Ehemaliges Mitglied
Hallo zusammen!
Da es heute (jetzt muss ich es schon gestern nennen) Abend unerwarteterweise aufklarte und ich gern mal wieder an meinen gewohnten Beobachtungsplatz außerhalb der Stadt fahren wollte, hab ich ganz kurz entschlossen meine Sachen gepackt und bin aufgebrochen.
Noch etwas in einer eigenartigen Stimmung nach einem tiefer gehenden Austausch in der Philosophier-Ecke hier im Forum kam ich gegen 23.00 Uhr an dem Ort an, zu dem ich nicht weit fahren musste. Und fühlte mich dort sofort wieder zu Hause, nachdem ich lange nicht mehr dort gewesen war.
Schon als ich aus dem Auto ausstieg und das Teleskop zusammenbastelte, prangte deutlich das Band der Milchstraße über mir am Himmel. Und obwohl meine Augen noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt waren, konnte ich sofort die hellen Bereiche gegen das umgebende Dunkel abgrenzen.
Ich ging mit meinem handlichen 60 mm Refraktor in der einen Hand, dem Klapphocker in der anderen und einer diesmal gar nicht so schweren Umhängetasche mit dem "Zubehör" (hab kein einziges Buch mitgeschleppt, nur mein Beobachtungs-Tagebuch!
) samt Fernglas die letzten Meter auf die Anhöhe hoch, auf der ich eine fast uneingeschränkte Rundumsicht habe.
Teleskop abgestellt, Hocker aufgeklappt und erst mal angekommen.
Ich prüfte den Gruselfaktor: Er war nicht vorhanden. Nix, niente! Na gut, nehmen wir auch!
Drüben in seiner Ecke stand Jupiter schon ordentlich hoch, nicht weit entfernt auch Saturn.
Die Luft war recht feucht und drüben im Tal wurde der Schein der Stadtbeleuchtung bereits vom Nebel gedämpft. Am Horizont im Bereich Schütze und Schild standen ein paar dünne Wolken. Aber gegenüber bei Perseus und Co war alles klar, nur nahe am Horizont etwas Dunst. Konnte es sein, dass Kapella dort drüben schon wieder etwas höher herüberspitzte als noch vor einiger Zeit? Perseus stand ein gutes Stück und schon komplett über dem Horizont. und rechts von ihm (sorry, ich habs überhaupt nicht mit den Himmelsrichtungen) zog sich die Kette der Andromeda über den Himmel.
So, was möchte ich mir heute eigentlich anschauen? Das ist das Übel bei spontanen Beobachtungsrunden: Man hat halt keinen Plan gemacht. Was solls? Ich wollt ja hauptsächlich mal wieder raus, hier an diesen Platz, an dem ich "daheim" bin und an dem ich diesen Sommer noch fast nicht war. Und im Beobachtungs-Tagebuch standen bestimmt noch Ziele, die ich für die letzten nächtlichen Ausflüge geplant hatte, aus denen dann nichts geworden ist.
Zuerst musste ich sowieso bei meinem Freund Jupiter vorbeischauen. Also das Teleskop auf ihn gerichtet, mal das eine, mal das andere Okular ausprobiert. Gut wurde das Bild nicht wirklich. Die Luft war zu feucht. Aber, he! Ich hab ihn mal wieder besucht. Und gleich anschließend noch Saturn. Bei ihm erschien mir das Bild klarer, aber das kann auch täuschen.
Ich wechselte zum Fernglas, weil ich nach der kleinen Sagittariuswolke sehen wollte, bevor die Wolken dort zu dicht wurden. Und dann fand ich mein Ziel auch schnell. Die Sternwolke war trotz der ungünstigen Sicht gut auszumachen. Nebenan Kleopatras Auge mit M 25 war auch erkennbar, aber ein wenig hinter dem Wolkenschleier verborgen. Adler- und Schwanennebel stachen sofort als helle Flecke ins Auge. Und unterhalb der Sagittariuswolke tauchte etwas zart der Trifidnebel mit seinem Sternhaufen auf, ein kleines Stückchen darunter dominierte der helle längliche Fleck des Lagunennebels mit seinem Sternenband das Gesichtsfeld.
