Unerforschte (?) Kernstrukturen von C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS) mit Animation

JulianZ89

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

ohne viel Aufhebens hier unsere Aufnahme des Kometen C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS) vom 26.10.2024:

ATLAS.jpg



Um die Strukturen im Schweif sowie im Kernbereich etwas besser darzustellen, haben wir uns eine kleine Bearbeitungspipeline überlegt. Im Endergebnis zeigten sich im Kernbereich einige Staubstrukturen, für deren Symmetrie und Struktur wir noch keine richtige Erklärung haben. Daher eine Frage an die Experten in der Runde, ob jemand so etwas schon einmal beobachtet hat oder genauers hierzu sagen kann. Artefakte durch die Bearbeitung können ausgeschlossen werden. Online finden sich zwei ältere Aufnahmen anderer Kometen, welche ähnliche Strukturen aufweisen.

Hier die 100% gewichtete HDR Aufnahme:

ATLAS HDR full.jpg



Die Strukturen zeigen sich in allen Kanälen (LRGB) und lassen sich auch in den Einzelframes darstellen. Eine Animation des Kernbereichs findet sich auf unserer Homepage oder hier: Animation

Infos zum Equipment und zur Belichtungszeit:
L: 18 x 60 s
R: 15 x 60 s
G: 15 x 60 s
B: 15 x 60 s
Gesamtbelichtungszeit: 75,5 min

TS ONTC8 Newton
iOptron CEM70G
ZWO ASI2600MM Pro

Über eine Rückmeldung würden wir uns sehr freuen. Die Aufnahmen in voller Auflösung finden sich auf unserer Homepage, ebenso wie eine Widefieldaufnahme des Kometen.

Beste Grüße und CS
Julian
 
Hi,
ich wage mich mal aus der Deckung ... und sei's nur , um eine Diskussion in Gang zu bringen;)
Spontan denkt man natürlich an Phänomene wie Kryo-Vulkanismus. Man weiss halt nicht, wie dieser spezifische Komentenkern aufgebaut ist, vorstellen kann man sich aber schon eine Kruste, aus der durch Risse und Spalten Eis aus tieferen Lagen verdampft, und damit auch Staubpartikel mitzieht.
Ganz allgemein ist ja auch zu erwarten, dass der Prozess des Verdampfens nicht homogen über die Oberfläche verteilt abläuft. d.h. evtl. hat man es hier mit einem Exemplar zu tun, bei der solche lokalen Effekte besonders ausgeprägt sind.
Aber, und jetzt kommts, mich wundert etwas, dass auf anderen, auch mit hoher Auflösung aufgenommenen und mit forciertem Processing bearbeiteten Bildern nichts verlgeichbares su sehen ist. Auf anderen Aufnahmen sieht mehr an Stosswellen / Wellenfronten erinnernde Strukturen. Darüberhinaus erscheint mir die Struktur erstaunlich symmetrisch.
D.h. lange Reder kurzer Sinn: wenn man Aliens ausschliesst :alien::LOL: , wäre noch immer irgend ein irdischer Ursprung irgendwo in der Pipeline von Aufnahme bis Processing denkbar. D.h. ich würde es zumindest nicht kategorisch ausschliessen.
So, und jetzt ziehe ich meinen Helm auf und ducke mich weg, ihr dürft auf mich einprügeln :ROFLMAO:
VG CptB
 
Im Kern das sieht aus wie optische Phönomene, Interferenz von den Spikes oder sonstwo her. Alleine die lange Belichtungszeit spricht schon gegen stabile, eche Strukturen. Wie sieht es denn in einer Einzelaufnahme im Weißlicht aus?
Was an den Schweifstrukturen so besonders sein soll, müsstest Du bitte genauer erklären.

Ansonsten natürlich eine tolle Aufnahme!
 
