Die wahren Farben von Uranus u. Neptun

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Ooch ne, einfach Illusionen zu zerstören!

Hatte mich schon immer etwas belustigt, von -schwärmerischen- visuellen Berichten über einen "tiefblauen Neptun" oder eines "grünen Uranus" zu lesen. Die aus Bildern übernommene Voreingenommenheit/Bias ist m.E. hier besonders gut festzustellen.

"Milchiges grau" ist bei meinen Beobachtungsnotizen meist zu lesen bei den beiden, manchmal sogar mit Highlight "ein Hauch von blau".

Gruss
 
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Hallo,
spannend! Auf Spektrum.de steht: ...Tatsächlich haben beide Planeten fast die gleiche Farbe: das sanfte Grünblau...
Da bin ich endlich etwas beruhigt, denn beim visuellen beobachten, ist das der Eindruck, den ich wahrnehme. Da Frage ich mich ob es anderen Beobachter ähnlich geht? Ich muss mal in meinen Aufzeichnungen recherchieren.

Uwe
 
Hallo,

Vergangenes Jahr habe ich Uranus und Neptun nicht sehr oft beobachtet. Ein paar wenige Einträge finde ich in meinem Aufzeichnungen:


Uranus.

Beobachtet 30. Dezember 2023. 110/770mm ED-Refraktor, Vergrößerung 115x:
Uranus konnte ich deutlich als ein bläuliches Scheibchen im Feld sehen.

Neptun.

Beobachtet in der Nacht vom 14. auf dem 15. September 2023. 12"/f4 Newton, Vergrößerung 343x:
Neptun kann ich deutlich als bläuliches Scheibchen sehen.
Triton kann ich anhand einer Karte identifizieren und immer wieder sehen. Triton ist ein sehr schwaches Sternchen nahe an Neptun.

Neptun.

Beobachtet in der Nacht vom 17. auf dem 18. Oktober 2023. 12"/f4 Newton, Vergrößerung 109x:
Neptun kann ich deutlich als kleines bläuliches Scheibchen im Feld sehen.
Neptun steht nur wenig nördlich vom Stern Stern HD 222878.

Nach diesen Aufzeichnungen zu urteilen, sehe ich beide Planeten in gleicher Farbe. Ältere Aufzeichnungen von mir müsste ich erst durchforsten. Sicher gibt es dieses Jahr wieder Gelegenheiten Uranus und Neptun zu beobachten und derer Farbe zu bestimmen.

Viele Grüße
Gerd
 
Hallo zusammen,

so, meiner Neugierde und dem spannenden Thema folgend, hier die oben zugesagte Recherche mit Beobachtungsdaten und den Vermerken zur Farbwahrnehmung ausmeinen Beobachtungsnotizen.
Alle Beobachtungen wurden entweder mit einem 10" Dobson oder einem C11 durchgeführt. Lediglich der unterste Eintrag v. 17.11.19 wurde mit einem 17" CDK gemacht. Sichtungen im 90/600 Apo haben keine Anmerkungen zur Farbe.

1704563075673.png


oder anders:

1704563571854.png


Das kann nun jeder werten, wie beliebt. Es bezieht sich natürlich lediglich auf meine individuellen Wahrnehmungen. Aber man sieht, dass ich mich immer schwer entscheiden konnte, welcher Farbton bei den beiden Eisriesen vorherschend ist. Entsprechend erleichtert bin ich ob der oben genannten Veröffentlichung.:sneaky:

Viele Grüße
Uwe
 
Durch meinen beobachtungen durch einen 8 Zoll Dobson war Uranus immer grün-grau und Neptun ein wenig bläulicher. Ich denke der Unterschied visuell kommt auch dadurch, das Neptun dunkler ist und dementsprechend ein etwas dunklerer Farbeindruck entsteht.
 
Hallo,

Ich habe meine alten Aufzeichnungen noch mal durchgesehen und ein paar Einträge gefunden, bei denen ich die Farben von Uranus und Neptun beschrieben habe.



Uranus.


