Objekt ein. So sahen wir M31, M35, die Plejaden und die Praesepe. Als Kroenung einen Jupiter, etwas wabernd ueber einem Haus aber die Hauptwolkenbaender und Monde erkennbar. Schliesslich - nach ueber einer Stunde - wurde meinem Nachbarn doch etwas kalt und er zog sich zurueck.
Abrechnung !
Dass kann nicht sein, dass das Mak so schlecht ist. Ich krame meinen Laser raus und zentriere den Fangspiegel. Blick auf die Praesepe - hellwhatanimage ! - lauter Kuhfladen ! Das Teleskop hatte nun alles was andere nicht haben - Koma, Astigmatismus etc. - ich beschloss eine "fachmaennische" Justage. Mir fiel naemlich auf, dass die drei Schrauben des Sekundaerspiegels voellig unterschiedlich weit rausschauten. Nach Fingergefuehl drehte ich sie gleichweit rein und - voila - die Sterne waren wieder Punkte ! Weiss der Geier warum der Laser mich in die Irre fuehrt. Vielleicht liegts am Zenitspiegel - ohne kann ich nicht, da das Mak mit einem Gewinde abschliesst. Nach einigem Fine-Tuning und Beugungsringgucken schliesslich endlich justiert ! Saturn nun knackescharf, Cassini umlaufend wie das sein soll. Castor deutlich getrennt und beide Sterne als symmetrische Beugungsfiguren sichtbar. Allerdings - sowohl im Fokus als auch beim Durchfokussieren sehe ich etwas, was ich spaeter nach Suiter ("Star test your telescope") als sphaerische Aberration diagnostiziere. Die Bilder aehneln denen im Buch mit einer Abweichung zwischen l/2 und l/4 Wellenfront. Auch eine Aenderung des Abstandes Haupt- zu Fangspiegel (ich zog das Okular hierzu heraus sodass ich per Spiegelfokussierung scharfstellen musste) liess keine Aenderung des Befundes erkennen.
Nun zum Refraktor. Das Bild _jetzt_ im Vergleich zum Maksutov grottenschlecht, immer noch Schmand an einer Seite. Castor getrennt aber Beugungsbilder dreieckig - Objektiv verkippt ! Als ich die Strebe anbaute, musste ich ein Loch in den Tubus bohren und dazu das Objektiv entfernen. Ich fange an, an diesem herumzudrehen, es zu kippen - gottlob ist es justierbar. Nach ein paar Minuten ein knackscharfes Bild und bis halb zwei in der Nacht wetteiferten beide Scopes, welches nun mehr am Jupiter oder Saturn zeigte. Ich glaube es ging unentschieden aus, wenngleich das Bild im Mak komfortablerweise heller war.
Nun, halb zwei und noch zwei Fernrohre abbauen und morgens frueh raus - also leider Schluss fuer heute (schnief - warum solche Naechte nicht am Wochenende ???).
Auf jeden Fall habe ich gelernt:
(i) Wer lange nicht beobachtet, rostet ein. Gilt fuer das Bedienpersonal (das dem Nachbarn was von Jupiter erzaehlte und Saturn einstellte !!!) und fuer die Roehren.
(ii) Justiert Eure Fernrohre !!!
Seit Monaten keine Beobachtungen von Durham mehr. Nebel, Regen oder andere Belange die mich vom Beobachten abhielten.
Gestern wars seit Langem mal wieder so weit. Die Akteure:
Refraktor 118/1750 "Mr Chevalier" auf EQ6 mit neuer Strebe zwischen Tubusvorderteil und Gegengewichtsachse.
Ungetaufter Intes ALTER D7 180/1800mm Maksutov-Cassegrain (leider nur ausgeborgt) auf meiner GPDX.
Beim Aufbau laechelte mich die Gartenlampe meines Nachbarn an. Angelassen. Finger wundgeklopft - keiner da. Also ein Stueck Alufolie mit Tesafilm daran befestigt und aus die Maus.
5 min spaeter kamen sie nach Hause und einer von ihnen nahm mein Angebot an, durch meine Roehren zu schauen. Ich lernte dass Astronomie ueber die Barrieren des Geordie-Englisch hinweg kommunizieren kann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> .
Zunaechst der Mak: Ich stelle den Orionnebel ein. Schoen - aber irgendwie das Trapez kaum aufgeloest und alles matschig. Eine Katastrophe ! Saturn angepeilt. Astigmatismus ! Doppelbilder ! Ibaeh !
