Ab ins Feld - Beobachtungsnacht, 22.10.2018 - BaWü

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Steffen_Huxel

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So,

da der Balkon nicht mehr all zu viel hergibt bzw. quasi immer das Gleiche, bauen wir heute mal das Equipment ab, stecken alles ins Auto und ab ins grüne Dunkel. Den Tubus schön in die Transportkiste. Der Okularkoffer und die Powerbank passen super in eine Sporttasche, in der noch ein Frostschutz-Ouzo passt, nebst eine Kartusche Pfefferspray falls doch mal eine Rotte Wildschweine kommt.

Raus auf den Feldweg, das Teleskop aufgebaut und das Warndreieck für alle Fälle aufgestellt. Liest man doch ständig von Hobbyastronomen, die bei der Ausübung ihres Hobbies überfahren werden.

Alignment durchgeführt - es kann losgehen.

Denkste - kommen schon die ersten Spazier- und Gassigänger, hochinteressiert was ich da treibe. Also, lassen wir die Leute mal durchschauen. Mond und Saturn sind da ja dankbare Objekte, die jeder kennt. Mars und ich werden keine Freunde mehr. Vielleicht ist auch mein Equipment, zumindest okularseitig zu schlecht, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Meist fange ich erstmal mit einer kleinen Vergrößerung an (40mm) um erst mal grob das gewünschte Objekt zu finden. Vom heimischen Balkon aus sehe ich z.B. weder die Andromeda-Galaxie, noch H & Chi Persei oder M45, die Plejaden. Und eben vorher genanntes stand heute auf meiner Jagdliste.

Ich bin, nach meiner persönlichen Erstentdeckung von M11 ein bekennender Sternhaufen-Fetischist. Mit NGC 869 + 884 wird mir da schon ein Festmahl bereitet. Die beiden habe ich dann fast 45 Minuten lang mit meinem 40 mm Okular beobachtet und habe zwischendrin auf 25mm gewechselt um mal etwas näher ranzukommen.

Irgendwann sieht man sich auch an den schönsten Dingen satt. Dann mal ab zum Sternenkindergarten. Mit ca. 125 Millionen Jahren steckt das Siebengestirn ja sozusagen noch in den Kinderschuhen. Zwar sind die Plejaden ein offener Sternhaufen, aber durch die Größe der einzelnen Sterne und ihre Helligkeit unheimlich schön zu betrachten.

Da mir Andromeda bisher verwehrt geblieben ist, muss ich sie unbedingt sehen. Also mit dem Teleskop angefahren.
Leere. Bisschen noch oben, bisschen nach links und zack...... hmmm.... ein gemischtes Gefühl stellt sich ein. Sieht sie doch auf den ganzen Astrofotografien so imposant aus, so banal wirkt sie auf den ersten Blick im Teleskop. Fast ein bisschen wie ein Kugelsternhaufen. Bei näherer Betrachtung und vor allen Dingen mit etwas mehr Zeit, zeigt sie dann doch ihre Schönheit.

Was mich an solchen Objekten immer fasziniert ist die schiere Größe und Entfernung. Da fühlt man sich nichtig und klein. 2,5 Millionen Lichtjahre ist das Ding wohl ungefähr entfernt. Und wenn man durch das Sternengewirr unserer Galaxie geblickt hat, befindet sich zwischen "hier" und "da" einfach mal 2,5 Millionen Lichtjahre einfach NIX. Und Irgendwann werden wir mit Andromeda kollidieren.
Aber da das erst in ca. 2 Milliarden Jahren geschieht und ich bis dato nicht mal mehr atomar vorhanden bin, ist mir das eigentlich ziemlich Wurst.

Und während ich so mein Actionkino im Kopf ausmale, wie so eine Kollision wohl von statten geht und die letzten Reste des kleinen Ouzos zu mir nehme, stelle ich fest, dass es doch schon empfindlich kalt geworden ist. Und irgendwie wird die Sicht auch schlechter.

Brille geputzt - immer noch schlecht.
Okular geputzt - genau so schlecht.
Teleskop begutachtet - ... ach verdammt... Schmidtplatte beschlagen und noch keine Taukappe....

Sei's drum, mir ist eh kalt, also, schnell das Equipment abbauen und heim ins Bett. Nach gut 3 Stunden im Freien reicht es dann auch.
Schnell noch eine Whatsapp daheim absetzen damit mich meine Gute abholt, don't drink and drive, dann mit schönen Eindrücken ins Bett.