02.07.1994
114/900mm Newton, Vergrößerung 159x:
Ich kann ein grünliches (?) Scheibchen sehen.

24.08.2003
200/800mm Newton, Vergrößerung 228x:
Deutlich zu sehen. Blaue Farbe.

11.08.2005
80/910mm Refraktor, Vergrößerung 136x:
Bläuliches, kleines Scheibchen.

24.08.2003
200/800mm Newton, Vergrößerung 119x:
Helles bläuliches Scheibchen.

29.09.2013
300/1200mm Newton, Vergrößerung 343x:
In einer Zeichnung habe ich Uranus als bläuliches Scheibchen gezeichnet.



Neptun


24.08.2003
200/800mm Newton, Vergrößerung 228x:
Sehr klein. Etwas grünlich.

12.09.2007
200/800mm Newton, Vergrößerung 119x:
Kleines grünliches Scheibchen.

03.09.2021
300/1200mm Newton, Vergrößerung 225x:
Der bläuliche Neptun fällt im Feld sofort auf.

17.10.2022
254/3048mm Cassegrain, Vergrößerung 346x:
Neptun ist ein kleines bläuliches Scheibchen das deutlich zu sehen ist.

13.11.2023
300/1200mm Newton, Vergrößerung 136x:
Neptun ist ein kleines blaues Scheibchen im Okular.



Was sehr auffällt ist die als grünliche Farbe beschriebene Beobachtung von Uranus aus dem Jahr 1994 und die beiden als grünlich beschriebenen Beobachtungen von Neptun aus den Jahren 2003 und 2007. Nach diesen Beobachtungen beschreibe ich Neptun wie Uranus als ein bläuliches Scheibchen. Warum sich die Farbwahrnehmung geändert hat, das lässt sich leider nicht nachvollziehen.
Ich meine, das die Farbwahrnehmung sehr individuell ist.

Viele Grüße
Gerd
 
Vielleicht ändert sich die Farbe auch tatsächlich und nicht nur scheinbar. "Wir" sind ja nur einmal schnell verbeigeflogen (vor Jahrzehnten). Man müsste schon nochmal hinfliegen, optimalerweise mit einem Orbiter für eine langfristige Beobachtung.
 
Vielleicht ändert sich die Farbe auch tatsächlich und nicht nur scheinbar. "Wir" sind ja nur einmal schnell verbeigeflogen (vor Jahrzehnten). Man müsste schon nochmal hinfliegen, optimalerweise mit einem Orbiter für eine langfristige Beobachtung.
Genau das hat doch der Artikel im MNRAS, auf den sich der Eingangspost bezog, untersucht:

Modelling the seasonal cycle of Uranus’s colour and magnitude, and comparison with Neptune

Since the Voyager 2 encounters, Uranus and Neptune have remained the subject of detailed study from both ground-based telescopes, whose spatial and spectral performance has improved immensely over the intervening 30–40 yr, and also with the Hubble Space Telescope (HST).

"Wir" sind zwar nur einmal (1986) kurz vorbeigeflogen, haben Uranus und Neptun danach aber insbesondere mit Hubble weiterhin im Blick behalten.

Dass Uranus aufgrund seiner sonderbaren axialen Neigung von 82° im Verlauf eines Bahnumlaufs von 84 Jahren dabei saisonale Veränderungen zeigt, ist ja auch plausibel:

As Uranus moved past its southern summer solstice in 1986, it was noted that the polar region appeared to be brighter than equatorial latitudes, as though covered with a ‘hood’ of brighter material, which appeared to fade as Uranus approached northern summer equinox in 2007.

Zur Zeit des Vorbeiflugs der Voyager 2 Sonde zeigte Uranus mit seinem Südpol nahezu direkt zur Sonne und zur Erde. Einen halben Bahnumlauf später im Jahr 2028 wird der Nordpol zur Sonne und zur Erde zeigen. Im Jahr 2007 blickten wir dagegen auf die Äquatorregion. Uranus ist schon ein seltsamer Geselle.

Gruß, Peter
 
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