fotofreund
Aktives Mitglied
MEIN NEUER SVBONY 102/714 mm ED – Mein nun vielseitiger Begleiter für die visuelle Beobachtung
Hallo Forum ...
Nach einiger Zeit mit kleineren Teleskopen habe ich mich ( wieder ) für mehr Öffnung und Brennweite entschieden. Es wurde ein SVBONY 102/714 ED. Da ich ausschließlich visuell beobachten möchte, war mir vor allem eine gute Kombination aus optischer Leistung, brauchbarer Öffnung, angenehmer Brennweite und solider Mechanik wichtig. Besonders aber auch die " Sache " von Preis zu Leistung war mir wichtig !
Nach den ersten Erfahrungen gefällt mir mein gewähltes Konzept ausgesprochen gut. Der 102/714 ist für mich kein Spezialist für eine bestimmte Beobachtungsart, sondern eher ein vielseitiger Allrounder. Besonders interessant finde ich dabei das Zusammenspiel aus dem 102-mm-Objektiv, den 714 mm Brennweite und meiner selbst modifizierten AZ-Montierung auf einem Manfrotto 058B.
Der SVBONY 102/714 ED
Die Kombination aus 102 mm Öffnung und 714 mm Brennweite empfinde ich für die visuelle Beobachtung als ausgesprochen gelungen.
Mit f/7 ist der Refraktor noch relativ kompakt und gut transportierbar, gleichzeitig bietet die Öffnung schon deutlich mehr Möglichkeiten als kleinere Refraktoren. Die 714 mm Brennweite sind kurz genug für größere Gesichtsfelder, aber lang genug, um auch bei Planeten und Doppelsternen mit höheren Vergrößerungen sinnvoll arbeiten zu können.
Was mir an meinem Exemplar besonders gut gefällt, ist die optische Abbildung. Bei meinen bisherigen Beobachtungen konnte ich sowohl intra- als auch extrafokal eine für mich sehr saubere und gleichmäßige Abbildung feststellen. Auch am Himmel selbst konnte ich bisher keine Auffälligkeiten feststellen, die mich stören würden.
Natürlich ist alles hier zu lesende zunächst einmal meine persönliche Erfahrung mit meinem Exemplar und keine Aussage über jedes einzelne Gerät dieses Typs.
Okularauszug und Taukappe
Auch mechanisch macht der Refraktor auf mich einen sehr guten Eindruck.
Der Okularauszug läuft sehr weich und besitzt eine 1:10-Untersetzung, was insbesondere bei höheren Vergrößerungen angenehm ist. Zusätzlich lässt sich der Auszug um 360° drehen, ohne dass dabei störendes Spiel auffällt.
Die relativ lange Taukappe ist einschiebbar und läuft satt und spielfrei. Insgesamt gibt es an meinem Exemplar mechanisch für meine Anwendung bisher nichts auszusetzen.
Gerade bei einem Teleskop, das ausschließlich visuell eingesetzt werden soll, finde ich solche Dinge wichtiger, als es auf dem Papier vielleicht zunächst erscheint. Wenn Fokussieren, Drehen des Auszugs und der Umgang mit der Taukappe sauber funktionieren, trägt das ganz wesentlich zum entspannten Beobachten bei.
FPL-51 oder FCD1 – Macht das einen Unterschied ?
Bei ED-Refraktoren wird häufig über die verwendete Glassorte gesprochen. Dabei tauchen unter anderem Ohara FPL-51 und Hoya FCD1 auf.
Beide Gläser besitzen sehr ähnliche optische Eigenschaften und liegen bei der Abbe-Zahl sehr dicht beieinander. Daraus allein lässt sich allerdings nicht ableiten, wie gut ein konkretes Objektiv letztlich korrigiert ist.
Entscheidend ist vielmehr die gesamte Objektivkonstruktion: das verwendete Partnerglas, die Linsenradien, die Abstände der Linsen, die optische Auslegung und natürlich auch die Fertigungsqualität.
Mein Refraktor verwendet FPL-51. Für mich ist die Bezeichnung des Glases allerdings eher nebensächlich. Entscheidend ist, was das fertige Objektiv am Himmel leistet.
