Delyon
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Guten Tag!
Da ich den Sommer bei meinen Eltern in Süddeutschland verbringe, habe ich die Gelegenheit genutzt, einmal den 114/900er zu reaktivieren, der sich dort noch befindet und mit dem ich als Jugendlicher die ersten Schritte in die Astronomie unternommen hatte. Damals war das Teleskop fast nur für Mond und Planeten benutzt worden, mit Deep Sky beschäftige ich mich erst seit meinem astronomischen Wiedereinstieg im Frühling mit den beschränkten Mitteln eines kleinen Mak und eines 10x50-Fernglases, da war ich natürlich gespannt, was mir die im Vergleich zum Mak 24mm mehgr Öffnung und vor allem das größere Sichtfeld bescheren. Montiert war der 114/900er früher auf einer extrem grenzwertigen EQ1, also nahm ich für mehr Beobachtungsspaß aus Wien meine neue AZ4 mit, auf der das Teleskop superstabil sitzt und sich weich nachführen lässt, dazu ein paar bessere Okulare.
Zunächst der erste Eindruck vor Beginn der Beobachtung: Es handelt sich um einen alten Vixen R114M aus japanischer Produktion, und zuerst einmal überraschte mich die Justagestabilität - mein Vater hatte das Teleskop fünf Jahre lang gelegentlich zum Mondgucken verwendet, und nach fünf Jahren regelmäßiger Nutzung ohne jemals justiert zu werden zeigte das Teleskop nur eine ganz geringe Dejustage, die ich auch mit meinen zwei linken Händen schnell korrigieren konnte. Der Tubus wurde ein bisschen gereinigt, wirkt aber auch nach der lange Zeit ausgesprochen robust. Ich weiß nicht, ob es bei den neueren chinesischen Newtons wirklich einen im Vergleich so drastischen Abfall der mechanischen Verarbeitungsqualität gegeben hat, aber wenn mein alter Vixen repräsentativ für Newtons sein sollte, scheint es mir doch maßlos übertrieben, dass ein Newton dauernd nachjustiert werden müsse. Nachdem das erledigt war und das Wetter mitspielte, ging es zwei Nächte hintereinander auf eine Waldlichtung bei Seckach, einem Dorf am südöstlichen Rand des Odenwaldes, wo es laut Lichtverschmutzungskarte ordentlich dunkel werden sollte. Nach zweieinhalb Stunden Anreise mit Bus und Bahn konnte es losgehen:
Erste Nacht
Nachdem ich mir einen schönen Platz mit freiem Rundumblick gesucht und alles aufgebaut hatte, war die Venus gerade noch am Horizont sichtbar, also gleich mit dem Teleskop drauf - na ja, ein winziges, hellweißes, wild im Horizontdunst waberndes und tanzendes Kügelchen mit leichter Phase, aber trotzdem schön, sie mal wieder gesehen zu haben. Ein wenig später tauchte auch Saturn am Himmel auf, auch er schon ziemlich tief am Horizont, aber bis einschließlich 90x momentweise noch gut beobachtbar. In den luftruhigen Momenten meine ich, die Cassiniteilung am Rand des Rings angedeutet gesehen zu haben, Struktur auf der Planetenkugel selbst eher nicht, aber momentan gibt es auf dem Saturn ja auch nichts Aufregendes. Am Saturn zeigen der 90mm-Mak und der 114er ein etwa gleich gutes Bild, sofern man das nach einer Beobachtung bei nur mittlerer Vergrößerung sagen kann. Ein älterer Anwohner aus Seckach kam übrigens auch vorbei, ließ sich erklären, was ich da treibe, stellte interessierte Fragen nach der Funktionsweise eines Teleskops und war hin und weg, als ich ihn einlud, einmal einen Blick auf den Saturn zu werfen - es ist immer wieder toll, das Herunterklappen der Kinnlade zu sehen und die begeisterten Ausrufe zu hören, wenn jemand den Saturnring zum ersten mal mit eigenen Augen sieht und sich davon überzeugt, dass es das Ding WIRKLICH gibt und nicht nur in Büchern und Hochglanzbildern.
