Längere Belichtungszeit führt zu deutlich schlechterem Ergebnis

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AstroBrot

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Hallo zusammen,

seit ich Bilder mit meinem neuen Mount aufnehme sprich 180 statt 60 Sekunden belichte, werden die Bilder nichts mehr.

Ich habe gestern beispielweise den Herz Nebel fotografiert.
Dabei habe ich jeweils für 3 Minuten bei ISO 800 belichtet. Irgendwie sind meine Bilder so aber immer zu hell und zu rot.
Ein Beispiel:

Heart Nebula 3 min ISO 800.png
Dagegen ein Beispiel des Orion Nebel bei 60 Sekunden und ISO 1600:
Orion Nebula 1 min ISO 1600.png

Ich bin bei den 3 Minuten Belichtung deswegen auf ISO 800 runter gegangen, da das Bild sonst viel zu hell geworden wäre.
Und dann jeweils direkt nach dem Stacken mit DSS:

Heart Stack.png
Und der Orion:
Orion Stack.png

Anschließend werden die Bilder dann nach dem gleichen Schema in PS bearbeitet:
  1. Stretchen
  2. Farbkorrektur über die Tonwertkorrektur
  3. Kopie in neuer Datei einfügen
  4. Über Filter -> Rauschfilter -> Staub und Kratzer den Lightpollution Gradienten aus dem Hintergrund berechnen
  5. Diesen dann vom Originalbild über Bild -> Bildberechnung subtrahieren
  6. Nochmal stretchen
Ergebnisse:

Herz Nebel: 2,5h Gesamtbelichtungszeit bei 50x180s
Heart Edited.png
Orion Nebel (Mit Horsehead und Flame -Nebula): 30min Gesamtbelichtungszeit bei 30x60s
Orion Edited.png

Beim Herz Nebel sieht man, ich muss viel zu stark stretchen bis man überhaupt was sieht. Und dann wird das Bild natürlich Grau.
Ich weiß, dass der Orion deutlich einfach zu fotografieren ist, aber irgendwas mache ich Falsch bei längeren Belichtungszeiten. Ich sehe zwischen 1x180s und 50x180s kaum einen Unterschied was den Nebel an sich an geht.

Jetzt wäre es natürlich interessant, den Vergleich mal mit 150x60s bei Bildern mit ISO 1600 vom Herz Nebel zu sehen. Aber bevor ich mir die Mühe mache, frage ich lieber mal hier nach ;)

Zum Setup:

Mount: iOptron GEM28
Kamera: Nikon Z5
Refractor: WO RedCat51 (250mm f/4,9)
Bortle: Class 4 (Da ich denke, dass der Wert bei der Belichtungsdauer eine Rolle spielt)
Immer ohne Filter und im RAW format.

In Zukunft würde ich gerne nicht auf Belichtungszeiten von 60 Sekunden sitzen bleiben :)


Viele Grüße
Julian
 
Frank hat’s ja schon beschrieben.
Der Orionnebel ist einerseits rund 7x heller (scheinbare visuelle Helligkeit) plus die Astromodifizierung für den Herznebel, also nicht wundern.

Zu hell sind deine Rohbilder übrigens nicht, Histogramm hat sich lediglich gut vom linken Rand gelöst, so wie’s sein soll. Du wirst aber mit ISO 800 aufgrund des größeren Dynamikumfangs und weniger gesättigten Sternen besser fahren.

Zu rot macht auch nichts, das ist einfach nur eine Sache der Farbkalibrierung. Entweder zu rot oder häufig auch zu grün, ist normal bei den Rohbildern bzw. nach dem Strechen.
Gute, gescheite Farbkalibrierung in PS, keine Ahnung ob das überhaupt geht, da gibt es versiertere PS-Experte als mich. Oder du lässt den Punkt Farbkalibrierung (Farbgewichtung) von einem kleinen Zusatzprogramm erledigen, wenn du ansonsten in PS weiter arbeiten möchtest.
Ansonsten aber auf jeden Fall vor dem Strechen durchführen.