Und genau damit bin ich bei meinem Exemplar bisher sehr zufrieden.
Warum 102 mm Öffnung ?
Die 102 mm Öffnung empfinde ich als einen sehr angenehmen Kompromiss.
Gegenüber kleineren Refraktoren steht spürbar mehr Licht zur Verfügung, gleichzeitig bleibt das Teleskop noch relativ handlich. Auch das Auflösungsvermögen steigt mit der Öffnung.
Die theoretische Auflösungsgrenze eines idealen 102-mm-Systems liegt bei ungefähr 1,14 Bogensekunden. In der Praxis wird dieser Wert natürlich nicht immer erreicht. Seeing, thermische Bedingungen, optische Qualität und die Beobachtungsbedingungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Trotzdem zeigt die Zahl ganz anschaulich, welches Auflösungspotenzial eine Öffnung von 102 mm grundsätzlich besitzt.
Für mich sind 102 mm deshalb ein sehr interessanter Mittelweg: deutlich mehr Möglichkeiten als bei kleineren Refraktoren, ohne dass das Instrument bereits unhandlich groß wird.
f/7 – ein für mich sehr angenehmes Öffnungsverhältnis
Gerade bei einem ED-Dublett empfinde ich f/7 als sehr gelungen.
Ein etwas längeres Öffnungsverhältnis erleichtert grundsätzlich die Korrektur der chromatischen Aberration gegenüber deutlich lichtstärkeren Konstruktionen. Gerade bei hellen Objekten wie Venus, Jupiter, Sirius oder hellen Doppelsternen ist eine gute Farbkorrektur natürlich besonders angenehm.
Gleichzeitig bleiben 714 mm Brennweite kurz genug, um auch größere Himmelsobjekte noch sinnvoll beobachten zu können.
Mit den passenden Okularen lässt sich damit ein erstaunlich großer Bereich abdecken – vom großflächigen Deep-Sky-Objekt bis hin zur höher vergrößerten Planeten- und Doppelsternbeobachtung.
Was kann der 102/714 am Himmel ?
Genau diese Vielseitigkeit ist für mich eine der großen Stärken des Instruments.
Mond und Sonne profitieren von der guten Auflösung und dem hohen Kontrast eines Refraktors. Bei der Sonnenbeobachtung selbstverständlich nur mit einem geeigneten, sicheren Sonnenfilter vor der Objektivöffnung oder einem Herschelkeil. Hier bin ich noch am überlegen ...
Auch Jupiter und Saturn lassen sich mit höheren Vergrößerungen sicher sehr schön beobachten. Bei gutem Seeing sind dabei auch feinere Details interessant.
Besonders viel Freude bereiten mir zur Zeit schon Planetarische Nebel, Kugelsternhaufen und Doppelsterne. Hier kommen die gute Abbildung, der Kontrast und das Auflösungsvermögen des 102-mm-Objektivs schön zur Geltung.
Die Kugelsternhaufen profitieren von der zusätzlichen Öffnung. Bei planetarischen Nebeln eröffnen sich mit geeigneten Nebelfiltern weitere interessante Möglichkeiten.
Für sehr große und ausgedehnte Objekte kann ein kleinerer Refraktor mit kürzerer Brennweite und entsprechend größerem Gesichtsfeld natürlich Vorteile haben. Der 102/714 ist in dieser Hinsicht aber keineswegs unflexibel.
Beobachten unter Stadthimmel
Ein weiterer Punkt, der für meine Anwendung interessant ist, ist die Beobachtung unter einem aufgehellten Himmel auf dem Stadtbalkon.
Natürlich kann auch ein 102-mm-Refraktor die Lichtverschmutzung nicht wegzaubern. Aber die Kombination aus Öffnung, geeigneter Vergrößerung und Nebelfilter ermöglicht trotzdem interessante Beobachtungen.
Bei geeigneten Nebeln können insbesondere UHC- und O-III-Filter sicher einen deutlichen Unterschied machen. Ich hoffe der Filter reduziert dabei bestimmte Anteile des störenden Hintergrundlichts und hebt die entsprechenden Nebelbereiche des Nebels stärker hervor. Die 102mm Öffnung sollten hierzu genug Licht " liefern " können.
