Von Knöllchen und Sharpless-Stündchen...

StKorth_privat

Aktives Mitglied
20.11. – endlich wieder klar, und zwar so richtig – Zeit für eine gemütliche Dobson-Runde bei -3°C.



Bei meinen Spechtelrunden gibt es eigentlich immer denselben „Workflow“:

  • Freiäugig sichtbarer Stern in Objektivnähe festlegen
  • Dobson per Sucher in die selbe Richtung schieben
  • Bild im linken freisichtigen Anblick mit rechtem Auge im 9x50-Sucher in Deckung bringen
  • Entweder per Starhopping zum Suchobjekt oder…
  • 21mm-Ethos-Okular in den Okularauszug -> 1,4°-Sehfeld, dann per interstellarum DeepSkyAtlas zum Zielobjekt hangeln
Liest sich vielleicht umständlicher als es ist, lässt sich gut verinnerlichen – und ist jahrelang erprobt. GoTo mag schneller gehen, gibt es ja auch mittlerweile für Dobsons – aber beim Starthopping lernt man sein Fernrohr, dessen Möglichkeiten und auch die Orientierung am Himmel. Für also eine Art „Gehirnjogging“.

Auf geht´s…



NGC 7026


Auf dem Weg zu M 39 kommt mir noch dieser PN in die Quere, bei 71x leicht unscharfer Stern: Also her mit höher vergrößernden Okularen und OIII-Filter. Bei 214x kontrastreiches Objekt, knolliger Nebel neben einem Stern 10. Größe. Bei 429x auch noch gut zu beobachten, länglich, irgendwie „plastisch“ – schönes Überraschungsobjekt.



Messier 39


Bei 71x im Aufsuchokular immer noch als netter Sternhaufen sichtbar, füllt aber schon fast das ganze Sehfeld. Schöner, heller Haufen, durch den man irgendwie durchsieht, hat ein paar nette Doppelsterne - einfaches Warmup also



Platais 1

Noch ein Überraschungsobjekt, ganz in der Nähe von M 39. Bei 214x ca. 20 – 25 Sterne 11 – 14. Größe, kompakt, gut als Haufen erkennbar, ein bisschen flirrig, weil da noch schwächere Sterne an der Sichtbarkeit herumfunzeln.



Minkowski 1-79

…und eine weitere Überraschung im Feld bei M 39 – ein feiner, kleiner PN. Schon bei 115x ohne Filter als schwaches Wölkchen sichtbar, bei 214x und mit OIII-Filter als körniges Nebelchen, leicht länglich.



NGC 7331

Eine gute alte Bekannte, auch ohne Supernova immer einmal einen Besuch wert. Bei 115x und 214x längliche Kernregion mit Zentrum, Ansatz der Dunkelwolke und noch einem schwachen diffusen Schimmer darum. Heute geht´s aber noch zu den Begleitern:



NGC 7335 / 7337 / 7340

Alles mit 214x und nur mit indirektem Sehen: NGC 7340 ist am einfachsten (V=13,7 mag), NGC 7335 minimal schwieriger (V=13,3 mag, erstaunlich), NGC 7337 ist am Limit (V=14,4 mag). Für solche Teile brauche ich definitiv mehr Öffnung oder Landhimmel….



Auf in den Cepheus, nun wird es nebelig…



Sh 2-132

Ethos 21 mm Okular mit OIII-Filter vs. Nagler 31 mm mit H-Beta-Filter, mit beiden Kombos sofort zu erkennen: Kopf an Kopf-Rennen, aber ein leichter Vorteil beim OIII-befilterten Okular, weil der Nebel da etwas flockiger wirkt.



Sh 2-135

Dickes Brett, sehr schwierig – eher wie ein ausgedehnter bohnenförmiger Schimmer um einen Stern 10. Größe – da muss es noch klarer oder dunkler sein. 48x, H-Beta-Filter.



Sh 2-139

Auch sehr schwierig mit der Kombi 31 mm – Nagler / H-Beta-Filter, ein schwacher, indirekter Schimmer…



Sh 2-142

Jetzt etwas Leichtes, da macht die Beobachtung sowohl mit H-Beta- als auch mit OIII-Spaß, auch wieder mit 31mm-Nagler und 21mm-Ethos im Wechsel. Diese Region werde ich mit auch wegen der verschiedenen Sternhaufen noch einmal separat ansehen, vielleicht fange ich ja den einen oder anderen PN dort ein.



h + Chi Per

Ach, tut gut, dann nach der Nebelstunde diesen prachtvollen Sternhaufen im Okular zu haben – da funkelt und glänzt es… Man kann hier mit allen Vergrößerungen Freude haben, entweder für den Überblick oder aber für´s Detail und die Doppelsterne



Stock 2 = „Muscle Man Cluster“


Na, da haben sie wohl jemandem zu viele Steoride in den Mitternachtstee getan – aber schön ist der Haufen trotzem bei 71x. Sehr locker, viele Sterne im Bereich ca. 8 – 11. Größe.