Es knacke ganz in der Nähe. Und irgendwo lachte mich ein Vogel (mitten in der Nacht?) aus. Der Gruselfaktor sprang in die Höhe! Ich stand auf und stampfte ein wenig um meinen Stuhl herum, um alles Getier, das dort draußen im Dunkel herumschlich, zu verscheuchen. Nerven behalten! Füchse sind deine Freunde und Wildschweine gibt es hier nicht!
Kein Laut mehr außer den entfernten Autos und den grunzenden Schlafgeräuschen aus dem LKW, der in einiger Entfernung auf einem Parkplatz abgestellt war. Wie weit man in der Stille der Nacht so etwas hören konnte!
Also weiter! Der Lagunennebel wäre doch mal was für meinen Nebelfilter. War das ein Emissionsnebel? Vielleicht hätte ich doch wenigstens das Messier-Buch mitnehmen sollen. Egal, jetzt musste ich den Lagunennebel erst mal mit dem Teleskop finden und anpeilen. Wie schön wäre ein GoTo! Also, wir brauchen erst mal den Schützen. Brille auf! Dort drüben wird der Dunst immer dichter. Schütze, wo bist du? Ah, ja, das werden immer mehr Sterne der "Kaffeekanne"! Also ran ans Teleskop! Wo ist das Teleskop? Moment mal, was passiert hier?! Ist meine Brille so beschlagen?
Schlagartig war der Gruselfaktor um einige Stufen nach oben gesprungen. Ringsum versank plötzlich alles in Nebel! Nicht mehr nur friedlich dort unten im Tal, wo er mich nicht störte, nein, er kroch so schnell, dass ich zuschauen konnte, auf mich zu. Von allen Seiten! Der dunkle Busch-Schemen in der Nähe war schon fast nicht mehr zu erkennen, und mein Teleskop vor mir verschwand hinter einer Nebelwolke. Wie konnte das denn sein? Innerhalb von Minuten war hier plötzlich alles nur noch Nebel! Sowas hab ich an diesem Platz noch nie erlebt. Ja, einmal im Winter drunten am Fluss hatte ich eine ähnliche Situation. Aber heute, hier oben, Anfang August?!
Ich setzte meine Brille ab und wieder auf. Nein, es lag nicht an der Brille. Der Nebel kam immer näher.
Durchschnaufen, Sabine! Das ist nur Nebel, einfacher, feuchter, die Durchsicht verschlechternder Nebel! Wir behalten jetzt die Nerven und packen zusammen.
Ja, aber ich wollte doch noch den Lagunennebel...
Schau mal rüber! Da ist Nebel, aber keine Chance mehr auf Lagunen. Die Session ist für heute vorbei.
Also gut, ich packte zusammen. Es hatte keinen Sinn mehr, obwohl ein Stück oberhalb der Dunstgrenze weiterhin die Sternlein prangten. Da eine Sternschnuppe! Schöner Abschluss eines zu kurzen Beobachtungausflugs! Und dort, konnte das eine Ahnung der Andromeda-Galaxie sein? Mit bloßem Auge? Ich holte das Fernglas schnell nochmal raus, um es nachzuprüfen. Ja, vielleicht, ...
Sabine, du wolltest zusammenpacken! Schau mal, dein Auto steht mitten in der weißen Suppe. Wenn du dort hin willst, musst du da jetzt durchlatschen!
Wann wird es eigentlich wieder hell? Wir haben doch noch diese kurzen Sommernächte...
Na gut, es war ja wirklich nur Nebel. Und mit meiner Rotlichtlampe konnte ich sowieso nur immer das Stück Wiese vor mir erkennen, auf das ich den nächsten Schritt setzen wollte. Da war es völlig egal, ob auch noch Nebel drumrum war oder nicht!
Immer vorwärts, Schritt um Schritt, es geht kein Weg zurück ... Was war das für ein Lied, das mir da durch den Kopf ging?
Waren das dort vorn die Rücklichter meines Autos? Ja!
Ich lud alles ein und warf noch einen letzten Blick nach oben. Schön war's mal wieder!
Gute Nacht, Jupiter! Bis bald!
So, und nun bin ich daheim und hab euch noch ein wenig von meiner seltsamen Beobachtungsrunde erzählt. Mein Teleskop konnte in der Zwischenzeit etwas abtrocknen. Mal sehen, ob ich die Verschlusskappen schon wieder draufmachen kann, damit die Optik nicht einstaubt bis morgen früh.
