Hallo Anderl,
hier vielleicht noch ein paar Anmerkungen zum Thema Spiegel.
Ein "nur" Beugungsbegrenzter Hauptspiegel mit Strehl 0.81 ist nach strengen Maßstäben bei einem Obstruierten System mit Fangspiegel nicht ausreichend, da durch die Obstruktion, Energie im Beugungsscheibchen verloren geht.
Dies wiederum kann man durch eine höhere optische Qualität und durch eine möglichst kleine Obstruktion bis zu einem gewissen Grad vermeiden bzw. wieder kompensieren.
Über PSF bzw. EER kann man diesen Zusammenhang darstellen und berechnen, dazu habe ich mal folgende Tabelle erstellt.
Den Anhang 478128 betrachten
Ein weiterer Punkt ist das Thema Spiegelträger und Grenzschichtbildung.
Dabei trifft man immer wieder auf die falsche Vorstellung, dass Trägermaterialien wie Zerodur oder Quarz frei von thermischen Einflüssen sein, was jedoch nur die halbe Wahrheit ist.
Quarz und Zerodur haben zwar keine Längenausdehnung wodurch auch keine Temperaturabhängige Verformung der Sphäre oder Parabel mehr statt findet.
Die Masse eines Spiegelkörpers ist jedoch auch immer ein Energiespeicher, wodurch auch solche Spiegel sich tagsüber erwärmen und dem nächtlichen Temperaturgang folgen.
Daher bilden auch Zerodurspiegel eine Grenzschicht und leiden unter Tubusseeing.
Je nach Größe und Dickenverhältnis sind also auch Quarz und Zerodur Spiegel entsprechend thermisch träge und sollten mit Lüfter belüftet werden, damit sie ihr Potenzial zeigen können.
Hinzu kommt das Quarz und Zerodur relativ teure Spiegelträger sind, was zu einer gewissen Kosten- Nutzenabwägung bei der Planung führen kann.
Neben der Qualität (Strehl) können auch andere Faktoren beim Spiegelkauf eine Rolle spielen, wie z.B. Dickenverhältnis und Lagerung und Aufhängung.
Dünne Premiumspiegel mit Dickenverhältnis von 1:12 oder 1:18 sind alles Unikate, da es hier einer aufwendigen Astigmatismuskorrektur bedarf, was auch eine aufwendige Messprozedur zur Folge hat.
Auch die Lagerung solch dünner Spiegel bedarf großer Aufmerksamkeit.
Der Vorteil liegt dabei auf der Hand, man kann eine große Öffnung schnell herunter kühlen, bei gleichzeitig weniger Gewicht.
Eine Zentralaufhängung wie bei Nauris, Skywatcher oder TS zu finden, hat den Vorteil von symetrischen Beugungsfiguren bei voller Öffnung.
Und bei eher horizontaler Beobachtung bleibt der Strehl erhalten, da der Spiegel sich nicht durch sein Eigengewicht und seitlichen Auflagepunkten verformen wird.
China Newton Spiegel erreichen heute über Strehl 0.90 und bilden daher in der Regel Beugungsbegrenzt ab.
Bis ca. 12" Durchmesser können auch Exemplare von Strehl 0.97-0.98 dabei sein.
Über 12" pendelt es eher um Strehl 0.90-0.94.
Visuell ist natürlich ein möglichst hoher Strehl bei möglichst kleiner Obstruktion an zu streben, um eine hohe Kontrastübertragung zu bekommen.
Zwischen einer EER von 0.80 und 0.90 kann man schon noch einen Unterschied erkennen, der sich jedoch mit wachsender Öffnung durch Seeingeinflüsse immer mehr verwischt.
Bei guter Qualität zieht letztlich die Öffnung, da Öffnung auch Auflösung bedeutet und diese wiederum Einfluss auf die Austrittspupille usw. hat.
Fotografisch haben Obstruktion und Qualität nicht den Einfluss wie auf's Visuelle, da durch die Langzeitbelichtung das Seeing eher zum bestimmenden Faktor wird.
Auch spielen Standort, Öffnungsverhältnis, Montierung und Bildbearbeitung eine große Rolle.
Fotografisch können also wieder andere Kriterien wichtiger sein als Visuell.
LG