Intes Micro Maksutov Newtons - Preiswert, oder doch etwas anderes?

IonisierterWasserstoff

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Hallo miteinander,

seit einiger Zeit schaue ich mich nach einer knallscharfen Optik für die visuelle Astronomie um, d. h. mit möglichst viel Kontrast und einer hervorragenden Abbildungsqualität.

Da kamen mir mehrere Ideen in den Kopf. Eine davon waren die legendären Intes Micro Maksutov-Newtons: Die kosten zwar ein bisschen mehr als Kleingeld, sind aber für ihre messerscharfe Optik und geringe Obstruktion bekannt.

Das Problem ist nur, dass sie kaum zu finden sind. Bisher habe ich vielleicht vier im Angebot gesehen? Es scheint aber so, als wären gerade so viele verfügbar wie noch nie.

Für mein begrenztes Budget müsste ich bei einem solchen MN allerdings etwas Öffnung liegen lassen, womit ich grundsätzlich kein Riesenproblem hätte. Schließlich geht es mir vor allem um die Abbildungsqualität. Sollte es ein M66/M68 werden, stünde dem als Alternative ein hochwertiger Newton mit maximal 8 Zoll Öffnung gegenüber. Mehr kann meine HEQ5 Pro wahrscheinlich nicht sinnvoll tragen.

Besonders wichtig ist mir eine möglichst kontrastreiche Planetenbeobachtung, bei der auch feine Details gut zur Geltung kommen. Deep-Sky ist für mich eher zweitrangig, obwohl ich auch davon ein großer Fan bin. Tatsächlich war ich in der Hinsicht schon mit meinem 130PDS recht zufrieden. Nur bei planetarischen Nebeln war die Ansicht manchmal etwas enttäuschend, was für mich aber kein großes Problem darstellt.

Aktuell habe ich leider nicht mal vernünftige Okulare, nur ein normales Skywatcher und ein SVBony-Zoom, die zusammen kaum 100 € wert sind. Da habe ich zwar schon Ideen, allerdings müsste ich bei der Anschaffung eines neuen Teleskops auch noch etwas Budget für gute Okulare einplanen. Ich hatte zumindest das Glück, mal durch Teleskope anderer mit vernünftigen Okularen und guter Optik zu schauen.

Nachdem ich meinen Teleskopbestand verkleinert habe, besitze ich aktuell nur noch ein Teleskop: meinen geliebten und optimierten 130PDS-Newton, den ich für die Fotografie benutze.

Meine Frage ist nun: Lohnt es sich?

Wie groß ist der Unterschied zwischen einem solchen Maksutov-Newton und einem wirklich guten klassischen Newton in der Praxis? Ist die hervorragende Abbildungsqualität eines Intes Micro den Aufpreis und den Verzicht auf etwas Öffnung wert?

Sollte ich vielleicht eher einen Selbstbau mit hochwertiger Optik von bspw. OOUK oder Romano Zen in Betracht ziehen?

Oder sollte ich einfach in den sauren Apfel beißen und mir einen MN holen, gerade wo die Chancen so gut stehen?

Ich habe leider im Grunde gar keine praktische Erfahrung mit Maksutov-Newtons, höchstens theoretisches Wissen, wenn überhaupt. Deshalb würden mich besonders die Erfahrungen von Leuten interessieren, die bereits durch solche Geräte beobachten konnten.

Ich hoffe, ihr könnt mir hier weiterhelfen.

Gruß
Neo
 
Hallo Neo,
Leider konnte ich noch nie durch einen MN schauen. Daher kann ich dir keinen Vergleich zwischen diesen und anderen Geräten geben. Wenn es preiswert und trotzdem sehr gut sein soll, kann ich dir die Quarzspiegel von TS empfehlen. Dort gibt es auch einen 8-Zoll Newton mit 25% Obstruktion und eben einem dieser Quarzspiegel Teleskop-Express: TS-Optics GSO Photon 8" f/6 Advanced Planeten Newton mit Quarzglas Hauptspiegel-TPM8F6. Das könnte was sein. Bisher habe ich zwei dieser Quarzspiegel im Einsatz. Einen 300mm mit 0,98 Strehl und einen 200mm mit 0,96 Strehl, beide F/D=5 und mit dem eigenen Interferometer vermessen. Am Planeten sind sie Klasse! Natürlich kann ich nur für meine beiden Exemplare sprechen. Letzten Endes sind Spiegel immer individuell. Das Auskühlverhalten dürfte durch den offenen Tubus günstiger ausfallen als bei den geschlossenen und massiven MNs.
Aber es gibt erfahrene User hier, die die Abbildung den MNs sehr loben. Vielleicht meldet sich noch jemand, der aus der Praxis berichten kann.
PS: Planeten beobachte ich nur noch mit Bino. Der Detailzuwachs ist meiner Meinung nach viel deutlicher als die letzten 3% Obstruktion. Daher würde ich dir zu einem Bino raten, wenn es deine Augen zulassen.
Grüße,
Burkhard
 