Nach der kleinen Saturnvorführung legte ich mich eine Weile ins Gras und sah zu, wie sich langsam der Himmel verdunkelte - meine Standortwahl war offensichtlich richtig gewesen! Bald tauchte die Milchstraße hell leuchtend und ordentlich strukturiert auf, fast so schön wie an meinem Lieblingsbeobachtungsplatz im Weinviertel. Als es dunkel genug für Deep Sky war, peilte ich zuerst ein paar mir schon bekannte Objekte an, um sie mit dem Anblick im Mak zu vergleichen. Zuerst der Ringnebel M57. Im 32mm-Okular ein kleines Nebelscheibchen, aber mit indirektem Sehen ist schon bei 28x ein kleines Loch zu erahnen. Im 12mm-Okular einfach eine Pracht: Die Ringform bei direktem Sehen ganz deutlich sichtbar, ich meine sogar leichte Unregelmäßigkeiten am Rand erahnt zu haben. Wunderbar, einfach nur wunderbar.
Weiter zum Herkules, nun bin ich mal gespannt, was die Auflösung von M13 angeht. Im 32mm-Okular ist der Randbereich schon körnig und sendet diese tentakelartigen Lichtstrahlen aus, die ich im Mak erst bei deutlich mehr Vergrößerung sehe. Im 12mm-Oku treten dann schließlich aus diesen Tentakeln etliche Einzelsterne heraus, allerdings wird das Bild schon ein bisschen dunkel, die niedrigere Vergrößerung finde ich ästhetisch schöner. M92 bleibt ein heller Nebelfleck mit etwas unregelmäßigem Randbereich, aber ohne aufgelöste Einzelsterne.
Dann rüber Richtung Großer Wagen und Jagdhunde, um ein paar Galaxien zu sehen. M81/82 finde ich mittlerweile auf Anhieb, bei 28x ein herrlicher Anblick mit beiden Galaxien gleichtzeitig im Blickfeld. Dieser Kontrast der ovalen und der länglichen Form wie in einem Kunstwerk haut mich auch nach mehrmaliger Beobachtung noch um, und dabei zu wissen, dass die beiden nicht nur zufällig nahe beieinander stehen, sondern ich wirklich das Licht eines gravitativ miteinander wechselwirkenden echten Galaxienpaares auf der Netzhaut habe, ist überwältigend. Unglaublich, wenn man sich vorstellt, hier gerade zwei Welteninseln in über 10 Millionen Lichtjahren Entfernung mit eigenen Augen zu sehen und sich vorzustellen, dass diese Nebel das konzentrierte Licht von hunderten Milliarden Sternen mit wohl hunderten Milliarden Planeten darstellt, Abermilliarden konzentrierter kleiner Welten, von denen wir nichts wissen.
Bei M81 ist die Trennung von hellem Galaxienkern und ovalem Halo sehr deutlich, aber M82 finde ich trotzdem schöner. Beide zeigen nicht mehr Details als im Mak, sind aber ein gutes Stück heller und zeichnen sich somit kräftiger vor dem Himmelshintergrund ab.
Auch M94 und M63 in den Jagdhunden finde ich schnell wieder, aber beide sind visuell nicht so aufregend, wenn auch hell und deutlich sichtbar, M94 ganz rund und M63 mit deutlicher Unterscheidung von Halo und Kern. Nun sollte aber auch eine noch nie beobachtete Galaxie drankommen, M51, die ich im Wienerwald schon oft vergeblich mit dem Fernglas gesucht hatte. Nun auf einmal geht es verblüffend leicht, nach zwei, drei Minuten Suche habe ich M51 zum ersten mal im Okular. Donnerwetter, die übertraf deutlich meine Erwartungen! Ich war davon ausgegangen, M51 nur als winziges und kaum wahrnehmbares Fleckchen zu sehen, stattdessen ist die Galaxie unerwartet groß und auch gar nicht so lichtschwach wie gedacht, sondern recht deutlich und klar konturiert sichtbar. Die Spiralarme kann man mit 114mm natürlich nicht trennen,aber M51 und NGC5195 sind als zwei klar voneinander getrennte rundliche Nebel sichtbar, bei beiden sieht man den hellen, fast stellaren Galaxienkern umgeben von einem größeren Halo. Übrigens das am weitesten entfernte Objekt, das ich bisher gesehen habe - laut Karkoschka stolze 30 Millionen Lichtjahre! Zum Abschluss der Galaxientour noch NGC4490 anvisiert - als ganz leichte, kleine Aufhellung wahrnehmbar, aber mehr geht nicht bei dem tiefen Stand der Jagdhunde.