Ein dunkler Himmel bleibt natürlich durch nichts zu ersetzen. Trotzdem finde ich es immer wieder erstaunlich, was auch von einem aufgehellten Standort aus möglich ist, wenn Teleskop, Okular und Filter sinnvoll miteinander kombiniert werden.
Die Montierung – Nicht nur das Gewicht zählt
Ein Punkt wird bei der Auswahl einer Montierung meiner Meinung nach gerne unterschätzt: Es geht nicht ausschließlich darum, wie viel Gewicht eine Montierung tragen kann.
Mindestens ebenso wichtig ist der Hebel des Teleskops.
Ein 102/714-Refraktor ist deutlich länger als beispielsweise ein kompakter Maksutov oder ein kurzer Newton. Dadurch entstehen bei Bewegungen entsprechende Drehmomente.
Eine Montierung kann das Gewicht eines Teleskops problemlos tragen und sich bei einem langen Tubus trotzdem weniger stabil anfühlen.
Für mich war deshalb das Manfrotto 058B eine interessante Basis.
Das 058B ist ein ausgesprochen massives Fotostativ mit hohem Eigengewicht, stabiler Konstruktion und einer Kurbelmittelsäule. Dadurch bringt es bereits eine sehr gute Grundlage für eine visuelle astronomische Anwendung mit.
Allerdings ist auch hier nicht das Stativ allein entscheidend. Die gesamte mechanische Kette muss zusammenpassen.
Meine modifizierte TS-AZ-Montierung
Bei der verwendeten Gabel handelt es sich um eine ältere TS-AZ-Montierung, die ich selbst modifiziert habe.
Der ursprüngliche Zustand hat mir insbesondere bei Bewegungen in Azimut nicht besonders gut gefallen. Die AZ-Achse ließ sich nicht so nutzen, wie ich es mir für eine komfortable visuelle Beobachtung gewünscht hätte.
Deshalb habe ich die Lagerung entsprechend umgebaut.
Die AZ-Achse ist bei meiner modifizierten Version nun nadelgelagert. Zusätzlich habe ich die Lagerung so ausgeführt bzw. vorgespannt, dass möglichst wenig Spiel vorhanden ist und gleichzeitig das Losbrechmoment so sehr gering bleibt.
Das Ergebnis gefällt mir deutlich besser als der ursprüngliche Zustand.
Die Achse weist bei meiner Konstruktion praktisch kein störendes fühlbares Spiel mehr auf und lässt sich gleichmäßig und leichtgängig bewegen.
Gerade bei einer Dobson- bzw. AZ-artigen manuellen Nachführung ist das für mich ein entscheidender Punkt. Es macht einen großen Unterschied, ob man beim Nachführen zunächst einen gewissen Widerstand überwinden muss und das Teleskop anschließend ruckartig reagiert – oder ob sich die Achse kontrolliert und gleichmäßig bewegen lässt.
Nadellager und vorgespannte Lagerung
Der interessante Bestandteil meiner Modifikation ist die Lagerung mit Nadellagern.
Die Idee dahinter ist, eine ausreichend steife Lagerung mit einem möglichst geringen Losbrechmoment zu verbinden.
In der Praxis bedeutet das für mich :
- sehr wenig bzw. kein störendes fühlbares Spiel,
- eine gleichmäßige und leichtgängige Bewegung,
- ein geringes Losbrechmoment,
- und dadurch eine angenehm kontrollierbare Nachführung.
Dabei darf man allerdings nicht nur auf das Lager selbst schauen.
Die eigentliche Herausforderung liegt in der gesamten mechanischen Kette : Gabel, Lagerung, Verbindung zum Stativ und schließlich das Stativ selbst müssen ausreichend steif sein.
Denn die beste Lagerung bringt wenig, wenn beispielsweise die Verbindung zwischen Gabel und Stativ nachgibt oder das gesamte System nach einer Bewegung lange ausschwingt.
150× Vergrößerung – Geht das noch komfortabel ?
Genau hier zeigt sich für mich der Vorteil einer gut abgestimmten Kombination.
Mit einer ausreichend steifen Gabel und dem stabilen 058B kann ich mir durchaus vorstellen, den 102/714 auch bei 150× und darüber komfortabel manuell zu verwenden – vorausgesetzt, Seeing und Objekt geben eine solche Vergrößerung überhaupt her.
