Equipment - Frage zur Ausrüstung

gnnyman

Aktives Mitglied
Hallo alle,
Ich habe einen TSAPO126PHQ, Brennweite nativ 882mm, f/7 - es ist ein Petzval Flatfield Apo, dazu einen 0.8x Reducer (707mm fl, f/5.6) und würde gerne beginnen, Sonnenaufnahmen zu machen - und zwar primär die Chromosphäre, aber nicht nur. Als Kameras habe ich eine QHY5III715C mit 1,4y Pixelgröße und auch eine ZWO 120mm - die sollten doch eigentlich dafür geeignet sein.

Da ich keine Ahnung von Sonnenfotografie habe, habe ich mal nachgelesen - ich brauche also einen Energiesperrfilter vor der Optik und einen Ha-double stack Einsatz hinter der Optik (wahrscheinlich doch ohne Reducer, richtig). Okulare habe ich einige 2".

Ohne eine Bank ausrauben zu müssen, welche Teile würdet ihr mir empfehlen?

Danke und CS
Georg

PS: Ich habe verstanden, Sonnenfotografie ist gaaaanz anders als meine bisherige Disziplin - deep sky!
 
Hallo Georg
Du brauchst auf jeden Fall einen Energieschutzfilter D-ERf von Baader: Wird vor die Teleskopöffnung gesetzt, um die enorme Hitze und schädliche UV-/IR-Strahlung der Sonne abzublocken.
Farbkamera ist nicht zu empfehlen .
Dann brauchst du einen H-alpha Filter zb. den SunDancer II von Baader . Da gibt es aber eine sehr große Auswahl mit unterschiedlichen Preisen .
Da würde ich dir aber zu Raten mal mit einem Fachmann zb. von Baader zu sprechen . Es gibt auch noch andere Ansprechpartner .
Das hängt alles davon ab wieviel Geld du ausgeben möchtest . Es gibt Filter von 1400 euro bis 10000 Euro und noch höher .


Gruß Frank
 
Hallo Marco,
warum? Kannst Du es mir bitte erklären - so viel ich gelesen habe, ist der Unterschied bei der Bandbreite der Filter und nicht mehr?

Gruß
Georg
 
Hallo Georg,

wie immer in der Astronomie: tausend Möglichkeiten – und letztlich abhängig davon, worauf du dich spezialisieren möchtest. Für alle Optionen empfehle ich Monokamera, denn die Bayer-Matrix in Farbkamers verhindert den Durchlass des monochromatisches Licht auf den Sensor - für Rot (Halpha) und blau/violett( Calcium) wäre nur jeder vierte Pixel angeregt. Das reduziert die Auflösung und führt stellenweise zur Streifenbildung.

Hier ein paar Grundgedanken zur Anregung:

1. Weißlicht/Photosphäre

Deinen Refraktor kannst du relativ günstig zur Weißlichtfotografie nutzen, am einfachsten mit einem objektivseitigen Frontfilter bzw. einer geeigneten Sonnenfilterfolie.

Bei einem Petzval-Design würde ich allerdings keinen Herschelkeil verwenden. Baader untersagt dessen Verwendung bei Petzval-Systemen ausdrücklich, da sich hinter dem Fokus weitere Linsenelemente befinden können, die der konzentrierten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Dazu gibt es zwar auch unterschiedliche Auffassungen, ich würde mich hier aber an die Herstellerangaben halten.

Am Herschelkeil können zusätzlich breitbandige Calciumfilter eingesetzt werden. Damit lassen sich insbesondere Fackelgebiete der unteren Chromosphäre bzw. photosphärischen Randbereiche etwas hervorheben. Das ist allerdings nicht mit einem schmalbandigen Ca-II-K-System vergleichbar – der überwiegende Teil des Lichts stammt weiterhin aus der Photosphäre.

2. Chromosphäre

Fotografisch sind dann vor allem H-alpha und Ca II H/K interessant. Hier benötigt man ein dafür ausgelegtes Filtersystem und eine entsprechende Energiereduktion.

Diese kann je nach System objektivseitig über einen ERF erfolgen. Das ist zwar größer und teurer, hat aber den Vorteil, dass die Energie bereits vor dem Eintritt in das Teleskop reduziert wird und gleichzeitig das Tubusseeing reduziert werden kann.

Bei kleineren Öffnungen kommen je nach Filtersystem auch interne ERF-Lösungen infrage. Hier würde ich mich aber unbedingt nach den Vorgaben des jeweiligen Herstellers richten.

Damit lässt sich ein vorhandener Refraktor beispielsweise mit einem spezialisierten H-alpha-System von Daystar, Solar Spectrum, Sun Dancer bzw. ähnlichen Anbietern/Modelle kombinieren. Für Calcium gibt es ebenfalls entsprechende Filtersysteme (z.b. Antlia Solar Discover).

Ein Double Stack ist meiner Meinung nach nicht zwingend der erste Schritt. Er kann den Kontrast und die Oberflächendarstellung verbessern, kostet aber zusätzlich Licht und Geld.

Wichtig ist bei einem modularen H-alpha-Aufbau außerdem das Öffnungsverhältnis des Teleskops. Je nach Etalon sind bestimmte F- Bereiche (~f30) bzw. eine geeignete telezentrische Anordnung erforderlich. Das würde ich deshalb bei der Auswahl unbedingt mit berücksichtigen.