Als nächstes geht es zum Kugelsternhaufen M56 in der Leier, den ich schnell finde und als relativ schwachen Nebelfleck seh - immerhin wieder ein noch nie zuvor gesehenes Deep Sky-Objekt! Mit M15 im Pfeil folgt noch ein schwacher, weit entfernter Kugelsternhaufen, bevor es zum Hantelnebel M27 hochgeht, der doch deutlich mehr hermacht als im Mak: Viel heller und die charakteristische Hantel- oder eher Sanduhrform schon bei 28x sehr deutlich und wunderschön. Bestimmt eines der schönsten Objekte für kleine Teleskope überhaupt.
Inzwischen sind Andromeda und Perseus recht hoch gestiegen - ja, es dauert nicht mehr lange bis zum Herbst. Die Andromedagalaxie ist bereits mit bloßem Auge hell und recht auffallend, bei 28x im Teleskop verschlägt es mir aber die Sprache! Im Mak konnte ich wegen des engen Gesichtsfeldes eigentlich nur den Galaxiekern sehen, und im 10x50-Fernglas war sie unter dunklem Himmel zwar schon sehr schön, aber hier im 114er treten die Begleitgalaxien noch viel deutlicher hervor. Der Galaxiekern ist enorm hell, der schwach leuchtende Halo zieht sich durchs komplette Okular und darüber hinaus, M32 und M110 sind wunderbar deutlich mit im Blickeld, drei Galaxien auf einen Streich. Also wem bei diesem Anblick nicht einen Moment der Atem stockt, der muss wirklich völlig gefühlstot sein. Mindestens 20 Minuten lang führe ich immer wieder nach, um dieses grandiose Dreigalaxien-Ensemble zu bestaunen. Danach versuche ich mich an M33: Leicht gefunden und als große, leicht ovale Aufhellung des Himmelshintergrundes sichtbar, zur Mitte hin ein bisschen an Helligkeit zunehmend, aber mehr gibt M33 wohl auch unter sehr guten Bedingungen wie heute mit 114mm einfach nicht her.
H und Chi leuchtet mittlerweile hell als großer Nebelfleck vom Himmel herunter - noch ein Objekt, das im Mak wegen des kleinen Gesichtsfeldes nicht sinnvoll beobachtbar war und das ich bisher nur im 10x50 Fernglas kenne. Im Teleskop grandios, ein Meer feiner, filigran angeordneter Sternchen, eines der schönsten Objekte, die ich bisher gesehen habe. Dann kommt noch der offene Sternhaufen M52 im Kepheus dran, den ich im 10x50-Fernglas als Nebel zwischen einem Sterntrapez kenne, der im Teleskop aber nun teilweise in Sterne aufgelöst wird - dieses neblige Wölkchen, aus dem eine Menge feinster Sternchen hervorblitzen, erinnert mich an ein Nadelkissen. Dann noch zwei hübsche offene Sternhaufen in der Kassiopeia, NGC 457 und NGC 281.
Zum Abschluss der heutigen Deep Sky-Beobachtung ein Blick auf den offenen Sternhaufen M11 im Schild, der hier schon mit bloßem Auge als Nebelfleckchen sichtbar ist. Im Teleskop großartig, und vor allem: Der Wildentenhaufen sieht ja wirklich wie eine fliegende Ente aus - kurios!