Hallo Neo
Ein MN ist mit Sicherheit ein gutes Teleskop welches schöne Bilder zeigen wird.
Um deine Ideen vielleicht etwas besser sortieren zu können gehe ich mal auf die einzelnen Punkte etwas ein.
seit einiger Zeit schaue ich mich nach einer knallscharfen Optik für die visuelle Astronomie um, d. h. mit möglichst viel Kontrast und einer hervorragenden Abbildungsqualität.
Das ist mit Abstand immer der Super-Apochromat bei vergleichbarer Öffnung.

Maksutov-Newtons: Die kosten zwar ein bisschen mehr als Kleingeld, sind aber für ihre messerscharfe Optik und geringe Obstruktion bekannt.
Eine geringe Obstruktion ist noch kein Garant für messerscharfe Bilder, auch Teleskope mit viel Obstruktion zeigen sehr scharfe Bilder wenn man damit umgehen weiß und man es mit der Vergrößerung nicht übertreibt, Stichwort Austrittspupille.
Obstruktion ist eher selten "das" Problem, Justage, Auskühlung, Nachführung und Gesamtqualität sind meist die begrenzenden Faktoren.
Die geringe Obstruktion hatten auch nicht alle MN-Modelle, nur die mit f/8 oder die größeren Modelle ab f/6.
Die russischen MN wurden relativ massiv gebaut und durch den dicken Meniskus sind sie entsprechend schwer, daher haben sie auch kein so günstiges Auskühlverhalten.
Im Vergleich zum kompakten MC hat der MN auch noch einen langen Hebel und ein etwas ungünstigeres Einblickverhalten.

Sollte es ein M66/M68 werden, stünde dem als Alternative ein hochwertiger Newton mit maximal 8 Zoll Öffnung gegenüber. Mehr kann meine HEQ5 Pro wahrscheinlich nicht sinnvoll tragen.
Das Problem mit dem Newton ist ganz allgemein der lange Hebel und das bescheidene Einblickverhalten, der Tubus sollte daher beim Newton auf parallaktischer Montierung immer rotierbar sein, oder besser mit einer AZ-Montierung betreiben werden.
Ein MN56 oder MN66 würde noch gut funktionieren.
Wenn aber die Montierung der begrenzende Faktor ist, könntest du evtl. auch über kompaktere Teleskope wie z.B. ein Takahashi Mewlon nachdenken?

Besonders wichtig ist mir eine möglichst kontrastreiche Planetenbeobachtung, bei der auch feine Details gut zur Geltung kommen.
Da bist du wie oben schon geschrieben, eher bei einem echten APO.
Um aus der Öffnung alles heraus zu holen empfiehlt sich wie Burkhard schon geschrieben hat ein Binokularansatz.
Beim Spiegelteleskop ist die Handhabung sehr wichtig, da sollte man die allg. Tuningmaßnahmen kennen und auch umsetzen können, wie z.B. Taukappe, Lüfter, Tubusisolierung usw. dann hat man auch mit dem Spiegel einen guten Kontrast mit vielen Details, mit dem Vorteil von großer farbreiner Öffnung welche man mit Lüfter schnell anpassen kann.

