Manfrotto N612 für 120er Bino

Andreas_W

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

In der Vergangenheit hatte ich gedacht, dass eine Getriebesäule ein Luxusartikel wäre, den ich für die Beobachtung mit meinem Großfernglas nicht brauche. Die Stative und Montierungen, die ich benutzt habe, waren sehr stabil und kaum vibrationsanfällig, allerdings auch sehr schwer und nicht einfach höhenverstellbar. Vor Kurzem habe ich jedoch bemerkt, dass mein Rücken sich jedes Mal mehr beschwert, nachdem ich eine Nacht draußen mit meinem 120 mm Bino verbracht habe. Deshalb beschloss ich, nach einer Alternative zu suchen, die höhenverstellbar sein sollte. Bald darauf wurde mir klar, dass die meisten leicht erhältlichen Getriebesäulen eine maximale Traglast von etwa 20 kg haben (Berlebach K70 hat eine höhere Traglast, ist aber wegen des Preises ausgeschlossen). Während ich mich zwischen Manfrotto 161Mk2B und Berlebach 19c nicht entscheiden konnte, stieß ich auf ein sehr gutes Angebot für ein fast neues Manfrotto und kaufte es.

Als nächstes auf der Liste stand eine passende Montierung. Da das Gewicht nun ein begrenzender Faktor ist, muss die Montierung so leicht wie möglich, aber gleichzeitig in der Lage sein, das Teleskop mit schweren Okularen und einer StarSense-/Handy-Kombination oben darauf zu tragen. Gabelmontierungen kamen nicht in Frage, und ich konzentrierte mich auf Fluidköpfe. Viele von uns haben von den Geschichten über High-End-Fluidköpfe für professionelle Video-/TV-Hersteller gehört, und ich suchte mehrere Wochen nach einem geeigneten, hauptsächlich Vinten Vision 12 oder größer. Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann gab ich die Suche auf und beschloss, dem Manfrotto N612 eine Chance zu geben und bestellte einen. Die maximale Traglast beträgt 18 kg, also kein Problem, das maximale Drehmoment, welches ausgeglichen werden kann, beträgt 12 kg @ 55 mm Schwerpunktshöhe über der Platte des Kopfes. Mit dem Bino, das ca. 10,5 kg mit Okularen wiegt, könnte dies ein kritischer Punkt sein...

Das Stativ und der Fluidkopf kamen bald an, und die Tests begannen. Zu meiner Überraschung konnte das Teleskop mit Okularen (Panoptic 24, mehrere Delos) ausbalanciert werden! Okay, die Ausgleichseinstellung muss sehr nah an der maximalen Einstellung liegen, aber trotzdem: es funktioniert. Das Hinzufügen der StarSense-/Handy-Kombination (500 g) auf dem Teleskop (Höhe 15 cm) war jedoch zu viel. Ich war nicht in der Lage, dieses Setup auszubalancieren. Also musste ich etwas modifizieren... Ich hatte ein 2 kg Taucherblei herumliegen und band es an den Schwenkgriff des Fluidkopfes. Dieser wurde am Kopf montiert, nach unten zeigend, wobei das Taucherblei in einer Linie mit dem Schwerpunkt des Teleskops und dem Drehpunkt des N612 lag. Jetzt konnte das gesamte Setup ausbalanciert werden, und die Ausgleichseinstellung hatte immer noch Spielraum: nur etwa 85% der Ausgleichseinstellung waren erforderlich. Jetzt bewegt sich alles schön von Horizont bis Zenit, und das sogar mit dem montierten Navigationssystem.

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Fazit: Obwohl die Spezifikationen anderes andeutet, kann ein APM 120/90° Bino gut auf einem leicht erhältlichen N612 Fluidkopf montiert werden. Zugegeben: Es ist wahrscheinlich etwas weniger leistungsfähig im Vergleich zu einem professionellen Fluidkopf. Diese sind jedoch schwer mit einer flachen Basis zu bekommen und sehr teuer (selbst wenn sie 30 Jahre alt sind und aussehen, als kämen sie direkt vom Schrottplatz). Sie funktionieren oft einwandfrei, aber niemand gibt einem eine Garantie, dass das so bleibt und im Falle einer Reparatur wäre diese wohl sehr teuer. Ich persönlich kann mit meinem neuen nicht-professionellen Setup super leben, und mein Rücken ist jetzt auch glücklich.

