Wellmann
Aktives Mitglied
Link zur Grafik: http://www.gym-vaterstetten.de/faecher/astro/galerie/Bilder/Hyginus2.jpg
Bild 14 der "grünen :super: Serie. Entstanden am 13.04.08 mit Meade 12" und DMK 41. Eine Aufnahme, an der es (fast) nichts zu meckern gibt, weil sie bei relativ gutem Seeing entstand! Das Bild wurde etwas verkleinert, damit der Text noch ohne viel Scrollen zu lesen ist.
Die „grüne :super: Serie“ hat ihren Zweck erfüllt, und ich möchte die letzten Bilder nutzen, um einige Anmerkungen zu ihrer Entstehung zu machen, die ausschließlich für Betrachter interessant sind, die selbst noch keine hoch auflösenden Mondbilder gemacht haben, für Profis ist das Lesen Zeitverschwendung.
Teil 1: Montierung und Optik:
Die Montierung: An die Montierung werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Sie sollte grob polar ausgerichtet sein, und darf bei der Nachführung (und möglichst auch bei der Korrektur) keine Schwingungen produzieren. Das überprüft man am einfachsten durch die Betrachtung eines Sterns bei extrem hoher Vergrößerung und absolut ruhiger Luft. Zum Gegencheck schaltet man die Nachführung aus, bewegt sich der Stern dann völlig ruhig und geradlinig aus dem Bildfeld, so war ein eventuell zuvor vorhandenes Zittern durch die Montierung verursacht, und nicht durch mangelhaftes Seeing. Eine Handsteuerbox für die Feinbewegung und zur Betätigung eines Elektrofokussierers wäre sehr hilfreich.
Die Optik: Hochauflösende Fotografie ist (perfekte Optik und Kamera vorausgesetzt) eine reine Öffnungsfrage. Sage mir, welche Öffnung dein Teleskop hat, und ich sage dir, welche Auflösung du erreichst. Entscheidend für die maximale Auflösung ist auch bei flächenhaften Bildern der Durchmesser des zentralen Beugungsscheibchens (Airy-Disk), weil sich auch ein flächenhaftes Bild aus einzelnen, sich überlagernden Bildpunkten aufbaut. Mäßig obstruierte Spiegel sind bei hoher Auflösung gegenüber Refraktoren eher im Vorteil, weil sie deutlich kleinere Airy-Disks produzieren können, und damit höhere Auflösung liefern. Sie haben zwar mehr Licht in den Beugungsringen, und daher einen geringeren Kontrast als ein Refraktor (also einen schlechteren visuellen Schärfeeindruck), aber das lässt sich fotografisch sehr leicht bei der Bildbearbeitung ausgleichen. Aus diesem Grund haben übrigens obstruierte Systeme auch bei der Trennung von Doppelsternen die Nase vorne.
Der schlechtere Ruf der Spiegel gründet sich im Wesentlichen darauf, dass apochromatische Refraktoren großer Öffnung extrem teuer sind, und daher prinzipiell eine hohe Qualität aufweisen (wer lässt sich schon für etliche tausend oder gar etliche zehntausend Euro ein Gurke anhängen), Spiegel hingegen fast alle aus mehr oder weniger billiger Massenproduktion stammen, und auch in entsprechend reduzierter Durchschnittsqualität auf den Markt kommen. Es gibt zwar einzelne Geräte mit (zu Recht) gutem Ruf, wie z.B. das Celestron C9,25 mit seiner legendären Qualität, aber es bleibt dem Amateur leider nicht erspart, jede Spiegeloptik (auch mit einem 98% Strehl Protokoll, Papier ist geduldig) selbst auf die Tauglichkeit für hoch auflösende Fotografie zu testen.
Da der Test am Himmel wegen der üblichen durchschnittlichen Seeing-Bedingungen nicht möglich ist, bleibt nur die terrestrische Variante. Man betrachtet mit dem bestens kollimieren(!) Teleskop bei ganz ruhiger Luft (notfalls auch am Tag) ein mindestens 100m entferntes, extrem feingliedriges Objekt (z.B. kleine Kratzer auf dem Blech einer Dacheindeckung, feinste Risse im Putz eines Kamins, besser aber nachts feinste Strukturen wie die Flügel oder Beine von Insekten, die an den Gläsern vieler Straßenlaternen hängen) mit einem guten Okular. Sind diese Strukturen gefühlsmäßig gut scharf bis zu einer Vergrößerung
• Einfacher Objektivdurchmesser in mm, so hat die Optik schwere Mängel und ist nicht beugunsbegrenzt (Strehl unter 80%), für hoch auflösende Fotografie unbrauchbar
• Doppelter Objektivdurchmesser in mm, so ist die Optik nicht ganz mängelfrei aber beugunsbegrenzt (Strehl über 80%), für hoch auflösende Fotografie brauchbar
• Dreifacher Objektivdurchmesser in mm, so hat die Optik außer geringfügiger Rauhigkeit etc. keinerlei Mängel (Strehl über 95%), für hoch auflösende Fotografie ideal nutzbar.