Wie groß ist der Unterschied zwischen einem solchen Maksutov-Newton und einem wirklich guten klassischen Newton in der Praxis? Ist die hervorragende Abbildungsqualität eines Intes Micro den Aufpreis und den Verzicht auf etwas Öffnung wert?
Bei exakt gleicher Ausgangslage ist der Unterschied rein ästhetischer Natur, da der normale Newton durch die Fangspiegelhalterung Spikes erzeugt.
Physikalisch wird der klassische Newton am Anfang etwas heftiger auf den Auskühlungsprozess reagieren, da die kalte Außenluft direkt auf den Hauptspiegel fällt und erst einmal heftiges Genzschichtgeblubber hervorruft, dafür wird er jedoch schneller auskühlen insb. mit Lüfter.
Der MN hat ähnlich wie beim SC oder MC, durch seinen geschlossenen Tubus ein eher gemächlicheren Auskühlungsprozess die Luftschlangen ziehen deutlich langsamer durch den Sterntest, dafür dauert der Prozess deutlich länger als bei offener Bauweise, weil die Wärmeenergie des Hauptspiegels erst über den Korrektor und die Tubuswand transmittieren muss.
Dabei bildet sich hinter dem Korrektor ein Warmluftkeil der häufig einen Fangspiegelversatz vortäuscht, weshalb man immer erst im ausgekühlten Zustand das Teleskop justieren sollte.

Durch Lichtdämpfung z.B. durch den Einsatz eines Binokularansatz oder mit Hilfe von guten ND-Filter kann man die Spikes beim klassischen Newton etwas reduzieren, oder durch Umbau der Fangspiegelhalterung mit extra dünnen Blechstreben (0,3mm).
Öffnung ist jedoch bei gleicher Qualität, meiner Meinung nach nicht zu ersetzen, Öffnung ist Auflösung, Kontrast, Bildhelligkeit, Vergrößerung.
Rein optisch gesehen kann der Verzicht auf Öffnung quasi nur über Fehler gerechtfertigt werden.

Sollte ich vielleicht eher einen Selbstbau mit hochwertiger Optik von bspw. OOUK oder Romano Zen in Betracht ziehen?
Hast du schon mal einen Newton selber gebaut?
Bei einem richtigen Planetennewton mit zertifizierter Optik zahlst du vermutlich genauso viel wenn nicht noch mehr.

LG
 
Hallo Quanten,
Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, so eine ausführliche Antwort zu schreiben.
Das ist mit Abstand immer der Super-Apochromat bei vergleichbarer Öffnung.
Klar, aber die Kosten auch stark. Mit einem richtig gutem Newton kommt man aber auch nah dran, und man muss nicht so tief in die Taschen greifen.

Eine geringe Obstruktion ist noch kein Garant für messerscharfe Bilder
Das ist natürlich auch klar, aber weniger Obstruktion wirkt visuell schärfer, die Optik hat natürlich deutlich höhere Priorität.
Das Problem mit dem Newton ist ganz allgemein der lange Hebel und das bescheidene Einblickverhalten
Da hast du natürlich auch recht, besonders bei einem Mak-Newton ist die Belastung für die Montierung stark. Ein Cassegrain bzw. Refraktor sollte generell einen mehr angenehmen Einblick geben, insbesondere bei einer EQ-Montierung.

kompaktere Teleskope wie z.B. ein Takahashi Mewlon nachdenken?
Das habe ich tatsächlich, aber da gibt es auch nicht viel. Die Mewlons sind aber schon wirklich teuer, da müsste ich ähnlich wie bei den MNs Glück im Gebrauchtmarkt haben, um mir eins leisten zu können. Da ist nun mal im mittlerem Bereich ein "Loch" im Markt, oder ich hab's einfach noch nicht gefunden.
Ich habe auch gehört, dass die Mewlons nicht besonders Justagestabil sind. Bei einem Dall-Kirkham ist das natürlich nicht das Ende der Welt, aber immer noch nicht Optimal. Ob das wirklich stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Um aus der Öffnung alles heraus zu holen empfiehlt sich wie Burkhard schon geschrieben hat ein Binokularansatz.
Das merke mich mir. Ich habe tatsächlich noch nie Binokular beobachtet, da müsste ich mich auch mal durchlesen.

Bei einem richtigen Planetennewton mit zertifizierter Optik zahlst du vermutlich genauso viel wenn nicht noch mehr.
Das kann sehr gut sein, ja. Mit bspw. einem ONTC bezahlt man ja auch wirklich für Bauqualität, und nicht nur die Optik.

