Wandertage am 4. und 5. Oktober 2024

StKorth_privat

Aktives Mitglied
Meerbusch-Osterath, Pullerweg, der Korth ist wieder einmal auf seiner Astro-Spielwiese unterwegs...

Wandertage am 4. Und 5. Oktober 2024

Wenn man Bortle 4-5 auf den Beobachtungsbogen schreiben darf, dann ist das schon richtig gut für Meerbuscher Vorstadtverhältnisse. Schon am 4. Oktober war es ziemlich klar, da habe ich mich einfach weil es Spaß macht noch einmal durch die Nebelschwaden von IC1318, Pelican- sowie Nord-Amerika-Nebel gewühlt. Mit dem Baader-H-beta-Filter war es ein leichtes, da im 12-Zöller und mit dem 31mm-Nagler (48x, 1,6° Sehfeld) Nebelschwaden und auch feinere Strukturen und Dunkelwolken auszumachen. Kann man im Detail kaum beschreiben, müsste man zeichnen, kann ich leider nicht. Ein weiteres Highlight war NGC 7538 nicht weit weg vom Bubble-Nebel – visuell viel leichter als NGC 7635, hier war nun der OIII-Filter im Vorteil.

Eine andere Sorte Highlight am 4.10. war die für mich erstmalige Sichtung des Planetarischen Nebel Pease 1 in Messier 15. Die hochaufgelöste Aufnahme von Bernd Koch im Messier-Buch war da unverzichtbar als Hilfe, sonst findet man das Teil im Sternengewimmel nicht. Außerdem habe ich da von der sehr ruhigen Luft profitieren können, bei 429x war der Nebel so gerade nicht stellar und hat sich so auch von den benachbarten Sternen unterscheiden lassen. Später gab es für mich noch Zwischenstopps bei Saturn und Jupiter, gerade unser Planetendickschiff hatte unendlich viele Wolkendetails und Tonwertabstufungen zu bieten – elektronisch bearbeitete Bilder wirken da viel zu ruppig…

Dann der 5.10…



M 76

Schon ohne Filter leicht zu sehen, mit OIII-Filter dann bei 167x eine sehr kontrastreiche Nebel-Walze mit ausgesprochen flockiger Struktur, auch die „Auswüchse“ nach oben und unten sind ansatzweise auszumachen (geht aber nur mit indirektem Sehen).



NGC 7331

Eigentlich nur als Wegmarke zu Stephan´s Quintett benutzt, ist bei 114x länglich und scharf begrenzt ohne Probleme zu erkennen. Weiter geht´s…



Stephans Quintett

NGC 7319 und das (unaufgelöste) Paar NGC 7318 sind bei 214x und 429x indirekt und mit Gedulde zu packen. NGC 7320 ist deutlich verwaschener und auch schwieriger zu sehen, NGC 7317 bestenfalls zu erahnen. Aber immerhin, Haken dran! Wenn ich den Dob einmal auf´s Land karre, dann versuche ich damit erneut mein Glück, auf den Unterschied bin ich gespannt.



NGC 281

Bei 48x und mit OIII-Filter springt einen der Nebel sofort als leicht eckige Wolke an, überhaupt kein Problem, ihn zu lokalisieren und zu erkennen. Fein! Aber dann – H-beta-Filter in´s Okular. Ok, der Himmel wird deutlich dunkler, der Nebel im ersten Moment auch. Mit etwas Eingewöhnung treten die Konturen des „Pac Man“ aber sehr viel deutlicher hervor, die Dunkelwolke im südlichen Teil ist eindeutig erkennbar, im Zentrum auch eine der Globulen. Bestimmt 20 Minuten gaffe ich das Teil an, man MUSS sich da einfach Zeit gönnen.