…dann kamen die Wolken



Gestern ging es dann zu meinen Zweitältestn in die Eifel, er wohnt mit seiner Freundin in Simmerath. Da standen dann Geselligkeit, gutes Essen und Schneewandern im Vordergrund. Ich schulde der Freundin meines Sohnes ja noch eine Dobson-Runde unter Eifelhimmel, aber dafür müssen wir beide erkältungsfrei sein…



Clear Skies!
 
Hallo Stefan,

wieder ein schöner Bericht von Dir. Ich bin ein bißchen neidisch. Denn ich habe mir auch am 21. November im Odenwald den A* abgefroren, in der Absicht meine neu erworbenen 3nm OIII Filter am Fernglas auszureizen, aber es war überall ein ganz leichter Dunst der nur die hellsten Nebel durchließ.

An Platais 1 habe ich mir vor Jahre die Zähne ausgebissen weil ich nur 5 Zoll Öffnung damals hatte. Du bist mit 10" unterwegs? Na, dann muß ich jetzt meine Riesentüte, den 11-Zöller, mal draufhalten.

Sh 2-132, Beiname Löwennebel, finde ich sauschwierig. Sehr interessant, dass Du mit OIII mehr Erfolg als mit H-Beta hattest. Meines Wissens sind da OIII-lastige Wolf-Rayet Nebel im Spiel in den Beinen des Löwen, d.h. im südlichen Teil des Nebelkomplexes. Konntest Du eine Lageveränderung zwischen OIII und H-Beta sehen? H-Beta eher nördlich, OIII eher im südlichen Teil des Nebels?

Da ich den Löwennebel so gut wie nie wirklich sehe tröste ich mich stets mit dem angrenzenden Sternhaufen Berkeley 94. Dieser ist der ältester Teil des Objektverbands in dem der Löwennebel der Ort aktueller Sternentstehung ist. Er hat seine Ursprungswolke weggeblasen. Mit seiner schicken Form einer Pfeilspitze (auf den roten Riesen RW Cep weisend, der ebenfalls Mitglied der Assoziation Cep OB1 ist) bietet er mir jenen visuellen Trost den Du in h+Chi Per gefunden hast.

Sehr schlüssig, dass Du den Zauberernebel Sh 2-142 mit ins Programm genommen hast. Den er hängt physikalisch mit dem Löwennebel zusammen. Sie gehören beide zur Assoziation Cepheus OB-1 im Perseus Arm der Galaxie.

Beste Grüße, Christopher
 
Danke für die freundliche Kommentierung, Christopher!

Mein Dobson ist ein 12"-Zöller, da komme ich dann bei Vergrößerungen ab 214x in guten Nächten ca. 15 mag als Grenzgröße hin. Da ist dann Platais 1 wirklich ein kleines Schmuckkästchen. Die Sharpless-Runde werde ich im Winter noch ein paar Mal drehen wollen, zum einen, weil man sich dann nicht mehr im Zenit herumquälen muss (Dobsonauten wissen, was ich meine...), zum anderen, weil doch noch sehr hoffe, auch einmal einen Blick unter wirklich dunklem Himmel auf diese Region werfen zu können. Entweder in die Eifel zum Sohn bzw. dessen Freundin oder in´s Erzgebirge, wenn ich an meinen Dresdner Arbeitsplatz muss.
Bis dahin - nicht aufgeben, Christopher!

CS,
Stefan Korth
 
Lieber Stefan,
der Besuch beim Dr. Peter Kroll war d.J. endlich möglich geworden. Der Anblick von M 13 durch das 60 cm Fernror bei 125fach war überwältigend !!!!!
Dunkelheit: absolut finster, keine Hand mehr vor Augen sehen können. M 13 als "Glitzerstern", allerdings den 6.5mag Stern bei Z UMa mit bloßem Auge nicht gesehen.
Es war einmalig schön.

Gruß Günther
 
Liebe Leute,

es macht große Freude Euren Austausch mitzuverfolgen!

Das mit dem Trost verstehe ich gut. Ich habe mich neulich mit dem Telementor am Zenit rumgequält und konnte den Nordamerikanebel nicht ausmachen. Da habe ich mich gefreut, zumindest den „kleinen Orion“ zu finden. Da wusste ich, dass ich jedenfalls an der richtigen Stelle bin… :)

Ich freue mich auf weitere Berichte!

