TS Hypergraph 8 - Spiegelfehler oder Justageproblem?

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sterngugger12

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Hallo liebe Astro Kollegen,

vor wenigen Tagen habe ich mir von einem großen deutschen Astrohändler einen gebrauchten TS Hypergraph 8 (Newton Astrograph mit eingebautem Reducer, 200mm, f3.2) aus der Schnäppchenliste gekauft. Hier der Link auf das selbe Neugerät.

Leider ist die Abbildungsqualität nicht zufriederstellend: Sterne zeigen auch bei genauer Scharfstellung mit Bathinov Maske parallele Doppelspikes und wirken unscharf. Sie sind aber rund bis in die Ecken meiner ASI294MCpro. Die HFD Werte in ASTAP sind auch deutlich zu hoch. Das ganze ist unabhängig davon, ob ich einen UVIR Filter verwende oder keinen Filter. Details und Bilder siehe unten.

Den Hypergraph habe ich mit meinem Justierlaser exakt justiert, da diese durch den Transport per DPD doch etwas gelitten hatte. Für die finale Hauptspiegel Feinjustage wurde die Barlowed Laser Methode angewendet. Die Justage erfolgte ausgekühlt, unter ca. 45 Grad Anstellwinkel nach oben und mit eingeschraubtem Reducer/Korrektor.
Anschließend habe ich die Justage noch mit der von Daniel Nimmervoll in seinem hervorragenden Video vorgestellten Methode der Newton Justage mit Nachführkamera überprüft. Soweit alles perfekt.

Ich hätte dazu gerne Euren Rat und hoffe mal wieder auf Eurer geballtes Wissen und Erfahrung. Insbesonder interessiert mich, ob die Ursache ein Spiegelfehler (welcher) sein kann, oder doch an einer noch zu ungenauen Justage liegen könnte. Ein f3.2 ist ja eine Mimose was das angeht. Was könnte ich noch tun?
Danke schon mal für die Hilfe.

Viele Grüße und schönen Feiertag

Ralf

Hier ein Bild der Kollimation mit der Nachführkamera + Objektiv im OAZ und eine Ausschnittvergrößerung des Zentrums:
Justage1.JPG

Justage2.JPG




Aufgefallen sind mir folgende Unstimmigkeiten, zu deren Interpretation ich gerne Eure Expertise hätte:

1) Sehr unterschiedliche Abbildung des unscharfen Sterns bei intra-, extrafokaler Fokussierung (etwa derselbe Weg in beide Richtungen um den Fokuspunkt).
Der Stern war genau in der Bildmitte. Man sieht den Offset des FS.

1654467812693.png

intrafokal extrafokal


2) Parallele Doppelspikes bei Sternen, auch wenn sie exakt scharf gestellt wurden (mit Bathinov Maske)
1654468207526.png




3) Doppelspikes auch während der Verwendung der Bathinovmaske,
1654468242891.png



4) Deutlich zu hohe HFD Werte bei der Auswertung mit ASTAP. Tilt ist hingegen gut.
M81+M82.jpg
 
Hallo Ralf,

Ich kann dir nur bedingt weiterhelfen leider, weiß allerdings dass bei intra- und extrafokaler Fokusstellung der Versatz um die exakte Mitte normal ist.
Ich dachte früher auch immer dass dieser gleich sein muss, wurde aber durch eine sehr gute Anleitung von Tommy nawratil eines besseren belehrt.
Das hängt damit zusammen dass bei intra und extrafokal auch der FS ja einmal NÄHER zum Brennpunkt und einem WEITER vom Brennpunkt hin ist.

Zu den anderen Fragen kann ich leider nichts sagen. :(

Viel Erfolg bei der Lösungsfindung :)

Gruß und schönen Feiertag.
Patrick
 
Hallo Ralf,

der gravierende Unterschied der FS-Abschattung zwischen intra- und extrafokal ist ein eindeutiges Zeichen für sphärische Abberation. Dadurch fallen die Strahlen nicht in einem Fokuspunkt zusammen, was die Doppelspikes verursachen kann.

