Gute Sichtbarkeit des Oval BA am 24.01.2026

Quanten

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
Gestern Abend waren die Bedingungen recht gut, Samstagabend, nichts zu tun, klarer Himmel und relativ gutes Seeing, so wünscht man sich das.

Der 16" Newton stand schon gegen ca. 16:00 Uhr zum vorkühlen draußen.
Der erste Blick gegen 19:00 Uhr zeigte eine ruhig stehende Jupiterscheibe, welche ich mit 12.5mm Plössl Okulare auf ca. 460x vergrößern konnte.
Noch etwas Feinabstimmung am ADK und an der Fokusierung und siehe da, Jupiter übersät mit zig Farbdetails in Bänder und Zonen.

Sofort viel mir auch die helle fast weißliche Ausbuchtung im STB auf, zumal auch das abgeschnittene STB mit einem dunklen beige/grauen Finger darauf zeigte.
Zur Kulmination des BA befand sich dieses wie zwischen zwei Hörner bzw. Ausbuchtungen des NEB.
In Momenten guten Seeings zeigte sich das BA in einem zarten rosa, welches weiß umrandet wurde.
Auch zeigte das SEB eine interessante farbliche Zweiteilung in feinen gelb/hellbraun Töne.
Die NPR war mit feinen weiß/beige Bänder und Zonen unterteilt.

Ganymed und Io standen relativ nah an Jupiter und zeigten sich als schöne Scheibchen.
Auf Ganymed fokussiert, zeichte sich dieser bei ca. 600-700x Vergrößerung als schönes grau-dunkelgraues Scheibchen mit einem kleinen weißen Fleck darauf, was vielleicht der Tros Einschlag war?

Leider zog dann bis zum GRF lästiger Hochnebel auf, welcher dann auch in Wolken Übergang.
LG
 
Liebe Quanten,

danke für Euren lebhaften Bericht. Ich war zur gleichen Zeit draussen. Obwohl nur mit 5 Zoll diesmal, konnte ich ebenfalls zahlreiche Bänder in der nördlichen Polarregion bei 196x erkennen, sehr schön. Mehr Vergrößerung liess das Seeing an meinem Standort gestern nicht zu.

Herrlich war es, das langsame Verschwinden von Ganymed hinter den Jupiterrand zu verfolgen - ein Prozess, der mehr als 5 Minuten andauerte während Ganymed zunächst halbiert und dann nur als winzige Aufwölbung am Jupiterrand wirkte - während gleichzeitig am anderen Jupiterrand der Großer Roter Fleck hereindrehte. Zuvor fesselte eine gut abgegrenzte weiße Struktur am Nordrand des Northern Equatorial Belt meine Aufmerksamkeit. Ist dort ein White Oval unterwegs?

Christopher
 
Herrlich war es, das langsame Verschwinden von Ganymed hinter den Jupiterrand zu verfolgen - ein Prozess, der mehr als 5 Minuten andauerte während Ganymed zunächst halbiert und dann nur als winzige Aufwölbung am Jupiterrand wirkte - während gleichzeitig am anderen Jupiterrand der Großer Roter Fleck hereindrehte.
Hallo Christopher
Prima, genau das hätte ich mir auch gerne angesehen.
Zuvor habe ich mir alles auf SkiSafari angesehen.
Und nachdem Ganymed als schönes graues Scheibchen zu sehen war, war ich ebenfalls darauf gespannt, wie der Mond langsam hinter Jupiter verschwinden würde?
Leider war mir dieses Schauspiel nicht vergönnt.
LG
 
Hallo Quanten, du schreibst:

"Auf Ganymed fokussiert, zeichte sich dieser bei ca. 600-700x Vergrößerung als schönes grau-dunkelgraues Scheibchen mit einem kleinen weißen Fleck darauf, was vielleicht der Tros Einschlag war?"