Der Nachbar war trotzdem happy, den Ring zu erkennen.
Also den Refraktor aufgebaut. Erst ohne die Strebe - er schaukelte ziemlich im Wind. Dann die Strebe (ein an zwei Stellen plattgeklopftes Rohr, welches normal zum Aufhaengen von Badetuechern verwendet wird) oben an den Tubus geschraubt und an das Ende der Gegengewichtsachse befestigt. Festgezogen. Und ? Wow ! Ploetzlich stoerte der fiese Wind kaum noch. Gerade die feinen hochfrequenten Schwingungen von der duennen Fernrohrwiegen-Adapterplatte sind verschwunden. Also, wer ein langes Rohr hat und eine nicht sonderlich verwindungssteife Adaption zur Monti, dem sei diese Technik waermstens empfohlen ! Ich habe sie aus der englischen Amateurzeitschrift ASTRONOMY NOW.
Nun, der Refraktor zeigte Saturn ungleich schaerfer, Cassini war erahnbar. Dennoch auch hier immer ein Schmandsaum zu einer Seite hin. Naja, erstmal auskuehlen lassen.
Ich liess meinen Nachbarn durchschauen und stellte waehrenddessen am jeweils anderen Scope ein neues Objekt ein. So sahen wir M31, M35, die Plejaden und die Praesepe. Als Kroenung einen Jupiter, etwas wabernd ueber einem Haus aber die Hauptwolkenbaender und Monde erkennbar. Schliesslich - nach ueber einer Stunde - wurde meinem Nachbarn doch etwas kalt und er zog sich zurueck.
Abrechnung !
Dass kann nicht sein, dass das Mak so schlecht ist. Ich krame meinen Laser raus und zentriere den Fangspiegel. Blick auf die Praesepe - hellwhatanimage ! - lauter Kuhfladen ! Das Teleskop hatte nun alles was andere nicht haben - Koma, Astigmatismus etc. - ich beschloss eine "fachmaennische" Justage. Mir fiel naemlich auf, dass die drei Schrauben des Sekundaerspiegels voellig unterschiedlich weit rausschauten. Nach Fingergefuehl drehte ich sie gleichweit rein und - voila - die Sterne waren wieder Punkte ! Weiss der Geier warum der Laser mich in die Irre fuehrt. Vielleicht liegts am Zenitspiegel - ohne kann ich nicht, da das Mak mit einem Gewinde abschliesst. Nach einigem Fine-Tuning und Beugungsringgucken schliesslich endlich justiert ! Saturn nun knackescharf, Cassini umlaufend wie das sein soll. Castor deutlich getrennt und beide Sterne als symmetrische Beugungsfiguren sichtbar. Allerdings - sowohl im Fokus als auch beim Durchfokussieren sehe ich etwas, was ich spaeter nach Suiter ("Star test your telescope") als sphaerische Aberration diagnostiziere. Die Bilder aehneln denen im Buch mit einer Abweichung zwischen l/2 und l/4 Wellenfront. Auch eine Aenderung des Abstandes Haupt- zu Fangspiegel (ich zog das Okular hierzu heraus sodass ich per Spiegelfokussierung scharfstellen musste) liess keine Aenderung des Befundes erkennen.
Nun zum Refraktor. Das Bild _jetzt_ im Vergleich zum Maksutov grottenschlecht, immer noch Schmand an einer Seite. Castor getrennt aber Beugungsbilder dreieckig - Objektiv verkippt ! Als ich die Strebe anbaute, musste ich ein Loch in den Tubus bohren und dazu das Objektiv entfernen. Ich fange an, an diesem herumzudrehen, es zu kippen - gottlob ist es justierbar. Nach ein paar Minuten ein knackscharfes Bild und bis halb zwei in der Nacht wetteiferten beide Scopes, welches nun mehr am Jupiter oder Saturn zeigte. Ich glaube es ging unentschieden aus, wenngleich das Bild im Mak komfortablerweise heller war.
Nun, halb zwei und noch zwei Fernrohre abbauen und morgens frueh raus - also leider Schluss fuer heute (schnief - warum solche Naechte nicht am Wochenende ???).
Auf jeden Fall habe ich gelernt:
(i) Wer lange nicht beobachtet, rostet ein. Gilt fuer das Bedienpersonal (das dem Nachbarn was von Jupiter erzaehlte und Saturn einstellte !!!) und fuer die Roehren.
(ii) Justiert Eure Fernrohre !!!