Gruß,
Felix
 
Hallo Stefan, zu gestern 16.34 Uhr: vorgestern morgen, zwar klar, aber a....kalter Wind bei -5° aus Süden macht auch keinen Spaß. Hatte mich so auf Orion gefreut.....

Gruß Günther
 
Ciao Stefan,

ist für die DSO-Seele sehr wohltuend, endlich mal jemand positiv über Starhopping und visuelle Beobachtung reden/berichten zu hören ! :) ;) Die Einbettung in die Umgebung kommt beim Starhopping ja implizit mit, das kann man mit Goto eben doch nicht (so gut) nachmachen. Ist schon super, wenn man mal die Milchstrasse entlang schwenkt und dabei die verschiedenen Objekte ins Blickfeld kommen. Ganz anderes Erlebnis (on-top zu den Objekten selbst) nochmal !!! :y:

Dass Du Sh2-142 leicht nennst lässt mich etwas schlucken, bei mir war das Ding nicht sooo prominent eher schwierig in seinen Details (ich hatte leider nur OIII in Standardbreite probiert, Hbeta ganz und gar vergessen - damn it). Ausserdem hatte ich leider mal (relativ zu sonst) schlechten Himmel im Schwarzwald, daran mag's gelegen haben. (Ein ausgesprochener Diffus-Nebel-Experte bin ich sicher auch nicht, ein zweiter Grund wohl). Hier der Pointer direkt auf dem Objekt in meinen Bericht (Nov 2024):
Dabei bin ich von M52 ausgehend die galaktische Ebene entlang gehoppt. Cool wieviele Objekte mit Nebelcharakter, StarFormation und OCs es hier gibt !

Den Löwennebel habe ich bei dieser Gelegenheit leider verpasst - hat mir Christopher schonmal empfohlen. Sieht aber auf dem DSS eher noch heikler aus als der Wizard ! Next time...

Good luck hopping + seeing,
Peter
 
Hallo,entschuldigt meinen Kommentar: ich bleibe beim vis. Beobachten, ganz gleich mit welchem Gerät. CCD ist zwar ganz nett und GOTO auch, aber es geht doch nichts ,über "Starhopping".......

Gruß Günther
 
Hallo Stefan,

ich holte den Thread nochmal hoch, da nachbeobachtet:
Platais 1

Noch ein Überraschungsobjekt, ganz in der Nähe von M 39. Bei 214x ca. 20 – 25 Sterne 11 – 14. Größe, kompakt, gut als Haufen erkennbar, ein bisschen flirrig, weil da noch schwächere Sterne an der Sichtbarkeit herumfunzeln.

Minkowski 1-79

…und eine weitere Überraschung im Feld bei M 39 – ein feiner, kleiner PN. Schon bei 115x ohne Filter als schwaches Wölkchen sichtbar, bei 214x und mit OIII-Filter als körniges Nebelchen, leicht länglich.

et:

gestern bei Herchenrode im OdW. zwar unter Zirren konnte ich zusammen mit M39 diesen OC und PN beobachtetn. 2 wirklich leichte Objekte, die ich vorher aber noch nie gesehen hatte. Ich kann deine Bebachtungen nur zustimmen. Beobachtet ohne Filter bei 200x und 246x. Der PN poppt wirklich raus umrandet von 3 Sternen (12-13mag). Auch der OC ist recht einfach, relativ groß und besteht aus Sternen 11-14mag.
Das Aufsuchen hat zwar 1/2 Stunde gedauert, aber es hat sich gelohnt. Danke für's posten.

cs
Lothar
 
Ciao Stefan,

ist für die DSO-Seele sehr wohltuend, endlich mal jemand positiv über Starhopping und visuelle Beobachtung reden/berichten zu hören ! :) ;) Die Einbettung in die Umgebung kommt beim Starhopping ja implizit mit, das kann man mit Goto eben doch nicht (so gut) nachmachen. Ist schon super, wenn man mal die Milchstrasse entlang schwenkt und dabei die verschiedenen Objekte ins Blickfeld kommen. Ganz anderes Erlebnis (on-top zu den Objekten selbst) nochmal !!! :y:

Dass Du Sh2-142 leicht nennst lässt mich etwas schlucken, bei mir war das Ding nicht sooo prominent eher schwierig in seinen Details (ich hatte leider nur OIII in Standardbreite probiert, Hbeta ganz und gar vergessen - damn it). Ausserdem hatte ich leider mal (relativ zu sonst) schlechten Himmel im Schwarzwald, daran mag's gelegen haben. (Ein ausgesprochener Diffus-Nebel-Experte bin ich sicher auch nicht, ein zweiter Grund wohl). Hier der Pointer direkt auf dem Objekt in meinen Bericht (Nov 2024):
Dabei bin ich von M52 ausgehend die galaktische Ebene entlang gehoppt. Cool wieviele Objekte mit Nebelcharakter, StarFormation und OCs es hier gibt !

