Hallo Peter,
um nochmal auf deine Eingangsfrage einzugehen, es ist sehr schwer valide Seeing Angaben zu erhalten, da es sehr wenige Messstationen in Deutschland gibt.
Es gibt ein paar Meteorologische Einrichtungen und ein paar Observatorien, die das aber an bestimmten Orten zu bestimmten Rahmenbedingungen machen.
Im Grunde muss man das auch garnicht wissen, außer man will vielleicht eine Sternwarte eröffnen, oder sucht was zum Remoten?
Ansonsten ist es wie es ist.
Viel wichtiger ist es über die anderen Seeingarten Bescheid zu wissen, wie z.B. Lokales Seeing, Beobachter Seeing, Tubus Seeing und Grenzschicht, denn gegen die kannst du aktiv etwas unternehmen bzw. abstellen.
Pauschal kann man vielleicht von einem Durchschnittsseeing von 1,5-2" Bogensekunden ausgehen, mit Ausschlägen nach links und nach rechts des Spektrums.
Je nach Beobachtungsort kann der Durchschnittswert auch in die eine oder andere Richtung verschoben sein, beim einen vielleicht mehr zu 2" beim Anderen mehr zu 1,5".
Das Seeing schwankt auch immer zu, so kann es in der ersten Nachthälfte schlecht sein und in der zweiten besser.
Auch kann es von Sekunde zu Sekunde immer wieder Momente geben die sehr gut sein können.
Wie schon angedeutet hängt so eine pauschale Annahme noch von vielen weiteren Faktoren ab, z.B. wie oft man im Jahr beobachten geht, vom Beobachtungsort, von der Höhe über dem Boden und natürlich wie gut man sein Equipment im Griff hat uvm.
Es macht natürlich keinen Sinn eine Aussage zum Seeing machen zu wollen, wenn man vielleicht nur 10x im Jahr beobachten geht, oder aus der Stadt heraus beobachtet, oder wenn man keine Lüfter verwendet um das Tubusseeing/Grenzschicht ab zu saugen, weil man dann quasi immer on Top noch durch die blubbernde Warmluft auf seinem Hauptspiegel bzw. hinter dem Objetiv sieht.
Hier gibt es unter Abbildung 19. eine recht Praxisnahe Aufschlüsselung wie Seeing-Auflösung-Vergrößerung und Öffnung zusammen hängen können.
Telescope magnification factors: objective magnification, eyepiece magnification, magnification limit.
telescope-optics.net
So gibt es wenn man sich an einem sehr guten Seeing von 1" orientieren möchte, quasi einen "Sweet Spot" an Teleskop Öffnung, welcher sich so bei 12-14" befindet.
Dieser ergibt sich auch aus dem von mir schon geschilderten Zusammenhang von Vergrößerung und Austrittspupille.
Hat man ein gutes bis sehr gutes Seeing von 1,5-1" oder sogar noch besser, kann man sehr leicht auf 300x und mehr vergrößern, was wiederum einer angenehmen Austritspupille von 1.0mm beim 12" entspricht.
Daher sind 12"-14"+ Teleskope sehr beliebt bei passionierten Planetenbeobachter.
Das soll nun nicht bedeuten, Kauf dir einen 12", das soll nur zeigen das die von dir genannten Öffnungen eigentlich keine Probleme mit Seeing haben.
Im Grunde hat kein Teleskop Probleme mit dem Seeing, man bekommt mit wachsender Öffnung meist andere Probleme wie schlechtere und langwierige Temperaturanpassung...
Um nochmal auf die Praxiserfahrung zurückzukommen, ich sehe meist die gleichen Details im 10" Newton wie im 6" APO, mit der Tendenz im 10" mehr und besser zu sehen.
Zeigt die größere Öffnung ein schlechteres Bild, ist diese in der Regel nicht richtig justiert, oder nicht richtig an die Temperatur angepasst.
Wo der APO wiederum richtig Punkten kann, ist an der Sonne mit Herschelkeil und in H-alpha.
LG