VG
Andreas
 
Also Andreas, bei allem Respekt - das sieht grauslig aus! Ich habe auch ein Manfrotto N612 und fand es schon unterm APM 100 so labberig, dass ich es gegen ein besagtes Vinten Vision 12 austauschte. Nur unter einem 3-Zöller finde ich es zufriedenstellend. Vielleicht hast Du ein besonders gutes Exemplar, und ich eine Gurke.

Jedenfalls hoffe ich, dass Du es auch nach regelmäßigem Gebrauch unterm Nachthimmel noch magst. Dann wäre es ja wirklich eine überraschend preiswerte und kompakte Lösung für das 120er.

Beste Grüße, Christopher
 
Also Andreas, bei allem Respekt - das sieht grauslig aus! Ich habe auch ein Manfrotto N612 und fand es schon unterm APM 100 so labberig, dass ich es gegen ein besagtes Vinten Vision 12 austauschte. Nur unter einem 3-Zöller finde ich es zufriedenstellend. Vielleicht hast Du ein besonders gutes Exemplar, und ich eine Gurke.

Jedenfalls hoffe ich, dass Du es auch nach regelmäßigem Gebrauch unterm Nachthimmel noch magst. Dann wäre es ja wirklich eine überraschend preiswerte und kompakte Lösung für das 120er.

Beste Grüße, Christopher
Hallo Christopher,

naja komm, immerhin ist alles farblich top aufeinander abgestimmt :LOL:

Aber im Ernst: diese "Labbrigkeit" kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Mag gut sein, dass wir beide da unterschiedliche Wahrnehmungen von Labbrigkeit haben. Okay, ca. 2 Sekunden Ausschwingzeit sind vorhanden, aber gemessen am relativ geringen Gewicht des ganzen Unterbaus finde ich das mehr als akzeptabel. Lässt Du die Kupplungen offen? Ich stelle sie immer ziemlich stramm ein, das mache ich auch bei meiner Ayo so und nach meinem Eindruck wirkt der Fluidhead dadurch "satter" in der Bewegung. Bei komplett offenen Kupplungen gebe ich Dir recht, da lässt der Fluidhead schon deutlich zu wünschen übrig und bleibt nicht unbedingt sauber an jeder Position stehen.

Wie gesagt, das Gegengewicht braucht es nur, wenn ich das StarSense samt Handy obenauf montiere. Und das hätte ich angesichts der Spezifikationen nicht erwartet.

VG
Andreas
 
Also Andreas, bei allem Respekt - das sieht grauslig aus! Ich habe auch ein Manfrotto N612 und fand es schon unterm APM 100 so labberig, dass ich es gegen ein besagtes Vinten Vision 12 austauschte. Nur unter einem 3-Zöller finde ich es zufriedenstellend. Vielleicht hast Du ein besonders gutes Exemplar, und ich eine Gurke.

Jedenfalls hoffe ich, dass Du es auch nach regelmäßigem Gebrauch unterm Nachthimmel noch magst. Dann wäre es ja wirklich eine überraschend preiswerte und kompakte Lösung für das 120er.

Beste Grüße, Christopher
Nicht nur wg. des Fotos und der Beschreibung des mühevollen und dennoch nur bedingt möglichen Ausbalancierens bin ich immer wieder erstaunt, dass es irgendwie keine adäquate 'moderne' Lösung einer dem Instrumentenausmaß angepasste Zapfenmontierung gibt. Mein 100er Miyauchi hat den fest am Instrument befestigten Zapfen, und ist in jeder Position sofort mit dem kleinen Finger ausbalanciert. Ich hab auch ein APM 100 mit der Meiling-Gabel - das ist erstens weitaus ausladender und auch bedeutend schwerer, und schwingt auch mehr (etwa die genannten 2s).

csm
 
Nicht nur wg. des Fotos und der Beschreibung des mühevollen und dennoch nur bedingt möglichen Ausbalancierens bin ich immer wieder erstaunt, dass es irgendwie keine adäquate 'moderne' Lösung einer dem Instrumentenausmaß angepasste Zapfenmontierung gibt.
Hallo Manne,

in gewissem Sinne triffst Du den Nagel auf den Kopf. Für die Binos bis einschließlich 100 mm Öffnung gibt es viele Optionen, auch gute, aber bei den größeren Geräten ist man auf die eigene Kreativität und / oder Leidensfähigkeit angewiesen. Wenn Gewicht, Packmaß und Ergonomie keine Rolle spielen, ist es einfach: dann bleibe ich bei meiner schweren Ayo Master mit massivem L-Winkel und schwerem Stativ ohne Kurbelsäule. Von der Performance her beinahe ideal, da wird es auch ein großer Prof-Fluidhead schwer haben, mitzuhalten. Aber wenn man das Ganze per Kurbelsäule höhenverstellbar haben will, dann muss es leicht sein und dann fangen die Probleme an. Von der Stange gibt es nichts adäquates und man muss selbst Hand anlegen. Insofern bin ich ganz zufrieden, dass ich mit der gezeigten N612-Modifizierung zumindest einen funktionierenden, wenn auch nicht unbedingt schönen Workaround gefunden habe.

