Hintergründe des "indirekten Sehens"?

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Okular7

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Liebe Astrokollegen

Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass man beim visuellen Beobachten von lichtschwachen Objekten den Blick nicht darauf richten soll, sondern etwas "daneben" (also indirekt) schauen soll. Gutes Beispiel dafür ist der Plejadenhaufen.

Nun habe ich einen Optikermeister und einen Augenarzt gefragt, ob ihnen dieses Phänomen bekannt sei und wie es heisst und funktioniert.
Beide Fachleute verneinten; dies sei ihnen nicht bekannt.

Weiss jemand von euch etwas über die physiologischen Hintergründe des "indirekten Sehens"?

Liebe Grüsse und CS
Okular7

PS
Habe den Leonard heute Morgen nicht gesehen :-(
 
Beide sollten das eigentlich wissen. Ohne jetzt zu googeln: In der Sehgrube (gelber Fleck) sind die Sehzellen fürs Farbsehen in der Mehrheit, daneben auf der peripheren Netzhaut befinden sich mehr Zellen fürs s/w Sehen, also für den Kontrast. Deswegen kann man dort die letzen Prozente rausholen.
 
Hallo Okular7,

wir sehen mit den Zapfen und Stäbchen unserer Netzhaut. Wie bereits erwähnt befinden sich die Zapfen hauptsächlich in der Sehgrube (Fovea). Wenn Du einen Bereich in der Umgebung anvisierst und genau betrachtest, dann bewegst Du die Augen so, dass das Licht von diesem Bereich auf die Fovea fällt. Leider sind Zapfen weniger lichtsensitiv als Stäbchen. Damit man auch schwache Objekte erkennen kann, muss man also deren Abbild nicht auf die Fovea, sondern leicht daneben plazieren. Da sind die lichtsensitiveren Stäbchen in der Überzahl.

In dieser Seite (Foundations of Vision » Chapter 3: The Photoreceptor Mosaic) findest Du in Abb. 3.1. die Verteilung von Zapfen (gestrichelte Linie) und Stäbchen (durchgezogene Linie) in der menschlichen Netzhaut. Bestimmt gibt es noch schönere Darstellungen in Farbe, das Prinzip bleibt aber gleich.

Viele Grße, Ralf
 
Moin!

Die morphologischen Hintergründe wurden schon genannt.
Daß Optiker oder Augenärzte den Begriff des indirekten Sehens, wie wir es als Beobachter lichtschwacher Objekte kennen, nicht gleich parat haben, ist auch verständlich. Denen geht es primär um die Sehschärfe, also das Zapfensehen, und da sind eher Begriffe wie "exzentrische Einstellung" oder "exzentrische Fixation" gebräuchlich.
Noch mal zum Indirekten Sehen: wenn ich jetzt keinen Denkknoten habe, dann soll man mit dem rechten Auge rechts und mit dem linken Auge links am lichtschwachen Objekt vorbeischauen, um das Bild nicht in den Bereich zwischen Fovea und Blinden Fleck zu bekommen, weil da die Nervenfaserschicht etwas dicker ist und das Empfindlichkeitsmaximun erst wieder jenseits des Blinden Flecks liegt. Aber das macht man eigentlich ganz automatisch.

Gruß, Michael
 
Vielen Dank euch allen für die Erklärungen. Das hilft mir sehr!

CS
Okular7

PS
Habe heute Nachmitag meinen Takahashi 180C erhalten. Viel Freude! :)
 
Der Bereich um die Fovea ist rund oder oval. Man kann also mit knappem Vorbeisehen am Objekt auch mit dem Bino indirekt sehen. Es muss nicht unbedingt linkes Auge links oder rechts vorbei sein, Hauptsache recht knapp.
Mit meinem Feldstecher reicht es, wenn ich das Objekt nicht ganz in der Mitte habe, aber trotzdem geradeaus gucke.
 
Mit dem Bino geht das natürlich auch. Entweder man benutzt das führende Auge oder man guckt abwechselnd rechts oder links vorbei!
Gruß, Michael
 
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