Zwischen Schlagenträger, Schild und Schütze...

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Uwe65
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Uwe65

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...gibt es eine Menge zu sehen, was spannend für den Fernglasbeobachter ist. Immer wieder motiviert mich dieses Projekt: Fachgruppe Deep-Sky - Vereinigung der Sternfreunde e.V. und so konnte ich in meinem Rhöner Wanderurlaub zwei Nächte nutzen und mit dem stativgestützen 10x42 Fernglas einige deepsky-Klassiker "besuchen". Im weiten Gesichtsfeld des Fernglases ergeben sich schöne Ansichten, die einem das "enge" Gesichtsfeld eines Teleskops vorenthält. Ich denke hier besonder an M24 und M25. Toll sind auch die Ausblicke, bei denen man 2-3 deepsky-Objekt gleichzeitig im Blickfeld hat (M10 und M12, M22 und M28, M16 bis M18).
Es fehlt zwar die Auflösungsfähigkeit eines Teleskops, dennoch ergeben sich Unterschiede bei den Kugelhaufen im Helligkeitsvergleich ohnehin, aber auch im Erscheinungsbild. Das geht von flächig/opak über mittig-aufgehellt bis hin zu grießig oder flockig. Offenen Haufen können teils aufgelöst werden (M25), Gasnebel offenbaren unterschiedlich Formen und Ausdehnungen. Hier die Details:

M9
Ausgehend von Eta Ophiuchii gelangt man nach Süost zu einem annährend regelmäßigen Dreieck ca. 6m heller Sterne. An der westl. Verbindungslinie des Dreiecks findet sich M9 (8.4m). Er erscheint rund, dezent aber direkt sichtbar und mit einer Andeutung einer mittigen Aufhellung.


M10 und M12
Bereits mit freiem Auge ist die Sternwolke leicht zu erkennen. Ähnlich helle Sterne bilden eine breite Spindelform in deren Mitte und unmittelbarem Umfeld, bei indirektem Sehen, zahllose kleine Lichtsprenkel leuchten und glitzern. Bei den Umgebungsbedingungen ein Genussobjekt im Fernglas, das sehr eindrucksvoll ist.
Das kann am Folgeabend weniger bestätigt werden, da die Durchsicht nicht mehr so ausgezeichnet erscheint.
Beide Kugelsternhaufen passen in das GF des Fernglases. Beide werden zur Mitte hin heller, M10 ist erkennbar der hellere der beiden Objekte (6.4m und 7.7.m lt. stellarium). Die Kugelhaufen sind leicht im Fernglas zu erkennen und direkt zu beobachten.


M16, M17, M18
M16 wirkt andeutungsweise von O nach W zweigeteilt. Südlich und nach Westen hin heller.
M17 wirkt im FG länglich, oval (Verhältnis ~ 1:4). M18 kann direkt gesehen werden; erscheint rund, gleichmäßig hell in seiner Ausdehnung, aber unauffällig neben den Gasnebeln.
In der Folgenacht wird das Glas mit einem CLS und einem UHC-Filter vor dem Objektiv ausgestattet. Das Licht der Feldsterne wird weitgehend verschluckt, M16 und M17 treten ein wenig umfang- und kontrastreicher hervor, zusätzlich Details können aber nicht ausgemacht werden.


M23
Im östlichen Teil des Schützen findet sich dieser offene Haufen (5.5m). Er zeigt sich grießig und oval. Am Nordrand wird er östlich und westlich von je einem Feldstern flankiert.


M24
Bereits mit freiem Auge ist die Sternwolke leicht zu erkennen. Ähnlich helle Sterne bilden eine breite Spindelform in deren Mitte und unmittelbarem Umfeld, bei indirektem Sehen, zahllose kleine Lichtsprenkel leuchten und glitzern. Bei den Umgebungsbedingungen ein Genussobjekt im Fernglas, das sehr eindrucksvoll ist.
Das kann am Folgeabend weniger bestätigt werden, da die Durchsicht nicht mehr so ausgezeichnet erscheint.
M24 zeigt eine NO – SW-Ausrichtung. Nördlich schließt sich ein dichter Milchstraßenbereich an, der im FG flockig strukturiert wirkt.


M25
Zw. Schütze und Schild findet sich dieser helle, offene Haufen der grieselig, gesprenkelt aussieht. Ca. 5 Sterne sind direkt erkennbar, bei indirektem Sehen offenbaren sich die schwächeren Haufenmitglieder.
Eine geschwungene Kette von ca. einem Dutzend Sterne beginnt unmittelbar bei M25 und richtet sich kurz nach W um einen Halbbogen beschreibend nach O zu laufen und mit einem leichten Schwung gen Süd zu enden (ca 1° x 3°). Der binoscout aus dem Oculum-Verlag benennt diesen Asterismus mit „Kleopatras Auge“. Sehr, sehr lohnend für Feldstecher!


M22, M28
Mit Lambda Sagittarii als Aufsuchhilfe fällt M22 sofort hell, groß und direkt auf. Neben der eindrucksvollen Helligkeit erscheint er rund und zur Mitte heller werdend; sehr lohnend.
Aufgrund der Prominenz von M22 kann M28 leicht übersehen werden. Westlich vom genannten Stern kann der Haufen schwach, aber direkt erkannt werden. Er ist rund und gleichmäßig hell.


M107
Südlich von Zeta Ophiuchii findet sich dieser Kugelhaufen. Er braucht ein wenig Geduld zum Auffinden, kann dann aber direkt, wenn auch sehr schwach, gesehen werden. Er bleibt im FG eine rundliche, schwache, opake Aufhellung teils an der Wahrnehmungsgrenze.


IC 4665
Nah bei Beta Ophiuchii findet sich dieser fast 1° ausgedehnte, lockere und damit im FG gut auflösbare offene Haufen (4.2m). Bereits mit dem freien Auge kann er als leichte Aufhellung am Himmel erkannt werden. Einige gleichhelle Sterne bilden Ansätze von parallelen Sternketten.


IC 4756 / NGC 6633
Das FG wandert nur wenig nach Ost und trifft auf den verteilten IC-Haufen (4.6m) mit zahlreichen schwachen Mitgliedern, hellere Haufenmitglieder scheinen diese einzurahmen.
Im selben GF findet sich NGC 6633 (4.6m). Er erscheint dreieckig aus ca. 10 Sternen bestehend auf der Spitze des Dreiecks zu stehen. Unmittelbar nördl. verläuft eine diagonale Sternkette. Er hebt sich recht gut vom Milchstraßenhintergrund ab


Tauris Poniatovii (Mel 186)
Die Sterne 66, 67, 68, 70 und 73 Oph bilden ein helles (4m) Dreieck, das sich unmittelbar östlich von IC 4665 befindet und mit freiem Auge am Himmel auffällt. Dieser Asterismus ist gleichzeitig Teil des offenen Haufens Mel 186. Markant im Fernglas.



Soweit aus den Weiten der Milchstraße. Unter dem Fernglas folgten der Adapter zw. Glas und 2-Wege-Neiger, die Stativverlängerung und eben das Stattiv = echtes grab-and-go und mit einer Hand zu tragen ;) . Im übrigen gab es einen Bortle-4-Himmel.

Viele Grüße
Uwe
 
Hallo Uwe,

freut mich sehr, dass regelmäßiger Besucher des VdS-FG-Projektes bist. Ich war zuletzt in den gleichen Regionen wie Du mit meinem 15x56 unterwegs.
IC 4756 und NGC 6633 sind aktuell ebenfalls Lieblingsziele von mir. Viele Sternhaufen wirken meiner Ansicht nach Soundso nur in Ferngläsern, die Gesichtsfelder von Teleskopen sind dafür schon zu klein.

Schau mal bitte Uwe, bei M10 und M12 ist Dir versehentlich der Text von M24 in die Beschreibung mit rein gerutscht.

Beste Grüße

Rene
 
Hallo Uwe,

auch wenn ich schon etwas spät dran bin möchte ich Dir noch für diesen schönen und informativen Beobachtungsbericht danken! Er macht Lust, dort auch selbst mal wieder nach dem Rechten zu sehen. Und liefert jede Menge Vokabeln, um Sternhaufen und Nebelerscheinungen treffend zu beschreiben. :D

Diese Himmelsregion mag ich ebenfalls sehr. Nicht zuletzt, weil es dort schon für das Fernglas so viel zu entdecken gibt.

Gerade die kleine Sagittariuswolke M 24 schaue ich mir immer wieder gerne an. Es ist schon faszinierend, dass man da wie durch ein Fenster auf einen Nachbararm unserer eigenen Galaxie blicken kann!

Und Kleopatras Auge sieht nicht nur hübsch aus. Für mich ist dieser auffällige Asterismus immer eine gute Orientierungshilfe, wenn ich in dieser Gegend zwischen all den Nebelchen und Sternhaufen nicht mehr so genau weiß, wo ich hingerutscht bin.

Dieser Himmelsbereich bietet sich doch auch wunderbar für die eine oder andere Zeichnung an, oder? Und danach gibt es eine Tasse Kakao zum Aufwärmen... ;)

Herzliche Grüße und klaren Himmel!
Sabine
 
liefert jede Menge Vokabeln, um Sternhaufen und Nebelerscheinungen treffend zu beschreiben
Hallo Sabine,
vielen Dank für das freundliche feedback.:)
...ab Oktober wieder heißen Kakao, derzeit schätze ich eher ein erfrischendes Duo zum Genuss: gutes Seeing und meine Trinkflasche vom Rad (mit Wasser).

Schöne Grüße
Uwe
 
Hallo Uwe,

...ab Oktober wieder heißen Kakao, derzeit schätze ich eher ein erfrischendes Duo zum Genuss: gutes Seeing und meine Trinkflasche vom Rad (mit Wasser).
Das sei Dir gegönnt und - vor allem das gute seeing - gewünscht! Bei mir gibt es auch im Sommer hin und wieder, wenn ich beim Beobachten die Zeit vergessen habe und es plötzlich 3 Uhr nachts und frisch geworden ist, zum Abschluss einen "Uwe-gedenk-Kakao". :D :coffee:

Liebe Grüße und schöne Nächte
Sabine
 
Hallo Uwe, hallo Sabine,

Auch mir machte Cleopatra's Auge über viele Jahre visuelle Freude - und diente, wie Sabine das bemerkt, als gute Orientierungshilfe in dieser dicht gedrängten Himmelsregion.

Als ich mich dann systematischer mit den Sternmustern beschäftigte stellte ich überrascht fest, dass niemand das Muster benannt oder beschrieben hatte. So nahmen ich und Rene Merting es vor etwa fünf Jahren in unserer kleinen Sternmusterliste unter dem Kürzel HM (Hay-Merting) 8 auf. Ich hatte immer ein Auge dort gesehen, und nach kurzem Überlegen war der Beiname "Cleopatras Auge" gefunden.

Das alles erzähle ich, weil es mich immer fuchst, wenn ich nicht herausbekommen kann, wie die Namensgebung eines Sternmusters zustande kam. Falls es interessiert, haben wir "Cleopatras Auge", Hay-Merting 1 bis Hay-Merting 12 und viele andere Sternmuster und musterwürdige Sternhaufen ausführlich auf unserer Website dokumentiert:

Besonders hinweisen möchte ich auf jene Sternmuster, die neben unserer HM-Liste von Amateuren im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren beschrieben wurden und in unserer Zusammenstellung dokumentiert sind:
Egberts Keil
Leiter 1 bis Leiter 17
Normans PP (Normans Passing Pair)
Phönix
SsS (Sedlatscheks seilspringender Stern)
Timms Eifelturm
Wiegers Drachen


CS, Christopher Hay
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,
hallo Christopher und Rene,

na, das ist ja was!
Als ich mich dann systematischer mit den Sternmustern beschäftigte stellte ich überrascht fest, dass niemand das Muster benannt oder beschrieben hatte. So nahmen ich und Rene Merting es vor etwa fünf Jahren in unserer kleinen Sternmusterliste unter dem Kürzel HM (Hay-Merting) 8 auf. Ich hatte immer ein Auge dort gesehen, und nach kurzem Überlegen war der Beiname "Cleopatras Auge" gefunden.
Dass dieses eindrucksvolle Sternmuster bis vor kurzem noch keinen Namen hatte, ist wirklich erstaunlich. Ich finde die Bezeichnung "Cleopatras Auge" sehr gut und passend gewählt. Ich bin tatsächlich durch euere Liste erst auf dieses Muster gestoßen. Dabei war mir nicht bewusst, dass ihr diese "Hay-Merting" Muster gerade erst benannt habt. Dass sowas überhaupt noch möglich ist! Ich dachte, dass alles, was dort am Nachthimmel mit den Möglichkeiten halbwegs normaler astro-interessierter Erdenbürger erkennbar ist, schon längst katalogisiert und benannt ist. Und dass nur noch Objekte, die die neuesten Hightech-Teleskope frisch entdecken, unbenannt sind. Klar, Sternmuster sind was anderes als Galaxien oder so. Aber ich finde es toll, dass sowas durchaus noch geht. Zumindest für Leute, die beurteilen können, was schon benannt ist und was noch nicht. Dann besteht ja zumindest theoretisch durchaus noch die Möglichkeit, den Sternenhimmel mit ein paar weiblicheren, hübscheren, romantischeren usw. Benennungen zu bereichern. :D