Irgendwie, so tagsüber im Licht und ohne Sterne - gar nicht mehr so meine Welt. Wie eine Sucht. Immer mehr sehen zu wollen, auf der Jagd nach neuen Abenteuern und Informationen in und um das Weltall.
 
Danke, danke. Ich unternehme sozusagen meine ersten astronomischen Gehversuche und versuche das dann zu teilen.
Bisweilen bin ich noch kein Experte auf dem Gebiet. :-)
Klare Nächte & gute Sicht.
 
Moin Steffen,
gut daß Du den Grund für die schlechter werdende Sicht noch gefunden hast. Ich hätte sonst glatt auf die Ouzos als Ursache gewettet. :giggle:
So ist es ein schöner, auch für Jugendliche geeigneter, Beitrag geworden.

"Klare" Grüße aus dem Norden.

Wolfgang
 
Hallo Wolfgang, waren ja nur 4 cl, keine ganze Gastro-Flasche.
Ich hör auch nebenbei gerne Musik, irgendwas, spaciges, was das visuelle Erlebnis noch musikalisch unterstreicht. Würde mich eh interessieren, wie die Astrokollegen sich das Spechteln sonst noch so verschönern. Rauchen fällt für mich als Gelegenheitsraucher aus. Will keine Asche am Equipment. Aber ein kleines Schlückchen, gute Musik und vlt ein paar Schokokekse und Tee.... :-)
 
Ja Steffen,
Kekse und Getränke ( im Winter heiß aus der Thermosflasche) gehören unbedingt dazu. Musik muß nicht sein, da man sonst die Geräusche der Nacht nicht hört. Auch eine Sitzgelegenheit ist wichtig, da man nicht die ganze Zeit lang stehen kann. Außerdem ist das Beobachten ( das Wort "Spechteln" hat in einigen Regionen unseres Landes eine ganz andere Bedeutung) im Sitzen viel entspannter.

Mehr braucht es nicht.
Wolfgang.
 
Hallo Steffen_Huxel,
lebendiger und launiger Bericht, kurzweilig zu lesen. Die Lektüre hat Spaß gemacht, nicht zuletzt, weil man ein Stück weit eigenes Erleben darin wiederfinden konnte. Allerdings muss ich auch klar Stellung gegen den Alkoholgenuss beim "Spechteln" beziehen (übrigens: welche Bedeutung hat das Wort denn sonst außer visuell astronomisch zu beobachten ?); denn das bewußte teleskopische Sehen unter aktiver Nutzung der Stäbchen auf der Netzhaut (indirektes Sehen) ist mit Alkohol überhaupt nicht kompatibel, abgesehen von den sonstigen Gefahren, die ich wohl nicht weiter ausführen muss. Dagegen sind heißer Tee oder Kakao und z. B. Kekse, Müsli- oder Schokoriegel als Snack um so mehr willkommen. Wenn man dann noch der Stille der Natur lauscht und diese genießt, ist das Glück des "auswärts tätigen" beobachtenden Amateurs perfekt:).

Viele Grüße
Stefan
 
Hallo Steffen,
sehr schöner, unterhaltsamer Bericht, der ganz genau auch meine Liebe zu den Sternen ausdrückt!
Man taucht doch immer wieder sehnsüchtig in eine wunderbare, fremde und geheimnisvolle Welt ein!
Viele Grüße
Michael
 
Hi Leute, hallo Wolfgang,

vom Prinzip her hab ich einfach vom Klang des Wortes her ein unangenehmes Gefühl. Das weckt Assoziationen wo es mich einfach schüttelt. Was das Wort selbst bedeuten soll, habe ich erst später mal gelesen, was mich aber in meinen Assoziationen bestätigt hat.
Klartext: es heißt wohl so viel wie Rumspannern und schon bevor ich wusste, dass dies die Ursprungs-Bedeutung sein soll, hatte ich schon Assoziationen und Bilder im Kopf von sabbernden Deppen mit Flaschenglasbrillen und debil-grinsenden Visagen beim Aufwasauchimmergucken.

Und daher wehre ich mich persönlich immer gegen diesen Begriff, der ersten Sch... klingt - und dann noch treffenderweise genau die Bedeutung hat, die man bei dem Klang befürchten muss. Und ich finde es SCHRECKLICH, dass dieses Unwort mittlerweile so um sich gegriffen hat, dass selbst in Zeitschriften in Einsteigerartikeln/-Seiten dies mit jeder Selbstverständlichkeit verwendet wird. Das beste Beispiel was mir gerade im Kopf hängt ist der Werbeclip com Interstellarum DeepSkyGuide, wo zwei Damen herumhüpfen und sich aufs "Spechteln" freuen. Und das ganze verfasst/ zugelassen von den hochkarätigsten Beobachtern, den Autoren selbst. Pfui!:sick::poop: Sorry Uwe und Ronald, da habt ihr echt unfreiwillig ´ne Parodie verfasst.