Der Korrektor kann Quelle des Übels sein, mach mal einen Test ohne. Würde auf jeden Fall den Händler mit ins Boot holen.

Grüße,
Alexander
 
Hallo Patrick, hallo Alexander,

schon mal vielen Dank für Eure Unterstützung und Einschätzung.
@Patrick87 : Ja, genau, durch den Spiegeloffset erscheint der FS Schatten etwas außerhalb der Mitte und kippt um 180° beim Übergang von Intra zu Extra bzw. umgekehrt. Das war mir aus dem Primer von Tommy bekannt, den ich ebenfalls zurate gezogen habe. Danke für den Hinweis :)

@Alexander. Danke für Deine Einschätzung, die teile ich auch. Mir ist allerdings der Unterschied zwischen intra- und extrafokal doch recht groß vorgekommen, so dass ich gestern Nacht noch durch Wolkenlücken weitere Aufnahmen gemacht habe. Dabei habe ich darauf geachtet, dass die Scheiben möglichst gleich groß sind.

Hier das Ergebnis
Extra.jpg
Intra.jpg

Auf diesen Bildern sind zumindest im linken auch die konzentrischen Kreise besser sichtbar, als auf meinen obigen Aufnahmen. Aber auch hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied der FS Abschattung.

CS Ralf
 
Hallo Ralf,

habe deine beiden letzten Donuts mal mit WinRoddier ausgewertet. Ergibt wie vermutet, eine sehr starke sphärische Abweichung, hier unten die Auswertung.
Als Pixelgröße habe ich 4,63 µm (ASI294) verwendet. Optimal ist die Auswertung nicht, da die Aufnahmen hier im Forum komprimiert sind. Wenn du magst, kannst du mir gerne die Rohbilder schicken, dann lass ich die nochmal durchlaufen. In vielen Aufnahmeprogrammen kannst du auch ein Kreis- oder Rechteck-Overlay einblenden, um die Größe der Sternscheibchen besser kontrollieren zu können. So besser intra- und extrafokal von der Größe her zusammen liegen, so besser für die Auswertung.

Die aktuell ermittelte sphärische Abweichung ist mit 3 Lambda extrem hoch, selbst wenn das nur halbwegs stimmt, ist aktuell mit dem Instrument leider keine, auch nicht annähernd, beugungsbegrenzte Abbildung möglich.

Asti ist auch noch mit dabei, was durch einen zu stark geklemmten Spiegel oder Probleme mit der Spiegellagerung kommen kann, eventuell auch der FS.

Aber das sollte man besser vorher nochmal mittels mehrerer Aufnahmen, eventuell sogar gestackten (um das Seeing rauszumitteln) gegenprüfen.

Wie lang waren aktuell die Belichtungszeiten der Sternscheibchen? Und natürlich ein Stern möglichst zenitnah verwenden.

Wie zuvor schon geschrieben, wäre es wichtig, eine Serie ohne den Korrektor zu machen, um zu sehen, ob es eventuell daran liegt.

Grüße,
Alex

TS 200 Hypergraph.PNG
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Alex,

wow, super, vielen Dank für die Auswertung. Bei meinen Bildern handelt es sich um Einzelbilder mit 1 sec Belichtungszeit. Der Stern (Phekda in UMA) war nahe dem Zenit. Die 4.63 µm sind für meine Kamera korrekt.
Ich habe Dir mal meine Rohbilder hochgeladen. Ich habe jeweils mehrere Einzelbilder mit verschiedenen Fokuseinstellungen intra und extra gemacht. Außerdem ist noch das MasterBias mit dabei. Flats hab ich keine passenden. Alle Lights sind mit 1 sec Belichtung aufgenommen, daher auch keine Darks. Aber das sollte auch nicht erheblich sein für diese Auswertung.
Ich hoffe dass sie verwendbar sind, ich habe tatsächlich nicht darauf geachtet, dass die Größe der Scheibe so exakt gleich ist. Hab ich jetzt gelernt.