Eure Aufnahme scheint aber etwas abweichend bearbeitete zu sein. Bisher gab es hier noch nie eine solche Ausarbeitung des Bildmaterials? Es gibt verschiedene Theorien was die Kometen betrifft. Einmal die schmutzige Schneeball Theorie, bei der ein schmutziger Schneeball in Sonnennähe schmelzen soll und dadurch diese Erscheinungen sichtbar werden. Eine andere Theorie, die ich favorisiere, wäre die elektrische Wechselwirkung des Kometenkörpers in einem solaren Spannungspotential. Ebenso entwickelte Victor Ambarzumjan eine Theorie der Kometen, nachzulesen in seinem
Buch: ,,Probleme der modernen Kosmogonie".
Eure Abbildung gleicht dem Bild der irdischen Magnetosphäre.
VG Frank

 
Zuletzt bearbeitet:
Spontan denkt man natürlich an Phänomene wie Kryo-Vulkanismus. Man weiss halt nicht, wie dieser spezifische Komentenkern aufgebaut ist, vorstellen kann man sich aber schon eine Kruste, aus der durch Risse und Spalten Eis aus tieferen Lagen verdampft, und damit auch Staubpartikel mitzieht.
Hallo Captain,
das wurde nie durch Kometensonden nachgewiesen! Das Gegenteil war der Fall, immer extrem geringes Albedo und felsige, an planetare Oberflächen mit Sediment Gestein erinnerte Körper. Siehe P67 Tschuri. Hier fand man sogar dünenartige Sandverwehungen. Das ist in einem fast Null Gravitationsumfeld und im Hochvakuum unmöglich!
VG Frank

 
die besten Kernbilder im Oktober zB auf der Planetenliste oder viele Links bei Skyweek zeigten eine Schalenstruktur und eine oder zwei Zipfelchen und die Linie im Staubschweif. Ich habe auch mit meinem 16" bei 3280mm Brennweite versucht am false nucleus da mehr rauszuholen, ohne Erfolg. Deine Strukturen dort halte ich für BV Artefakte.

CS, Markus
 
Hi nochmal,
ja, gut, ich kenne natürlich die althergebrachte 'schmutzige Schneeball' Theorie, aber ich bin jetzt nicht alleine darauf fixiert. Die im Video beschriebenen elektrischen Effekte (Plasma, ionisierte Materie) klingen ja durchaus plausibel. Plasmaentladungen od Effekte wie beim irdischen Polarlicht, warum nicht. Evtl. hat dieser Kometenkern ja sogar eine kleines Magnetfeld.
Wobei man auch bei Plasma-Effekten dann nicht unbedingt eine solche fast perfekte Symmetrie erwarten würde :unsure:
VG CptB
 
Hallo Julian,

ich halte die Strukturen nicht für real. Das gilt sowohl für die Ärmchen um den Kopf als auch die dunklen Längsstrukturen im Schweif.

In der Galerie wurde ein ähnliches Bild von @003sec gezeigt, dass ein paar Tage vorher aufgenommen wurde. Die dort gezeigten Strukturen sind komplett orthogonal zu denen bei dir. Man kann natürlich argumentieren, dass das ein paar Tage vorher war und der Komet sich in der Phase schnell verändert. Aber so grundsätzliche Veränderungen im Auswurfverhalten sind unplausibel.


Ich habe den Kometen auch einige Male mit größerer Brennweite aufgenommen. Die Fehler in der Nachführung liegen jeweils deutlich unter einem Pixel, die Belichtungszeit habe ich jeweils so gewählt, dass auch die Drift <1px ist. Da ist von euren Strukturen nichts zu sehen. Also gar nichts. Die einzigen Parallelen sind die grünliche Farbe auf der Vorderseite des Kopfes und der schmale strichförmige helle Bereich im Schweif. Blaue Übergänge am Kopf gibt es bei mir keine. Auch die dunklen Strukturen im Schweif sind bei mir nicht zu sehen. Weder auf den Einzelbildern noch im Stack sind diese andeutungsweise zu sehen.