NGC 896

Nicht so bekannt als Katalognummer, aber oft fotografiert – das ist der hellste Teil des Herznebels in der Cassiopeia. Hier kann das OIII-Filter bei 48x punkten, der Nebel ist auf Anhieb zu greifen, diffus und leicht fleckig. Der Rest des ausgedehnten Nebels entzieht sich mir, na gut, ist dann doch zu schwach…



NGC 1245

Ein wunderschöner Offener Sternhaufen im Perseus, südwestlich von Mirfak auf dem Weg zu kappa Persei (Misam). An dem Teil bin ich früher mit Achtzöllern oder den Teleskopen der Benrather Sternwarte immer verzweifelt, aber bei gutem Himmel so wie heute kann der Dobson auch brillieren. Gut und gerne 80 Sterne sind bei 214x auszumachen, sie decken etwa 11. – 15. Größe ab und sind eng, aber gleichmäßig verteilt – schöner Anblick! Zur Orientierung hilft ein Sternpaar 8./9. Größe östlich des Haufens.



NGC 1499

California, here I a come! Wieder das 31mm-Nagler in den Okularauszug wuchten (knapp 1 kg Optikpower!), H-beta ist schon eingeschraubt, an den Bäumen vorbei gepeilt, man sieht – nichts.

Ok, noch einmal zu den Aufsuchsternen zurück und dann den Schwenk langsam von Süden nach Norden. Und da kommt dann ein dicker Nebelbalken durch´s Feld gezogen, eindeutig erkennbar, nur eben etwas groß für 1,6° Sehfeld. Einmal gepackt kann man dann den ganzen Nebel abfahren und erkennt auch die etwas aufgehellten „Verdickungen“ an der Nord- und Südkante. Geduld hat sich gelohnt!



CS,
Stefan Korth
 
Lieber Stefan,

ich kongratuliere zu Pease 1 in M15. Solche Erfolge sind die Momente, an die sich unsereins lange erinnert.

Was Du zum Baader H-Beta Filter (hier am Pacman ) sagst deckt sich mit meiner Erfahrung: das Objekt wird nicht abgedunkelt, aber alles andere schon. Es braucht eine Weile, bis die Augen sich an das insgesamt dunklere Bild gewöhnen. Erst dann wird der Kontrastgewinn zwischen Objekt und Hintergrund deutlich.

Ich finde immer, dass der Fischkopf NGC 896 am Herznebel schnell bei sinkender Austrittspupille nachlässt, besonders in der Abgrenzung nach Norden. Deine Schilderung geht auch in diese Richtung.

Es ist witzig, dass Du den Kaliforniennebel erst nicht gesehen hast. Auch diese Erfahrung, dass der Nebel bei zu kleinem Gesichtsfeld ganz schwer zu fassen wird, habe ich wiederholt an den dicken Dobsons meiner Astrokumpels gemacht. Das könnte der Grund sein warum er manchmal als schwer bezeichnet wird obwohl er so ziemlich das hellste H-Beta Objekt ist.

Danke vor allem für Deinen erfrischenden Bericht der voller Beobachtungsideen ist.

Beste Grüße, Christopher
 
Hi Christopher!

Danke für die freundliche Kommentierung und den Gleichklang, der da aus den Zeilen spricht. Tja, wenn man nicht fotografiert, dann ist die Deep-Sky-Beobachtung so eine Solitärerfahrung, die sich nur mit Worten teilen lässt (wie gesagt: Ich kann nicht zeichnen...). Umso besser wenn dann Eindrücke bestätigt werden!
Was nichts daran ändert, dass ich a) nach einem dunkleren Himmel lechze und b) dann für daheim doch gerne mehr Öffnung hätte...

Grüße an das BAfK-Team! Der Atlas liegt natürlich auch immer auf dem Beobachtungstisch...

Stefan
 
Hallo Stefan,
es war mal wieder schön von deinen Beob. zu lesen. Endsatz "gerne mehr Öffnung hätte"... erinnert mich an die Zeit, wo ich den 12,5" Dobson kaufte und wollte auf das doppelte gehen, "Ansage" meiner Frau: sei mit dem zufrieden, was du hast....
Seit Sept. verg. Jahres habe ich ein C 8, Geschenk von einem Sternfreund, der nicht mehr beobachtet.

Viele Grüße
Günther
 
...nun, meine Frau meint noch - das wäre das etwas für den 60sten... Man wird sehen. Erst einmal muss der Dobson ´mal raus ins Land unter einen dunklen Himmel...