Ja, am Abend des 24.1 2026 war Tros zu sehen.
Tros ist die hellste Albedostruktur auf Ganymed.
Auf diesen alten absichtlich überbelichteten und kontrastverstärkten Aufnahmen knallt er richtig raus:

2023-10-02-2351_7-U-R_lapl5_ap1_Drizzle30_4.jpg

2023-09-11-0249_3-U-R_lapl5_ap1_Drizzle30_2.jpg

(Süden Oben)
CS Mike

PS: S3 in der ersten Aufnahme ist ein Tippfehler, es muss natürlich richtig heissen S8, also Bombenseeing
 
Hallo Mike,
danke für deinen Bildnachweis.
Bei so kleinen Filzelobjekten bin ich mir als nie ganz sicher ob ich diese auch wirklich gesehen habe, zumal sich das Bild ja bewegt und Seeing Ausbrüche die Wahrnehmung erschweren.
Ganymeds graues Scheibchen erschien im Okular vielleicht max. 2-3mm groß und Tros nur wenige zehntel Millimeter?
Allerdings habe ich bei SkySafari nach gesehen und auch nach mehrmaligen hin und weg sehen, sah ich an der gleichen Stelle das weiße Pünktchen.
Der Farbkontrast und die Farbsättigung ist hier natürlich optimal helles weiß auf dunkelgrau, vielleicht hat die Beugung da auch etwas nachgeholfen und Tros als weißes Pünktchen etwas aufgepumpt?
LG
 
Hallo Quanten,
ja natürlich, ich pfeiff auf die Schönheit des Bildes und versuch in diesen seltenen Nächten rauszuholen an Detail was geht, was glaubst du wie überrascht ich war, als ich erkannte, daß jedes weisse Pünktchen in der oberen Aufnahme genau der Lage eines Kraters entspricht. Damals beschloss ich, eine Karte anzufertigen.
CS Mike
 
Hallo Quanten,

sehr beeindruckender Beobachtungsbericht!
Insbesondere die visuelle Mondbeobachtung finde ich extrem spannend - das macht Hoffnung, dass es nicht nur fotografisch gute Chancen gibt, Strukturen auf den Mondscheibchen wahrzunehmen.

Hallo Mike,

hab mal Deine Aufnahme mit einer in WinJupos simulierten Darstellung zur entsprechenden Aufnahmezeit verglichen.
Erstaunlich, wie gut das zusammenpasst:

1769778468203.png

In der Mitte sieht man ebenfalls das WinJupos-Rendering, allerdings stark weichgezeichnet, gammakorrigiert und um 160° rotiert, um das Bild in Richtung der niedriger aufgelösten Aufnahme zu trimmen.
Ich war mir bis dahin immer recht sicher, dass helle Ränder an diesen winzigen Möndchen immer ein Artefakt sind, das vom ersten Beugungsring herrührt, aber dem ist hier offensichtlich nicht so!

Wirklich stark - das macht Lust, bei den nächsten Gelegenheiten unbedingt mehr Fokus auf die Monde zu legen.

Mike, hast Du einen Tipp, wie man die Kamera am besten auf Ganymed einstellt? Stellst Du Belichtung/Gain auf Jupiter ein und nutzt diesselben Einstellungen dann auch für die Monde? Die erscheinen ja dann relativ dunkel auf den ersten Blick - andererseits, wenn man die Belichtung so erhöht, dass der Mond im Liveview schön hell wirkt, wird er sehr schnell überbelichtet. Am Histogramm kann man sich hier leider auch schlecht orientieren.
Und: Wie lange hälst Du drauf - die Monde sollten ja im Vergleich zu Jupiter nicht so schnell rotieren.
(SORRY, wenn ich jetzt hier kurz vom Visuellen zum Fotografischen abschweife!)

Viele Grüße,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Peter, Probleme mit Beugungsringsartefakten macht bei meiner Ausrpstung eigentlich wenn überhaupt nur Europa.
Die Einstellung von Jupiter für die Monde kannst du vergessen. Es ist eigentlich ganz einfach: Mach soviele Einzelbilder wie du kannst, mit möglichst kurzer Einzelbelichtungszeit. Die Kunst was herauszukitzeln liegt beim Schärfen mit RS6.
Aber- und du weisst schon was jetzt kommt-
ohne gutem Seeing geht halt gar nix, da muss man oft Wochen oder Monate lang warten und dann kommen 4 oder 5 sagenhafte Nächte hintereinander die man dann durchmachen muss, trotz Beruf und familiärer Verpflichtungen, sonst wird das nix.

Ich hab die Monde eigentlich ausbeobachtet/ gefilmt mit Farbkamera, bleiben noch die 2026/2027 kommenden gegenseitigen Bedeckungen, das war es dann.

Die Idee diese Saison mit SW Kamera im IR aktiven Vulkanismus auf Io nachzuweisen zu versuchen habe ich wegen der absolut miesen Wetterbedingungen( ein Winter wie er früher einmal war, mit Nebel,Eis und Kälte oder klarem Himmel plus Fön) aufgegeben.


CS Mike
PS Viel Erfolg auf Ganymed!
 
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