Sich auf den großen Plattformen wochenlang herumzutummeln, um sich dann jahrzehntealtes Profimaterial irgendwo aus dem fernen Ausland zu besorgen, ist auch eine Möglichkeit. Aber ehrlich, ist sowas nicht schon ein wenig grotesk? Ich habe es auch so versucht und auch Lehrgeld bezahlt, aber Lust habe ich darauf keine mehr.

VG
Andreas
 
Naja, es gibt durchaus auch moderne Fluidheads, die man neu kaufen kann.
Aber die kosten dann halt das zehnfache eines abgerockten Gebrauchtgerätes und sind für unseren Bedarf auch nicht wirklich besser.
Oconnor baut sowas, z.B.

https://www.ocon.com/product/fluid-heads/

Aber es stimmt, man kauft bei den Gebrauchtköpfen die Katze im Sack und das Angebot ist leider klein, insbesondere an den Köpfen mit flacher Basis, wie wir sie brauchen.

Die Einarmgabeln (Zapfen) sind generell schon eine tolle Sache.
Aber idealerweise ist die Drehachse genau im Schwerpunkt des Glases, was bei allen Ferngläsern von der Stange incl. der APM leider nicht möglich ist und durch den geringen Platz muss die Größe der Lager recht klein ausfallen - was einige Nachteile hat.

Bei kleinen, leichten Ferngläsern bis 100mm funktioniert das trotz der nötigen Kompromisse noch recht gut, darüber aber halt nicht mehr.

Ich hatte für mein 125mm Borg Doppelteleskop auch eine Einarmgabel gebaut, die sass aber zwischen den Beiden Tuben genau im Schwerpunkt und ich hatte Platz für ausreichend große Lager, dass ist das eine hervorragende und voll allem kleine und leichte Lösung.

Für das 150er APM hatte ich zuerst sogar überlegt das Material zwischen den Tuben herauszufräsen um Platz für eine Einarmmontierung im Schwerpunkt zu schaffen.
Beim 150er wäre dafür theoretisch genügend Platz zwischen den Tuben.

Der große Vorteil gegenüber einem Fluidhead wäre Größe und Gewicht gewesen, das Lager wäre zwischen den Tuben verschwunden und hätte maximal 2 Kilo gewogen.
Dadurch hätten auch Stativ und Kurbelsäule schwächer ausfallen können, weil sie die 20 Kilo des Fluidheads nicht hätten tragen müssen.

Dennoch halte ich einen guten (!) Fluidhead für die deutlich bessere Lösung, es gibt für die Benutzung in jeder Hinsicht keine bessere Bezeichnung als "smooth"

Grüße Jochen
 
Hallo zusammen,

mal ein kleines Update... Die Erfahrungen mit dem N612 + 2 kg Zusatzgewicht sind insgesamt sehr positiv. Alles funktioniert gut und angenehm, das große 120er Bino wird einwandfrei ausbalanciert und die Kombo wirkt nicht überfordert. Dennoch hat es an mir genagt, dass dieses Zusatzgewicht bei meinem Setup notwendig ist. Also bin ich entgegen meinen Vorsätzen doch wieder auf die Suche nach etwas Anderem gegangen und habe einen Vinten Vision 12 in einem guten altersentsprechenden Zustand angeboten bekommen und genommen. Felderfahrungen stehen noch aus, aber Trockenübungen waren extrem vielversprechend. Auch mit Delos-Okularen bestückt und aufgesattelter Celestron-StarSense-Smartphone-Combo lässt sich das Bino einwandfrei ausbalancieren und hat sogar noch reichlich Reserven: die Rückholkraft steht nur auf ca. 2/3 der Maximalkraft.

Alle, die nach einer geeigneten Montierung für ihr 120er Bino suchen, kann ich das Vision 12 schon jetzt empfehlen. Wie gesagt, stehen Felderfahrungen noch aus, aber es wäre mehr als überraschend, wenn es im Einsatz dann doch nicht wie erwartet funktionieren sollte.