CS,
Stefan
 
Ciao Stefan,

Interessant Deine Differenzierung im PacMan OIII versus Hbeta, muss ich auch mal probieren. Die Globule hab ich nie probiert, auf dem DSS ist sie zu sehen ok. Ist das ein 5nm Hbeta ?

Herznebel hatte ich auch schonmal probiert
bei ganz gutem Himmel, wobei ich zugeben muss, dass ich nicht DER Experte für diffuse Nebel bin, also insofern nicht extrem viel Übung im Erkennen feinster Details habe.

Zu California kann man nur ermuntern, wenn man Hbeta Filter hat. In der Übersicht sehe ich ihn natürlich mit 6" f/4.5 am besten. Jedoch kann man mit 20" f/4 (ich schätze durchaus auch mit 12") auch einige Details sehen (= sich erkämpfen ;-). Mein Bild ist ja die Vorstellung einer von re (NW) nach li (SO) schwimmenden Sepia. Fangarme sind rechts. Das Augenloch im Norden rechts der Mitte oben an die Fangarme anschliessend...
Hier das DSS Bild zur Illustration
https://eyes4skies.de/v2/ImagePool/dss_ngc1499_120x120.jpg
Meine versch. California Beobachtungen hier (die Links in meine BBs in gelb auf der rechten Seite in der Tabelle):

Kürzlich hatte ich auch mal das Gebiet jenseits von M52/Cas entlang der galaktischen Ebene probiert - empfehlenswerte und interessante Gegend, hier: (leider haben mir Wolken und Tau einen Strich durch die Rechnung gemacht, ich hoffe auf Ende dieser Woche nochmal...)

Im gleichen Bericht übrigens auch Dracula's Chivito, eine helle protoplanetare Scheibe im Cep - kann man locker in 12" probieren !

Hast Du einen schmalbandigen Hbeta (Christopher hatte davon schon sehr positiv berichtet) ? Wie schraubt sich das Ding ins 31mm Nagler ein ? Habe gehört die Gewindespec stimmt nicht überein, oder ?

Lg,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Kurzer Zwischenruf aus dem HomeOffice, bevor ich mich in den nächsten Webinartestlauf stürze - ich nehme den Baader-5.5nm-Filter, der verträgt sich mit dem 31mm-Nagler. Die "Zickigkeit" der Baader-Filter fühle ich gelegentlich, aber bei meinem jetzigen Nagler-Satz (3,5mm/7mm/9mm/13mm/22mm) passt alles aus dem Baaderland ohne Murren. Den Rest der Links sehe ich mir die Tage einmal an.

Danke für´s Reagieren / Kommentieren!

CS,
Stefan
 
Meine versch. California Beobachtungen hier (die Links in meine BBs in gelb auf der rechten Seite in der Tabelle):

Da werde ich mit meinen 60mm- und 115mm-er Refraktoren auch noch einmal nachlegen, die Linsenzwerge nehme ich für meine Weitfeldbeobachtungen.

Kürzlich hatte ich auch mal das Gebiet jenseits von M52/Cas entlang der galaktischen Ebene probiert - empfehlenswerte und interessante Gegend, hier: (leider haben mir Wolken und Tau einen Strich durch die Rechnung gemacht, ich hoffe auf Ende dieser Woche nochmal...)

...auch da muss ich noch einmal weitwinkelig nachlegen, liest sich sehr spannend, was Du da so zusammengetragen hast.

Im gleichen Bericht übrigens auch Dracula's Chivito, eine helle protoplanetare Scheibe im Cep - kann man locker in 12" probieren !
Neuland für mich, kannte ich noch nicht...

...was dann den Dobsonauten nervt, ist die zenitnahe Position der Teile aktuell - da renkt´s einem die Halswirbel aus.

Peter, vielen Dank für Deine Kommentare auf jeden Fall - immer wieder schön, hier auf einen weiteren Deepsky-Saurier zu treffen ;-)

CS, Stefan
 
Zurück
Oben