Es gibt nur wenige Leute, denen ich dieses Wort "durchgehen lasse", weil ich jene zu meinen Freunden/ Kumpels zähle. Normalerweise kassiert aber jeder, der diesen Begrif verwendet von mir ungesehen eine hochgezogene Augenbraue und verzogenen Mundwinkel.

Soviel Text, sorry - aber ihr habt es so gewollt ;-)

Steffen, das soll nicht von ablenken - schöner Bericht mit den ganzen Umständen der Nacht, hat Spaß gemacht zu lesen! Cool, dass Dich Deine Frau nachm Beobachten abholt, hab ich so noch nie gehört :-)))

Beste Grüße und CS
Norman
 
Hallo noch mal ,
ob man die visuelle Beobachtung der uns allen bekannten "Schönheiten" des Nachthimmels, in der sich die Begeisterung für unser gemeinsames Hobby widerspiegelt, spechteln oder sonst wie nennt ist natürlich egal. Die Freude und damit verbunden auch das Gefühl, ein Stück weit die Sorgen und Nöte des Alltags hinter sich lassen zu können wenn man mal wieder staunend und mit einer gewissen Ehrfurcht unter dem Sternenzelt steht, ist allein entscheidend, unabhängig von irgendwelchen "schrägen" Wortinterpretationen. In diesem Sinne

Viele schöne und erholsame Stunden unter dem Sternenzelt wünscht
Stefan
 
Ich vermute, dass das wohl was mit Voyeurismus zu tun hat. *schulterzuck*. Was meinen Alkoholkonsum beim Beobachten angeht, würde ich nicht päpstlicher sein als der Papst. Ich denke nicht, dass 2cl Ouzo mein visuelles Erlebnis medizinisch nachweislich beeinträchtigen. Freut mich aber sehr, dass mein Bericht so Anklang findet.
 
Worte ändern sich auch im Laufe der Zeit. Smart war für mich früher immer negativ besetzt, der smarte=schmierige Geschäftsmann. Auch das Wort geil hat ja seine Bedeutung stark verändert.
So sollte man auch hier, in einem Astro-Forum, das umstrittene Wort in seiner Astro-Bedeutung verstehen.

Wer allerdings die Venus von hinten, also zur unteren Konjunktion, bespechtelt sollte sich was schämen.:LOL::ROFLMAO:

Gruß Helmut
 
wonnevoller Bericht. Merci fürs Aufschreiben und Posten. Freu mich schon auf Dein nächstes Ahmtoia unter den Sternen. Auch vom Balkon aus.

Ich trinke die Sterne. Ich besaufe mich. So fühlt es sich an. Einen adäquat poetischen Begriff hab ich noch nicht gefunden. Bis dahin sage ich "Sterne grasen".
Spechteln hab ich nie mit Voyeurismus in Verbindung gebracht. Aber mit einer abturnenden Weise von Nahrungsaufnahme am Tisch: hier mal die Finger rein und ab in den Mund und damit dann in den nächsten Topf. Gierig, selbstverliebt, unmanierlich.
 
Hallo Steffen,

ich kenne dieses Gefühl, wenn man sich mal so richtig auf einem dunklen Acker austoben konnte: da ist der Tag nicht mehr meine Welt. Ich kann mich bei solchen Gelegenheiten auch schwer von der Nacht trennen, das macht wirklich süchtig! Du bist aber auch mutig!!! Spray gegen Wildschweine.....bevor ich das Ding draussen hätte, wäre ich in Ohnmacht erstarrt....Hanibal Lekter hätte seine Freude....oh weh.....Hilfe...
Schöner Bericht, es kommt Leben in die Bude!!!
Gruss von Anette
 
Danke Anette. Deine Berichte lese ich auch sehr gern, auch wenn ich sie oft unkommentiert lasse.
Ich glaube nicht, dass mir das Spray im Ernstfall was hilft, aber es beruhigt zu wissen, dass es da ist.
Bevor ich mich mit Astronomie beschäftigt habe, hatte ich so viele verschiedene Dinge im Kopf.
Jetzt antizipiere ich auf klare Nächte, informiere mich über Equipment und gebe gespartes Geld aus :-)
 
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