Jetzt wünsche ich auch euch allen eine gute Nacht!
Bis bald!
Sabine
Da es heute (jetzt muss ich es schon gestern nennen) Abend unerwarteterweise aufklarte und ich gern mal wieder an meinen gewohnten Beobachtungsplatz außerhalb der Stadt fahren wollte, hab ich ganz kurz entschlossen meine Sachen gepackt und bin aufgebrochen.
Noch etwas in einer eigenartigen Stimmung nach einem tiefer gehenden Austausch in der Philosophier-Ecke hier im Forum kam ich gegen 23.00 Uhr an dem Ort an, zu dem ich nicht weit fahren musste. Und fühlte mich dort sofort wieder zu Hause, nachdem ich lange nicht mehr dort gewesen war.
Schon als ich aus dem Auto ausstieg und das Teleskop zusammenbastelte, prangte deutlich das Band der Milchstraße über mir am Himmel. Und obwohl meine Augen noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt waren, konnte ich sofort die hellen Bereiche gegen das umgebende Dunkel abgrenzen.
Ich ging mit meinem handlichen 60 mm Refraktor in der einen Hand, dem Klapphocker in der anderen und einer diesmal gar nicht so schweren Umhängetasche mit dem "Zubehör" (hab kein einziges Buch mitgeschleppt, nur mein Beobachtungs-Tagebuch!
Teleskop abgestellt, Hocker aufgeklappt und erst mal angekommen.
Ich prüfte den Gruselfaktor: Er war nicht vorhanden. Nix, niente! Na gut, nehmen wir auch!
Drüben in seiner Ecke stand Jupiter schon ordentlich hoch, nicht weit entfernt auch Saturn.
Die Luft war recht feucht und drüben im Tal wurde der Schein der Stadtbeleuchtung bereits vom Nebel gedämpft. Am Horizont im Bereich Schütze und Schild standen ein paar dünne Wolken. Aber gegenüber bei Perseus und Co war alles klar, nur nahe am Horizont etwas Dunst. Konnte es sein, dass Kapella dort drüben schon wieder etwas höher herüberspitzte als noch vor einiger Zeit? Perseus stand ein gutes Stück und schon komplett über dem Horizont. und rechts von ihm (sorry, ich habs überhaupt nicht mit den Himmelsrichtungen) zog sich die Kette der Andromeda über den Himmel.
So, was möchte ich mir heute eigentlich anschauen? Das ist das Übel bei spontanen Beobachtungsrunden: Man hat halt keinen Plan gemacht. Was solls? Ich wollt ja hauptsächlich mal wieder raus, hier an diesen Platz, an dem ich "daheim" bin und an dem ich diesen Sommer noch fast nicht war. Und im Beobachtungs-Tagebuch standen bestimmt noch Ziele, die ich für die letzten nächtlichen Ausflüge geplant hatte, aus denen dann nichts geworden ist.
Zuerst musste ich sowieso bei meinem Freund Jupiter vorbeischauen. Also das Teleskop auf ihn gerichtet, mal das eine, mal das andere Okular ausprobiert. Gut wurde das Bild nicht wirklich. Die Luft war zu feucht. Aber, he! Ich hab ihn mal wieder besucht. Und gleich anschließend noch Saturn. Bei ihm erschien mir das Bild klarer, aber das kann auch täuschen.
Ich wechselte zum Fernglas, weil ich nach der kleinen Sagittariuswolke sehen wollte, bevor die Wolken dort zu dicht wurden. Und dann fand ich mein Ziel auch schnell. Die Sternwolke war trotz der ungünstigen Sicht gut auszumachen. Nebenan Kleopatras Auge mit M 25 war auch erkennbar, aber ein wenig hinter dem Wolkenschleier verborgen. Adler- und Schwanennebel stachen sofort als helle Flecke ins Auge. Und unterhalb der Sagittariuswolke tauchte etwas zart der Trifidnebel mit seinem Sternhaufen auf, ein kleines Stückchen darunter dominierte der helle längliche Fleck des Lagunennebels mit seinem Sternenband das Gesichtsfeld.
Es knacke ganz in der Nähe. Und irgendwo lachte mich ein Vogel (mitten in der Nacht?) aus. Der Gruselfaktor sprang in die Höhe! Ich stand auf und stampfte ein wenig um meinen Stuhl herum, um alles Getier, das dort draußen im Dunkel herumschlich, zu verscheuchen. Nerven behalten! Füchse sind deine Freunde und Wildschweine gibt es hier nicht!
