ASI294MCpro macht Probleme bei Minustemperatur am Sensor

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

sterngugger12

Aktives Mitglied
Hallo Astrokollegen,

seit einigen Wochen muss ich bei meiner ASI294MCpro leider ein feines dunkles Punktemuster auf meinen Flat Bildern bei Minustemperaturen am Sensor feststellen. Das Punktemuster entsteht nur bei Minustemperaturen und wird bei tiefen Temperaturen auffälliger. Ich fotografiere mit der Kamera seit ca. 10 Monaten und eigentlich immer bei -10°C Sensortemperatur.

Zunächst habe ich dann angenommen, dass es Betauung bzw. Vereisung des Sensors oder des Fensters ist, aber nichts dergleichen ist zu sehen, egal unter welchem Winkel ich unter Licht nachschaue. Trotzdem habe ich die Trockentabletten vor einigen Tagen ausgebaut und in der Microwelle bei 500W 10 Minuten getrocknet. Das hat aber auch keine Verbesserung gebracht.

Ich möchte Euch ein Paar Screenshots zeigen, damit Ihr sehen könnt was ich meine. Die Kamera war für diesen Versuch mit meinem 0.7x Reducer verschraubt, gegen eine helle Wand in ca. 10 cm Abstand gerichtet gewesen. Sonst keine Optik. 10 Flats + 10 Darkflats gestackt, Belichtungszeit 120ms, Gain120, Bin 1 für alle Bilder.

Sensor bei -10 °C. Ausschnitt aus ca. Sensormitte. 60% Vergrößerung in APP
Flat-10C_60%.JPG


zum Vergleich: Sensor bei 0°C. Selber Ausschnitt und Vergrößerung wie oben
Flat_0C_60%.JPG


Ausschnittvergrößerung: Sensor bei -10°C, bei 500% in APP
Flat-10C_500%.JPG


Und der identische Ausschnitt bei 0°C, ebenfalls 500% in APP
Flat_0C_500%.JPG


ich bin so ziemlich ratlos, was das sein könnte.
Das Muster ist auch recht stabil. Hier mal zwei Ausschnitte von zwei Masterflats, die im Abstand von ca. 6 Wochen entstanden sind. Beide bei -10°C Sensortemperatur.
Das kann ich mir durch Vereisung nicht erklären.

Masterflat vom 12.02.21
MF_2021-02-12_500%.JPG


und Masterflat vom 20.03.21
MF_2021-03-20_500%.JPG


Übrigens hat das Ganze erst so um den 12.02.21 bei mir angefangen. Alle älteren Masterflats die ich habe zeigen bei -10°C dieses Muster nicht.

Daher meine Fragen an Euch:
Kennt jemand dieses Problem, was könnte die Ursache sein? Ist mein Sensor defekt? Oder ist es vielleicht doch Feuchtigkeit? Könnte es mit einem ASI Treiberupdate zusammenhängen?
Ich bin ratlos und würde mich über Eure Tipps sehr freuen.

Viele Grüße

Ralf
 
Das sieht traurigerweise nach vielen toten Pixeln am Chip aus. Das Debayering macht dann eine eigene Kunst daraus.

CS
Jörg
 
Hallo Ralf,
das ist relativ typisch für die 294. Das hatte ein Freund und ich auch an der 294.
Dagegen hilft: die Kamera samt Trocknungspatronen mal für ein paar Stunden im Backofen bei niedriger Temperatur zu packen.
Und 2. die Kamera relativ langsam runter kühlen lassen. In N.I.N.A. kann man das einstellen wie lange die für den Kühlvorgang braucht.

Gruß
Jörg
 
Hallo Jörg und Jörg,

vielen Dank für Eure Antworten. Ich hatte auch die Befürchtung, dass es viele tote Pixel sein könnten, zumal es gefühlt so plötzlich kam. Der Hinweis, dass es bei der 294 bekannt ist und sich durch "Ausheizen" von Kamera und Trocknungspatronen im Backofen möglicherweise beheben lässt, lässt mich aber hoffen.

Ich hab gestern Morgen nochmals Versuche gemacht, durch unterschiedliches Herunterkühlen und wieder leichtes erwärmen das Phänomen besser zu verstehen und tatsächlich auch festgestellt, dass es auf den Temperaturverlauf ankommt. Ich konnte die Kamera dann auf -10°C kühlen, ohne dass es diese Pixel gab. Das widerspricht toten Pixeln, die können ja nicht mal tot sein und mal nicht (außer vielleicht eine ganze Reihe).
Wenn ich z.B. direkt von Raumtemperatur auf -10°C gekühlt habe ergab sich das Pixelmuster. Bin ich dann wieder auf 0°C hochgegangen verschwand es langsam wieder. Erneutes Abkühlen war dann teilweise ohne die auffälligen Pixel möglich, aber nicht immer.

Ich werde jetzt mal die Kamera öffnen und im Backofen zu trocknen versuchen. Hoffe das klappt. Bei welcher Temperatur hast Du das gemacht Jörg? Sind 50-60°C ausreichend?