Vielen Dank schon mal für Deine Mühe.
Hier der Link auf die Daten auf meinem Google Drive
Die Daten sind mit 7zip gepackt. Hoffe es kappt.

LG und CS Ralf
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,

das Problem ist geklärt: Ich habe von dem Astrohändler die Info bekommen, dass dieses Teleskop systembedingt sphärische Aberration zeigen würde. Eure Diagnose war also richtig. Danke dafür! Mich wundert an dieser Aussage "systembedingt", denn das hieße ja, dass jedes Teleskop dieses Typs das Problem hat.
Vielleicht wird auf dessen Homepage dieser Typ von Teleskopen jetzt mit dem Hinweis verkauft, dass es nur für Kameras mit größeren Pixel geeignet sei. Auflösungsbedingt seien Kameras mit Pixeln <4 µm nicht geeignet.

Da meine Kamera 4.63 µm Pixel hat und die sphärische Aberration mehr als deutlich sichtbar ist, habe ich wohl als Schnäppchen ein besonders schlechtes Exemplar bekommen.
Fazit: Das Teleskop geht zurück an den Händler. Ich hoffe nur, dass es dort nicht wieder in der Schnäppchenliste auftaucht, bzw. dann mit entsprechend deutlichem Hinweis.

Danke nochmals für Eure Hilfe. Sonst hätte ich jetzt womöglich eine Gurke behalten und ewig rumgedoktert.

Grüße und CS
Ralf
 
Hallo Ralf,

gute Entscheidung, du wärst da egal wie, nicht mit glücklich geworden.
Systembedingte sphärische Aberration habe ich noch nie gehört, wahrscheinlich mangelt es mir da aber an hinreichend Kenntnis :)

Nun, es wird schon einen Grund haben, warum in den schnellen TAK Epsilons ein hyperbolischer Hauptspiegel verbaut ist, der aber ungleich schwerer herzustellen ist.

Grüße,
Alex
 
Moin Ralf,

ja, gute Entscheidung. Das ist definitiv sphärische Aberration und zwar heftig. Da braucht es wohl eher 10µ-Pixel, damit es nicht auffällt.
Der spiegel soll ja parabolisch sein (wie so er dann ein "Hyper"-Präfix bekommen hat, ist mir schleierhaft), aber am Ende muss das System aus Spiegel und Korrektor liefern... und die Erwartung ist da natürlich, dass es ab Werk halbwegs passt...

Beste Grüße
Thomas
 
Wow... danke für die Warnung auf diesem Weg.

Wenn 3 Lambda SA "systembedingt" normal sein sollen, fragt man sich echt, welchem Zweck das Teleskop dient. Dass f/3,2 nicht beugungsbegrenzt sein können, ist klar: Das wären 1.8µm Diffraktionsspots. Selbst der Epsilon 160ED ist mit 3µm angegeben. Die Vorteile der der hohen Öffnung und niedrigen Brennweite werden aber durch diese übermäßige Aberration ja völlig zu Nichte gemacht. Da kann man besser einen kleinen APO nehmen. Der kostet weniger, ist handlicher, bildet besser ab - und "schneller" ist er dadurch auch.
 
Hallo Torben,
kannst Du das nochmal etwas erläutern?
Besten Dank.

CS

Dietmar


Weil man so schnelle Optiken nur mit extremem Aufwand beugungsbegrenzt bekommt. Ich weiß nicht, ob es mit Linsen überhaupt geht. Und ein beugungsbegrenzter f/3-Spiegel ist erstens sehr teuer und zweitens ist er das ja auch maximal auf der Achse. Also braucht man auch noch einen entsprechend guten Korrektor oder als Cassegrain einen korrigierenden Sekundärspiegel (Riccardi-Honders, z. B., aber auch die sind nicht beugungsbegrenzt). Zumindest mir ist keine (nicht trivial kleine) Optik bekannt, die im APS-C-Feld beugungsbegrenzt abbildet. Ich lerne aber gerne dazu, falls ich da unrecht habe.
 
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