Es mag etwas verwundern, dass ich die letzte Kategorie, die oft nur für Refraktoren reklamiert wird, auch auf Spiegel anwende, aber wie oben dargestellt liefern perfekte Spiegel fotografisch theoretisch mindestens so scharfe Bilder wie Refraktoren, und meine Tests an Dutzenden von Teleskopen haben dieses Vorgehen bestätigt. So liefert die von mir im Moment verwendete 30cm SC Optik bis weit in den Bereich der „leeren“ Vergrößerung hinein bei 850fach an meinem terrestrischen Standard-Objekt absolut untadelige Bilder, und das, obwohl die Optik im sehr ausführlichen interferometrischen Test durchaus noch erhebliche Rauhigkeit und geringe andere Fehler zeigt. Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass man solche Vergrößerungen nicht am Himmel prüfen kann, weil die Luft dazu in unseren Regionen (fast) nie ruhig genug wird! Auch zeigt meine Erfahrung (leider), dass nur ein geringerer Teil der Produkte aus der Massenfertigung die dritte Stufe der obigen Skala erreichet. Erfüllt die Optik nur die erste Stufe, so würde ich sie umgehend dem Händler zurückgeben!
Nächstes Thema: Anpassung der Kamera an die Optik, maximal erreichbare Auflösung.
1. Hadley-Rille - Apollo 15 im Anflug.....
2. Alpental - sogar mit Rille.....
3. Clavius - der Klassiker.....
4. Apenninen - ein ganz böses Bild.....
5. Aristoteles/Eudoxus - zwei sonnige Gesellen.....
6. Archimedes - drei zwielichtige Gestalten im Morgengrauen.....
7. Messier - Kaffeebohne mit Kometenschweif.....
8. Petavius - leider nur 5/10.....
9. Janssen - Lunar Orbiter kann einpacken.....
10. Deslandres – Vergleich mit Lunar Orbiter…..
11. Mare Frigoris - weichgespült.....
12. Terminator – interessant ist, was man nicht sieht.....
13. Terminator 2 – mal ohne Schwarzenegger...
Gruß, Peter
Bild 14 der "grünen :super: Serie. Entstanden am 13.04.08 mit Meade 12" und DMK 41. Eine Aufnahme, an der es (fast) nichts zu meckern gibt, weil sie bei relativ gutem Seeing entstand! Das Bild wurde etwas verkleinert, damit der Text noch ohne viel Scrollen zu lesen ist.
Die „grüne :super: Serie“ hat ihren Zweck erfüllt, und ich möchte die letzten Bilder nutzen, um einige Anmerkungen zu ihrer Entstehung zu machen, die ausschließlich für Betrachter interessant sind, die selbst noch keine hoch auflösenden Mondbilder gemacht haben, für Profis ist das Lesen Zeitverschwendung.
Teil 1: Montierung und Optik:
Die Montierung: An die Montierung werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Sie sollte grob polar ausgerichtet sein, und darf bei der Nachführung (und möglichst auch bei der Korrektur) keine Schwingungen produzieren. Das überprüft man am einfachsten durch die Betrachtung eines Sterns bei extrem hoher Vergrößerung und absolut ruhiger Luft. Zum Gegencheck schaltet man die Nachführung aus, bewegt sich der Stern dann völlig ruhig und geradlinig aus dem Bildfeld, so war ein eventuell zuvor vorhandenes Zittern durch die Montierung verursacht, und nicht durch mangelhaftes Seeing. Eine Handsteuerbox für die Feinbewegung und zur Betätigung eines Elektrofokussierers wäre sehr hilfreich.
Die Optik: Hochauflösende Fotografie ist (perfekte Optik und Kamera vorausgesetzt) eine reine Öffnungsfrage. Sage mir, welche Öffnung dein Teleskop hat, und ich sage dir, welche Auflösung du erreichst. Entscheidend für die maximale Auflösung ist auch bei flächenhaften Bildern der Durchmesser des zentralen Beugungsscheibchens (Airy-Disk), weil sich auch ein flächenhaftes Bild aus einzelnen, sich überlagernden Bildpunkten aufbaut. Mäßig obstruierte Spiegel sind bei hoher Auflösung gegenüber Refraktoren eher im Vorteil, weil sie deutlich kleinere Airy-Disks produzieren können, und damit höhere Auflösung liefern. Sie haben zwar mehr Licht in den Beugungsringen, und daher einen geringeren Kontrast als ein Refraktor (also einen schlechteren visuellen Schärfeeindruck), aber das lässt sich fotografisch sehr leicht bei der Bildbearbeitung ausgleichen. Aus diesem Grund haben übrigens obstruierte Systeme auch bei der Trennung von Doppelsternen die Nase vorne.