Grüße,
Alex
 
Nein meine Nikon ist nicht modifiziert. Kann hier eventuell auch ein Filter Abhilfe schaffen? Oder brauche ich wirklich eine dedizierte Astrocam?

Wenn die Bilder nicht zu hell sind, warum ist das Resultat dann so grau? Also mal unabhängig davon dass der Nebel fehlt.
Mir fehlen hier die besseren Schwarzwerte wie beim Orion Bild. Wie eigentlich schon bei den Einzelaufnahmen...
Der Kontrast fehlt dann einfach.
Beim Orion Bild müsste ich viel stärker stretchen bis es auch so Grau wird.

Grüße
Julian
 
Nein meine Nikon ist nicht modifiziert. Kann hier eventuell auch ein Filter Abhilfe schaffen? Oder brauche ich wirklich eine dedizierte Astrocam?

Nein, ein Filter hilft hier nicht. Es geht darum nicht einen weiteren Teil des Spektrums zu beschneiden, sondern die Transmission zu erhöhen. "Normale" Kameras sind im Normallfall kaum empfindlich für tiefes rot (Ha). Bei einer Astromodifikation wird ein eingebautes Filterelement entfernt, sodass mehr Ha auf dem Chip ankommt. Eine modifizierte DSLR ist auch nicht so viel anders als eine Astrocam.
Und ja, Herznebel ist eine ganz andere Kategorie als Orionnebel. Ich hatte den letztens mit ordentlich Mondlicht aufgenommen und mich auch gewundert wie wenig Ha da rum kommt wenn der Himmel nicht richtig dunkel ist. Liegt also nicht an der anderen Aufteilung der Belichtungszeit.

Mir fehlen hier die besseren Schwarzwerte wie beim Orion Bild. Wie eigentlich schon bei den Einzelaufnahmen...
Der Kontrast fehlt dann einfach.

Das ist nur eine Frage des Stretchesn wo du den Schwarzwert denn setzt. Bei den langen Aufnahmen ist logischerweise der Hintergrund viel heller. Der Unterschied ist halt dass der Orion sofort raus kommt, weil das Signal so stark ist.
Ansonsten kannst du gern mal dein Summenbild teilen ;)
 
@Altair danke den Unterschied hab ich verstanden :)
Welches Bild ist denn genau das Summenbild? Das nach dem Stacken in DSS?Das habe ich oben ja schon angehängt. Nur eben nicht in Originalgröße da dies ja über 100 MB hat. Oder meinst du ein anderes?

Danke @fluthecrank für den Vergleich.
Wenn ich mir dein unmodifiziertes Bild anschaue, ist da im Vergleich zu meinem ja noch extrem viel Luft nach oben. Mit diesem Ergebnis wäre ich ja erstmal zufrieden. Meines ist ja einfach nur Grau ohne jegliche Details..

Könntest Du mir hier ein paar Tipps zur Nachbearbeitung geben?

Danke und Grüße
Julian
 
Hi Julian,
das ist echt schwierig. Ich arbeite mittlerweile mit AstroPixelProcessor zum stacken dann Pixinsight für das Postprocessing.
Da habe ich mir jetzt einen einigermaßen stabilen Workflow erarbeitet. Ich betreibe die Astrofotografie jetzt knapp 3 Jahre, das kann ich schlecht in ein paar Posts bringen. Im Grunde habe ich mir das alles selbst beigebracht , probieren, probieren und probieren. Ansonsten in Foren mitlesen und am besten bei einem Astro Verein mitmachen und von den Pros lernen.
Der wichtigste Tip ist aber: Belichtungszeit ist durch nichts zu ersetzen.
Im Marktplatz ist doch immer wieder mal eine Canon xxxDa zu finden, das macht dann schon einen Unterschiede. Mein Herznebel ist mit einer Canon 600Da aufgenommen.
Stell doch mal einen Stack ein, dann probieren wir mal, was rauszuholen ist (am besten als xxxxx.fits).

Und ganz wichtig: dranbleiben und nicht die Geduld verlieren................