Mittlerweile war die Mondsichel aufgegangen und hoch genug gestiegen, um sinnvoll beobachtet werden zu können, also gönnte ich mir eine halbe Stunde Genussgucken bei 72x und 90x (Mein 6,5mm-Okular hatte ich nicht dabei). Auch hier ist die Leistung des 114ers sehr gut, aber im Mak scheint mir das Bild doch einen Tick schärfer und kontrastreichen. Schließlich gab es in der Morgendämmerung noch zwei Planeten. Jupiter und Mars, die ich zum ersten mal seit Jahren wiedersehe. Viel geht im Horizontdunst natürlich noch nicht, aber Jupiter zeigte sich bei 72x schön mit drei Monden (Habe nicht nachgesehen, welche drei gerade sichtbar waren), den beiden Hauptwolkenbändern und leichten Farbunterschieden in der Polgegend. Toll! Für Frühaufsteher und Spätschlafengeher lohnt es auf jeden Fall, schon einmal einen Blick auf Jupiter zu werfen. Mars ist nur ein winziges rotes Kügelchen ohne erkennbare Details, dauert wohl noch einige Monate, bis er wieder interessant wird.
Begeistert von der Beobachtungsnacht, aber auch ordentlich müde trete ich den Rückweg durch den Wald ins Dorf an und falle nach zweieinhalb Stunden Bahnfahrt ins Bett - aber nur, um nach dem Aufstehen am späten Nachmittag gleich wieder loszufahren, schließlich muss so eine Schönwetterphase genutzt werden!
Zweite Nacht
Die zweite Beobachtungsnacht beginnt mit einer tollen Saturnbeobachtung diesmal auch mit dem 6,5mm-Okular. Bei 143x kriegt man im Horizontdunst nur sekundenweise ein scharfes Bild, aber in diesen Sekunden ist Saturn herrlich mit deutlicher Cassini-Teilung. Danach warte ich die Dunkelheit ab, um meinen Plan umzusetzen, nach schwächeren Galaxien im Drachen zu suchen, aber die Wetterbedingungen machen mir einen Strich durch die Rechnung: Die Luft ist feucht und diesig, die Milchstraße viel matter und schwächer als gestern, alle anvisierten DS-Objekte viel dukler und diffuser als gestern. M51 finde ich schnell wieder, liegt heute aber hart an der Wahrnehmungsgrenze und ist viel schwächer als gestern, NGC5195 nur mit Mühe erahnbar. M101 ist unsichtbar. Ich muss also umdisponieren, aus schwachen Galaxien wird heute nix. Stattdessen geht es an einige weitere offene Sternhaufen - in der Kassiopeia ist M103 sehr schön, auch das Ensemble aus NGC654 und NGC663 ist schnell gefunden. Bei der Suche nach dem "Blauen Schneeball" NGC7662 muss ich allerdings passen, ich finde das Ding mit noch soviel Sucherei und ständigem Nachschlagen im Karkoschka nicht. Vielleicht suche ich aber einfach falsch - ich halte nach einem Nebelchen Ausschau, vielleicht sieht der Schneeball bei niedriger Vergrößerung aber eher stellar aus? Das Teleskop baue ich nach einem eher enttäuschenden Blick auf die Andromedagalaxie wieder aber, die atmosphärischen Bedinungen sind heute einfach zum Vergessen. Stattdessen gibt es noch ein wenig Milchstraßensurfen mit dem 10x50 Fernglas, das macht auch unter schlechten Bedingungen viel Spaß.
Fazit des Beobachtungsmarathons im Odenwald: Ein tolles Teleskop habe ich da noch herumliegen, das bei Deep Sky immerhin eine deutliche Steigerung zum Mak bedeutet. Und wer noch einmal im Brustton der Überzeugung sagt, dass Deep Sky bei acht Zoll anfange, soll mit einem 114/900er geprügelt werden.