Bei hohen Vergrößerungen wird eine ruckfreie Nachführung schnell wichtiger als die reine Tragfähigkeit.
Wenn sich das Teleskop ohne großen Kraftaufwand bewegen lässt und nach einer Korrektur nicht störend nachschwingt, wird die Beobachtung bei hohen Vergrößerungen wesentlich entspannter.
Gerade bei Doppelsternen oder Planeten macht sich das bemerkbar.
Mein persönlicher Eindruck
Was mir an diesem Refraktor besonders gefällt, ist letztlich nicht eine einzelne herausragende Eigenschaft, sondern die Harmonie des gesamten Systems.
102 mm Öffnung bieten bereits ein ordentliches Auflösungsvermögen und genügend Lichtreserven. Die 714 mm Brennweite sorgen gleichzeitig für ein angenehmes Öffnungsverhältnis und ermöglichen mit passenden Okularen auch größere Gesichtsfelder.
Dazu kommt die typische Stärke eines guten Refraktors: ein kontrastreiches, ruhiges und für mich ästhetisch sehr ansprechendes Bild.
Für meine visuelle Anwendung ist der 102/714 deshalb ein ausgesprochen vielseitiges Teleskop.
Vom Mond über Planeten und Doppelsterne bis hin zu Kugelsternhaufen und planetarischen Nebeln bietet er viele Möglichkeiten.
Zusammen mit meiner modifizierten TS-AZ-Gabel und dem Manfrotto 058B ergibt sich daraus ein für mich erstaunlich unkompliziertes Beobachtungssystem.
Nicht maximal groß, nicht maximal leicht und auch nicht auf einen einzigen Einsatzzweck spezialisiert – sondern ein sehr ausgewogener Refraktor, mit dem ich mir viele interessante Beobachtungsnächte vorstellen kann.
... und genau das war letztlich auch mein Ziel: ein Teleskop, das ich einfach aufstellen, ein Okular einstecken und dann entspannt beobachten kann.
Gruß an alle denen meine " Infos " event. mal hilfreich sein könnten
sendet
Marco
Hallo Forum ...
Nach einiger Zeit mit kleineren Teleskopen habe ich mich ( wieder ) für mehr Öffnung und Brennweite entschieden. Es wurde ein SVBONY 102/714 ED. Da ich ausschließlich visuell beobachten möchte, war mir vor allem eine gute Kombination aus optischer Leistung, brauchbarer Öffnung, angenehmer Brennweite und solider Mechanik wichtig. Besonders aber auch die " Sache " von Preis zu Leistung war mir wichtig !
Nach den ersten Erfahrungen gefällt mir mein gewähltes Konzept ausgesprochen gut. Der 102/714 ist für mich kein Spezialist für eine bestimmte Beobachtungsart, sondern eher ein vielseitiger Allrounder. Besonders interessant finde ich dabei das Zusammenspiel aus dem 102-mm-Objektiv, den 714 mm Brennweite und meiner selbst modifizierten AZ-Montierung auf einem Manfrotto 058B.
Der SVBONY 102/714 ED
Die Kombination aus 102 mm Öffnung und 714 mm Brennweite empfinde ich für die visuelle Beobachtung als ausgesprochen gelungen.
Mit f/7 ist der Refraktor noch relativ kompakt und gut transportierbar, gleichzeitig bietet die Öffnung schon deutlich mehr Möglichkeiten als kleinere Refraktoren. Die 714 mm Brennweite sind kurz genug für größere Gesichtsfelder, aber lang genug, um auch bei Planeten und Doppelsternen mit höheren Vergrößerungen sinnvoll arbeiten zu können.
Was mir an meinem Exemplar besonders gut gefällt, ist die optische Abbildung. Bei meinen bisherigen Beobachtungen konnte ich sowohl intra- als auch extrafokal eine für mich sehr saubere und gleichmäßige Abbildung feststellen. Auch am Himmel selbst konnte ich bisher keine Auffälligkeiten feststellen, die mich stören würden.
Natürlich ist alles hier zu lesende zunächst einmal meine persönliche Erfahrung mit meinem Exemplar und keine Aussage über jedes einzelne Gerät dieses Typs.