Grüße
Ralf
 
Hallo Ralf,

ich habe auch die 294MC, habe das aber noch nicht festgestellt und hoffe, es kommt auch so nicht vor. Hast Du ein Histogramm zu den Bildern damit man abschätzen kann, wie groß der Wertebereich ist, den wir da sehen? Kein Sensor ist perfekt und was bei -10°C durch das dann geringe Rauschen auffällt, fällt vielleicht bei 0°C dann nicht mehr auf, weil ganz einfach das Rauschlevel größer ist. Das hängt vielleicht auch etwas damit zusammen, wie man die Flats macht.

Gruß

*entfernt*
 
Ab 70°C leiden auf Dauer die Kondensatoren, also vorsicht mit dem Backofen.

Aber trotzdem ein seltsames Phänomen.

Ist der 294MC back-illuminated?

Dass der Effekt bei langsamen Abkühlen nicht auftritt lässt auf Temperaturspannungen am Die schließen.

CS,
Jörg
 
Hallo Heiko,

ich hab mal in Fitswork die Statistik bemüht und man sieht einen deutlichen Unterschied zwischen den Bereich mit den Störpixeln und dem Bereich daneben. Das Bilder ist natürlich stark gestreckt (siehe Histogramm) und die ausgewählten Bereiche bei 0°C und -10°C auch nicht identisch. Aber ich denke es ist gut genug um einen Eindruck zu vermitteln.

Sensor bei -10°C:
MF_-10C.JPG


Zum Vergleich Sensor bei 0°C
MF_0C.JPG


Viele Grüße
Ralf
 
Hallo Ralf,

ja ich denke der Unterschied zw. 0°C und -10°C ist schon deutlich. Ich nehme auch bei -10°C auf. Aber nachdem in einem anderen Thread gezeigt wurde, daß es bei zu kurzen Flatbelichtungszeiten zu Überkorrektur kommen kann, wegen Nichtlinearitäten am gekühlten Sensor, mache ich meine Flats mindesten 1-2 Sekunden lang. Kannst ja mal versuchen, ob der Effekt bei längeren Flatbelichtungen auch noch da ist.

Gruß

*entfernt*
 
Ab 70°C leiden auf Dauer die Kondensatoren, also vorsicht mit dem Backofen.

Aber trotzdem ein seltsames Phänomen.

Ist der 294MC back-illuminated?

Dass der Effekt bei langsamen Abkühlen nicht auftritt lässt auf Temperaturspannungen am Die schließen.

CS,
Jörg
Danke Jörg für den Hinweis. Ja ich weiß, insbesondere Elkos sind kritisch. Ich mache mir zudem auch Sorgen um Plastikteile.
Der Sensor ist back-illuminated. Müssten sich Temperaturspannungen nicht wieder verringern, wenn der Sensor erst mal längere Zeit bei der tiefen Temperatur arbeitet? Jedenfalls ist mir bisher nicht aufgefallen, dass die Muster wieder verschwinden.

Grüße Ralf
 
Hallo Ralf,

ja ich denke der Unterschied zw. 0°C und -10°C ist schon deutlich. Ich nehme auch bei -10°C auf. Aber nachdem in einem anderen Thread gezeigt wurde, daß es bei zu kurzen Flatbelichtungszeiten zu Überkorrektur kommen kann, wegen Nichtlinearitäten am gekühlten Sensor, mache ich meine Flats mindesten 1-2 Sekunden lang. Kannst ja mal versuchen, ob der Effekt bei längeren Flatbelichtungen auch noch da ist.

Gruß

Heiko
Hallo Heiko,

ich nehme meine Flats auch immer mit ca. 2-3 Sekunden auf. Die Störpixel sind da leider genauso da. Nur für diesen Test im Raum war die Belichtung so kurz.

Grüße
Ralf
 
Ok,

dann lass mal hören, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen was gebracht haben. Würde mich interessieren.

Gruß

*entfernt*
 
mache ich. Wird dann wohl Mittwoch Abend werden, da ich die Kamera nach dem "Ausheizen" wieder eine Nacht ruhen lassen will, damit die Trockentabletten ihre Arbeit tun können.

Gruß Ralf
 
Hallo Astrofreunde,
ich hatte genau das gleiche Muster in den Flats. Ich habe in Cloudy nights gelesen, dass einer die Trocknungstableabletten in den Backofen und die Kamera komplett in ein Glas mit Silikagel gelegt hat. Das habe ich auch gemacht. Vorher habe ich die verdeckte Schraube an der Seite des Gehäuses ggeprüft. Die war nicht richtig fest.
Jetzt ist alles wieder in Ordnung.

