Von visuell zu pixelgenau – Mein Weg ins All (mit Hindernissen?)

flipkill1985

Neues Mitglied
Hallo zusammen,


mein Name ist Jan, ich bin 39 Jahre alt und beschäftige mich seit einiger Zeit mit der Astrofotografie. Bisher war ich hauptsächlich visuell unterwegs, möchte aber nun den fotografischen Bereich intensiv ausbauen.



🔭 Meine aktuelle Ausrüstung

Montierung: Skywatcher EQ6-R Pro, fest auf einer Betonsäule installiert
Hauptteleskop: Bresser Messier Newton 203/1200 mm mit 2" HEXAFOC-Okularauszug
Guidescope / Reiseteleskop: TS-Optics PhotoLine 60 mm f/6 FPL53 Apo (RED Line, 2" R&P Auszug)
Kamera: Canon EOS 700D (astromodifiziert)


📌 Bisherige Nutzung und Ziel

Das Bresser habe ich bisher nur visuell genutzt, doch jetzt möchte ich in die Deep Sky- und Planetenfotografie einsteigen.


Meine Fragen dazu:


Ist das Bresser Newton 203/1200 mm aus eurer Sicht auch für Astrofotografie geeignet?
Besonders in Hinblick auf das Gewicht, die lange Brennweite und eventuelle Justageprobleme.
Ist es realistisch, mit der Canon DSLR erste Erfahrungen bei Galaxien und Planeten zu sammeln, oder stoße ich mit dem Setup schnell an Grenzen?


🔭 Teleskope, die ich aktuell im Blick habe

Ich habe mich in letzter Zeit nach alternativen Tuben umgesehen, speziell im Bereich f/4 bis f/5 Newtons, um fotografisch flexibler zu sein.


Zur Auswahl stehen aktuell:

Skywatcher Explorer 200/1000 PDS (f/5)
TS-Optics UNC / ONTC 200/800 mm (f/4 oder f/5 Varianten)

Besonders der ONTC mit 3" Auszug hat es mir angetan – auch wegen der möglichen späteren Umstellung auf Vollformat.



⚙️ Justage: f/4 vs. f/5 – wie groß ist der Unterschied wirklich?

Ich lese immer wieder, dass f/4 Newtons deutlich zickiger bei der Justage (Collimation) sein sollen als f/5.
Mir ist bewusst, dass die Toleranzen bei f/4 enger sind, aber:


Ist der Aufwand bei f/4 wirklich so viel höher im Alltag?
Gibt es Tipps oder Tools, mit denen man auch f/4 zuverlässig und schnell justieren kann (z. B. Laser + Cheshire)?

Hier wäre ich sehr dankbar für Erfahrungsberichte – besonders von Leuten, die beide Varianten (f/4 und f/5) im Einsatz haben oder hatten.



🎯 Mein Ziel

Ich möchte aktuell mit der Canon DSLR fotografieren, perspektivisch aber auf eine bessere Kamera (ggf. Vollformat CMOS) aufrüsten.
Deshalb denke ich jetzt schon über die passende Mechanik und das Optiksystem nach, um nicht doppelt zu kaufen.



❓ Noch ein paar konkrete Fragen:

Ist der 3" Auszug bei späterem Umstieg auf Vollformat wirklich Pflicht, oder reicht auch ein 2,5" Auszug?
Wer von euch nutzt ein ONTC und kann etwas zur Handhabung und zur Nutzung der drei Fokuspositionen sagen?


Ich freue mich über Erfahrungen, Tipps oder auch Kritik zu meiner aktuellen Überlegung.
Vielleicht hat ja jemand den direkten Vergleich zwischen dem Bresser und einem der oben genannten Tuben gemacht?


Vielen Dank & Clear Skies!
Jan
 
Hallo Jan,

ich bin hier ebenfalls noch neu und daher nicht der Neuling-Begrüßer, aber ich sage mal: hallo!

Zur Frage der F/4-Newton Kollimation kann ich dich aber beruhigen. Ich habe einen F/4 Newton neu vom Kistenschieber gekauft, der war also selbstverständlich unjustiert, und ich, als Anfänger, habe den auf Anhieb justiert bekommen. Meiner Ansicht nach lesen die Leute, die Probleme haben, die Kollimations-Anleitungen nicht genau oder beachten sie nicht richtig, oder sie haben nicht das richtige Werkzeug, oder sie haben ihr Werkzeug nicht justiert.

Zwei Werkzeuge waren mir ausreichend: ein Concenter und ein 2" Justierlaser. Man braucht beides. Jetzt ist es so, daß diese Justierlaser meist mit einem 2" zu 1,25" Adapter kommen, das ist zunächst einmal totaler Mist: man will möglichst genau arbeiten, da ist jeder zusätzliche Adapter absolut fehl am Platz! Also holt man sich entweder einen 2" Justierlaser der so einen Adapter nicht braucht, die sind teuer, oder man bastelt sich den Billigheimer zurecht (siehe Foto im Anhang), da weiß man was man tut und hat am Ende etwas Besseres. Also man muß den Justierlaser justieren, bevor man den einsetzt, auch das machen wohl einige Leute nicht. Nachdem ich den abgebildeten Laser justiert hatte, habe ich den Adapter mit dem Laser fest verbunden (siehe die drei Klebestellen rot eingefärbten Epoxydklebers), da wackelt nichts.