Okularauszug und Taukappe
Auch mechanisch macht der Refraktor auf mich einen sehr guten Eindruck.
Der Okularauszug läuft sehr weich und besitzt eine 1:10-Untersetzung, was insbesondere bei höheren Vergrößerungen angenehm ist. Zusätzlich lässt sich der Auszug um 360° drehen, ohne dass dabei störendes Spiel auffällt.
Die relativ lange Taukappe ist einschiebbar und läuft satt und spielfrei. Insgesamt gibt es an meinem Exemplar mechanisch für meine Anwendung bisher nichts auszusetzen.
Gerade bei einem Teleskop, das ausschließlich visuell eingesetzt werden soll, finde ich solche Dinge wichtiger, als es auf dem Papier vielleicht zunächst erscheint. Wenn Fokussieren, Drehen des Auszugs und der Umgang mit der Taukappe sauber funktionieren, trägt das ganz wesentlich zum entspannten Beobachten bei.
FPL-51 oder FCD1 – Macht das einen Unterschied ?
Bei ED-Refraktoren wird häufig über die verwendete Glassorte gesprochen. Dabei tauchen unter anderem Ohara FPL-51 und Hoya FCD1 auf.
Beide Gläser besitzen sehr ähnliche optische Eigenschaften und liegen bei der Abbe-Zahl sehr dicht beieinander. Daraus allein lässt sich allerdings nicht ableiten, wie gut ein konkretes Objektiv letztlich korrigiert ist.
Entscheidend ist vielmehr die gesamte Objektivkonstruktion: das verwendete Partnerglas, die Linsenradien, die Abstände der Linsen, die optische Auslegung und natürlich auch die Fertigungsqualität.
Mein Refraktor verwendet FPL-51. Für mich ist die Bezeichnung des Glases allerdings eher nebensächlich. Entscheidend ist, was das fertige Objektiv am Himmel leistet.
Und genau damit bin ich bei meinem Exemplar bisher sehr zufrieden.
Warum 102 mm Öffnung ?
Die 102 mm Öffnung empfinde ich als einen sehr angenehmen Kompromiss.
Gegenüber kleineren Refraktoren steht spürbar mehr Licht zur Verfügung, gleichzeitig bleibt das Teleskop noch relativ handlich. Auch das Auflösungsvermögen steigt mit der Öffnung.
Die theoretische Auflösungsgrenze eines idealen 102-mm-Systems liegt bei ungefähr 1,14 Bogensekunden. In der Praxis wird dieser Wert natürlich nicht immer erreicht. Seeing, thermische Bedingungen, optische Qualität und die Beobachtungsbedingungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Trotzdem zeigt die Zahl ganz anschaulich, welches Auflösungspotenzial eine Öffnung von 102 mm grundsätzlich besitzt.
Für mich sind 102 mm deshalb ein sehr interessanter Mittelweg: deutlich mehr Möglichkeiten als bei kleineren Refraktoren, ohne dass das Instrument bereits unhandlich groß wird.
f/7 – ein für mich sehr angenehmes Öffnungsverhältnis
Gerade bei einem ED-Dublett empfinde ich f/7 als sehr gelungen.
Ein etwas längeres Öffnungsverhältnis erleichtert grundsätzlich die Korrektur der chromatischen Aberration gegenüber deutlich lichtstärkeren Konstruktionen. Gerade bei hellen Objekten wie Venus, Jupiter, Sirius oder hellen Doppelsternen ist eine gute Farbkorrektur natürlich besonders angenehm.
Gleichzeitig bleiben 714 mm Brennweite kurz genug, um auch größere Himmelsobjekte noch sinnvoll beobachten zu können.
Mit den passenden Okularen lässt sich damit ein erstaunlich großer Bereich abdecken – vom großflächigen Deep-Sky-Objekt bis hin zur höher vergrößerten Planeten- und Doppelsternbeobachtung.
Was kann der 102/714 am Himmel ?
Genau diese Vielseitigkeit ist für mich eine der großen Stärken des Instruments.