Viele Grüße
Dieter
 
Hallo Heiko,

ich habe die Kamera und die Trockentabletten jetzt im Backofen bei ca. 55 °C für 4 Stunden getrocknet. Dann die Trockentabletten nochmals 5 Minuten bei 360W in der Microwelle nachgetrocket und dann alles wieder zusammengebaut. Nach ungefähr 24 Stunden warten dann heute Nachmittag der Test:

Das Pixelmuster ist nicht komplett weg, aber scheint mir bei direktem Runterkühlen von Raumtemperatur auf -10°C deutlich schwächer als vorher. Es verschwindet nach ein Paar Minuten dann auch immer mehr und dann ganz. Bei langsamerem Herunterkühlen wie oben vorgeschlagen kann ich mir vorstellen, dass es garnicht erst auftritt (habe ich aber noch nicht getestet).

@Dieter_1953 Danke für Dienen Hinweis, wie Du es gemacht hast. Das mit der verdeckten Schraube hab ich nicht verstanden, ist das diese hier?
Schraube.JPG

Wie bekommt man die Kappe ab, oder ist das die Schraube und man muss die Kappe festdrehen?

Grüße
Ralf
 
Hallo,
@Ralf:
Ja, die ist das. Die Kunststoffabdeckung ist aufgeklebt. Darunter ist der Schlitz für die Schraube. Die war nicht richtig fest. Die geöffnete Kamera hatte ich mindestens 2 Wochen lang im Glas mit den Silikagel Kügelchen. Dann erst war die Feuchte richtig raus.
Viele Grüße
Dieter
 
Danke für die Hinweise von euch. Dann mache ich das auch bald mal bei meiner ASI294, bevor sich da auch noch Feuchte absetzt.

Gruß

*entfernt*
 
Hallo Heiko,
Keine Ahnung ob das so eine gute Idee ist die Kamera proaktiv zu öffnen und zu trocknen. Wenn sie dicht ist und keinerlei Vereisung zeigt, würde ich daran nichts ändern. Nicht dass Du nachher ein Problem hast, das Du vorher nicht hattest.

Grüße Ralf
 
Die kleinen Störungen in den Flats sind aber winzige Eiskristalle. Als ich das hatte, habe ich den Test gemacht.
1. Flats mit 0°C: Keine Störpixel
2. Flats mit -1°C: ein paar wenig Störpixel
3. Flats mit -5°C: viele Störpixel
Trocknungstabletten in den Backofen bei 120°C, nach 24 Std. immer noch diese Störpixel. Neue Tabletten gekauft, eingebaut und gewartet, keine Änderung. Ich dachte schon, die Kamera wäre kaputt. Dann hatte ich diesen Hinweis bei CN gelesen. Also 500 g Silikakügelchen gekauft. Dann die offene Kamera in eine oben offene Plastiktasche gestellt und das dann in ein großes Einweckglas, in das ich ca. 200 g der Kügelchen geschüttet hatte, gelegt. Den Deckel dicht geschlossen und dann 14 (!) Tage gewartet. Nach dem Zusammenbau mit Prüfung auf Staubteilchen auf dem Sensor die Tests wiederholt. Dann endlich war alles wieder in Ordnung. Ich war erleichtert, dass ich die Kamera weiter benutzen konnte.
Viele Grüße
Dieter
 
Die kleinen Störungen in den Flats sind aber winzige Eiskristalle. Als ich das hatte, habe ich den Test gemacht.
1. Flats mit 0°C: Keine Störpixel
2. Flats mit -1°C: ein paar wenig Störpixel
3. Flats mit -5°C: viele Störpixel
Trocknungstabletten in den Backofen bei 120°C, nach 24 Std. immer noch diese Störpixel. Neue Tabletten gekauft, eingebaut und gewartet, keine Änderung. Ich dachte schon, die Kamera wäre kaputt. Dann hatte ich diesen Hinweis bei CN gelesen. Also 500 g Silikakügelchen gekauft. Dann die offene Kamera in eine oben offene Plastiktasche gestellt und das dann in ein großes Einweckglas, in das ich ca. 200 g der Kügelchen geschüttet hatte, gelegt. Den Deckel dicht geschlossen und dann 14 (!) Tage gewartet. Nach dem Zusammenbau mit Prüfung auf Staubteilchen auf dem Sensor die Tests wiederholt. Dann endlich war alles wieder in Ordnung. Ich war erleichtert, dass ich die Kamera weiter benutzen konnte.
Viele Grüße
Dieter
Hallo Dieter,
Danke für Deine ausführliche Erklärung. Im Moment klappt es wieder, wenn ich nicht zu schnell runter kühle sondern so bei 0 Grad wenige Minuten warte bevor ich weiter runter gehe.
Aber sicher kein Fehler wenn ich mir mal Silicakügelchen beschaffe. Dann bin ich für die nächste Schlechtwetter Periode gerüstet und kann es mal ausprobieren, ob ich die Vereisung wieder ganz los werde.
LG Ralf
 
Ich hatte einmal eine SBIG ST-2000XM im Einsatz, da half kein Silica mehr. War ständing angelaufen knapp unter Null. Die musste in die Vakuumkammer bei 10e-5Bar, dann war für 2 Jahre wieder Ruhe.

CS.
Jörg
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben