Mein alter Kunstlehrer hat mal behauptet: Wenn der Künstler "abgehoben genug" über den Sinn seines Werkes reden kann, dann wird es als Kunst anerkannt. Völlig unabhängig von irgendwelchen "realen Kriterien". Völlig unabhängig vom Können, Talent oder Fähigkeiten. Hauptsache die Story ist gut und glaubhaft....
In der Praxis wird das exakt so gehandhabt. Wer im Museum vor einer blauen Leinwand steht und behauptet "das hätte ich auch gekonnt" wird mangels Guillotine nicht an Ort und Stelle instantan geköpft, aber versteht offensichtlich nichts von Kunst. Denn DAMALS, als es gemalt wurde, war es ein Skandal. Und deshalb wichtig und unbedingt Kunst.
Nun ja.
Mittlerweile ist es ein Milliardenmarkt und Bilder sind wie Fußballer.
Eine Investition. Wen wundert es, das Leute wie Hurst sogar Konsortien gründen, um ihre eigenen Werke um unfassbare Beträge zu kaufen, nur um den Marktwert zu erhalten... fürchterliche Zustände, wenn man mich fragen sollte - was jedoch niemanden interessiert.
Kunst ist für mich Edward Hopper, diese dichte Leere, und die Bedeutsamkeit des bedeutungslosen Alltags. Es ist die Stimmung der Seele. Das können blaue Leinwände nicht. Und ich habe hier ehrlich gesagt nur die bewundert, die ihre Freude teilen wollen. Der mieseste M42 kann so das tollste Bild der Besten ausstechen, weil es mit Inbrunst und Freude gelang. Und ich denke tatsächlich, dass alles irgendwann mal alltäglich wird, was man jahrelang macht. Diese erste, reine Freude mag also nicht ewig in gleichem Maße zu erlangen sein.
Wäre unsere Bilderfreude nicht vergänglich, dann würde es auch keinen Zenit (ohne "h"!) des Schaffens geben. Ich denke auch, dass meine Tage der Schreiberei irgendwann enden wollen und werden, nach 8.000 Beiträgen wird es höchste Zeit, mich bei all denen zu bedanken, die sie zumindest partiell wahrgenommen haben. Viel mehr scheint es nicht zu brauchen, um ein Forenleben durchlebt zu haben.
Manchmal sind sie einfach weg, die Bilder, die Beiträge, die täglichen Kommentare. Dann, wenn man merkt, dass wohl alles bereits gesagt wurde. Mehrfach. Und dann ist man fort, für ein Monat, ein Jahr, oder für immer. Keine Rede dauert ewig.
Die Kunst ist vielmehr, einander friedlich und freundlich zu begegnen, ohne Rechthaberei und Aggression, und das kann man in jedem Forum trefflich üben. Und manchen wird es nie gelingen. Vielen - Gott sei Dank - schon. Und Diskussionen wie diese sind halt socialising und berechtigt, um im Gespräch zu bleiben, sich auszutauschen, ohne Lehrzumeistern. Nicht, dass ich da nicht oft selbst gescheitert bin. Aber man lernt sich und andere kennen. Und auch seine Schmerzgrenze.
Wie auch immer.
Ich bin off topic, aber das gehört zur "Kunst".
Das Bild ist nicht der Himmel.
Die Landkarte nicht das Land.
Unsere Fotografien sind gefrorene Augenblicke, in denen wir die Schöpfung eingesaugt haben.
lg
Niki