Das alles erzähle ich, weil es mich immer fuchst, wenn ich nicht herausbekommen kann, wie die Namensgebung eines Sternmusters zustande kam. Falls es interessiert, haben wir "Cleopatras Auge", Hay-Merting 1 bis Hay-Merting 12 und viele andere Sternmuster und musterwürdige Sternhaufen ausführlich auf unserer Website dokumentiert:
Ich möchte jetzt mal die Gelegenheit nutzen und mich bei euch für dieses tolle Projekt bedanken! Gerade die Liste mit den Sternmustern hat mir schon viel Freude gemacht (den Klingonenkreuzer suche ich allerdings noch immer... :unsure:) Und durch Deine Wortmeldung hier, Christopher, hat nun endlich mal einer dieser "schrecklichen" sterilen Nummern-Objektkataloge für mich ein Gesicht (zwei Gesichter) bekommen. Es ist schön zu wissen, dass hinter den "Hay-Merting" Objekten lebendige Leute stehen, die auch noch hier in diesem Forum greifbar sind! Klar, auch hinter dem Messier-Katalog und all den anderen stehen ja Leute, die das alles zusammengetragen haben. Aber das hier finde ich jetzt echt besonders! (Vermutlich bin ich da aber auch ein Spätzünder, und das war allen anderen hier schon längst bewusst...:oops:)

Danke, dass ihr euch diese Arbeit gemacht habt und uns alle davon profitieren lasst! Wenn ich das nächste Mal Cleopatras Auge bewundere, werd ich einen Gruß an euch dort hinauf schicken und an euch denken. Und danach einen "Uwe-gedenk-Kakao" genießen... :love:

Liebe Grüße
Sabine
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
den Klingonenkreuzer suche ich allerdings noch immer... :unsure:
Hallo Sabine,

da musst Du Geduld bis zum Winter haben. Grün markiert findest Du ihm im Stellarium-Ausschnitt. Rechts daneben eine Zeichnung von mir am 90/600 Apo, bei 120x Vergrößerung - und dem Kreuzer zum Vergleich.
1660591676650.png
1660591609930.png


Der ist übrigens auch schick im Fernglas, hier im 10x42 Fernglas:
Der Stern bei "9 Uhr" ist 6 Orionis und freisichtig erkennbar (~5m). Das etwas verschobene Rechteck ist eine dienliche Wegmarke um NGC 1662 zu finden.

1660591890551.png


Orion-Zeit ist dann auch wieder definitiv eine Zeit für heißen "Post-Beobachtungs-Kakao" ?

Viele Grüße
Uwe
 
Hallo Uwe,

vielen lieben Dank für den Wegweiser zu diesem winterlichen Klingonenkreuzer und Deine tollen Zeichnungen! :D Orion hat, wie es aussieht, noch sehr viel mehr Attraktionen auf Lager als nur seinen ollen Nebel, den jeder anschaut. Muss ich mir merken!

Anscheinend sind von diesen Raumschiffen sogar mehrere an unserem Nachthimmel unterwegs. Bisher hab ich mich immer an dem eher sommerlichen im Sternbild Leier abgemüht. Na gut, abgemüht ist übertrieben. Aber man braucht schon einen Blick dafür, um das Muster zu erkennen. Es ist gleich der erste Eintrag "ASCC 101" auf der verlinkten Seite der Freunde der Nacht. Das Sternmuster erstreckt sich über ein ziemlich großes Gebiet, deshalb ist die Beobachtung mit großem Gesichtsfeld empfehlenswert.

Orion-Zeit ist dann auch wieder definitiv eine Zeit für heißen "Post-Beobachtungs-Kakao" ?
OK: Du bekommst Deinen Kakao zur Orionzeit, ich meinen immer, wenn die Nachttemperaturen unter 20 Grad fallen... ;)

Herzliche Grüße und weiterhin viel Spaß in der Ecke Schlangenträger, Schild und Schütze! Vielleicht taucht dort ja auch noch irgend eine Art Raumschiff auf, wer weiß.
Sabine
 
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