LDN 768 – Loch-Ness-Monster im Füchslein in zwei Varianten

Dane Vetter

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

ich bin bei meiner Bearbeitung von LDN 768 aktuell noch etwas unschlüssig und würde deshalb gerne mal eure Sichtweise zu zwei unterschiedlichen Varianten hören.

Variante 1 ist etwas aufwändiger bearbeitet und deutlich zurückhaltender. Hier habe ich versucht, den Staub etwas feiner und filigraner darzustellen und gerade die schwächeren Strukturen besser zu erhalten. Dadurch wirkt das Bild für meinen Geschmack natürlicher, gleichzeitig aber auch etwas ruhiger und vielleicht sogar ein wenig langweiliger.

Variante 2 ist eher die klassische Darstellung, wie man das Objekt beziehungsweise die Region häufig sieht. Das sehr dichte Sternenfeld ist deutlich präsent und der Staub zeigt sich kontrastreicher. Dadurch wirkt das Bild insgesamt markanter und das eigentliche Motiv ist schneller erfassbar.

Ein weiterer Punkt ist die Farbe des Staubs. In der kontrastreicheren Variante wirkt er größtenteils fast schwarz, in der zurückhaltenderen eher dunkelbraun. Ich vermute, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt: Sehr dichte Bereiche dürfen nahezu schwarz erscheinen, während schwächere Staubschichten durch das gerötete Hintergrundlicht eher bräunlich wirken, wie man es auch von anderen Dunkelnebeln kennt.

Genau da bin ich aktuell hin und her gerissen: Die zweite Variante hat mehr unmittelbare Wirkung, bei der ersten gefällt mir die feinere Darstellung des Staubs besser, kommt aber etwas langweilig daher. Vielleicht wird es am Ende auch etwas zwischen beiden Varianten.

Mich würde deshalb interessieren: Welche der beiden Varianten gefällt euch besser und warum?

Variante 1
LDN768_V1_klein.jpg


Variante 2
LDN768_V2_klein.jpg


Ausschnitte:
Crop_V1_01.jpg Crop_V2_01.jpg
Crop_V1_02.jpg Crop_V2_02.jpg
Crop_V1_03.jpg Crop_V2_03.jpg

Aufnahmedaten:
TSQ-100 Apo
ZWO ASI 6200MC Pro
Sky-Watcher EQ8-R
652 × 180 s über 7 Nächte
Gesamtbelichtungszeit: 32 h 30 min
Bearbeitung: PixInsight, Photoshop
 
Zuletzt bearbeitet:
Für mich ist das erste Bild faszinierender, weil das Hintergrundlicht von Milliarden von Sternen besser zur Geltung kommt. Zumindest scheint es so bzw. ist meine Vorstellung. Allgemein würde ich immer eine eher realistische Darstellung anstreben, aber was ist in dem Fall eher realistisch? Ich weiß das im Moment nicht. Eventuell wirklich was zwischen den beiden Varianten.
 
Hi Dane,

mir gefällt die erste Variante besser, vor allem farblich. Die filigranen Strukturen kommen gut zum Vorschein. Bei der opulenten Belichtungszeit würde ich aber davon ausgehen, dass das Seemonster noch etwas deutlicher zum Vorschein kommt. Vielleicht könnte man da noch etwas mehr strecken.

VG;
Ulrike
 
Hallo zusammen,

ich danke euch für die Rückmeldungen. Natürlich möchte ich auch eine realistischere Darstellung anstreben, wenn ich nur wüsste, wie das realisitisch aussieht. :)

Bezüglich der Streckung: Es wurden beide Aufnahmen ziemlich gleich getreckt. Eine stärkere Streckung würde auch bedeuten, dass zwar der Staub, aber auch der Hintergrund angehoben wird. Ich müsste hier mehr mit dem lokalen Kontrast arbeiten, der die Dunkelwolke stärker vom umgebenden Sternfeld trennt. Und besonders auch der Schwarzpunkt. Die Farbe bzw. Farbkontrast spielt auch eine Rolle. Ein bräunlicher Staub gegen das warme Sternfeld wirkt weniger markant als nahezu schwarzer Staub. Die Lösung könnte sein, mehr selektiv zu bearbeiten. Gezielte Kontrastanhebung im Staub kann deutlich mehr bringen als einfach das gesamte Bild stärker zu strecken.

Nebenbei habe ich das Bild eigentlich in fünf Spuren parallel entwickelt, da schon bei der Entfernung der Gradienten bei so einem extremen Sternenfeld die Unterschiede große Wirkung haben können. Ich hänge hier mal die Hintergrundmodelle der vier verschiedenen Tools an. Es waren Gradient Correction, GraXpert, MGC und Auto DBE im Einsatz. (Die Modelle sind um 180° verdreht)

Auto_DBE.jpgGC.jpgGXP.jpgMGC.jpg

Die fünfte Spur war dann ganz ohne Entfernung des Gradienten, damit ich hier auch eine Referenz als Vergleich habe.
 
Hier noch die entsternten Ergebnisse mit den unterschiedlichen Modellen.