Viele Grüße
Andreas
 
Hallo Andreas,

Glückwunsch zum Vinten!
Früher oder später landen dann doch (fast) alle bei einem Vinten.
Für mich hatte das damals etwas von "angekommen sein"
Wie viele Montierungen, Köpfe und Gabeln hatte ich schon ausprobiert aber beim Vinten war schnell klar, das ist es.

Grüße Jochen
 
Hallo,
habe für das Bino 25x100 ein Holz-Selbstbaudreibeinstativ und das schon zig-Jahre (vor dem 25x100 war es ein Bino 30x80, noch davor ein Bino 20x70 und davor ein 7x50). Alles Geräte fast ausschließlich für V.St. eingesetzt, seit 1969 auf diesem Astrozweig beschäftigt. Habe es schon mal an anderer Stelle erwähnt, habe V-Karten, die reichen bis zur 1-Meter-Optik, jedoch sind die Chancen und Möglichkeiten sehr gering....., Melle will für eine Stunde 80 Euronen haben, mein Wunschprogramm ließe sich innerhalb einer Woche verwirklichen, und der 44" bringt bei 750fach glatte 18,5mag (keine weiteren Einzelheiten dem Beobachter entlocken können, wie auch immer).
Bezug auf Trebur sagte man mir, man will hier keine "Gastbeobachter" haben, was das auch immer heißen mag. So werden die Beobachtungen an V. St. weiter an die AAVSO geleitet und man kann sich dann mit seinen Schätzungen unter vielen anderen Beob. wiederfinden.
Auch eine Befriedigung für die aufgewendete Beob.-Zeit. - Genug der Philosophie.

Gruß Günther
 
APM 120SD 45º+ Nitrotech 612+ Berlebach Uni19U.
Es funktioniert außerordentlich gut. Mühelos und sehr sanft. Der Kolben hat noch mehr Hub für etwas mehr Last. Aus meiner Sicht ist es nicht notwendig, für einen Vinten zu bezahlen, nur wenn man einen möchte, aber der Manfrotto ist sehr leistungsfähig. Das war's mit meinen Erfahrungen. Alles Gute
 

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Hallo Antonio,

laut APM-Website wiegt das 45°-Bino 9,0 kg, die 90°-Variante bereits 9,6 kg. Wenn man zusätzlich noch leichte Okulare verwendet und auf relativ schwere, hoch aufbauende Anbauteile (z.B.Starsense Explorer) verzichtet, kann man mit dem Manfrotto N612 unter dem 120er Bino einwandfrei beobachten, da stimme ich Dir absolut zu.

Ein Vinten Fluidhead (z.B. Vision 12) ist aber nochmal eine andere Liga und mit dem sind dann auch schwere Okulare und Zubehör problemlos händelbar. Nachteil: man muss Glück bei der Suche nach einem gut erhaltenen Gebrauchtteil haben und die Adaption an Stative ist nicht immer einfach bzw. kann selbst u.U. zu verminderter Stabilität führen.

CS
Andreas
 
Ja, ich verstehe, das Beste ist immer das Beste. Aber einen Vinted 12 in gutem Zustand zu finden ist schwierig und neu ist teuer. Dann ist da noch das Problem des Anschlusses an das Stativ ... viele Unannehmlichkeiten. Wenn Nitrotech sehr fair wäre, müssten wir, das verstehe ich, nach einer anderen Alternative suchen, aber das ist nicht der Fall. Der 612 reicht für mich und mit ziemlicher Sicherheit für 90 % der Leute, die diese Konfiguration ausprobieren werden. Eine andere Option ist die 150, in meinem Fall ist die Montierung die Panther TTS160 und wenn ich sie nicht hätte, müsste es eine Vinten sein, aber die 30.
 
Du hast das 150er Bino auf der Panther 160? Wie sind Deine Erfahrungen damit? Wie viel kg Gegengewichte benötigst Du bei diesem Setup?

VG
Andreas
 
Der 150 ED ist noch nicht angekommen, ich freue mich darauf. Ich kenne sehr positive Berichte zu dieser Konfiguration. Ich habe auch mit Markus gesprochen, um es zu bestätigen, und es gibt tatsächlich kein Problem. Weder beim ED noch beim SD. Meine Wahl fiel auf den ED für 45°. Ich melde mich wieder, aber wir müssen noch warten. Das Foto stammt aus dem Internet, aber man kann es dort mit dem SD und den 8-kg-Gegengewichten sehen.
 

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