Am Ende ist nun das Geld bei mir das Hindernis. Bei bspw. dem recht günstigem MN68 Angebot kommt ja noch ein oder zwei vernünftige Okulare in Frage.
Ich brauche jetzt auch nicht das bestmögliche. Die MNs kamen mir in den Kopf, da es gerade ungewöhnlich viele (sehr faire!) Angebote gibt und sie sonst recht selten sind. Evt. ist es auch schlauer, einfach mal zu sparen, um keine halben Sachen zu machen. Dann käme ja vielleicht sogar auch eine größere Optik in Frage.

Gruß
Neo
 
Hallo Neo,

das Wesentlichste zum MN hat Quanten oben bereits geschrieben.

Ich antworte, da ich selbst schon ehemals einen sehr schönen 12“ MN mit Intes Micro Optik besessen habe. Dieser musste erst gehen, nachdem ich einen deutlich größeren 18“ Newton mit Zambuto Optik erworben hatte. Im Vergleich zu einem damals außerdem vorhandenen 12“ Newton mit hochwertiger Lomo Optik war jedoch der MN im direkten Vergleich an Jupiter das etwas bessere Gerät.

Bei einem MN fällt die Spinne weg, was im Hinblick auf Planetenbeobachtung schon einen Vorteil im Hinblick auf Detailbeobachtung v.a. von schwachen Planetenmonden bedeutet. Der direkte Kontrast im unmittelbaren Umfeld des Planeten wird besser, da weniger Streulicht vorhanden ist.

Desweiteren hast du bei einem MN mit beispielsweise F 4,5 im Vergleich zum Newton eine feinere Abbildung der Sterne bezogen auf das gesamte Gesichtsfeld, zumal die Maksutov-Korrekturplatte einen großen Anteil der lästigen Koma beseitigt. Möchtest du eine vergleichbare Abbildung mit einem einfachen F 4,5 Newton benötigst du zusätzlich einen hochwertigen Komakorrektor.

Leider bekommt man Intes Micro Geräte neu nicht mehr. Nur auf dem Gebrauchtmarkt werden hin und wieder Geräte angeboten. Für die Intes Micro Optiken spricht in aller Regel die recht hohe optische Qualität, welche durch Interferogramme nachgewiesen wird.

Jedoch: Einem gleich großen Apo mit ebenfalls sehr guter Optik + Farbkorrektur ist jeder auch noch so gute MN „unterlegen“.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Neo,

Für mein begrenztes Budget müsste ich bei einem solchen MN allerdings etwas Öffnung liegen lassen, womit ich grundsätzlich kein Riesenproblem hätte. Schließlich geht es mir vor allem um die Abbildungsqualität. Sollte es ein M66/M68 werden, stünde dem als Alternative ein hochwertiger Newton mit maximal 8 Zoll Öffnung gegenüber. Mehr kann meine HEQ5 Pro wahrscheinlich nicht sinnvoll tragen.
Meine Empfehlung geht klar zum MN!
Ich würde auch lieber auf Öffnung verzichten und dafür die besser/schönere Abbildung wählen.

Oder sollte ich einfach in den sauren Apfel beißen und mir einen MN holen, gerade wo die Chancen so gut stehen?
Ja!
Wenn du es dir leisten kannst nutze die Chance, so oft werden die Geräte nicht angeboten
Wie Quanten schon schrieb haben sie thermische Probleme aber da helfen die gleichen Maßnahmen wie beim Newton auch, Isolierung und Lüfter.

Ich habe auch gehört, dass die Mewlons nicht besonders Justagestabil sind. Bei einem Dall-Kirkham ist das natürlich nicht das Ende der Welt, aber immer noch nicht Optimal. Ob das wirklich stimmt, kann ich nicht beurteilen.
Die Mewlons sind absolut Justagestabil!
Das Problem ist das die Justier Schrauben am Fangspiegel extrem fest sitzen und die Leute beim justieren viel zuviel an den Schrauben rum drehen und diese dabei dann auch noch lösen (linksrum). Die Schrauben müssen nur sehr wenig nach gestellt werden ca. 5 bis 10 Grad Drehung und am besten rechtsrum also noch fester. Wenn eine Schraube eine halbe Umdrehung gelöst wird, kann es schon sein, dass der Fangspiegel schon anfängt zu schwimmen und sich ständig verstellt. Noch besser wird es wenn man am Hauptspiegel anfängt Rum zu drehen.

Gruß und CS
Thomas
 
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