Selbst die von Ralf gezeigte Schalensturktur überzeugt mich nicht vollständig. Dazu liegt deren Natur zu nah an dem, was ich von Mond und Planetenaufnahmen kenne, wenn man die Regler zu weit aufdreht. Kann sein, dass da was ist, wenn man das hundertmal verstärkt. Kann aber auch nicht sein. Dass andere das genauso zeigen überzeugt mich auch nicht. Bei ähnlicher EBV Technik bekommt man bei ähnlichen Motiven ähnliche Artefakte. Auf meinen Bilder sehe ich davon jedenfalls nichts. Also gar nichts. Das gilt auch für Natriumemissionen, Plasmaschweife und ähnliches, was bei C/2023A3 hier gezeigt wurde. Mein Equipment und Standort sind vielleicht nicht top edge, aber andeutungsweise müsste da zumindest was zu sehen sein. Ist es aber nicht.

Die von dir und Ralf gezeigten Sachen sind schon beeindruckend. Also generell, nicht nur die Kometenbilder. Sie sind für mich aber auch ein Indikator dafür wie extrem das Rohmaterial mittlerweile durch die EBV manipuliert werden kann. Ist jetzt nicht so, dass ich eure Fähigkeiten auf dem Gebiet nicht respektiere bzw. bewundere, aber als Naturwissenschaftler stehe ich den Ergebnissen schon mit etwas Skepsis gegenüber ;)

Wieso ältere Aufnahmen mit ähnlichen Strukturen Artefakte ausschließen, verstehe ich nicht.

Grüße,
Joachim
 
Vll sollte man tendenziell eine ganz andere Aufnahmetechnik mit den heutigen Amateurmitteln nutzen und diese DS Aufnahmetechnik nicht mehr an Kometen verwenden! Einmal die von mir in einem thread angedachte hochauflösende Methode mittels langer BW und Planetenkamera und die andere Methode wäre die uralte, lange Belichtung auf den Kometen mittels duiding auf den Kometenkern.
Dabei ist die Einzelaufnahme besser als Dokumentation zu werten, als eine EBV die Strukturen abbildet die in keiner Einzelaufnahme sichtbar ist und eventuell durch das Einblenden über Ebenen bei der HDR Bildbearbeitung erst entstehen?
VG Frank
 
Hallo Julian,

zunächst mal Herzlichen Glückwunsch zu der Aufnahme. Ich habe nicht viele Bilder des Kometen mit größerem Gerät gesehen.
Bei der zweiten Bearbeitung habe ich ehrlich gesagt starke Zweifel, die ich übrigens auch an der weiter unten gezeigten Aufnahme geäußert habe. Warum schließt ihr Bearbeitungsartefakte aus? Ich halte es für ziemlich wahrscheinlich, dass es sich um Bearbeitungsartefakte handelt. Das HDR Tool in PixInsight verursacht solche astreinen Strahlen z.Bsp.. Hinzu kommt, die Auflösung, die man haben müsste, um Details in einem Kometenkern zeigen zu können. Man kann ja sicher recht schnell ausrechnen wie groß eure Details sein müssten, oder andersherum, wie groß Details sein müssten um sie mit erdgebundenen Teleskopen aufzulösen.

Andere Sache: Wir habt ihr farbkalibriert?

Nicht falsch verstehen, will das Bild nicht schlecht machen. Ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

CS Frank
 
nochmal ein paar Fragen/Spekulationen:
Für nennenswerte Magnetfelder von Planeten wird ja i.a. ein flüssiger Eisen Kern vorrausgesetzt. Ein kleiner Himmelskörper wie ein Komet ist aber vollständig ausgekühlt Eisenhaltiges Gestein ist jedochweit verbreitet, es könnte doch eine gewisse Magnetisierung vorliegen. Wie stark könnte so ein Feld sein?
Reicht es aus, um geladene Teilchen von der Sonne einzufangen und in in Kreisbahnen zu den Polen spiralisieren zu lassen wie es als Ursprung der Polarlichter auf der Erde geschieht. ? Wie war das noch, F = q v x B ??
Ionisierte Teilchen sind in Koma/Schweif ja vorhanden, die dann zum Leuchten angeregt werden könnten. Es wäre zudem ein temporärer Effekt, wenn der Komet gerade duch einen Bereich an v.d. Sonne ausgeworfene Teiilchen fliegt.
Wenn wir zudem annehmen, wir schaunen zufälligerweise direkt auf den Pol, würde es vom Feldlinienmuster sogar passen.
D.h. in Kurzfassung, kann es Polarlichter auf Kometen geben ? :unsure: OK,OK, klingt ziemlich abgedreht. Aber ich habe ja keine offizielle Position in der Wissenschaft, habe also auch keinen Ruf zu verlieren :LOL:
VG CptB

