[DIY] Coronado PST: Kontraststeigerung, Frontfilter, ITF-Ersatz

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Ehemaliges Mitglied 78007
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Ehemaliges Mitglied 78007

Hallo liebe Freunde des PST,

ich habe mein PST, das wohl zur aktuellen Generation gehört, zerlegt, um das Etalon wechselweise hier und da und dort verwenden zu können, auch wieder im PST.

Ich habe die Gelegenheit genutzt, um eine neue Filterkombination in Verbindung mit Graufiltern (auch Polarisationsfilter) zur Kontraststeigerung zu testen. Ich nehme es vorweg, es funktioniert.

Die originale Reihenfolge der Filterwirkungen ist

- Etalon
- Rot-Bandpass mittels beschichtetem Pentaprisma
- H-Alpha-Schmalband-Bandpass (hier und da ITF genannt)
- H-Alpha-Extremschmalband-Bandpass (Blockfilter für Nebenmaxima)

Das Filter an Position Drei ist Veränderungen zugänglich. Die anderen sind systemrelevant und ohne Komplettumbau weiteren Überlegungen nicht zugänglich.

Filter Zwei und Drei halten im Verbund eingestrahlte Lichtenergie vom Blockfilter Vier fern. Die Energieschutzwirkung des Filters Drei hat leider die Nebenwirkung auch im H-Alpha-Durchlassbereich zu dämpfen. Die Energieschutzwirkung dieses Filters lässt sich zum einen verlagern und zum anderen durch Wechsel auf andere Technologie in der Dämpfwirkung mindern.

Ich habe dazu einen hochwertigen 2“-7nm-H-Alpha-Interferenzfilter genommen, höchstvorsorglich mit einem 2“-UV/IR-Cut-Interferenzfilter kombiniert und vor dem Objektiv platziert. Dabei das Filter Drei (ITF) entfernt.

Ergebnis: Es gelangt außer 7nm-H-Alpha keine Lichtenergie ins PST! Die Dämpfung im H-Alpha ist minimiert.

Das H-Alpha-Licht ist wenig polarisiert. Dennoch lässt sich mit einem Single-Polfilter die Helligkeit so gezielt beeinflussen - es sind jetzt Lichtreserven vorhanden - dass eine empfindbare Kontraststeigerung erzielbar ist. Je nach Stellung und Okular ist es gefühlt nahezu schwarz um die Sonne. Das war davor nicht so.

Das könnte auch eine Lösung für die Fälle defekter ITF-Filter sein.

Stichwort Sicherheit fürs Auge: Was passiert, wenn der Frontfilter platzt? Das gleiche, wenn der ITF-Filter platzt. Insoweit keine Änderung. Die Dämpfungswirkung des Prismas bleibt erhalten. Riskant würde es, wenn ein Platzen der Filter (ITF oder Front-H-Alpha) nicht bemerkt würde, weiterbeobachtet würde und der Blockfilter als letzte Instanz in beiden Fällen (wegen Überlastung?) platzen würde. Dann erreichte lediglich durch das Etalon und das Prisma gedämpftes Licht das Okular und dann das Auge.

Wohlgemerkt, das gilt für beide Fälle. Es bleibt am Ende alles eine Frage der Eintrittswahrscheinlichkeiten.


Das Prisma wirkt im übrigen außerhalb des Roten rund um H-Alpha wie ein Sonnenpentaprisma, also um die 99,8% werden an die Gehäusewandung des PST ausgeleitet. Das macht es in beiden Fällen zuverlässig. Das Pentaprisma ist failsafe. Platzt das, kommt kein Licht ins Okular.

Die Reihenfolge der Filterwirkung ist jetzt

- 2“ 7nm-H-Alpha-Interferenzfilter (Frontfilter)
- 2“ UV/IR-Cut-Interferenzfilter (Frontfilter)
- Etalon (Original)
- Rot-Bandpass mittels beschichtetem Pentaprisma (Original)
- H-Alpha-Extremschmalband-Bandpass (Blockfilter für Nebenmaxima) (Original)

- je nach persönlichem Empfinden wahlweise Graufilter, Polarisationsfilter, 1,25“-3nm-H-Alpha am Okular.

