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für einen solchen "zu-kurz-FH" ist das ein ausgezeichnetes Ergebnis. Der Jupitermond ist sehr scharf, die Wolkenbänder auf Jupiter sind sehr gut strukturiert, und den Farbfehler habe ich mir stärker vorgestellt.
Folgende Fragen hätte ich hierzu:
1. Entspricht der Farbfehler in etwa dem bei visueller Beobachtung? Wenn ja, bei welcher Vergrößerung?
2. Hast du am Teleskop Optimierungen vorgenommen (Justage, Velours etc.)?
2.) Ja, das Teleskop hab ich mit Velours ausgekleidet und den OAZ justiert. Die Linsen sind ohne weiteres nicht justierbar.
Gruß Benny
Ehemaliger Benutzer (7840)
Hallo Benny,
vielen Dank für die Infos. Was mich noch interessieren würde: Bei welcher Vergrößerung im Okular hat der Farbfehler etwa die abgebildete Stärke? Der Farbfehler nimmt ja mit der Vergrößerung zu, und fotografisch fällt er ja i.d.R. stärker aus als visuell.
Ganz genau kann ich das dir leider nicht sagen, da ich eine 2x Barlow und ein 10 mm Okular benutzt habe, das ich nicht ganz in das Barlowgehäuse gesteckt habe. Welche Vergrößerung sich daraus letzendlich ergab, weiß ich nicht. Bin mehr fotografisch als visuell unterwegs
Ehemaliger Benutzer (7840)
Hallo Benny,
meinst du eine 2x- oder dreimal-Barlow, wie es in der Beschreibung beim Bild steht?
Ich fand das mit der Vergrößerung in sofern interessant, da ich bisher nur die Möglichkeit hatte, das Gerät bei ca. 20-fach zu testen, wo sich kein störender Farbfehler zeigte. Da interessiert mich nun, ab welcher Vergrößerung der Farbfehler "zuschlägt". Das mit dem 10mm-Okular hat mir schon sehr geholfen.
was soll ich sagen - find ich Klasse! Genau so etwas hätte ich gern selber mal mit meinem FH 120/600 ausprobiert, um einigen voreingenommenen Leuten zu zeigen, was selbst mit so einem "Farbwerfer" am Jupiter noch geht. Hier wird auch endlich mal richtig dargestellt, wie sich der Farbfehler visuell bei Hochvergrößerung auswirkt: großer, aber blasser blau-violetter Halo und dahinter ein zwar grüngelb farbverfälschtes, aber dennoch nicht besonders detailverarmtes oder gar vermatschtes Bild, sondern feinere Strukturen bis in die Wolkenbänder. Als neulich ein Mondschatten über die Planetenscheibe zog, war dessen Wanderung bis an den Rand des Planetenoberfläche scharf begrenzt zu erkennen.
In einem anderen Thread wurde jüngst vehement behauptet, gegen einen 130er, und erst recht einen 150er, Newton hätte dieser 120er Zu-kurz-FH am Planeten nicht den Hauch einer Chance. Schaut man sich aber zum Vergleich mal an, was mit einem 150er Newton herauskommen kann, (z.B. hier , wenn auch sicher nicht ganz ausgereizt) muß sich so ein vielgescholtener Achromat m. E. nicht schamhaft verstecken. Auch wenn seine Farbästhetik natürlich nicht jedermanns Sache sein wird.
Ich würde mich freuen, wenn Du hier auch mal Ergebnisse an Saturn und Mars einstellen solltest, die für einen Achromaten ja viel weniger kritisch sind. Visuell fand ich vor ein paar Tagen z.B. das Ergebnis an Mars sogar noch etwas besser, als dieses Resultat mit immerhin einem 175er TEC-APO. Ich konnte z.B. die weiße Polkappe viel deutlicher abgesetzt erkennen.
Wenn Du erlaubst, werde ich bei Gelegenheit in ähnlichen Debatten mal auf Dein Jupiter-Bild verlinken. In jedem Fall vielen Dank für diese schöne und aussagekräftige Demonstration, die der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Teleskops auch an Jupiter für mein Empfinden endlich mal gerecht wird!
hab eine 2x Barlow benutzt, aber der Faktor müsste etwas größer als 2x gewesen sein.
Ja, bei ca. 20x sieht man noch nicht viel vom Farbfehler. Erst bei höheren Vergrößerungen fällt ein recht großer Blausaum und ein kleinerer Rotsaum auf. Da seh ich aber drüber hinweg Nur eines stört mich ein bisschen: Helle Sterne haben auf Fotos krasse Blau- und Rotsäume und sind aufgebläht. Das finde ich ziemlich unschön.