3. Fertiges H-alpha-Sonnenteleskop

Die einfachste Variante ist natürlich ein fertiges H-alpha-Teleskop. Hier sind Teleskop, Energieschutz und Etalon bereits aufeinander abgestimmt und man kann direkt loslegen.

Dafür ist man später bei Erweiterungen etwas weniger flexibel. Außerdem hängt natürlich viel von der Qualität des verbauten Etalons ab.

4. Zum Petzval-Design

Bei einem Petzval würde ich vor der konkreten Anschaffung noch einmal genau das jeweilige Teleskop und das geplante H-alpha-System betrachten. Ein Petzval ist für H-alpha nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Entscheidend ist, dass die nachfolgenden Linsengruppen nicht einer unzulässigen Energiebelastung ausgesetzt werden. Ein geeigneter objektivseitiger ERF ist deshalb bei einem Petzval eine besonders interessante Lösung – aber letztlich müssen die Vorgaben des jeweiligen Filterherstellers für genau diesen Aufbau eingehalten werden.

Und am Ende gilt immer: die Qualität des Etalons (H-alpha-Filter) schwankt und die Qualitätskontrolle korreliert mit dem Preis. Einige Filtersystem oxidieren und haben nur eine begrenzte zeitliche Haltbarkeit.

Egal ob fertiges Sonnenteleskop oder individuelle Lösung - der Kostenrahmen für kleinste Sonnenteleskope mit 40er Öffnung startet neu bereits im vierstelligen Bereich und nach oben gibt es keine Grenzen.

CS
Stephan
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Georg, ... @gnnyman
Stephan hat wohl alles wesentliche erklärt.

Mit " diese " Optik, hatte ich deine gemeint bzgl. Continuum oder 540nm Beobachtung.

Insgesamt alles eine Sache von Geldeinsatz, Systemabstimmung und erwatetem Ergebnis.
Ich selber würde noch unterscheiden, ... Beobachtung Chromosphäre ohne oder mit Strom.
Bzgl. Photosphäre dann mit oder ohne Herschelkeil.

Dein Sytem mit Petzval Design mit einem Herschelkeil ( also "Weisslicht" ) ist so nicht zu nutzen.

Das sind bzgl. Geldeinsatz / Öffnung Brennweite alles Dinge die " Geld " kosten können.

An welche Preisgrösse hast Du den gedacht ? Photosphäre, Chromosphäre, oder auch Kalzium jeweils oder soll alles möglich sein ?

Gruss
Marco
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Georg,

Ich habe einen TSAPO126PHQ, Brennweite nativ 882mm, f/7 - es ist ein Petzval Flatfield Apo, dazu einen 0.8x Reducer (707mm fl, f/5.6) und würde gerne beginnen, Sonnenaufnahmen zu machen - und zwar primär die Chromosphäre, aber nicht nur.

Für die H-alpha Linie der Sonne würde ich mir wieder ein fertiges Teleskop mit Luftspaltetalon zulegen. Solche Teleskope sind schnell einsatzbereit und unkompliziert zu bedienen.
Ich selbst habe ein 80mm Lunt Sonnenteleskop mit Drucktuner und zwei Etalons. Mit diesem Teleskop komme ich gut zurecht, es bildet gut ab und ist schnell einsatzbereit.


Anhand der Bilder die ich in den Foren immer wieder sehe, ist der Drucktuner homogener als die Teleskope, bei denen das Etalon mittels einem zentralen Druckstift abgestimmt wird, wie es bei den Heliostar-Teleskopen der Fall ist.

Ein Mica-Etalon (ölgefügtes Etalon) wie sie für H-alpha Ansätze verwendet werden möchte ich mir persönlich nicht zulegen. Für diese Bauart ist immer eine Spannungsquelle nötig um das Etalon mittels der eingebauten Heizung abzustimmen. Diese Bauart bildet aber gut ab.

Eventuell wäre der Rüsselsheimer H-alpha Treff etwas für dich, falls du in der Nähe wohnst.

Viele Grüße
Gerd
 
Hallo ...
Gerd @Gerd Kohler & Georg @gnnyman
... Bzgl. H-alpha Treff , es ist der beste Ort ( je unterschiedlicher Teilnehmeranzahl )
um unterschiedliche System vergleichen zu können !

Ich bin da seit über 15 Jahren oft. Nette Leute , tolle Ausrüstungen.
Vom Protuberanzansatz bis zum 152er Lunt oder der viele Jahre
lang als "H-alpha - Referenz-Bino-Optik " angesehenen Takahashi Zusammenstellung von Dietmar
ist dort einiges zu sehen.
Natürlich auch die zur Zeit " aktuellen " Geräte.
Gruß
Marco
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

In Rüsselsheim war ich vor vielen...... Jahren. Es war recht gut dort. Es ist für mich aber zu weit weg um mal kurz dahin zu fahren.

Viele Grüße
Gerd
 
Hi ...
Ich habe es nicht weit dahin.
Leider werden alle aus der Nähe älter und viele " neue " kommen auch nicht mehr hinzu. Es sind mittlerweile also auch fast nur noch die da, die seit Jahren immer kommen.
Gruss
Marco
 
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