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Grüße, *entfernt*
 
Ich würde ausgerechnet den ITF nicht einfach einsparen. Dieser Filter ist das einzige Glied in der Filterkette, welches den IR Bereich bis hinauf zu 2500nm blockt, denn so weit reicht die Sonnenstrahlung. Weder der normale UV/IR Cut, noch der 7nm H alpha vermag das, beide machen ab 1100nm wieder auf, was für ihren normal gedachten Einsatzzweck auch völlig ausreicht. Etalon und Bandselektionsfilter sind da ziemlich durchlässig, und was genau das Pentaprisma nun weiterleitet und was nicht, ist ziemlich unbekannt. Da es grün und Blau herausleitet, könnte es ein üblicher Langpassfilter sein, alles bis gelb oder hellrot geht wie beim Sonnenpenta raus, alles danach wird weitergeleitet.
Hier sollte man nochmal etwas genauer nachschauen, bevor ein Augentoast auf Raten das Ergebnis ist.
Lg
 
Hallo Reinhold,

Ich habe dazu einen hochwertigen 2“-7nm-H-Alpha-Interferenzfilter genommen, höchstvorsorglich mit einem 2“-UV/IR-Cut-Interferenzfilter kombiniert und vor dem Objektiv platziert. Dabei das Filter Drei (ITF) entfernt.

Ergebnis: Es gelangt außer 7nm-H-Alpha keine Lichtenergie ins PST! Die Dämpfung im H-Alpha ist minimiert.

dieses Arrangement liefert KEINE sichere Blockung !!!

Sowohl der UV/IR-Filter (der hier eigentlich nutzlos ist) als auch der 7nm-H-alpha-Filter blocken im IR ab ca. >1000-1100nm nicht mehr!
Genau für diese wichtige Blockung bis in's tiefe IR ist der ITF da und darf nicht einfach so weggelassen werden! Dieser leider korrossionsanfällige Filter bietet immer noch die beste Blockwirkung im IR. Ein KG-Ersatz beispielsweise hat bei weitem nicht dieselbe Wirkung.

Das Prisma wirkt im übrigen außerhalb des Roten rund um H-Alpha wie ein Sonnenpentaprisma, also um die 99,8% werden an die Gehäusewandung des PST ausgeleitet. Das macht es in beiden Fällen zuverlässig. Das Pentaprisma ist failsafe. Platzt das, kommt kein Licht ins Okular.

Mir ist nicht bekannt, dass das PST-Pentaprisma neuerdings eine IF-Beschichtung auf den Reflexionsflächen haben sollte, die selektiv nur H-alpha reflektiert.
Hast Du dafür eine Quellenangabe?

Ciao Werner

PS.: Olli war schneller ...
 
Mir ist nicht bekannt, dass das PST-Pentaprisma neuerdings eine IF-Beschichtung auf den Reflexionsflächen haben sollte, die selektiv nur H-alpha reflektiert.
Hast Du dafür eine Quellenangabe?

Hallo Werner,

davon kannst du dich durch eigene Be- und Durchschau überzeugen. Bei Durchschau durch das freie Prisma siehst du Rot. Intelligente Lösung von Coronado!

Grüße *entfernt*
 
Klar doch
Etalon (Maximum H alpha und Nebenmaxima sind zu klein für die Auflösung der Spektrgrafischen Messung):
Cor-SM60-log.gif


Der ITF:
Cor-BF151-lin.gif


Der Bandselektionsfilter:
Cor-BF15Ha-lin.gif


Und nochmal der Bandselektionsfilter, hier reingezoomt auf den wichtigen Bereich:
Cor-BF15Ha-zoom.gif


LG, Olli
 
Die Firma Beloptik bietet Austausch ITFs für Coronadosysteme an, mein Bruder hat so eins, in Sachen Helligkeit und Kontrast ein echt mega upgrade. Die Transmission On Band ist wesentlich höher. Die nutzen wie Coronado, Lunt und Daystar das bewährte Schott KG3 Glas als Filtersubstrat, das blockt zuverlässig den vollen IR Bereich, darauf ist eine UV Cut Beschichtung und H alpha Filterbeschichtung. Insgesamt ist die von Beloptik benutzte Beschichtung wesentlich moderner, hat auch Antireflex, womit die Transmission On Band insgesamt dezutlich besser ist, als die doch sehr veraltete Filtertechnik von Coronado. Die Lunt BF sind da wohl heute technich etwas Raffinierter als die konservativen Coronado. Daystar und Solar Spectrum machen da ihr eigenes Süppchen, aber die nutzen auch Mica Etalons. Die Finesse und damit erforderliche Blockfiltertechnik liegt da in anderen Dimensionen.
LG, Olli
 
