Mit dem "neuen" Bino durch den Himmel "messieren"

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Uwe65

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Viele Kaufhausrefraktoren fristen ein Schicksal in Kellern oder auf Dachböden sind aber auch Ausdruck davon, das der Besitzer einen „Drang zum gestirnten Himmel“ hat.

Eein Kaufhausrefraktor (oder wo auch immer er seinen Ursprung hat) bekam nun qualifizierte Gesellschaft durch einen 100/550 Bino mit APM alt/az Montierung für Großferngläser. Darunter machte ein Berlebach-Kurbelstativ einen hervorragenden Eindruck und das Ganze komplett.

Nun hatte ich die Freude, denn stolzen Besitzer beim first-light zu begleiten, in „Vor-Pandemie-Zeiten“ kam er mal zu einer öffentlichen Veranstaltung des hiesigen Vereins. Man bleibt gerne in Verbindung und motiviert freundliche Menschen, um zur ATT zu fahren.

Nach einem gerätetechnischen Umweg stand nun der Bino auf der Terrasse. Der Neueigner hatte bei meinem Eintreffen schon erfolgreich Blicke gen Mond und Jupiter gerichtet.

Im Bino steckten die werkseitigen 18mm Okulare, die ein klares und scharfes Bild über das gesamte rd. 2° weite Gesichtsfeld abgaben. Da ich in den vergangenen Monaten immer mehr mein Handfernglas für die Astronomie schätzen lernte, war ich sehr gespannt auf das Großfernglas. Drei weitere Okularpaare (8mm, 12,5mm, 25mm) und ein Sammelsurium an Filtern lagen dem Bino bei. Für uns standen erstmal die Objekte am Himmel im Vordergrund weniger das gegeneinander testen der Okulare; das steht noch aus.

Vorab kann ich sagen, dass es ein feines Gerät ist, das Freude macht und schöne Ein- und Übersichten am Himmel ermöglicht. Das GF von rd. 2° macht das „Messierhopping“, bei Kenntnis deren Lage, einfach; beim 12,5er gelingt das schon weniger gut. Ein Sucher fehlt dem Groß-FG noch, ich denke ein Rigel-Quickfinder passt prima zu dem Gerät, auch wenn der Eigner das Design nicht so elegant findet. Ich bin der Meinung die Funktionalität zählt und nachts ist es dunkel, und dann sind bekanntlich alle Katzen grau (…außer die Blonden, sagte Karl Kraus).

Die Hyaden waren frei von Wolken, die immer wieder Teile des Himmels verdeckten. Markant zeigte sich die Sternformation von 75 Tau an der „Spitze“ bis 81, 82 und 85 Tau als „Basis“ eines gedachten Häuschens. Hier fallen einige Sternpaare auf.

Die Plejaden passen prima ins GF uns sind binokular trotz Mondlicht, Nachbarschaftsbeleuchtung und immer wieder durchziehenden Wolken eindrucksvoll. Alley’s Chain ist charakteristisch und wir verweilen hier einige Zeit. Für den teleskopgewöhnten Beobachter, wie mich, ist der beidäugige Gesamtanblick reine Ästhetik zum Genießen

M1 kann gut als ovaler, eher gräulicher, deutlich flächiger Nebel erkannt werden. Ich bin erstaunt, wie hell der Nebel, trotz der genannten Störlichter erscheint.

Als Standard für Ferngläser kommt der Doppelsternhaufen h&chi an die Reihe. Zu meiner Überraschung heben sich die beiden Haufen merklich, aber nicht übermäßig deutlich vom Hintergrund ab, mir scheint, dass das schon mal deutlicher ging. Bei Gästen an div. Teleskopen ist das immer ein highlight, bei dem ich gerne als Event den Mini-Asterismus „Fallschirmspringer“ in einem der beiden offenen Haufen suchen lasse.

Gut, dann eben heute nicht und mit einem kleinen Linksschwenk (ich hab‘ mich jetzt schon in die einfache Navigation am Himmel verliebt) sind wir bei Stock 2. Hier ist ein wenig Erläuterung nötig; für den Astrostarter sind die Stockhaufen kaum wahrnehmbar und wenig eindrucksvoll. Vor allem die V-förmigen Sternketten fallen auf, der darüber sitzende „Sternring“ hebt sich im Groß-FG wenig vom Milchstraßenhintergrund ab

So, jetzt musste auch ein teleskoptypisches Objekt her: Peilung auf die ungefähre Mitte zw. Algol und Gamma AND und schon ist M34 bei besagten 2°-GF identifiziert. Er zeigt sich als kleine, deutliche Verdichtung im Umfeld, in dessen Mitte ein halbes Dutzend Sterne stehen vor einem ansonsten opaken Hintergrund.

Nach einer wolkenbedingten Pause, in der das mitgekaufte Equipment diskutiert wird (Okularsatz, Farbfilter, UHC-S, Mondfilter) geht es wieder auf die Terrasse, denn im Gegensatz zu uns haben die Wolken sich verzogen (ebenso die Weihnachtsbeleuchtung der Nachbarin J).

Die offenen Haufen im Fuhrmann sind ein Muss.

M38 ähnelt einem (amputierten) Seestern. Vom Zentrum gehen neblige „Arme“, ergänzt durch einige hellere Haufenmitglieder als Sternkette ab. Auch hier können die schwächeren Mitglieder nicht aufgelöst werden.

Als schwache Aufhellung kann NGC 1907 wahrgenommen werden. Den Kick bietet dann noch der Asterismus der Grinsekatze (Cheshire Cat), der ganz ins GF passt, wenn man M38 an den Rand stellt.