Was die 2,5" und 3" OAZ betrifft, die Du angesprochen hast: klar kann man auch mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Ich schiesse mit einer Vollformat-Canon durch einen 2" OAZ und mir reicht das momentan. Die Vignettierung, also der Helligkeits-Gradient vom Zentrum zum Rand, wird mit sogenannten Flats aus den Lights herausdividiert - aber das ist ein Verfahren, was man ohnehin bei der Astrofotographie anwendet, von daher bin ich nicht überzeugt, daß so ein Material wie ein 2,5" oder 3" OAZ wirklich notwendig ist.

Der Bresser Hexafok OAZ ist m.A.n. mechanisch ungünstig konstruiert, da er recht hoch baut. Aus diesem Grund haben die Bresser Newtons wohl auch einen recht großen Fangspiegel um das zu kompensieren. Ich empfehle bei einem Neukauf ein Gerät zu nehmen, bei dem OAZ und Fangspiegel ein vernünftigeres Maß haben. Allerdings ist mir nicht klar, warum Du von 1200 Brennweite auf 1000 bzw 800 runterwechseln möchtest - ausser, wenn Du damit Dein Blickfeld erweitern möchtest.

Klarer Himmel
Andreas

2025-04-17-15-11-56-513.jpg2025-05-08-09-29-23-012.jpg
 
Hallo Jan
Ist das Bresser Newton 203/1200 mm aus eurer Sicht auch für Astrofotografie geeignet?
Besonders in Hinblick auf das Gewicht, die lange Brennweite und eventuelle Justageprobleme.
Das hast du schon gut erkannt! Ich nehme mal an das du deinen 60er APO nicht zum Guiden verwenden möchtest, ansonsten bekommst du mit dem Newton Plus APO ein ordentliches Schlachtschiff an Gewicht auf deine Mount . Ich würde bei der Länge deines Bressers wahrscheinlich einen Off Axis Guider verwenden . Mit einem Guideteleskop , egal ob 30 oder 50 mm Öffnung , schaffst du dir Probleme bei der Sternabbildung , meist kleine Dreiecke , bedingt durch die Hebelkräfte bei langen Rohren . Ein stabiler f/4 Newton ist da nicht so anfällig , durch die kürzere Baulänge. Aber um mal in die Astrofotografie rein zukommen sollte dein BRESSER vorerst reichen .
Ausserdem würde ich zu einer Losmandy Schiene statt der Vixen Style Schiene raten . Die ist deutlich stabiler bei größeren Teleskopen
Ist es realistisch, mit der Canon DSLR erste Erfahrungen bei Galaxien und Planeten zu sammeln, oder stoße ich mit dem Setup schnell an Grenzen?
Mit der Canon bist du gut ausgestattet ! Die reicht dir sicherlich ein paar Jahre aus um allerlei Deepsky Objekte zu fotografieren. Für Planeten ist dein Sensor mit APS-C Format eigentlich zu groß, obwohl es hier ein paar Spezies gibt die auch mit einer DSLR Planeten gut einfangen.
Ich hatte mal die Canon 600 im Einsatz . Da war es zwingend erforderlich auch Dark frames zu erstellen, da der Sensor Verstärkerglühen produziert.
Ein Akkudummy erspart dir das lästige Akku wechseln in der Nacht.
Skywatcher Explorer 200/1000 PDS (f/5)
TS-Optics UNC / ONTC 200/800 mm (f/4 oder f/5 Varianten)

Das sind allesamt gute Teleskope, besonders die ONTC sind allererste Sahne , aber haben auch ihren Preis . Du hast ja scheinbar eine feste Säule / Montierung zu Hause, somit entfällt häufiger Transport und die damit eventuell anfallenden , häufigeren Kollimations Arbeiten. Demnach reichen die „ normalen“ Newtons aus . Ich habe selbst einen ONTC f/4 und schätze mal das ich außer der mittleren der 3 Hauptspiegel Positionen keine weitere nutzen werde. Nice to have, aber sicher kein Muss.
Dann solltest du dir noch Gedanken über einen Komakorrektor machen, den du für die Astrofotografie brauchst . Der Baader MPCC ist schon ganz gut und kurzbauend und leicht was deinen OAZ etwas entlastet. Etwas besser aber teurer , länger und schwerer ist der GPU KK den sehr viele nutzen.
Justage: f/4 vs. f/5 – wie groß ist der Unterschied wirklich?

Ich lese immer wieder, dass f/4 Newtons deutlich zickiger bei der Justage (Collimation) sein sollen als f/5.
Mir ist bewusst, dass die Toleranzen bei f/4 enger sind, aber:
Andreas hat ja schon alles gut zusammengefasst. Für deinen BRESSER mit f/6 reicht ein Chesire Okular aus . Einen f/5 oder /4 sollte schon gerne mit einem guten Laser kollimiert werden . Um es bei f/4 ganz genau zu machen lohnt ein Ocal von Noctutec . Die Handhabung kann für nicht geübte Nutzer schon herausfordernd sein aber es gibt hier im Forum schon einige gute Tröts dazu . Ich selbst nutze den Ocal Pro und bin mir sicher das die Kollimation meiner Newtons sehr sehr gut ist. Im Feld verwende ich einen guten Laser der Firma Intercon Spacetec ( ICS) .
Ist der 3" Auszug bei späterem Umstieg auf Vollformat wirklich Pflicht, oder reicht auch ein 2,5" Auszug?
An meinen Newtons habe ich nur 2“ Auszüge und nutze gerne meine Canon 6 Da Mark II mit Vollformat Sensor . Viel wichtiger ist das dein Fangspiegel groß genug ist um Vollfformat vollständig auszuleuchten! Solltest du dir mal einen ONTC gönnen wollen , kannst du das bei der Bestellung angeben.

Viel Erfolg beim Start , Knut
 
Zurück
Oben