[..] dieses Arrangement liefert KEINE sichere Blockung !!! […]
[…] Die Firma Beloptik bietet Austausch ITFs für Coronadosysteme an, […]

Hallo Olli,
Hallo Werner,

ich habe „hochwertige“ Frontfilter und okularseitige Filter eingesetzt. Die Zielsetzung war dabei Konraststeigerung gegenüber dem Originalzustand hinzubekommen, ohne dabei Kompromisse beim Thema Sicherheit relativ zum Originalzustand eingehen zu müssen. Das ist mir durch Einsatz hochwertiger Komponenten gelungen.

Ein schöner Nebeneffekt könnte dabei sein, dass der originale interne ITF entbehrlich wird. Wer dies als Chance begreift, könnte statt eines neuen ITF bei der ins Spiel gebrachten Firma den folgenden

2“-UV/IR-Cut für 119,-€ kaufen. Der sperrt laut Herstellerangaben bis ins ferne Rot.

2“-H-Alpha Bandpassfilter gibts ab etwas über 120€, je nach gewünschter Bandbreite.

Beide als Frontfilter reduzieren den Energieeintrag in H-Alpha-Teleskope auf den H-Alpha-Bandpass. Interne ERF oder ITF können damit entbehrlich werden.
Beide Frontfilter sind abseits des Sonnen-H-Alpha universell an anderen Teleskopen und Okularen einsetzbar, was ich von einem internen ERF oder ITF jetzt mal so ohne Weiteres nicht vermuten würde. Möglicherweise ist der Gedankengang eine Option für den ein oder anderen. Feel free …

Grüße, *entfernt*
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Der von dir verlinkte UV/IR Cut ist tatsächlich Safe, dieser nutzt ebenso KG3 als Substrat. Die “normalen“ von Baader/Astronomik etc hingegen blocken nur bis 1100nm. Eine Kombi aus H alpha und dem Beloptik UV/IR Cut macht in der Summe übrigens das selbe, wie der Beloptik ITF, der direkt für den Austausch bei Coronado BFs gedacht ist. Beide Varianten bieten etwa 70% Transmission On Band, entgegen den 43% des original Coronado ITF.
LG, Olli
 
Hallo zusammen,

davon kannst du dich durch eigene Be- und Durchschau überzeugen. Bei Durchschau durch das freie Prisma siehst du Rot. Intelligente Lösung von Coronado!

Mein PST-Pentaprisma zeigt bei der Durchschau nur ein etwas gelblich erscheinendes Bild. Auch hier scheint das PST von dem/den Herstellern über die Zeit hinweg modifiziert worden zu sein.
Eine andere Modifikation betrifft das Etalon: neuere PST-Etalons scheinen eine golden-spiegelende Beschichtung wie nahezu alle anderen Luftspaltetalons auch zu haben. Die alten Etalons hatten je nach Ansicht eine bläulich erscheinende Beschichtung, die nur in einem Spektalbetreich +/- 50-100nm um H-alpha wirksam war. Insofen scheinen die neueren Etalons jetzt über einen größeren Spektralbereich zu arbeiten.

Nachdem oben von UV/IR-Cut-Interferenzfiltern die Rede war, bin ich wie Olli davon ausgegangen, dass es sich um Standard-UV-IR-Filter handelt, bei denen nur die IF-Beschichtung blockt. Bei den UV/IR-KG3-Filtern (beloptik) blockt natürlich auch das Substrat. Allerdings stellt sich hier die Frage wie stark blockt der Filter tatsächlich und reicht das?