Ps: wäre auf jeden Fall mal wichtig, die Einzelframes ohne HDR-Bearbeitung zu sehen/analysieren
 
Hallo Zusammen, mal eine These in den Raum geworfen: kann es sein, dass es sich bei den Strukturen um das Ergebnis vom Diffraktion der Fangspiegelspinne handelt? Das ganze wurde ja mit einem Newton aufgenommen. Abgesehen von den, auch aus meiner Sicht, künstlichen Strukturen, ein tolles Bild!
Viele Grüße Ben
 
Man könnte eventuell mit zerlegen des Bilds in die einzelnen Wavelet-Layer in Pixinsight schauen ob die Strukturen hervortreten, im Zweifel in einer invertierten Ansicht oder das Bild mit HT oder RangeSelection so lange quälen bis was zum Vorschein kommt oder auch nicht.

Starkes Bild ansonsten! Habt ihr das in Trevinca aufgenommen?

Grüße,
Alex
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo CptB,
das Leuchten der Polarlichter entsteht ja, bei Kollisionen der Teilchen mit Sauerstoff, Stickstoff etc. das halte ich für ausgeschlossen.
Hallo Julian,
grundsätzlich ist das Bild viel tiefer als vergleichbare Bilder und wirklich sehr schön.
Um allerdings wirklich wissenschaftliche Schlüsse daraus zu ziehen, ist es nicht geeignet, weil eben extrem bearbeitet. Punktförmige Sterne, HDR, und dann wird noch einiges mehr passiert sein. Von daher, wenn es wirklich um einen Nachweis gehen sollte, dann z.B. bitte keine Sterne entfernen. Denn, wie macht die KI das? Ist sie an Kometenkernen trainiert?
Rein vom Gefühl her würde ich sagen, dass:
a) die "Strahlen" zu gleichmäßig sind.
b) jeder Kometenkern rotiert und damit würde es einen "Rasensprengereffekt" geben, - den sieht man nicht.
c) wenn ich davon ausgehe, dass die Schalenförmigen Strukturen real sind (die haben ja viele fotografiert und je nach Tag sehen die anders aus, aber bei verschiedenen Autoren gleich, das haben wir erst gestern verglichen) dann fehlen diese in eurem Bild.
d) sollte es sich um einen kurzfristigen Ausbruch von irgendetwas handeln, dann wäre die Gesamthelligkeit gestiegen und sicher wären irgendwelche Meldungen über die Ticker gelaufen.
Viele Grüße
ralf
 
Diese Teilchen sind Elektronen die von der Sonne kommen.

Aus jedem Material können bei starker Erhitzung oder durch Anlegen eines starken elektrischen Feldes Elektronen austreten (Glühemission, Feldemission). Als freie Elektronen können sie dann im Vakuum durch weitere Beschleunigung und Fokussierung zu einem Elektronenstrahl geformt werden. Dies hat die Entwicklung der Bildröhre (CRT) für Oszilloskope, Fernseher und Computermonitore ermöglicht. Weitere Anwendungen freier Elektronen sind z. B. die Röntgenröhre, das Elektronenmikroskop, das Elektronenstrahlschweißen, physikalische Grundlagenforschung mittels Teilchenbeschleunigern und die Erzeugung von Synchrotronstrahlung für Forschung und Technik.
 
OK, das Wort 'Polarlichter' war etwas zu flapsig formuliert. Mir gings halt um den prinzipiell Prozess der Angregung von Atomen/Molekülen/Ionen durch Kollision, und irgendwas wird ja in der Komentenkoma rumschwirren. Ein reines Vakuum leuchtet ja nicht :)
Aber es ist ja ohnehin nur Gedankenspielerei. Ich tendiere ja auch eher zu einer Art Effekt in der Bearbeitung, od. evtl schon bei der Aufnahme.
 