Den Löwennebel habe ich bei dieser Gelegenheit leider verpasst - hat mir Christopher schonmal empfohlen. Sieht aber auf dem DSS eher noch heikler aus als der Wizard ! Next time...

Good luck hopping + seeing,
Peter
DANKE, lieber Peter, sorry für die Schluckbeschwerden. Tja, was soll ich sagen - ist dann doch so viel Subjektivität beim visuellen Spechteln mit dabei? Kann schon sein, dass da der eine oder andere abweichende Erfahrungen hat. Was ich auf jeden Fall merke - wenn man sich Zeit an einem Objekt lässt und das dann immer wieder anfährt, dann "kennt" oder "erkennt" man es irgendwann leichter. Und ich bin auch so ehrlich, dass man mit seiner Wortwahl im Überschwang auch etwas dosierter umgehen sollte. Denn wirklich "Einfach!" sind meiner Meinung nach bei den HII-Regionen des Nordhimmels nur Nordamerika-Nebel, California und M 42, alles andere ist zumindest für Einsteiger eine Challenge, für die man Erfahrung braucht.

Clear Skies!!

Stefan Korth
 
DANKE, lieber Peter, sorry für die Schluckbeschwerden. Tja, was soll ich sagen - ist dann doch so viel Subjektivität beim visuellen Spechteln mit dabei? Kann schon sein, dass da der eine oder andere abweichende Erfahrungen hat. Was ich auf jeden Fall merke - wenn man sich Zeit an einem Objekt lässt und das dann immer wieder anfährt, dann "kennt" oder "erkennt" man es irgendwann leichter. Und ich bin auch so ehrlich, dass man mit seiner Wortwahl im Überschwang auch etwas dosierter umgehen sollte. Denn wirklich "Einfach!" sind meiner Meinung nach bei den HII-Regionen des Nordhimmels nur Nordamerika-Nebel, California und M 42, alles andere ist zumindest für Einsteiger eine Challenge, für die man Erfahrung braucht.

Clear Skies!!

Stefan Korth
Hallo Stefan

Ganz meiner Meinung......Ich Beobachte auch ein Objekt lieber genauer Öfters und länger, mit verschiedene Okular Vergrößerungen,
versetz mich da richtig in Gierigkeit.

Manfred
 
Servus Stefan,

NGC 7026 mag ich total gerne ("Cheeseburger-Nebel"). Man muss ihn nur sehr stark vergrößern, wenn es das Seeing zulässt. Hier zum Vergleich meine Notizen vom 22.7.2022 mit dem 17-Zoll-Newton der Sternwarte Buchloe:

"Im Übersichtsokular sehr hell, aber bereits als kleines Nebelfleckchen zu erkennen – direkt daneben ein heller Stern, sodass man an einen Doppelstern denken könnte, wäre die eine Komponente nicht nebelig. Bei 250x wird aus dem Nebelfleckchen ein etwas größeres Fleckchen, immer noch sehr hell, aber nicht deutlich strukturiert: bei 800x erkennt man plötzlich eine deutliche Lücke zwischen zwei Nebelhälften, sodass der Name Cheeseburger-Nebel sehr passend erscheint. Ich kann sogar die an den Enden abgehenden "Zipfel" ansatzweise erkennen. Das Seeing war so gut, dass man mehr als nur zwei Burgerhälften erkennt. Grandios! Auf der von TYC 3592-2787-1 abgewandten Seite kann ich ab und zu auch die Verbindung der beiden Cheeseburgerhälften erkennen. Die von TYC 3592-2787-1 abgewandte Hälfte erscheint mir an der Unterkannte etwas heller als die obere Hälfte zu sein. Bei 800x und passendem Seeing ein toller PN!"

Platais 1 habe ich mir schon länger vorgenommen, kam aber irgendwie nie dazu (Sommermilchstraße, da gibt es sooo viele Offene Sternhaufen. Ist jetzt ganz oben auf der Bucket-List! Die anderen Platais-Haufen sind ja sehr groß und teils wunderbare Fernglasobjekte (gerade jetzt im Winter), aber im Sommer mal den kleinsten des Katalogs anzuschauen ist ja ein Muss!

Liebe Grüße und danke für den Bericht!
Christoph
 
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