Automatic_DBE_ADBE.jpgGC.jpgGXP.jpgMGC.jpg

Und hier ohne Gradientenentferung, welches ich zu einem gewissen Teil ebenfalls so eingemischt habe, in der Kombination mit der GraXpert (GXP) Version, welche ersichtlich am ehesten an das Original kommt.

NO_GC.jpg

Aber das geht jetzt ein bisschen vom Thema ab, aber ich wollte es dennoch kurz aufzeigen. :)
 
Hallo Dane,

der Staub in Variante 2 ist sicher zu blau-schwarz, Variante 1 dürfte der "Realität" näherkommem. Schau dir zum Vergleich die Gegend doch mal bei WIKISKY.org an.
Die Bilder dort sollten doch von Fachleuten farbkalibriert sein, und dann wäre deine Variante 1 "richtiger".
 
Hallo Hans,

danke für den Hinweis. Bezüglich blau-schwarz lässt sich das sicher schnell korrigieren, wenn Variante 2 der richtige Weg wäre.

2026-09-07 19_43_38 3.jpg

Quelle: wikisky.org

Dort sieht das insgesamt deutlich dunkler aus, und ja, der Staub ist schwarz. Ich weiss aber nicht, ob das als Vergleich so sinnvoll ist, da ich meine Zweifel habe, dass sie so viel Belichtungszeit wie ich für den Ausschnitt investiert haben.
 
Moin Dane,
danke für die tollen Bilder und die Vergleichsmöglichkeiten.

Für mich eindeutig die erste Variante, davon darf's gern auch die etwas kontrastreichere Version sein.

Sieht am natürlichsten aus und hat einfach eine besonders schöne Wirkung mit dem feingewebten Milchstraßenband. Auch die Dunkelnebel sind farblich sehr schön und filigran dargestellt.

Also klare "Kaufempfehlung". :giggle:

lg
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

besten Dank, das freut mich sehr, dass dir die erste Variante ebenfalls am besten gefällt. Und schön, dass dir gerade die Wirkung des Milchstraßenbandes und die feinen Strukturen im Staub so gut gefallen.

Die „Kaufempfehlung“ nehme ich natürlich gerne mit! :)
 
Hallo Dane,

ich sehe schon deine Maschine läuft. Vote für das zweite Bild in Post #6. Hier hast du für meinen Geschmack den Kontrast vom ersten Bild genau richtig dosiert.
Und danke für die Vergleich-Crops wo man sehr schön den Impact von Strecken und Kontrast vergleichen kann. Somit erkennt man sehr schnell wo's hingehen soll.
Auch der Unterschied der verschiedenen Gradienten Tools ist schon echt interessant. Ich nutze meist Graxpert (aus Bequemlichkeit) und hin und wieder auch MGC. Wobei mir hier die div. Einstellparameter nicht immer so ganz eingängig sind und man dadurch auch schnell mehr kaputt machen kann als mit Graxpert.

CS,
Franz
 
Moin Dane,
danke für die tollen Bilder und die Vergleichsmöglichkeiten.

Für mich eindeutig die erste Variante, davon darf's gern auch die etwas kontrastreichere Version sein.

Sieht am natürlichsten aus und hat einfach eine besonders schöne Wirkung mit dem feingewebten Milchstraßenband. Auch die Dunkelnebel sind farblich sehr schön und filigran dargestellt.

Also klare "Kaufempfehlung". :giggle:

lg
Wolfgang
+1
In dem Bild kommt der Staub sehr gut zur Geltung und man sieht noch "genug'" Sterne.

CS Jochen
 
Hallo Dane,

habs gerade mal ausprobiert: wenn du 15-25% der Variante 2 zur Variante 1 dazumischst, dann ist die Sternpopulation etwas gleichmäßiger und auch die dunklen Bereiche kommen besser raus, besonders da, wo sie vorher nur sehr zart waren.
 
Hallo zusammen,

besten Dank euch dreien für eure Rückmeldungen!

@ Franz: Danke für die Bestätigung beim Kontrast. Das zeigt mir zumindest, dass ich mit meinem Geschmack noch nicht völlig abgedriftet bin. :) Gerade bei der Gradientenentfernung zeigen die Beispiele aus meiner Sicht sehr schön, wie weit die Ergebnisse auseinandergehen können und wie stark dieser eine Schritt das fertige Bild beeinflusst. Im schlechtesten Fall kann man damit offenbar sogar mehr kaputtmachen als verbessern.

Der Vergleich war mir hier besonders wichtig, weil ich zum ersten Mal ein Bild mit einem derart extremen Sternenfeld bearbeite und mich gefragt habe, wie sich das auf die Gradientenentfernung auswirkt. Deshalb habe ich parallel auch bewusst eine Variante mitgeführt, die diesen Schritt überhaupt nicht durchläuft. Am meisten enttäuscht bin ich hier von MGC mit der MARS-Datenbank. Das Ergebnis mit diesen tiefschwarzen Flecken ist für mich mit Abstand das schlechteste. Aber vielleicht sind auch einfach die Standardeinstellungen hierzu nicht pasend.