Hallo,
es gibt doch einen Ionenschweif bei Kometen, der leuchtet ja auch aktiv. Dieser ist elektrisch geladen und bewegen sich im Sonnenwind. Bei TA liegt der für uns leider quasi direkt hinter dem Staubschweif und wir sehen ihn nicht. In Julians Bild könnten die kontrastreicheren Strukturen im Innern des Staubschweifes genau das sein. Die eigentlich bläuliche Farbe ist vielleicht der Bildbearbeitung zum Opfer gefallen oder der Staubschweif hat alles überstrahlt.
VG ralf
 
Hallo,

das erste Bild gefällt mir richtig gut.
Ich habe den Kern ja mit meinem 12" F5 Dobson aufgenommen: Komet TA - ab 14.10.20224

Die Belichtungszeit auf den Kern angepasst und nur wenig nachbearbeitet.

Diese komischen Extrem-Schärfungen mit irgendwelchen Tools um da angebliche Strukturen sichtbar zu machen gefallen mir gar nicht.
Ist natürlich nur meine persönliche Meinung / eigener Geschmack, da ist ja jeder anders.

Zitat: haben wir uns eine kleine Bearbeitungspipeline überlegt
Und was für eine ?

Gruß,
Holger
 
Hallo zusammen,

ich kann die Diskussion beenden und die Einwände nun mit Sicherheit bestätigen: es sind 100%ig Artefakte! Leider bin ich auf dem Weg zur Arbeit und kann den Beitrag erst später weiter erläutern (zum einen warum ich es anfangs für unwahrscheinlich hielt und zum anderen woher diese Strukturen wirklich kommen). Hinsichtlich dessen, dass es online eine größere Anzahl an Bildern mit genau diesen Strukturen gibt ist das ein wirklich spannendes Thema.

Beste Grüße
Julian
 
Hier nochmal eine ausführlichere Rückmeldung. Erst einmal vielen Dank für die reichlichen Antworten. Dass das bearbeitete Bild natürlich nicht wissenschaftlich genutzt werden kann ist klar :). Die Astrophysik-Kollegen aus unserer Gruppe hatten natürlich auch schon überlegt, woher die Formation kommen könnte - letzten Endes ohne wirkliche Erklärung. Dass ein ausreichend relevantes Magnetfeld besteht, dass eine solche Formation entstehen kann, ist unwahrscheinlich. Außerdem wird die Oberfläche von Kometen meist nicht gleichmäßig abgetragen sondern im Bereich wechselnder Hotspots (siehe die Aufnahme von Rosetta).

Zitat: haben wir uns eine kleine Bearbeitungspipeline überlegt
Und was für eine ?
Für den Kometen: Kalibration/Registrierung->Sterneentfernung->Comet alignment->Stretch->HDRMT->Larson-Sekanina Filter->Stacking
Durch das Stacken am Schluss kann das Rauschen durch den Larson Sekanina Filter reduziert werden. Die Strukturen zeigen sich nach Anwendung des HDRMT Filters!

Zur Idee HDRMT und einen Larson Sekanina Filter zu benutzen kamen wir, da es bereits einige Beispiele und Publikationen zur Verwendung des Filters zur Darstellung von Jets gibt. Siehe zB die Publikation hier: Monitoring non-periodic comet C/2011 L4 PANSTARRS using Joan Oró 0.8 m robotic telescope at OAdM

Andere Sache: Wir habt ihr farbkalibriert?
Die Sättigung habe ich vor dem Stretch erhöht, kalibriert wurde mit SPCC. Danach habe ich noch SCNR einen leichten Grünstich entfernt. Ansonsten habe ich an der Farbe nichts verändert.

