Zurück von La Palm - Begeistert !

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Apollo15

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Der 2-wöchige Trip war nicht als reiner Astrourlaub geplant, sondern
allgemein zum Erholen und Erkunden der Insel zusammen mit meiner Frau.
Die Insel selbst ist wunderschön, hat ein bisschen was von Hawaii und
Kalifornien. Als Übernachtungsmöglichkeit kam nur ein freistehender
Bungalow im (Süd-)Westen der Insel in Frage. Bekanntermassen ist hier
das Wetter am stabilsten. Da ich noch nie auf La Palma war, wurde das
Suchen in Reisekatalogen und das Buchen zu einem kleinen Glücksspiel.

Aber wir haben dann einen Volltreffer gelandet. Da mein Haupt-
beobachtungsort direkt am Bungalow sein sollte, waren die Verhältnisse
dort überaus wichtig.
Auf dem Roque de los Muchachos, dem höchsten Gipfel der Insel, war
ich nur einmal während der Dunkelheit. Mir ging es da nur um den
einmaligen tollen Rundumblick auf die komplette Sternenkuppel.
Die Objekte, die ich beobachten wollte, konnte ich ebenso gut und
viel bequemer vom Übernachtungsort sehen.

Wir fanden also vor:
Großer abgestufter Terassengarten nach Südwest/West, absolut null
Strassenbeleuchtung oder sonstiges Fremdlicht, ein Auto pro Stunde,
ruhig und einsam in Bananenplantage gelegen. Das Ganze pauschal
gebucht inkl. Mietwagen.
Die Gegend liegt noch oberhalb von Llos Lanos und El Paso in Richtung
Tijarafe im Westen, sodaß die Lichtkuppeln der beiden Städte nicht
stören.

Schon der erste Abend förderte meine Glückshormone. Bereits in der
Dämmerung zeigte sich die Brillanz des Himmels ab. Venus hoch am
Westhimmel (Breitengrad 28,5°), die ersten hellen Sterne, der Orion,
die Pleijaden waren schon zu sehen. Dann Begeisterung pur! Wir haben
selten einen solchen Nachthimmel gesehen, ähnlich vielleicht bei einer
USA-Tour durch Nebraska und South Dakota vor 4 Jahren.
Ich wußte garnicht, was ich zuerst tun sollte. Sternfeldaufnahmen
machen, erstmal zwanglos mit dem Nikon 7x50 Glas den Himmel durch-
streifen oder gleich den Skywatcher MAK 90 und das TS 20x80er Glas
auf die Montierung setzen?
Schon verrückt, da hat man 14 Nächte vor sich und will gleich alles
auf einmal tun. Aber es kam doch schon eine ziemliche Euphorie auf.

Um es vorweg zu nehmen, am meisten beobachtet habe ich mit dem
20x80er Fernglas. Einfach, weil ich damit die Objekte am einfachsten
gefunden habe und der Sehgenuss am größten war!
Bei hellen Objekten, wie dem Orionnebel, Andromedagalaxie und auch
noch M81/M82 bietet das MAK 90 mit 50 fach noch etwas mehr Gewinn als
das Großfernglas. Darüberhinaus macht es keinen Sinn mehr, da das Bild
zu dunkel wird. Wenn ich nur EIN Reisegerät wählen dürfte, wäre es
eben das TS Glas 20x80. Für Planeten ist das MAK sehr schön, aber die
kann ich auch zuhause beobachten mit meinem TS 127/1200.
Es herrschte auch selten gutes Seeing, die Planetenscheibchen waberten
nur so vor sich hin. Aber es ging mir ja auch um Deep Sky.
Ich muß gestehen, ich gehöre nicht zu den Astroprofis, die mit
Koordinaten arbeiten, um x Grad nach y zu schwenken. Das ist mir alles
suspekt und ich habe keine Lust dazu. Ich suche die Dinge nach
Büchern und Sternkarten, entweder ich finde was oder nicht.
In diesem Urlaub fand ich überaus reiche Beute. Vor allem Galaxien,
die ich bisher nie, oder nicht so intensiv gesehen habe.
Ab Beginn der völligen Dunkelheit war die Andromeda noch gut 2 Stunden
tief im Westen zu bewundern. Allerdings lag während des ganzen
Aufenthaltes immer eine mehr oder weniger dicke Dunstschicht überm
Meer, sodaß die Objekte, auch die Sonne, NIE direkt im Meer
"versanken", sondern immer darüber im Dunst.

Also, M81/M82 waren eindeutig meine Lieblinge, im Fernglas mit
Helligkeitsunterschied und Strukturen, M51, M106, M101 sehr gut zu
sehen, später in der Nacht die Sombrerogalaxie oberhalb des Raben,
die natürlich nicht in ihrer berühmten Struktur, aber immerhin.
Im Bereich des Löwen, obwohl nicht einfach wegen der Jupiterhelligkeit,
M65, M66, NGC3593 u.a.
Sternhaufen M36/M37/M38 wunderschön. Rosettennebel mit NGC2244 mit
bloßem Auge gesehen. Dann der banale Orionnebel. Noch nie so in seiner
Struktur mit Schwaden und Fetzen gesehen. Genau wie auf Fotos,
aber natürlich nicht farbig.

Ab dem 19.3. dann 5 Planeten in fast einer Reihe. Merkur wegen der
südlicheren Breite gut 1 1/2 Stunden zu sehen, aber ein waberndes
Scheibchen ohne Struktur verliert dann doch seinen Reiz. Trotzdem,
ein seltenes Ereignis und ich habe mich drüber gefreut.

Ab 22.3 die zarte Mondsichel zusammn mit Venus, auch ei netter Anblick.

Insgesamt waren 10 Nächte zu gebrauchen, der Rest entweder
gelegentlicher Wolkendurchzug oder leicht verschmierter Himmel.
Aber es hat sich gelohnt!!!
Nun muß man sich wieder mit dem Durchschnittsspechteln in unseren
Breiten begnügen, schon etwas frustrierend. Aber der nächste
Urlaub kommt bestimmt. Dann schaut mein Chef wieder verdutzt, wenn ich
sage: "Mein nächster Urlaubstermin muß unbedingt in der Neumondphase
liegen..."

Beste Grüße

Gerd


 
Hallo Gerd,

Glückwunsch zum gelungenen Astro-Urlaub! Ich kann deinen gesteigerten Glückshormonspiegel gut nachvollziehen; die dunklen Nächte unter südlichem Himmel haben es in dieser Hinsicht wirklich in sich.
Will dich aber vor der nächsten Nacht in heimischen Gefilden schon mal vorwarnen: Die kann u.U. ganz schön frustig werden! Ich habe seinerzeit vor lauter Frust interessierte Abendspaziergänger beinahe zusammengesch.....
A propos LP: schau doch mal ins Treffpunkt-Forum, da gabs jüngst auch Heimkehrer-Berichte von den Kanaren!
Gruß,

CVn
 
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