Der schlechtere Ruf der Spiegel gründet sich im Wesentlichen darauf, dass apochromatische Refraktoren großer Öffnung extrem teuer sind, und daher prinzipiell eine hohe Qualität aufweisen (wer lässt sich schon für etliche tausend oder gar etliche zehntausend Euro ein Gurke anhängen), Spiegel hingegen fast alle aus mehr oder weniger billiger Massenproduktion stammen, und auch in entsprechend reduzierter Durchschnittsqualität auf den Markt kommen. Es gibt zwar einzelne Geräte mit (zu Recht) gutem Ruf, wie z.B. das Celestron C9,25 mit seiner legendären Qualität, aber es bleibt dem Amateur leider nicht erspart, jede Spiegeloptik (auch mit einem 98% Strehl Protokoll, Papier ist geduldig) selbst auf die Tauglichkeit für hoch auflösende Fotografie zu testen.
Da der Test am Himmel wegen der üblichen durchschnittlichen Seeing-Bedingungen nicht möglich ist, bleibt nur die terrestrische Variante. Man betrachtet mit dem bestens kollimieren(!) Teleskop bei ganz ruhiger Luft (notfalls auch am Tag) ein mindestens 100m entferntes, extrem feingliedriges Objekt (z.B. kleine Kratzer auf dem Blech einer Dacheindeckung, feinste Risse im Putz eines Kamins, besser aber nachts feinste Strukturen wie die Flügel oder Beine von Insekten, die an den Gläsern vieler Straßenlaternen hängen) mit einem guten Okular. Sind diese Strukturen gefühlsmäßig gut scharf bis zu einer Vergrößerung
• Einfacher Objektivdurchmesser in mm, so hat die Optik schwere Mängel und ist nicht beugunsbegrenzt (Strehl unter 80%), für hoch auflösende Fotografie unbrauchbar
• Doppelter Objektivdurchmesser in mm, so ist die Optik nicht ganz mängelfrei aber beugunsbegrenzt (Strehl über 80%), für hoch auflösende Fotografie brauchbar
• Dreifacher Objektivdurchmesser in mm, so hat die Optik außer geringfügiger Rauhigkeit etc. keinerlei Mängel (Strehl über 95%), für hoch auflösende Fotografie ideal nutzbar.
Es mag etwas verwundern, dass ich die letzte Kategorie, die oft nur für Refraktoren reklamiert wird, auch auf Spiegel anwende, aber wie oben dargestellt liefern perfekte Spiegel fotografisch theoretisch mindestens so scharfe Bilder wie Refraktoren, und meine Tests an Dutzenden von Teleskopen haben dieses Vorgehen bestätigt. So liefert die von mir im Moment verwendete 30cm SC Optik bis weit in den Bereich der „leeren“ Vergrößerung hinein bei 850fach an meinem terrestrischen Standard-Objekt absolut untadelige Bilder, und das, obwohl die Optik im sehr ausführlichen interferometrischen Test durchaus noch erhebliche Rauhigkeit und geringe andere Fehler zeigt. Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass man solche Vergrößerungen nicht am Himmel prüfen kann, weil die Luft dazu in unseren Regionen (fast) nie ruhig genug wird! Auch zeigt meine Erfahrung (leider), dass nur ein geringerer Teil der Produkte aus der Massenfertigung die dritte Stufe der obigen Skala erreichet. Erfüllt die Optik nur die erste Stufe, so würde ich sie umgehend dem Händler zurückgeben!
Nächstes Thema: Anpassung der Kamera an die Optik, maximal erreichbare Auflösung.
1. Hadley-Rille - Apollo 15 im Anflug.....
2. Alpental - sogar mit Rille.....
3. Clavius - der Klassiker.....
4. Apenninen - ein ganz böses Bild.....
5. Aristoteles/Eudoxus - zwei sonnige Gesellen.....
6. Archimedes - drei zwielichtige Gestalten im Morgengrauen.....
7. Messier - Kaffeebohne mit Kometenschweif.....
8. Petavius - leider nur 5/10.....
9. Janssen - Lunar Orbiter kann einpacken.....
10. Deslandres – Vergleich mit Lunar Orbiter…..
11. Mare Frigoris - weichgespült.....
12. Terminator – interessant ist, was man nicht sieht.....
13. Terminator 2 – mal ohne Schwarzenegger...
Gruß, Peter