Die von dir und Ralf gezeigten Sachen sind schon beeindruckend. Also generell, nicht nur die Kometenbilder. Sie sind für mich aber auch ein Indikator dafür wie extrem das Rohmaterial mittlerweile durch die EBV manipuliert werden kann. Ist jetzt nicht so, dass ich eure Fähigkeiten auf dem Gebiet nicht respektiere bzw. bewundere, aber als Naturwissenschaftler stehe ich den Ergebnissen schon mit etwas Skepsis gegenüber ;)
Damit hast Du auch zu 100% recht! Ganz allgemein bin ich immer dafür neue Techniken auszuprobieren, Grenzen auszutesten und diese dann natürlich kritisch zu hinterfragen. Insbesondere was die Verwendung von KI-Tools angeht. Das oben gezeigte Bild ist ein gutes Beispiel hierfür (s.u.). Das interessante hier ist natürlich, dass wir bei dem Kometenbild keine solche KI verwendet haben.

Als wir die Strukturen bei Verwendung von HDRMT das erste Mal gesehen haben, hatte ich zunächst nach vergleichbaren Aufnahmen gesucht und bin auch auf einige gestoßen. Hier einige Beispiele:
1
2
3
4

Der erste Verdacht war auch unsererseits, dass es Artefakte sein könnten. Dann stieß ich jedoch auf eine Aussage von PI Entwickler Juan Conejero. In diesem Beitrag schrieb er, dass der HDRMT-Algorithmus solche Artefakte nicht erzeugen kann. Ferner wurde hier erläutert, dass bei Verwendung von Medianfiltern (in HDRMT) zwar keine Isotropie garantiert werden kann, jedoch mehrere Medianfilter mit unterschiedlichen Strukturierungselementen verwendet werden, um praktisch isotrope Ergebnisse zu erzielen.

Entsprechend war ich mir relativ sicher, dass Artefakte ausgeschlossen werden können.

Hier stellte sich raus: das ist falsch! Und auch der Schuldige ist gefunden. Es ist der MMT Filter.

Seit der Bearbeitung unserer Bilder wurden noch weitere Aufnahmen von ATLAS veröffentlich, welche die selben Strukturen zeigten. Ein User im Pixinsight Forum kam (zeitlich nach meiner initialen Recherche) in diesem Beitrag auf die gute Idee, den HDRMT Filter mit MMT auf ein selbst gemaltes Bild einer kometenähnlichen Struktur anzuwenden, was dann so aussieht:

fake.jpg


Damit ist wohl eindeutig bewiesen, dass sowohl unser Bild als auch alle anderen im Umlauf, welche diese Jet-ähnlichen Strukturen zeigen, mit Sicherheit keine echten Details darstellen.

Nochmals vielen Dank an alle für die Rückmeldung und Anregung zur weiteren Recherche!

Beste Grüße
Julian
 
Hi,
tja, schade eigentlich ... am coolsten wär's natürlich gewesen, wenn z.B. ein Alien-Sender die Signale verursacht hätte :alien: . Eine ferne Zivilisation rüstet Kometen mit Sendern aus, so wie wir hier das z.B. mit Vögeln, Walen und anderen Wildtieren machen.
Aber nix da. Immer wenn's mal einen WOW-Effekt gibt, stellt sich am Ende heraus: nix da, eh' nur' Artefakt. Tja, (Hobby-)Astronomie ist manchmal schon ein hartes Brot :(:)
Aber eines bleibt für mich trotzdem noch bemerkenswert: die Artefakte, die der genannte Algorithmus produziert, sind ja schon recht heftig, das müsste dem Entwickler doch bei Tests schon selbst mal aufgefallen sein. Hmmm .. :unsure:. Leider kenne ich die vollen Details nicht, ein paar der genannten Stichworte sind mir bekannt, andere Abkürzungen ad hoc nicht. Ist halt auch kein einfaches Thema.
Nun ja ... der nächste Komet kommt bestimmt ..
VG CptB
 
Hallo Julian,
ein interessanter Ansatz mit dem Larson Sekanina Filter! Das werde ich mir mal merken. Auf deiner Animation ist zumindest eine anticlockwise Rotation der filamenten Struktur zu sehen. Wenn es sich nur um Artefakte handeln würde, wäre doch eine gleichmäßige Bewegung ausgeschlossen? Eher sollte die Animation chaotische Bewegungsmuster erzeugen? Spricht es nicht eher für ein Pro? Zumindest war dein Ansatz sehr gut und mutig!!
Man müsste nur näher heran und kurze BLZ nutzen um das Ausbrennen des eigentlichen Geschehens zu verhindern.
VG Frank
 
Zuletzt bearbeitet:
Hier stellte sich raus: das ist falsch! Und auch der Schuldige ist gefunden. Es ist der MMT Filter.