CS,
Fabian
Da ich den Sommer bei meinen Eltern in Süddeutschland verbringe, habe ich die Gelegenheit genutzt, einmal den 114/900er zu reaktivieren, der sich dort noch befindet und mit dem ich als Jugendlicher die ersten Schritte in die Astronomie unternommen hatte. Damals war das Teleskop fast nur für Mond und Planeten benutzt worden, mit Deep Sky beschäftige ich mich erst seit meinem astronomischen Wiedereinstieg im Frühling mit den beschränkten Mitteln eines kleinen Mak und eines 10x50-Fernglases, da war ich natürlich gespannt, was mir die im Vergleich zum Mak 24mm mehgr Öffnung und vor allem das größere Sichtfeld bescheren. Montiert war der 114/900er früher auf einer extrem grenzwertigen EQ1, also nahm ich für mehr Beobachtungsspaß aus Wien meine neue AZ4 mit, auf der das Teleskop superstabil sitzt und sich weich nachführen lässt, dazu ein paar bessere Okulare.
Zunächst der erste Eindruck vor Beginn der Beobachtung: Es handelt sich um einen alten Vixen R114M aus japanischer Produktion, und zuerst einmal überraschte mich die Justagestabilität - mein Vater hatte das Teleskop fünf Jahre lang gelegentlich zum Mondgucken verwendet, und nach fünf Jahren regelmäßiger Nutzung ohne jemals justiert zu werden zeigte das Teleskop nur eine ganz geringe Dejustage, die ich auch mit meinen zwei linken Händen schnell korrigieren konnte. Der Tubus wurde ein bisschen gereinigt, wirkt aber auch nach der lange Zeit ausgesprochen robust. Ich weiß nicht, ob es bei den neueren chinesischen Newtons wirklich einen im Vergleich so drastischen Abfall der mechanischen Verarbeitungsqualität gegeben hat, aber wenn mein alter Vixen repräsentativ für Newtons sein sollte, scheint es mir doch maßlos übertrieben, dass ein Newton dauernd nachjustiert werden müsse. Nachdem das erledigt war und das Wetter mitspielte, ging es zwei Nächte hintereinander auf eine Waldlichtung bei Seckach, einem Dorf am südöstlichen Rand des Odenwaldes, wo es laut Lichtverschmutzungskarte ordentlich dunkel werden sollte. Nach zweieinhalb Stunden Anreise mit Bus und Bahn konnte es losgehen:
Erste Nacht
Nachdem ich mir einen schönen Platz mit freiem Rundumblick gesucht und alles aufgebaut hatte, war die Venus gerade noch am Horizont sichtbar, also gleich mit dem Teleskop drauf - na ja, ein winziges, hellweißes, wild im Horizontdunst waberndes und tanzendes Kügelchen mit leichter Phase, aber trotzdem schön, sie mal wieder gesehen zu haben. Ein wenig später tauchte auch Saturn am Himmel auf, auch er schon ziemlich tief am Horizont, aber bis einschließlich 90x momentweise noch gut beobachtbar. In den luftruhigen Momenten meine ich, die Cassiniteilung am Rand des Rings angedeutet gesehen zu haben, Struktur auf der Planetenkugel selbst eher nicht, aber momentan gibt es auf dem Saturn ja auch nichts Aufregendes. Am Saturn zeigen der 90mm-Mak und der 114er ein etwa gleich gutes Bild, sofern man das nach einer Beobachtung bei nur mittlerer Vergrößerung sagen kann. Ein älterer Anwohner aus Seckach kam übrigens auch vorbei, ließ sich erklären, was ich da treibe, stellte interessierte Fragen nach der Funktionsweise eines Teleskops und war hin und weg, als ich ihn einlud, einmal einen Blick auf den Saturn zu werfen - es ist immer wieder toll, das Herunterklappen der Kinnlade zu sehen und die begeisterten Ausrufe zu hören, wenn jemand den Saturnring zum ersten mal mit eigenen Augen sieht und sich davon überzeugt, dass es das Ding WIRKLICH gibt und nicht nur in Büchern und Hochglanzbildern.
