Foto-Anfängerfragen

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porsti55

Hallo,

während es mir früher genügte ein Objekt am Himmel fotografisch nachzuweisen, genügt mir das mittlerweile nicht mehr. Ich habe mich (leider) vom Fotofieber anstecken lassen.
Allerdings noch auf dem Niveau eines Gehilfen vom Lehrling.
Da kommen einem so verschiedene Fragen in den Sinn. Zwei davon treiben mich gegenwärtig um. Ich würde mich freuen, wenn Ihr sie schon gelöst hättet und ich davon profitieren könnte.

1. Die Astrofotografie erstellt Datenmengen, die ins Uferlose gehen. Tausende Rohbilder wollen abgelegt und gemanagt werden. dazu gehören nun noch die Darks, die Flats und die Bias Bilder. Mir ist wieder mal die Festplatte übergelaufen.
Wenn nun diese Bilder gestackt wurden liegen die entsprechenden Ergebnisse in Form von Lightframes, Master-Darks usw. vor.
Nun scheue ich mich die Ursprungs Bilder zu löschen, sie haben ja soviel Beobachtungszeit gekostet und könnten später nochmals zu einer vlt. besseren Bearbeitung dienen.
Wie haltet Ihr es damit? Aufbewahren (wie) oder Löschen?

2. Wie ich gelernt habe ist für eine gute Bilddarstellung Belichtungszeit von allererster Wichtigkeit. Diese kann durchaus in Beobachtungen an verschiedenen Tagen anfallen.
Bearbeitet Ihr das entsprechende Objekt indem Ihr alle Lightframes aller Beobachtungen zusammen stackt, oder stackt Ihr die Lightframes der einzelnen Beobachtungstage und bildet dann erst aus den einzelnen Ergebnissen eine Zusammenfassung, also gewissermaßen einen zweistufigen Stack?

Gruß
Porsti
 
Hallo ‚Porsti‘,

zu Punkt 1, ich habe mir schon öfters in den Allerwertesten gebissen, weil ich Bilder gelöscht habe. Ich bewahre inzwischen so ziemlich alles auf. Externe Festplatten sind nicht mehr so teuer und 8TB USB3 bekommt man auch schon für 140€. Ich fotografiere seit drei Jahren und bin aktuell bei ca. 800GB. Das langt also noch etwas. Wenn Du mit Kurzzeitbelichtungen á la 30sec arbeiten möchtest, könnte das aber trotzdem knapp werden. Bei ‚klassischen‘ Langzeitbelichtungen ist das aber kein Problem. Auf dem Rechner habe ich nur die Bilder, die ich aktuell bearbeite. Ich arbeite mit dem Astro Pixel Processor und der geht so richtig gut nur mit einer SSD. Da passt dann natürlich nicht das gesamte Archiv drauf.

Zu Punkt 2, der Deepsky Stacker bietet die Option Aufnahmen in Gruppen zusammen zu fassen. So kann man jede Nacht in eine eigene Gruppe packen. Auch der Astro Pixel Processor bietet eine ähnliche Option. Ich habe aber auch schon oft verschiedene Nächte mit ähnlichen Bedingungen (aufeinander folgende Nächte) zusammen gestackt. Das hat auch gut funktioniert. Wenn viel Zeit dazwischen liegt oder verschiedene Kameras bzw. Optiken zum Einsatz kamen, kann man die Bilder aber auch separat stacken und dann die gestackten Bilder stacken (das klingt jetzt irgendwie seltsam o_O). Dann natürlich ohne Darks, Flats, etc.

Viele Grüße
Michael
 
Danke Michael,

ich habe es befürchtet.
Also aufbewahren heißt die Devise.
Den Deep Sky Stacker verwende ich auch, da muß ich mal in die Hilfe schauen. Früher hatte ich nur die K3CCD-Tools das war sehr schön Übersichtlich. Heute ist auf Grund der vielen Bearbeitungsprogramme alles schwieriger geworden. Die Möglichkeiten potenzieren sich mit jedem Programm. Es kommt keine lange Weile auf. :)

Gruß
Porsti
 
Hallo Porsti,

nein, Langeweile ganz sicher nicht. Aber das ist auch der Grund, warum ich meine Rohdaten aufhebe. Als ich vor einiger Zeit mit den Astro Pixel Processor angefangen habe, wurden meine alten Daten nochmal durch das neue Programm gejagt, und die Ergebnisse waren deutlich besser. Auch kann es sein, dass man ein altes Projekt weiter führt und die alten Daten gut gebrauchen kann.

Sicher, mehr Möglichkeiten erhöhen die Komplexität, aber dafür muss man heute Bilder mit Flugzeugen oder Satelliten auch nicht mehr aussortieren. Wobei aber auch lieb gewonnene Tools wie Fitsworks auch heute noch gute Dienste leisten. Auch liefern, meiner Meinung nach, die neuen Programme bessere Ergebnisse. Aber letztlich ist das wohl auch Geschmackssache. Gut ist, dass heute Youtube und Co. viele nützliche Hilfestellungen geben, da muss man das Rad nicht jedes Mal neu erfinden.

