extrem niedriger Meridiandurchgang des Mondes

FStone

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Hallo,

Derzeit fällt der außergewöhnliche tiefe Meridiandurchgang des Mondes auf.
Für Erfurt gestern 23:36 Uhr stand der Mond nur 10.9° über dem Horizont.

PXL_20260627_220202275   Mond-Antares.jpg

(Smartphonebild, rechts oben übrigens Antares)

Das Minimum wird heute Nacht am 29.6. um 00:27 Uhr mit 10,2° (Minimum) erreicht.
Solch extrem niedrige Meridiandurchgänge (großer Mondstillstand ) treten nur etwa alle 18,6 Jahre auf.

BG&CS - Frank
 
Derzeit fällt der außergewöhnliche tiefe Meridiandurchgang des Mondes auf.
Für Erfurt gestern 23:36 Uhr stand der Mond nur 10.9° über dem Horizont.
Tja, und noch weiter im hohen Norden, wie etwa in Tromsø, geht der Mond jetzt sogar tagelang überhaupt nicht mehr auf!

Für Astrofotografie hilft das aber schon deswegen nicht, weil die Sonne dort dann 24 Stunden am Tage scheint ...

Gruß, Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Tja, und noch weiter im hohen Norden, wie etwa in Tromsø, geht der Mond jetzt sogar tagelang überhaupt nicht mehr auf!
Nach der Formel [hmin = 61,41°- geoBreite] (für die Nordhalbkugel) findet man,
dass in Tampere/ Finnland dann hmin = 0 ist, dh. der Mond dann gerade den Horizont erreicht,
wobei die atmosphärische Refraktion und die horizontale Parallaxe nicht beachtet sind.

Und was sagt uns das? Wenn man's genau wissen will wird's kompliziert ...

BG - Frank
 
Hallo FStone und Forum,

eigentlich fanden die extremen Monddeklinationen (und damit Höhen beim Meridiandurchgang) schon 2024 und 2025 statt.

Holzschnitt-Betrachtung: Eine extreme Monddeklination tritt ein, wenn der Mond eine Länge von 90° bzw. 270° hat UND zugleich seine Länge ab Knoten die gleichen Werte annimmt. 90° ekliptikal, dazu 90° ab Knoten >> maximal positive Deklination. 270° ekliptikal, dazu 270° ab Knoten >> maximal negative Deklination. Das tritt nur ein, wenn der Mondknoten bei 0° steht und das war so um den Jahreswechsel 2024/2025 der Fall.

Ganz genau kombinieren sich diese Zielwerte in der Natur nie nach Wunsch. Wir haben jetzt schon eine Mondknotenlänge von 333° (rückwärtige Bewegung 19° pro Jahr), die extremen Deklination werden immer seltener und sind bald nicht mehr möglich.

Ich rechnete mit benachbarten Terminen des Meridiandurchgangs in Erfurt. Heute nacht kommt der Mond dem ekliptikalen Tiefpunkt bei 270° am nächsten, hat aber nur mehr eine ekliptikale Breite von -4,6° (maximal möglich: -5,15°), weil das Argument der Breite (Mondlänge - Länge aufsteigender Knoten) schon weit über die 270° hinaus ist.

Die Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe (Unterschied geo/topo) versüdlicht den Mond in Erfurt in allen Fällen um ein weiteres knappes Grad. Dieser Einfluss ist in den üblichen Planetariumssoftwares immer mit eingerechnet und deren Nutzern meistens nicht bewusst. Bei mir ist es anders herum: Ich rechne "händisch", lande bei der geozentrischen ekliptikalen Länge und muss die Parallaxe dann noch anbringen. Als Gegenleistung für meine Handarbeit kann ich geo und topo auseinanderhalten, mit Längen und geographischen Breiten herumspielen und sehen, was passiert.

Meine Berechnungen:

Mond, alle Zeiten MESZ, Erfurt (-11,02°E+50,97°N); geo = geozentrische ekliptikale Länge und Breite in Grad; topo = topozentrische ekliptikale Länge und Breite in Grad (präzise Theorie)

Länge aufsteigender Knoten 333°; "Argument der Breite" (ArgBr) = Mondlänge - Länge aufsteigender Knoten (Überschlagsrechnung mit festgehaltener Knotenlänge und geozentrischen Mondlängen)

2026JUN26 22h47 geo 241,03-5,07 topo 241,22-5,93 Azimut 180° Höhe 12,8 Elongation 146E Libra ArgBr 268°

2026JUN27 23h37 geo 253,32-4,97 topo 253,43-5,84 Azimut 180° Höhe 10,8° Elongation 157°E Ophiuchus ArgBr 280°

2026JUN29 00h28 geo 265,61-4,63 topo 265,64-5,51 Azimut 180° Höhe 10,2 Elongation 168°E Oph ArgBr 293°

2026JUN30 01h20 geo 277,93-4,07 topo 277,88-4,95 Azimut 180° Höhe 10,9 Elongation 180°, Sagittarius ArgBr 305°

Ralf
 
Hallo Ralf,
Danke für die umfassende Betrachtung,
Ich muss gestehen, dass ich das nicht vollständig Überblicke. Ich hab's halt bloß gesehen und hab mich gefragt, was der tiefstmögliche Stand ist.
Wie ich oben schrieb - will man's genau wissen ist es komplex...

BG. Frank
 
Und was sagt uns das? Wenn man's genau wissen will wird's kompliziert ...
Siehe dazu auch den ausführlichen Artikel in der englischsprachigen Wikipedia:

Lunar standstill

Vereinfacht ausgedrückt, die Ebene der Mondbahn ist um ca. 5,1° gegenüber der Ekliptik verkippt und die Kontenlinie, also die Schnittlinie der beiden Ebenen, präzediert mit einer Periode von ca. 18,6 Jahren. Dadurch variiert die Deklination des Modes zwischen +- 23,5° +- 5,1°, und die Maxima und Minima laufen mit der Periode des Knotenumlaufs um. Dazu kommen noch Parallaxeneffekte aufgrund der Position des Beobachters auf der Erde.

Gruß, Peter
 
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