Nach der kleinen Saturnvorführung legte ich mich eine Weile ins Gras und sah zu, wie sich langsam der Himmel verdunkelte - meine Standortwahl war offensichtlich richtig gewesen! Bald tauchte die Milchstraße hell leuchtend und ordentlich strukturiert auf, fast so schön wie an meinem Lieblingsbeobachtungsplatz im Weinviertel. Als es dunkel genug für Deep Sky war, peilte ich zuerst ein paar mir schon bekannte Objekte an, um sie mit dem Anblick im Mak zu vergleichen. Zuerst der Ringnebel M57. Im 32mm-Okular ein kleines Nebelscheibchen, aber mit indirektem Sehen ist schon bei 28x ein kleines Loch zu erahnen. Im 12mm-Okular einfach eine Pracht: Die Ringform bei direktem Sehen ganz deutlich sichtbar, ich meine sogar leichte Unregelmäßigkeiten am Rand erahnt zu haben. Wunderbar, einfach nur wunderbar.
Weiter zum Herkules, nun bin ich mal gespannt, was die Auflösung von M13 angeht. Im 32mm-Okular ist der Randbereich schon körnig und sendet diese tentakelartigen Lichtstrahlen aus, die ich im Mak erst bei deutlich mehr Vergrößerung sehe. Im 12mm-Oku treten dann schließlich aus diesen Tentakeln etliche Einzelsterne heraus, allerdings wird das Bild schon ein bisschen dunkel, die niedrigere Vergrößerung finde ich ästhetisch schöner. M92 bleibt ein heller Nebelfleck mit etwas unregelmäßigem Randbereich, aber ohne aufgelöste Einzelsterne.
Dann rüber Richtung Großer Wagen und Jagdhunde, um ein paar Galaxien zu sehen. M81/82 finde ich mittlerweile auf Anhieb, bei 28x ein herrlicher Anblick mit beiden Galaxien gleichtzeitig im Blickfeld. Dieser Kontrast der ovalen und der länglichen Form wie in einem Kunstwerk haut mich auch nach mehrmaliger Beobachtung noch um, und dabei zu wissen, dass die beiden nicht nur zufällig nahe beieinander stehen, sondern ich wirklich das Licht eines gravitativ miteinander wechselwirkenden echten Galaxienpaares auf der Netzhaut habe, ist überwältigend. Unglaublich, wenn man sich vorstellt, hier gerade zwei Welteninseln in über 10 Millionen Lichtjahren Entfernung mit eigenen Augen zu sehen und sich vorzustellen, dass diese Nebel das konzentrierte Licht von hunderten Milliarden Sternen mit wohl hunderten Milliarden Planeten darstellt, Abermilliarden konzentrierter kleiner Welten, von denen wir nichts wissen.
Bei M81 ist die Trennung von hellem Galaxienkern und ovalem Halo sehr deutlich, aber M82 finde ich trotzdem schöner. Beide zeigen nicht mehr Details als im Mak, sind aber ein gutes Stück heller und zeichnen sich somit kräftiger vor dem Himmelshintergrund ab.
Auch M94 und M63 in den Jagdhunden finde ich schnell wieder, aber beide sind visuell nicht so aufregend, wenn auch hell und deutlich sichtbar, M94 ganz rund und M63 mit deutlicher Unterscheidung von Halo und Kern. Nun sollte aber auch eine noch nie beobachtete Galaxie drankommen, M51, die ich im Wienerwald schon oft vergeblich mit dem Fernglas gesucht hatte. Nun auf einmal geht es verblüffend leicht, nach zwei, drei Minuten Suche habe ich M51 zum ersten mal im Okular. Donnerwetter, die übertraf deutlich meine Erwartungen! Ich war davon ausgegangen, M51 nur als winziges und kaum wahrnehmbares Fleckchen zu sehen, stattdessen ist die Galaxie unerwartet groß und auch gar nicht so lichtschwach wie gedacht, sondern recht deutlich und klar konturiert sichtbar. Die Spiralarme kann man mit 114mm natürlich nicht trennen,aber M51 und NGC5195 sind als zwei klar voneinander getrennte rundliche Nebel sichtbar, bei beiden sieht man den hellen, fast stellaren Galaxienkern umgeben von einem größeren Halo. Übrigens das am weitesten entfernte Objekt, das ich bisher gesehen habe - laut Karkoschka stolze 30 Millionen Lichtjahre! Zum Abschluss der Galaxientour noch NGC4490 anvisiert - als ganz leichte, kleine Aufhellung wahrnehmbar, aber mehr geht nicht bei dem tiefen Stand der Jagdhunde.