Viele Grüße
Michael
 
Ja aufbewahren, aber nicht ewig. Ich habe alte Bilder aufbewahrt, aber eigentlich niemals wieder neubearbeitet. Die eigenen Ansprüche steigen mit, sodass es einem später sinnlos erscheint, ein angestaubtes Archiv nochmals zu verwenden.
Wenn aufbewahren, dann kann man sich auch nur die kalibrierten Bilder aufbewahren oder noch redizierter nur das Summenbild und natürlich das fertig bearbeitete Bild in 48 Bit und deren jpg/png-Versionen. Das reduziert das Archiv weiter.
Was mir auch immer mal wieder passiert: Die alten Aufnahmen hatten eine Besonderheit, an die ich mich dann nach Jahren nicht mehr erinnere. Dann sind vielleicht Umstände dabei gewesen, die die Aufnahme auch mit "neuer" Technik nicht verbessern.

zu 2.) Die Bilder von unterschiedlichen Nächten, haben unterschiedliche Helligkeiten. Transparenz und Himmelshelligkeit sind verschieden. Da beim Kalibrieren auch die einzelnen Bilder auf die gleiche Helligkeit skaliert werden, ist es besser alle Bilder gemeinsam zu kalibrieren.
 
Hallo,

besten Dank für Eure Ratschläge. (y)

Ich entnehme diesen, daß man offenbar keine allgemeingültige Regeln aufstellen kann.
Es ist wie überall, es kommt auf die Situation an.
Jedenfalls werde ich meine alten Aufnahmen auf ihre Verwendbarkeit prüfen und auch ausmisten.
Alles was unwiederbringlich ist (Kometen, Planeten, Bedeckungen usw.) bleibt. Alles was was mittlerweile besser aufgenommen wurde oder jederzeit wieder beobachtet werden kann, fliegt weg.

Bei der Frage nach dem Stacking habe ich Nachholbedarf in den Fertigkeiten. Das entscheide ich dann, je nach den Ergebnissen, wenn ichs beherrsche.

Gruß
Porsti
 
meine bilder liegen alle im original auf einem NAS. verwaltet werden diese mit lightroom. bei bedarf exportiere ich diese auf die lokale SSD und arbeite daran.
warum keine bilder löschen? speicherplatz ist günstig - zumindest im vergleich mit dem restlichen equipment. erhalte ich eine neue software, probiere ich alte daten neu zu bearbeiten.
lg
andreas
 
Hallo,

mittlerweile habe ich den letzten Tagen viel dazugelernt und festgestellt, daß aus meinen alten Aufnahmen mit neueren Programmen noch einiges herausgeholt werden kann. Das heißt ich werde Euren Empfehlungen folgen und die Bilder auf externen Festplatten speichern. Über eine NAS werde ich später mal nachdenken, denn ich habe es erlebt, daß eine NAS mit 8 HDs abgefahren ist, komplett mit allen Daten, nichts war wiederherstellbar.

Gruß
Porsti
 
Hallo Porsti,

man sollte seine Daten, wenn man Wert auf deren Bestand legt, niemals nur einem Gerät anvertrauen. Auch ein RAID ist kein Backup, es erhöht nur die Verfügbarkeit, nicht die Sicherheit der Daten.
In der IT gilt die Regel, haben Daten kein Backup, können die nicht wichtig sein.
Oder kurz, kein Backup, kein Mitleid :devilish:

Bei den Preisen für externe Platten sollte das aber kein Thema sein und gehört, meiner Meinung nach, eingepreist wenn man sich ein NAS anschafft. Das gilt ja nicht nur für Astrofotos. Da ich auch schon gesehen habe wie ein Blitzschlag Festplatten die nicht in Betrieb waren gegrillt hat (ohne das es zu einem Brand kam, nur per EMP) habe ich z.B. die Kinderfotos meiner Tochter zusätzlich extern bei einem Cloudanbieter gesichert (verschlüsselt mit eigenem Zertifikat). Meine Astrofotos genießen diesen Luxus allerdings nicht. Die Objekte am Himmel sind auch in zehn Jahren noch da, sollte trotz allem mal was flöten gehen.

Viele Grüße
Michael
 
Hallo Michael,

wenn man es so sieht, gibt es überhaupt keine Sicherheit für Daten, selbst die M-Disk, für die der Hersteller mit 1000 Jahren Datensicherheit wirbt, ist nutzlos, wenn es keine Lesegeräte dafür mehr gibt. Bestes Beispiel dafür sind Disketten in allen ihren Ausprägungen. Wer kann heute noch ZIP, 3,5", 5.25" und 8" Disketten lesen? Ich habe heute meinen letzten Rechner, der das konnte, zum Schrott gebracht - aus und vorbei. Und das Schlimme ist, jeder heutige Datenträger einschließlich der Cloud ist unsicherer als der Vorgestrige. Man ist in einem Hamsterrad gefangen um immer neues Gerassel anzuschaffen und altes loszuwerden.
Selbst Bücher, die auf säurehaltigem Papier gedruckt sind, zerfallen mittlerweile. Davon habe ich einige Regalmeter.
Die Bibliotheken digitalisieren mittlerweile wie die Wilden, ob das aber mit der Datensicherheit so aufgeht, wie sie sich das vorstellen, steht leider in den Sternen.
Trotz dieser Ausschweifung im Thema, werde ich meine erhaltenswerten Daten solange sichern, wie ich sie brauche. Auf das was danach kommt habe ich sowieso keinen Einfluß mehr.

Gruß
Porsti
 
Hallo Portsi,

ganz so düster würde ich es nicht sehen. Absolute Sicherheit gibt es natürlich nicht, aber das gilt ja auch für 'analoge' Datenträger. Alles was man tun kann ist immer wieder zu migrieren und die Daten auf neue Medien zu übertragen. Ich habe noch Daten, die ursprünglich mal auf einer 5 1/4" Diskette lagen. Wichtig ist nur, dass man Programme hat welche die alten Formate noch lesen können.

Von daher gibt es schon ein Stück weit Sicherheit. Vielleicht nicht für alle Ewigkeit, aber wenn man ein paar Regeln beachtet, kann man Daten über eine sehr lange Zeit bringen.

Viele Grüße
Michael
 
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