CS

Frank
 
Das TIFF hat leider eine Größe von 206 MB weshalb ich es nicht hochladen kann. Gibts hier ne Möglichkeit, das doch zu tun?

Aber das sieht schon mal deutlich besser aus als das, was ich aus dem Bild machen konnte, Frank :)
 
Hi Julian,

hab dein TIF mal auf die Schnelle zur Übung in SiriL bearbeitet:

Heart Nebula siril.tif.png

Gruß
Peter
 
Hey Peter,
Das sieht ja schon echt sehr gut aus.
Jetzt müsste mir das nur noch jemand beibringen ?
Du hast nicht zufällig ein Tutorial dazu parat? ...

Jetzt weiß ich nur nicht, ob es an der Software (PS) oder (was wahrscheinlicher ist) an meinen PS Skills liegt, dass das Bild nichts bei mir wird.

Ich frag mich jetzt ob ich überhaupt bei PS bleiben soll oder mal Siril probieren soll. Aber das wird sich wohl mit der Erfahrung zeigen...

Vielen Dank jedenfalls :)

Grüße
Julian
 
Hey Frank,

okay das sieht echt hammer aus. Dann sind meine Aufnahmen ja gar nicht so schlecht :D
Sind das jetzt beides Ergebnisse aus meinem TIFF sprich das zweite ein Crop?

Die Software PI sagt mir erstmal gar nix ?
Ich werde mich dazu mal schlau machen.

Danke euch @AstroPZ und @fluthecrank für die Zeit!

Sieht doch wirklich nicht schlecht aus was man auch ohne Astrocam hin zaubern kann :)

Ich werde mal versuchen durch viel Übung an eure Bearbeitungen ran zu kommen...

PS: Vielleicht ergibt sich ja mal die Möglichkeit, dass mir einer von euch die Bearbeitung privat zeigt und bei bringt...

Danke und Grüße
Julian
 
Hi Julian,

nur zur Warnung: du hast da einen fiesen Farb-Gradienten durch Licht-Verschmutzung von links oben nach rechts unten.
Solltest mal das neue kostenlose Gradienten Entfernungs Tool von Frank benutzen:


Meine Bearbeitung ist halt nicht ganz so aggressiv. Das ist aber Geschmacksfrage.

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Julian,
genau, beide auf Basis Deines TIFF, das zweit gecropt.
PI heisst Pixinsight, kostet was, damit hast Du aber ein komplettes Tool. Zum Stacken nehme ich AstroPixelProcessor, das ist etwas einfacher in der Bedienung, kostet auch was, aber PS ist ja auch kein Schnäppchen........................
Gibt auch Pros in PS, aber da kenne ich mich nicht aus.

Versuch macht kluch :)

CS
Frank
 
Hallo Julian,

ich habe eine schnelle Bearbeitung deines TIFF mit APP, Starnet und PS gemacht. Deine Daten sind an sich sehr Ok. Fokus super, feine Sterne, da passt alles. Für eine unmodifizierte Kamera kommen die Emissionsnebel ziemlich gut heraus.

Hier das schnelle Ergebnis:
Heart_Nebula_peter_klein.jpg

Die volle Auflösung ist hier: https://www.dropbox.com/s/5ng3h3s0uirq7x0/Heart_Nebula_pete.tif?dl=0. Man kann sich mehr Mühe machen mit der Rauschentfernung, den Farben etc., aber darum geht es hier ja nicht.

Du hast kein Problem mit "zu hell und zu rot". Das ist alles im normalen Bereich und nur eine Frage der Kalibrierung, mit den passenden Methoden/passender Software relativ leicht zu beheben. Die Kalibrierung ist aber mit PS allein nicht einfach. Das geht in APP oder PI deutlich besser, vielleicht auch in Siril, Fitswork etc. (kenne ich aber nicht gut genug).