Als nächstes geht es zum Kugelsternhaufen M56 in der Leier, den ich schnell finde und als relativ schwachen Nebelfleck seh - immerhin wieder ein noch nie zuvor gesehenes Deep Sky-Objekt! Mit M15 im Pfeil folgt noch ein schwacher, weit entfernter Kugelsternhaufen, bevor es zum Hantelnebel M27 hochgeht, der doch deutlich mehr hermacht als im Mak: Viel heller und die charakteristische Hantel- oder eher Sanduhrform schon bei 28x sehr deutlich und wunderschön. Bestimmt eines der schönsten Objekte für kleine Teleskope überhaupt.
Inzwischen sind Andromeda und Perseus recht hoch gestiegen - ja, es dauert nicht mehr lange bis zum Herbst. Die Andromedagalaxie ist bereits mit bloßem Auge hell und recht auffallend, bei 28x im Teleskop verschlägt es mir aber die Sprache! Im Mak konnte ich wegen des engen Gesichtsfeldes eigentlich nur den Galaxiekern sehen, und im 10x50-Fernglas war sie unter dunklem Himmel zwar schon sehr schön, aber hier im 114er treten die Begleitgalaxien noch viel deutlicher hervor. Der Galaxiekern ist enorm hell, der schwach leuchtende Halo zieht sich durchs komplette Okular und darüber hinaus, M32 und M110 sind wunderbar deutlich mit im Blickeld, drei Galaxien auf einen Streich. Also wem bei diesem Anblick nicht einen Moment der Atem stockt, der muss wirklich völlig gefühlstot sein. Mindestens 20 Minuten lang führe ich immer wieder nach, um dieses grandiose Dreigalaxien-Ensemble zu bestaunen. Danach versuche ich mich an M33: Leicht gefunden und als große, leicht ovale Aufhellung des Himmelshintergrundes sichtbar, zur Mitte hin ein bisschen an Helligkeit zunehmend, aber mehr gibt M33 wohl auch unter sehr guten Bedingungen wie heute mit 114mm einfach nicht her.
H und Chi leuchtet mittlerweile hell als großer Nebelfleck vom Himmel herunter - noch ein Objekt, das im Mak wegen des kleinen Gesichtsfeldes nicht sinnvoll beobachtbar war und das ich bisher nur im 10x50 Fernglas kenne. Im Teleskop grandios, ein Meer feiner, filigran angeordneter Sternchen, eines der schönsten Objekte, die ich bisher gesehen habe. Dann kommt noch der offene Sternhaufen M52 im Kepheus dran, den ich im 10x50-Fernglas als Nebel zwischen einem Sterntrapez kenne, der im Teleskop aber nun teilweise in Sterne aufgelöst wird - dieses neblige Wölkchen, aus dem eine Menge feinster Sternchen hervorblitzen, erinnert mich an ein Nadelkissen. Dann noch zwei hübsche offene Sternhaufen in der Kassiopeia, NGC 457 und NGC 281.
Zum Abschluss der heutigen Deep Sky-Beobachtung ein Blick auf den offenen Sternhaufen M11 im Schild, der hier schon mit bloßem Auge als Nebelfleckchen sichtbar ist. Im Teleskop großartig, und vor allem: Der Wildentenhaufen sieht ja wirklich wie eine fliegende Ente aus - kurios!