Mond und Sonne profitieren von der guten Auflösung und dem hohen Kontrast eines Refraktors. Bei der Sonnenbeobachtung selbstverständlich nur mit einem geeigneten, sicheren Sonnenfilter vor der Objektivöffnung oder einem Herschelkeil. Hier bin ich noch am überlegen ...
Auch Jupiter und Saturn lassen sich mit höheren Vergrößerungen sicher sehr schön beobachten. Bei gutem Seeing sind dabei auch feinere Details interessant.
Besonders viel Freude bereiten mir zur Zeit schon Planetarische Nebel, Kugelsternhaufen und Doppelsterne. Hier kommen die gute Abbildung, der Kontrast und das Auflösungsvermögen des 102-mm-Objektivs schön zur Geltung.
Die Kugelsternhaufen profitieren von der zusätzlichen Öffnung. Bei planetarischen Nebeln eröffnen sich mit geeigneten Nebelfiltern weitere interessante Möglichkeiten.
Für sehr große und ausgedehnte Objekte kann ein kleinerer Refraktor mit kürzerer Brennweite und entsprechend größerem Gesichtsfeld natürlich Vorteile haben. Der 102/714 ist in dieser Hinsicht aber keineswegs unflexibel.
Beobachten unter Stadthimmel
Ein weiterer Punkt, der für meine Anwendung interessant ist, ist die Beobachtung unter einem aufgehellten Himmel auf dem Stadtbalkon.
Natürlich kann auch ein 102-mm-Refraktor die Lichtverschmutzung nicht wegzaubern. Aber die Kombination aus Öffnung, geeigneter Vergrößerung und Nebelfilter ermöglicht trotzdem interessante Beobachtungen.
Bei geeigneten Nebeln können insbesondere UHC- und O-III-Filter sicher einen deutlichen Unterschied machen. Ich hoffe der Filter reduziert dabei bestimmte Anteile des störenden Hintergrundlichts und hebt die entsprechenden Nebelbereiche des Nebels stärker hervor. Die 102mm Öffnung sollten hierzu genug Licht " liefern " können.
Ein dunkler Himmel bleibt natürlich durch nichts zu ersetzen. Trotzdem finde ich es immer wieder erstaunlich, was auch von einem aufgehellten Standort aus möglich ist, wenn Teleskop, Okular und Filter sinnvoll miteinander kombiniert werden.
Die Montierung – Nicht nur das Gewicht zählt
Ein Punkt wird bei der Auswahl einer Montierung meiner Meinung nach gerne unterschätzt: Es geht nicht ausschließlich darum, wie viel Gewicht eine Montierung tragen kann.
Mindestens ebenso wichtig ist der Hebel des Teleskops.
Ein 102/714-Refraktor ist deutlich länger als beispielsweise ein kompakter Maksutov oder ein kurzer Newton. Dadurch entstehen bei Bewegungen entsprechende Drehmomente.
Eine Montierung kann das Gewicht eines Teleskops problemlos tragen und sich bei einem langen Tubus trotzdem weniger stabil anfühlen.
Für mich war deshalb das Manfrotto 058B eine interessante Basis.
Das 058B ist ein ausgesprochen massives Fotostativ mit hohem Eigengewicht, stabiler Konstruktion und einer Kurbelmittelsäule. Dadurch bringt es bereits eine sehr gute Grundlage für eine visuelle astronomische Anwendung mit.
Allerdings ist auch hier nicht das Stativ allein entscheidend. Die gesamte mechanische Kette muss zusammenpassen.
Meine modifizierte TS-AZ-Montierung
Bei der verwendeten Gabel handelt es sich um eine ältere TS-AZ-Montierung, die ich selbst modifiziert habe.
Der ursprüngliche Zustand hat mir insbesondere bei Bewegungen in Azimut nicht besonders gut gefallen. Die AZ-Achse ließ sich nicht so nutzen, wie ich es mir für eine komfortable visuelle Beobachtung gewünscht hätte.
Deshalb habe ich die Lagerung entsprechend umgebaut.
Die AZ-Achse ist bei meiner modifizierten Version nun nadelgelagert. Zusätzlich habe ich die Lagerung so ausgeführt bzw. vorgespannt, dass möglichst wenig Spiel vorhanden ist und gleichzeitig das Losbrechmoment so sehr gering bleibt.