Du hast aber noch andere Probleme, welche die Bildbearbeitung und insbesondere das Stretchen limitieren. Du musst unbedingt Flats, falls du bereits Flats verwendet hast, bessere Flats benutzen. Denn du hast eine deutliche Vignettierung in den Daten, die auch nach der Gradientenentfernung in APP noch vorhanden ist. Das sieht man gut im sternlosen Bild:

Screenshot 2022-04-30 115759.jpg


Und dann ist da noch der "Lichtwurm" auf 2 Uhr, der da nicht hingehört. Das sieht wie eine wandernde Reflektion aus, aber was ist die Ursache dafür?

Viele Grüße
Peter
 
Hallo zusammen,

ich sehe schon, dass ich mich noch deutlich mehr mit der ganzen Software vertraut machen muss, danke für die ganzen Tipps :)
Gut nach den 4 Monaten, in denen ich jetzt die Sterne fotografiere, darf ich wohl auch noch nicht zu viel erwarten :D

@pete_xl Wow auch ein sehr schönes Ergebnis!
Ich hab Flats verwendet, allerdings habe ich die nicht am selben Tag aufgenommen. Sprich unter anderen Bedingungen... War vielleicht keine so gute Idee.
Dieser Lichtwurm ist mir bei den Flats auch schon aufgefallen, Eventuell war da ja ein Fussel auf der Linse...
Die Flats kann ich ja nochmal nach einer anderen Session und passenderen Bedingungen wiederholen und schauen, dass diese besser sind.
Vielleicht eine kurze Frage dazu: Wie viele Flats brauche ich denn und heißt mehr Flats ein besseres Ergebnis? Dann könnte ich ja einfach mal 256 Stück machen. Dauert ja nicht lange. Ich hab sonst immer so 60 Stück genommen. Oder gibts da best practices? Und die Außentemperatur sollte auch die selbe wie bei den Lights sein oder?

Grüße
Julian
 
Zuletzt bearbeitet:
Julian, die Anzahl der Flats macht es nicht, 30 sollten reichen. Du musst sicher sein, dass du bei der Aufnahme kein Lichtleck hast. Flats müssen korrigiert werden. Dazu benutzt man Bias Frames oder Flat Darks.

Die Frage der richtigen Software ist ein Thema für sich. Es stellt sich nicht einfach nur die Frage, ob z.B. Siril oder PS. PS ist nur für die Weiterbearbeitung von gestackten und beteits kalibrierten Aufnahmen geeignet, dafür allerdings sehr gut, wenn man sich damit auskennt. Vorneweg braucht man immer ein Programm zum Stacken, Kalibrieren und Gradientenentfernen wie etwa APP oder PI. PI ist eine vollständige Programmsammlung. Allerdings ist die Lernkurve nicht nur sehr steil, sondern auch sehr lang. Nach meiner Einschätztung braucht man auch mit PI am Ende wieder eine Bildbearbeitung wie z. B PS.

CS Peter
 
Hallo zusammen,

ich wollte euch mal ein kleines Update geben. Mein Fehler lag wohl hauptsächlich dabei, dass ich den Gradienten in Photoshop raus rechnen habe lassen.
Bei folgender Bearbeitung habe ich das Tool von Frank und seinem Team benutzt: Graxpert.
Danke Peter für den Hinweis!

Ich habe also das TIF aus DSS direkt in Graxpert gepackt und den Gradienten entfernen lassen. Anschließend noch etwas in Photoshop gestretcht und siehe da - ein deutlich besseres Ergebnis. Wirklich ohne viel Aufwand ?

Heart Nebula Edited.jpg


Bin mir hier jetzt nur nicht sicher, ob die Sterne wirklich so gelb sein sollen, oder ob ich das noch bearbeiten muss. Und nach allgemein etwas zu vielen Sternen sieht es mir auch aus. Kann man da vielleicht noch was machen?


Danke und Grüße
Julian
 
Und vielleicht noch als Randinfo: Hab Graxpert mal auf das oben erwähnte Orion Bild angewendet und einen Ausschnitt vom Horsehead & Flame Nebula gemacht.

PS vs Graxpert:
Horsehead vorher nachher.jpg

Wie man sehen kann, bekomme ich so deutlich mehr Details raus. Ich seh schon ich muss alle meine alten Bilder nochmal neu bearbeiten ... haha.
 
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