@ Jochen: Danke auch dir für die Zustimmung zur etwas kontrastreicheren Variante. Wieder einer mehr im Bunde. :-) Für mich geht es mittlerweile ebenfalls ziemlich klar in diese Richtung.

@ Hans: Danke für den Hinweis. Ich experimentiere parallel tatsächlich auch schon etwas mit einer Kombination aus Version 1 und 2. Wobei ich die kontrastreichere Version 2 dafür entsternt habe, da ich die Dichte des Sternfeldes aus Version 1 eigentlich ziemlich passend finde.

Ich habe jetzt einmal versucht, die entsternte Version 2 zu 20 % in Version 1 einzumischen. Dabei fällt mir allerdings auf, dass die dunkleren Bereiche aus Version 2 die noch vorhandenen dezenten helleren Strukturen aus Version 1 teilweise fast schon wieder etwas dämpfen. Ganz überzeugt bin ich davon daher noch nicht.

Hier mal im Vergleich, man sieht, dass die dunklere V2 das hellere V2 auch abdunkelt. Es wirkt sich nicht unbedingt schlecht aus, und bewegt sich meiner Meinung noch auf dem Level des persönlichen Geschmacks, würde ich behaupten. Ich denke, mir sagt die bisherige etwas kontrastreichere Version aus dem letzten Stand einen Hauch mehr zu. Am Ende sind es aber nur Nuancen an Unterschied.

LDN768_Original.jpgLDN768_20_Prozent_V2.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Matthias,

besten Dank für deine Rückmeldung! Gerade das freut mich, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass heute vor allem kräftige, farbige und kontrastreiche (knallige) Bilder gut ankommen. Umso schöner zu sehen, dass es offenbar auch etwas zurückhaltender dennoch funktioniert.

Vielleicht hier auch nebenbei erwähnt, da ich zu Beginn auf Astrobin nach eine Art von inspiration bei der Entwicklung der Aufnahme gesucht habe: Dort sind eigentlich weitesgehend alle Aufnahmen eher mit Variante 2 zu vergleichen. Siehe hier. Ich scheine da wohl etwas gegen den Strom zu schwimmen. :LOL:
 
Hallo Dane,

ich bin hier ganz der Meinung von Matthias.

Ich finde ebenfalls die allererste 1. Version am angenehmsten.
Für mich wirken Dunkelnebel, die in größeren Teilen schon fast ins tiefe Schwarz übergehen, nicht mehr realistisch.
Das ist natürlich wie immer alles Geschmacksache. Auch finde ich es schöner, wenn in solchen staubreichen Arealen die Sterne im Hintergrund nicht mehr “scharf” von einander getrennt sind, sondern im Trüben etwas verschwimmen.

So oder so, eine tolle Aufnahme ist Dir hier gelungen und am Ende muss es ja vor allem Dir selbst gefallen ;)

Beste Grüße
Alex
 
Hallo Alex,

besten Dank für deine Rückmeldung und das Lob! Gerade dein Hinweis zu den sehr dunklen Bereichen deckt sich ziemlich mit meinem Eindruck. Sobald die Dunkelnebel zu stark ins tiefe Schwarz absaufen, wirkt es für mich auch schnell etwas unnatürlich. Und ja, natürlich gehen auch Details verloren.

Es sieht so aus, als würden die Anhänger der ersten Version steigen. :)

Also für mich ist mittlerweile auf jeden Fall klar, es wird Variante 1. Die Meinung scheint wohl auch die Mehrzahl zu teilen. Persönlich tendiere ich dann zu der leicht kontrastreicheren Version aus Beitrag 6. Die gefällt mir persönlich mittlerweile sehr gut.
 
Hallo Dane, seit Tagen nehme ich mir vor dir hier zu gratulieren! Eine wirklich wunderbare Aufnahme dieses staubigen fleckchens im Universum! Ich bin ganz klar bei Version Zwei von Variante 1 ;) Deine Vergleiche zeigen sehr schön, was man mit zu viel Kontrast zerstören kann bei der Bearbeitung von Dunkelnebeln - da heißt es Vorsicht an den Reglern ;)
Cs Ben
 
Hallo Dane,

bin jetzt erst auf Deine Bilder aufmerksam geworden, klasse Bild und ebenso eine Bearbeitung die mir außerordentlich gut gefällt. Ich habe Anf. August in etwa den gleichen Bereich fotografiert, da ich aber mit einem SQA 85 und eineToupTek 533C arbeite, habe ich zwei Panel mit 30%tiger Überlappung aufgenommen, anschließend mit Siril zusammen gesetzt um einen größeren Bereich abzudecken. Bei der Gradientenentfernung jedoch habe ich echt Probleme bekommen, da ich annehme, dass die bekannten Programme (GraXpert, Auto BGE, Veralux Nox) ) bei solch einer Sterndichte und den Dunkelnebeln nicht gut arbeiten. Eine grundsätzliche Frage stellt sich mir, hast Du die Gradientenentfernung auf das sternlose Bild angewendet? Dies würde mich mal interessieren.

Besten Dank.
Beste Grüße

Cs
mike
 
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