Hi Julian,
ich habe ganz ähnliche Strukturen mit dem HDR Tool in PixInsight an einer elliptischen Galaxie erzeugt, darum war ich mir recht sicher, dass hier der Schuldige zu finden sein muss. Du meinst mit MMT die Option innerhalb des HDR Tools, oder das quasi stand alone MMT in Pi?
Übrigens ganz nett, dass nicht nur KI-Tools fantasieren, ganz herkömmliche Bildbearbeitungstools können das ganz offensichtlich auch :cool: Darum ist Bildbearbeitung ein kritisch zu betrachtendes Gewerbe.

Euer Workflow ist recht interessant. Werde euch mal anschreiben, da ich hier noch so ein bis zwei Kometenbilder von Ganymed habe. Wegen der Farbe frage ich deshalb, weil man die SPCC ja nicht am Kometenbild durchführen kann, sondern auf dem mit den registrierten Sternen. D.h. ihr müsstet die Faktoren übertragen haben? So habe ich es bisher gemacht (von Adam Block abgeschaut) und das haben wir innerhalb unseres Teams diskutiert und letztendlich für den falschen Weg gesehen.

CS Frank
 
D.h. ihr müsstet die Faktoren übertragen haben? So habe ich es bisher gemacht (von Adam Block abgeschaut) und das haben wir innerhalb unseres Teams diskutiert und letztendlich für den falschen Weg gesehen.

Hallo Frank,
was waren/sind Eure Argumente/Überlegungen, dass ihr eine Übertragung der SPCC-Faktoren des Sternbilds auf das Kometenbild für den falschen Weg seht?

Grüße,
Alex
 
was waren/sind Eure Argumente/Überlegungen, dass ihr eine Übertragung der SPCC-Faktoren des Sternbilds auf das Kometenbild für den falschen Weg seht?

Hi,
da stand zuerst mal meine Beobachtung im Raum, dass meine Bilder des kometen mit Sternen und ohne Sterne unterschiedlich aussahen, obwohl ich die RGB Skalierungen der SPCC übertragen hatte. Der Physiker in unserer Runde hat eine mögliche Erklärung dafür, aber die würde ich sicherlich jetzt aus dem Kopf falsch wiedergeben.
Morgen versuche ich ein Video dazu zu machen und werde hoffentlich eine bessere Methode zeigen können. Aber muss ich zunächst ausprobieren. Sobald ich selber etwas schlauer bin, werde ich berichten.

CS Frank
 
Hallo Julian,

ich habe gestern Abend eine Aufnahme des Kometen mit meinem C925 EHD bei 2395mm Brennweite an der ASI1600MC gemacht. Ich habe das Bild über dem Kometen gestacked und anschließend mit dem LocalHistogramEqualizator in PI gefiltert.
Die Eingabeparameter waren KernelRadius 16, ContrastLimit 32 und Amount 0.5 bei 8bit.

r_pp_C2023A3_TA_stacked_sum_GraXpert_LHE.jpg


Damit bekomme ich einen runden, kleinen Kern mit einem Jet unter einem Winkel zur Flugbahn. Andere Strukturen werden damit nicht sichtbar.

Gruß,
Peter
 
Hallo Peter,
wie lange war bei dir die Einzelbelichtung? War dabei schon der Kernbereich ausgebrannt? Hast du noch eine einzelne Belichtung extrem kurz?
VG Frank
 
Hallo Frank,

ich habe 60x30s Bilder gemacht. Da ist nichts in der Sättigung.

r_pp_C2023A3_TA_00016.jpg


Hier ist ein Einzelbild von 30s Belichtungszeit.

Gruß,
Peter
 
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