Mittlerweile war die Mondsichel aufgegangen und hoch genug gestiegen, um sinnvoll beobachtet werden zu können, also gönnte ich mir eine halbe Stunde Genussgucken bei 72x und 90x (Mein 6,5mm-Okular hatte ich nicht dabei). Auch hier ist die Leistung des 114ers sehr gut, aber im Mak scheint mir das Bild doch einen Tick schärfer und kontrastreichen. Schließlich gab es in der Morgendämmerung noch zwei Planeten. Jupiter und Mars, die ich zum ersten mal seit Jahren wiedersehe. Viel geht im Horizontdunst natürlich noch nicht, aber Jupiter zeigte sich bei 72x schön mit drei Monden (Habe nicht nachgesehen, welche drei gerade sichtbar waren), den beiden Hauptwolkenbändern und leichten Farbunterschieden in der Polgegend. Toll! Für Frühaufsteher und Spätschlafengeher lohnt es auf jeden Fall, schon einmal einen Blick auf Jupiter zu werfen. Mars ist nur ein winziges rotes Kügelchen ohne erkennbare Details, dauert wohl noch einige Monate, bis er wieder interessant wird.
Begeistert von der Beobachtungsnacht, aber auch ordentlich müde trete ich den Rückweg durch den Wald ins Dorf an und falle nach zweieinhalb Stunden Bahnfahrt ins Bett - aber nur, um nach dem Aufstehen am späten Nachmittag gleich wieder loszufahren, schließlich muss so eine Schönwetterphase genutzt werden!
Zweite Nacht
Die zweite Beobachtungsnacht beginnt mit einer tollen Saturnbeobachtung diesmal auch mit dem 6,5mm-Okular. Bei 143x kriegt man im Horizontdunst nur sekundenweise ein scharfes Bild, aber in diesen Sekunden ist Saturn herrlich mit deutlicher Cassini-Teilung. Danach warte ich die Dunkelheit ab, um meinen Plan umzusetzen, nach schwächeren Galaxien im Drachen zu suchen, aber die Wetterbedingungen machen mir einen Strich durch die Rechnung: Die Luft ist feucht und diesig, die Milchstraße viel matter und schwächer als gestern, alle anvisierten DS-Objekte viel dukler und diffuser als gestern. M51 finde ich schnell wieder, liegt heute aber hart an der Wahrnehmungsgrenze und ist viel schwächer als gestern, NGC5195 nur mit Mühe erahnbar. M101 ist unsichtbar. Ich muss also umdisponieren, aus schwachen Galaxien wird heute nix. Stattdessen geht es an einige weitere offene Sternhaufen - in der Kassiopeia ist M103 sehr schön, auch das Ensemble aus NGC654 und NGC663 ist schnell gefunden. Bei der Suche nach dem "Blauen Schneeball" NGC7662 muss ich allerdings passen, ich finde das Ding mit noch soviel Sucherei und ständigem Nachschlagen im Karkoschka nicht. Vielleicht suche ich aber einfach falsch - ich halte nach einem Nebelchen Ausschau, vielleicht sieht der Schneeball bei niedriger Vergrößerung aber eher stellar aus? Das Teleskop baue ich nach einem eher enttäuschenden Blick auf die Andromedagalaxie wieder aber, die atmosphärischen Bedinungen sind heute einfach zum Vergessen. Stattdessen gibt es noch ein wenig Milchstraßensurfen mit dem 10x50 Fernglas, das macht auch unter schlechten Bedingungen viel Spaß.
Fazit des Beobachtungsmarathons im Odenwald: Ein tolles Teleskop habe ich da noch herumliegen, das bei Deep Sky immerhin eine deutliche Steigerung zum Mak bedeutet. Und wer noch einmal im Brustton der Überzeugung sagt, dass Deep Sky bei acht Zoll anfange, soll mit einem 114/900er geprügelt werden.
CS,
Fabian
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