Hallo Mathias,
danke schön. Der 120/600 hat in der Hinsicht echt einen schlechten Ruf, den ich nicht bestätigen kann. Visuell macht mir der Fehler nichts aus, und auf Bildern kann man ihn weitgehend entfernen, falls man sich daran stört. Und wie du schon sagtest, an Detailvermögen büßt man eigentlich nicht oder nicht viel ein.
Die Schattenwanderung habe ich neulich auch zum ersten mal beobachtet. War schön anzusehen, Schärfe und Kontrast haben gepasst, nur die Farben haben halt nicht gestimmt Verstecken muss sich der Kurz-FH aber auf keinen Fall, das denke ich auch.
Ich hoffe auch auf Bilder von Mars und Saturn (leider sind sie von meinem Balkon aus nicht sichtbar). Bin aber auch zuversichtlich, dass bei den Bildern etwas gutes herauskommt. An Mond macht der 120/600 ebenfalls eine gute Figur. Die Bilder kannst du gerne verklinken, vielleicht rückt das Teleskop dann in ein bisschen besseres Licht
Viele Grüße Benny
Ehemaliger Benutzer (7840)
Hallo Mathias,
gerade Mars gilt wegen seiner zarten, blassen Strukturen als sehr anfällig für Farbfehler, es sei denn, man verwendet einen Rotfilter.
Saturn hat sich auch bei mir als äußerst Farbfehler-resistent erwiesen: In einer Gruppe mit ca. fünf bis sieben Beobachtern sahen wir uns Saturn im 120/1000er FH an. Wir waren uns alle einig, dass sich der Farbfehler nur im direkten Vergleich mit einem Newton in Form eines extrem schwachen Gelbstichs bemerkbar machte. Bei beiden Geräten wurde eine vergleichbare Vergrößerung verwendet.
weshalb Mars im FH besonders farbfehleranfällig sein soll verstehe ich nicht. Schaut man sich das visuelle Bild oben und das typische Sphärochromasie-Diagrammm so eines kurzen FH-an, erkennt man doch, dass es vor allem Blau ist, das hier herausfällt, und weitab von den Kurven der anderen Farben liegt. Diese restlichen Farbkomponenten -rot-grün-gelb- liegen demgegenüber relativ viel näher beieinander. Bei einem Achromaten ist das doch das optische Konstruktionsprinzip, zwei Farben - rot und grün, sind gut korrigiert. Mit anderen Worten für Objekte, denen ein Blauanteil weitgehend fehlt, wie Mars und Saturn, sollte die achromatische Korrektur ausreichen. Und das sehe ich in meinem Fall mit dem 120er FH zumindest visuell vollkommen bestätigt, denn andernfalls hätte der 7,5" Hi-Tec Apo ein für meinen Geschmack deutlich besseres Marsbild abliefern müssen.
Die Frage, ab wann der Farbfehler zuschlägt, ist ja schon oft - auch mit Deiner Beteiligung - diskutiert worden, so dass ich nicht ganz verstehe, was Du Dir bei einer Antwort an Neuem erhoffst. Du weisst, es gibt keinen scharfen Übergang, nur einen Verlauf, von dem man anhand des RC- bzw. CA-Wertes der Optik überschlägig ausrechnen kann, wann er signifikannt wahrnehmbar einsetzt. Er führt in diesem Fall ab etwa 50-facher Vergrößerung zu einem deutlich sichtbaren blau-violetten Halo, der mit weiter steigender Vergrößerung natürlich immer ausgedehnter, dabei aber wegen der Verteilung auf eine größere Fläche für das Auge auch immer diffuser und blasser wird. Das wiederum führt bekanntermaßen dazu, dass im mittleren Vergrößerungsbereich von bei diesem Gerät ca. 60-90fach der Halo eine Ausdehung und Intensität hat, die an etlichen Beobachtungsobjekten die Kontrast- und Detailwahrnehmung auf eine Art reduziert, die von vielen als sehr störend empfunden wird.
Wie störend hängt aber auch davon ab, wie stark man sich von dem Effekt irritieren lässt, oder ob man lernt, ihn weniger zu beachten. Denn je nach Objekt und eigener Veranlagung kann man sich an diese Art der Bildstörung auch gewöhnen, und z.B. in diesem Bereich nur Beobachtungsobjekte auswählen, die in der subjektiven Wahrnehmung nicht so deutlich darunter leiden. Galaxien etwa, die ja so lichtschwach und diffus sind, dass der Halo dort demgegenüber nur eine fast unmerkliche Kontrastschwächung bewirken kann, wenn sie überhaupt signifikant wahrnehmbar ausfällt, weil Seeingeinflüsse einen demgegenüber manchmal viel größeren Tribut fordern können. Bei 60x sehe ich an Galaxien keine wesentlichen Bildeinbußen gegenüber einer farbneutralen Optik, allerdings habe ich bisher mit dem Gerät noch nie unter einem wirlich hervorragend dunklen Himmel beobachten können, wo man die Kontrastminderung tendenziell eher bemerken können sollte. Bei Kugelsternhaufen erkennt man dann schon eher eine deutliche Brillanzminderung ab etwa 100x, weshalb man hier mit der Vergrößerung nicht gewinnbingend höher gehen kann.