Kein Laut mehr außer den entfernten Autos und den grunzenden Schlafgeräuschen aus dem LKW, der in einiger Entfernung auf einem Parkplatz abgestellt war. Wie weit man in der Stille der Nacht so etwas hören konnte!
Also weiter! Der Lagunennebel wäre doch mal was für meinen Nebelfilter. War das ein Emissionsnebel? Vielleicht hätte ich doch wenigstens das Messier-Buch mitnehmen sollen. Egal, jetzt musste ich den Lagunennebel erst mal mit dem Teleskop finden und anpeilen. Wie schön wäre ein GoTo! Also, wir brauchen erst mal den Schützen. Brille auf! Dort drüben wird der Dunst immer dichter. Schütze, wo bist du? Ah, ja, das werden immer mehr Sterne der "Kaffeekanne"! Also ran ans Teleskop! Wo ist das Teleskop? Moment mal, was passiert hier?! Ist meine Brille so beschlagen?
Schlagartig war der Gruselfaktor um einige Stufen nach oben gesprungen. Ringsum versank plötzlich alles in Nebel! Nicht mehr nur friedlich dort unten im Tal, wo er mich nicht störte, nein, er kroch so schnell, dass ich zuschauen konnte, auf mich zu. Von allen Seiten! Der dunkle Busch-Schemen in der Nähe war schon fast nicht mehr zu erkennen, und mein Teleskop vor mir verschwand hinter einer Nebelwolke. Wie konnte das denn sein? Innerhalb von Minuten war hier plötzlich alles nur noch Nebel! Sowas hab ich an diesem Platz noch nie erlebt. Ja, einmal im Winter drunten am Fluss hatte ich eine ähnliche Situation. Aber heute, hier oben, Anfang August?!
Ich setzte meine Brille ab und wieder auf. Nein, es lag nicht an der Brille. Der Nebel kam immer näher.
Durchschnaufen, Sabine! Das ist nur Nebel, einfacher, feuchter, die Durchsicht verschlechternder Nebel! Wir behalten jetzt die Nerven und packen zusammen.
Ja, aber ich wollte doch noch den Lagunennebel...
Schau mal rüber! Da ist Nebel, aber keine Chance mehr auf Lagunen. Die Session ist für heute vorbei.
Also gut, ich packte zusammen. Es hatte keinen Sinn mehr, obwohl ein Stück oberhalb der Dunstgrenze weiterhin die Sternlein prangten. Da eine Sternschnuppe! Schöner Abschluss eines zu kurzen Beobachtungausflugs! Und dort, konnte das eine Ahnung der Andromeda-Galaxie sein? Mit bloßem Auge? Ich holte das Fernglas schnell nochmal raus, um es nachzuprüfen. Ja, vielleicht, ...
Sabine, du wolltest zusammenpacken! Schau mal, dein Auto steht mitten in der weißen Suppe. Wenn du dort hin willst, musst du da jetzt durchlatschen!
Wann wird es eigentlich wieder hell? Wir haben doch noch diese kurzen Sommernächte...
Na gut, es war ja wirklich nur Nebel. Und mit meiner Rotlichtlampe konnte ich sowieso nur immer das Stück Wiese vor mir erkennen, auf das ich den nächsten Schritt setzen wollte. Da war es völlig egal, ob auch noch Nebel drumrum war oder nicht!
Immer vorwärts, Schritt um Schritt, es geht kein Weg zurück ... Was war das für ein Lied, das mir da durch den Kopf ging?
Waren das dort vorn die Rücklichter meines Autos? Ja!
Ich lud alles ein und warf noch einen letzten Blick nach oben. Schön war's mal wieder!
Gute Nacht, Jupiter! Bis bald!
So, und nun bin ich daheim und hab euch noch ein wenig von meiner seltsamen Beobachtungsrunde erzählt. Mein Teleskop konnte in der Zwischenzeit etwas abtrocknen. Mal sehen, ob ich die Verschlusskappen schon wieder draufmachen kann, damit die Optik nicht einstaubt bis morgen früh.
Jetzt wünsche ich auch euch allen eine gute Nacht!
Bis bald!
Sabine