Auf die Sichtung der beiden letztgenanten Objekte wird der Binobesitzer erst aufmerksam, wenn er das hier liest und/oder seinen neu erworbenen big-bino-scout einsetzt. Es muss noch was für erneute Beobachtungen übrig sein und faint fuzzies sind m.E. nix für den Start am Astrohimmel. „Augen verbiegen“ kommt mit der Beobachtungserfahrung von alleine.

M36: Der Haufen zeigt sich kleiner, schwach opaken Hintergrund und mit einigen hellen Mitgliedern im Zentrum. Auch er hebt sich gut vom Hintergrund ab.

Das bekannte Fuhrmann-Trio wird mit M37 vervollständigt. Im Teleskop war dies für mich immer der prächtigste der drei Haufen. Der Bino-Blick stellt sich anders dar: Ausgedehnt, zahlreiche schwache Mitglieder, die rund und gleichmäßig verteilt erscheinen. Er hat ein grießiges Erscheinungsbild mit milchigem Hintergrund. Die Vielzahl der Haufenmitglieder ist hier nicht augenfällig.

Die Formation 16-19 AUR mit IQ AUR (Asterismus flying minow) ist natürlich ein markanter Hingucker, der nicht ausgelassen werden darf. Lt. Literatur haben wir hier einen Teil von Mel 31 vor uns.

Ich stelle wieder fest, dass M35 einer meiner offenen Lieblingshaufen ist. Weit verteilt, somit groß, mit zahlreichen, ähnlich hellen Mitgliedern ist es ein prachtvoller Anblick im Groß-FG.

NGC 2158 steht schwach, aber als deutlich erkennbarer opaker Fleck, ohne erkennbare Struktur daneben. In dieselbe Richtung läge noch ein Haufen aus dem IC Katalog, den ich aber nicht wahrnehmen kann.

Die Objektauswahl mache ich aus der Erinnerung und vergleiche teils in skysafari, ob es interessante Objekte im Umfeld gibt.
Dabei fällt mir NGC 2392 in den Blick und durch Sternhopping, beginnend bei Delta GEM, taste ich mich vor. Der PN kann zwar wahrgenommen werden, bleibt aber stellar. Erst bei der Nachbearbeitung des Abends stelle ich fest, dass der Asterismus Leiter 16, mit 63 GEM als hellstem Stern in der Formation, den Weg gewiesen hat.

Ein 180°-Grand-Schwenk bringt uns direkt zur Andromedagalaxie. Der Kernbereich ist deutlich, schwach – aber bis an den Rand des Gesichtsfeldes - zeigen sich die Randbereiche in der Längsachse. M32 ist als „unscharfer“ Stern erkennbar. M110 hebt sich gerade so als leichtes Glimmen vom Hintergrund ab und wirkt ein wenig quadratisch.

Der neue Sternfreund hatte M31 ob seiner Prominenz eindrucksvoller erwartet, aber das geht nun vielen Galaxienbeobachtern so, sofern sie nicht ab 16“ aufwärts ausgerüstet sind. Details in Galaxien sind m.E. in meinem 10“er sehr guten Bedingungen vorbehalten (Widerspruch wird gern angenommen – mit Hinweis zu Technik ?)

Der Orion steht mittlerweile ausreichend hoch – und ohne M42 geht natürlich nichts an einem Astroabend im Winter.

Der Kernbereich zeigt sich sofort. Von den Trapezsternen kann ich 3 wahrnehmen, ggf. sind die Komponenten A und B auch nicht zu trennen?

Die beiden beiliegenden UHC-S Filter werden eingesetzt und die „Flügel“ des Nebels treten hervor, die Nebelfläche zeigt sich ausgedehnter und das „Fischmaul“ wird augenfällig.

NGC 1981 steht als „Beifang“ im Gesichtsfeld und zeigt sich als unregelmäßig verteilter, kaum auffälliger Haufen weniger, gleichheller Sterne.

Eventastronomie: Sirius blinkt und funkelt in allen Farben. Der Kollege ist überzeugt, dass das ein Lieblingsobjekt seiner Frau wird, da er wie ein Swarowski-Stein glitzert. Es ist eben für jeden was dabei.

Uns ist kalt genug, aber es reicht noch für M44, der gerade neben den Kronen der hohen Nachbar-Eichen aufzieht. Gesichtsfeldfüllend steht M44 mit seinen zahlreichen, verteilten Mitgliedern im Bild und macht einen angemessen Abschluss für den Abend.

Man möge mir den Hang zum prosaischen nachsehen. Aber auch der Abend an den Okularen war ein wenig wie "reden über'n Himmel". Wie gesagt, ein stabiler Bino ist eine feine Sache und ich will hier gerne eine Lanze für kleine Öffnungen mit weitem Feld brechen. Das hat ebenfalls einen lohnenden Reiz, genauso wie andererseits das Aufsuchen von PNs mit ~13mag und 0,5 Bogensekunden Ausdehnung.

Viele Grüße
Uwe
 
Danke Robert,
ich hab mal eben nachgesehen: Im Projekt "deep sky mit dem Fernglas" findet sich die Beschreibung "spinnenförmig", ist ja so ähnlich. Wie das selbst verfasste "rüber kommt" merke ich erst an mgl. Reaktionen.
Grundsätzlich habe ich immer ein bisschen Skrupel prosaisch weit auszuholen, weil mich selbst allzu lange Einträge eher abschrecken als anlocken. Der Abend war zu nett, um nicht auch mal etwas ausschweifend formulieren zu dürfen.

Uwe
P.S.: ...und besten Dank für die likes!
 
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