Bei Hochvergrößerung an sehr hellen Objekten aber wird der blau-violette Hof dann wie oben dargestellt so groß und gleichzeitg blass und diffus, das man quasi durch diesen immer zarter werdenden Blauschleier auf das Beobachtungobjekt (Mond, Planet) hindurchsehen kann, ohne eine allzu große Schärfe- oder Detaileinbusse zu erleben. Natürlich fehlt in den Details dann der Blauanteil, was den Kontrast solcher Details reduziert, und das gesamte Bild ist entsprechend farbverschoben. Es können aber evt. auch andere Details dadurch etwas besser hervortreten, wie bei einer Filterwirkung auch. Ob man das Resultat "schön" findet, ist eine andere Frage. Das Bild, das Filter zur Planetenbeobachtung abliefern wird auch nicht jeder schön finden. Erstaunlicherweise ist die Bildleistung bei Hochvergrößerung auch am Mond in Bezug auf die Details nicht so schlecht, wie manche erzählen wollen. Ja, scharfe Schatten zeigen Blausum und ja es tritt natürlich ebenfalls eine deutliche Farbverschiebung auf, der Mond erscheint gelb, statt weiß und aschgrau. Auch das ist nicht schön, aber in dem, was zu sehen ist, steckt dennoch viel Informatives und Interessantes, das Bild wird kein völliger Matsch.
Im Übrigen lassen sich natürlich auch mit den bekannten Filtern (Semi-Apo, Fringekiller + Skyglow, etc) die Abbildungscharakteristika dieser kurzen Achromaten so beeinflussen, dass ein einigermaßen farbneutrales Bild herauskommt, dem es dann aber natürlich an Helligkeit und Brillanz etwas fehlt, so daß der Bildeindruck eher dem einer kleinerer Öffnung von 90-100mm entspricht. Last but not least kann man auch gleich durch Abblenden auf Kosten der Auflösung und Bildhelligkeit den Farbfehler in der Schärfentiefe weitgehend verschwinden lassen. Weshalb die Objektivabdeckung ein entsprechendes Loch von gut 50mm hat, was bei 600mm Brennweite dann etwa f/12 entspricht.
Gruß,
Mathias
Ehemaliger Benutzer (7840)
Hallo Mathias,
Zitat von konfokal:
...Natürlich fehlt in den Details dann der Blauanteil, was den Kontrast solcher Details reduziert, und das gesamte Bild ist entsprechend farbverschoben...
genau das ist doch das Problem bei Mars ohne Rotfilter: Die dunklen Albedostrukturen sind ohnehin bereits sehr blass, und eine weitere Kontrastminderung durch Farbfehler erschwert deren Wahrnehmbarkeit.
Ich selbst beobachte Planeten auch mit Spiegelteleskopen viel mit Farbfiltern. Auch wenn ich Planeten noch nicht mit einem so kurzen FH beobachtet habe, wage ich daher zu behaupten, dass mich die Farbverschiebung durch den Farbfehler nicht wirklich stören würde.
Natürlich hast du vollkommen Recht, dass ich mich schon oft an der Farbfehler-Diskussion beteiligte und mir die Zusammenhänge sehr wohl bekannt sind. Warum ich bei diesem Bild dennoch interessiert nachhakte:
Im Ausgangspost war der Farbfehler für das verwendete Teleskop extrem gering. Wäre in der Bildbeschreibung von der entsprechenden Bearbeitung geschrieben worden, hätte ich die entsprechenden Fragen gar nicht gestellt. Der Rest hat sich aus dem Thread ergeben.
Letztendlich möchte ich mir neben allen theoretischen Betrachtungen und Tabellen soweit möglich gern selbst ein Bild von Resultaten verschiedener Teleskope machen. Da ich mangels Material die Hochvergrößerung am 120/600er in absehbarer Zeit nicht selbst testen kann, hat mich das interessiert, um einen Anhaltspunkt zu haben. Anhaltspunkt deshalb, da ja jeder Monitor Farben bekanntlich etwas anders darstellt und solche Fotos nicht absolut aussagekräftig sind, so lange der Monitor nicht kalibriert ist.
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