Hierzu sind/wären unbedingt Filtermessungen notwendig, die die Transmission bis zu OD ca. 5 herunter dokumentieren und zwar in logarithmischer und nicht linearer Skalierung, sonst erkennt man die wichtigen Details nicht. Mit einem Standardspektrometer sind solche Messungen nicht möglich. Peter Höbel, dessen sonnefilter-site leider nicht mehr aktiv ist, hat sich ein derartiges Spektrometer aufgebaut und diese Messungen durchgeführt. Diese Messungen sind nach wie vor die nahezu einzige Grundlage, die wir dazu haben! Auch ein KG3-Filter von beloptik wurden noch von ihm vermessen:


Die nötige Mindest-Blockung wäre bis 780nm OD 5 (0,001%), ab 780nm ca. OD 2,3 (0,5%). Ab 1400nm gibt es keine Empfehlung mehr. Der vermessene UV/IR on KG3-Filter erfüllt dies im IR ab 780nm und, wenn man das OD 2,3-Kriterium weiter ausdehnt ab ca. 1800nm nur noch knapp (Einzelmessung!!!).

Im Gegensatz dazu ist die Blockung des Coronado-ITF ab ca. 1000nm bis weit in's IR um den Faktor 10-1000 besser (rund OD 5). Hat's eine Relevanz? Coronado wollte hier wohl offensichtlich keinerlei Risiko eingehen.

Von dem als ITF-Ersatz vertriebene Kombifilter (H-alpha+KG3) gibt's leider nur eine Messung mit linearer Skalierung, so dass sich leider nicht erkennen läßt ob dieser ausreichend blockt!


Hier würde ich mir unbedingt eine weitere Messung bis OD 5 herunter mit logarithmischer Darstellung wünschen, um diesem Filter zu vertrauen.

Ciao Werner
 
Hallo Werner,

mein Ansatz war ja zunächst den Energieeintrag ins Teleskop zu minimieren. Das gelingt in jedem Fall, indem ich einen Interferenz-H-Alpha-Schmalbandfilter vor dem Objektiv platziere. Baader ist beim Solar-SCT einen Schritt weitergegangen und hat die Schmidtplatte mit drei Bandpässen beschichten lassen. Eine Beschichtung des PST-Objektives ergibt preislich keinen Sinn. Insofern ist der Ansatz mit dem etwas gekippt eingelegten 2“-Filter vor dem Objektiv recht pragmatisch. Der Energieintrag ins Teleskop lässt sich weiter optimieren, indem man geeignete weitere Interferenzfilter ergänzt.

Der nächste Ansatz war, ohne optomechanischen Umbau die Bildhelligkeit zu erhöhen, um einen Polfilter einsetzen zu können. Ich hatte die - zumindest für mich - erstaunliche Erfahrung gemacht, dass der Einstellungsumfang sehr gering ist, allerdings , zum Dunklen hin verstellt, eine visuelle Kontraststeigerung bringt, mit der ich nicht gerechnet habe. Eine Einstellung mit Graufiltern gelingt nicht, da ich sie nicht fein genug abgestuft verfügbar habe. Es geht um Nuancen.

Der originale ITF hat im H-Alpha offenbar relativ viel Grunddämpfung. Die Frage könnte sein, ließe sich das durch eine andere Filtertechnologie verbessern. Ich meine ja.

Dem Vernehmen nach hätte die Firma Beloptik einen Austauschfilter mit geringerer Grunddämpfung im H-Alpha. Da mein originaler ITF in Ordnung ist, ist ein Wechsel eine Kostenfrage. Ich habe das ausgelassen. Beim Wechsel auf diesen Filter wäre die Firma in Punkto Sicherheit wohl in der Haftung.

Ich habe den Gedankengang für mich selbst weiterentwickelt und die vermutlich lasche Dämpfung von H-Alpha-Schmalbandfiltern im fernen Infrarot durch Ergänzung von KG3-Filtern auf die gefühlt sichere Seite gebracht.

Da das PST recht klein ist, bieten sich zwei Orte für diesen Zusatzschutz an: vor dem Objektiv oder vor dem Okular.

-> Bei einer KG3-Substratdicke von 2mm sehe ich für mich, bei diesen kleinen Teleskopen alle Sicherheitsbedenken im nahen und fernen Inrarot ausgeräumt.

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Derart abgesichert, erscheint mir persönlich der originale ITF entbehrlich und die Bildhelligkeit erhöht. Damit bin ich in der Eigenverantwortung. Das muss nun jeder Nachahmer für sich selbst entscheiden, was er nachahmt und wie weit er dabei geht.

Auch ein PST ist im Original nicht failsafe. Die Sicherheit endet am originalen ITF oder einer KG3-Alternative. Letztlich bin ich an der Sonne zum Fan des elektronischen Okulares geworden.

Grüße, *entfernt*
 
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