Das Ergebnis gefällt mir deutlich besser als der ursprüngliche Zustand.
Die Achse weist bei meiner Konstruktion praktisch kein störendes fühlbares Spiel mehr auf und lässt sich gleichmäßig und leichtgängig bewegen.
Gerade bei einer Dobson- bzw. AZ-artigen manuellen Nachführung ist das für mich ein entscheidender Punkt. Es macht einen großen Unterschied, ob man beim Nachführen zunächst einen gewissen Widerstand überwinden muss und das Teleskop anschließend ruckartig reagiert – oder ob sich die Achse kontrolliert und gleichmäßig bewegen lässt.
Nadellager und vorgespannte Lagerung
Der interessante Bestandteil meiner Modifikation ist die Lagerung mit Nadellagern.
Die Idee dahinter ist, eine ausreichend steife Lagerung mit einem möglichst geringen Losbrechmoment zu verbinden.
In der Praxis bedeutet das für mich :
- sehr wenig bzw. kein störendes fühlbares Spiel,
- eine gleichmäßige und leichtgängige Bewegung,
- ein geringes Losbrechmoment,
- und dadurch eine angenehm kontrollierbare Nachführung.
Dabei darf man allerdings nicht nur auf das Lager selbst schauen.
Die eigentliche Herausforderung liegt in der gesamten mechanischen Kette : Gabel, Lagerung, Verbindung zum Stativ und schließlich das Stativ selbst müssen ausreichend steif sein.
Denn die beste Lagerung bringt wenig, wenn beispielsweise die Verbindung zwischen Gabel und Stativ nachgibt oder das gesamte System nach einer Bewegung lange ausschwingt.
150× Vergrößerung – Geht das noch komfortabel ?
Genau hier zeigt sich für mich der Vorteil einer gut abgestimmten Kombination.
Mit einer ausreichend steifen Gabel und dem stabilen 058B kann ich mir durchaus vorstellen, den 102/714 auch bei 150× und darüber komfortabel manuell zu verwenden – vorausgesetzt, Seeing und Objekt geben eine solche Vergrößerung überhaupt her.
Bei hohen Vergrößerungen wird eine ruckfreie Nachführung schnell wichtiger als die reine Tragfähigkeit.
Wenn sich das Teleskop ohne großen Kraftaufwand bewegen lässt und nach einer Korrektur nicht störend nachschwingt, wird die Beobachtung bei hohen Vergrößerungen wesentlich entspannter.
Gerade bei Doppelsternen oder Planeten macht sich das bemerkbar.
Mein persönlicher Eindruck
Was mir an diesem Refraktor besonders gefällt, ist letztlich nicht eine einzelne herausragende Eigenschaft, sondern die Harmonie des gesamten Systems.
102 mm Öffnung bieten bereits ein ordentliches Auflösungsvermögen und genügend Lichtreserven. Die 714 mm Brennweite sorgen gleichzeitig für ein angenehmes Öffnungsverhältnis und ermöglichen mit passenden Okularen auch größere Gesichtsfelder.
Dazu kommt die typische Stärke eines guten Refraktors: ein kontrastreiches, ruhiges und für mich ästhetisch sehr ansprechendes Bild.
Für meine visuelle Anwendung ist der 102/714 deshalb ein ausgesprochen vielseitiges Teleskop.
Vom Mond über Planeten und Doppelsterne bis hin zu Kugelsternhaufen und planetarischen Nebeln bietet er viele Möglichkeiten.
Zusammen mit meiner modifizierten TS-AZ-Gabel und dem Manfrotto 058B ergibt sich daraus ein für mich erstaunlich unkompliziertes Beobachtungssystem.
Nicht maximal groß, nicht maximal leicht und auch nicht auf einen einzigen Einsatzzweck spezialisiert – sondern ein sehr ausgewogener Refraktor, mit dem ich mir viele interessante Beobachtungsnächte vorstellen kann.
... und genau das war letztlich auch mein Ziel: ein Teleskop, das ich einfach aufstellen, ein Okular einstecken und dann entspannt beobachten kann.
Gruß an alle denen meine " Infos " event. mal hilfreich sein könnten
sendet
Marco
" erhalten....