Langzeitbeobachtung der Sonne mit Spektroheliografie

Nachtrag zur Beobachtung vom 21.07.2026

ich habe heute neben den obigen Scans testweise das ROI bei der Aufnahme vergrößert und neben der CA II K Linie auch die CA II H-Linie und die H-epsilon-Linie aufgenommen. H-epsilon liegt in direkter Nähe zu Ca II H bei Δλ = 1,6 Å. Das größere ROI reduziert natürlich deutlich die Framerate und damit die Scangeschwindigkeit - geht also vermutlich nur bei besserem Seeing. Da diese Linien nahe beieinander liegen, sollte der Fokus nur minimal voneinander abweichen. Also getestet und alle drei Linien gemeinsam gescannt. Die Belichtungszeit richtete sich nach dem Linienkern der CA II K Linie, das Continuum zwischen den Linien ist daher überbelichtet. Nach oben verläuft das Spektrum tiefer in den violetten Bereich, nach unten in den visuellen Bereich. die Aufhellungen in den dunkeln Absorptionslinien sind Plage-Gebiete:

Screenshot 2026-07-21 172104.jpg


Hier die Spektroheliogramme aus dem gemeinsamen Scan:

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Für einen ersten Testdurchlauf bin ich ganz zufrieden und wenn möglich und sinnvoll, werde ich den NUV-SHG nutzen, um diese Linien gemeinsam zu erfassen.
So das wars nun aber für heute - mehr geben die Daten auch nicht her.

CS

Stephan
 
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Hallo zusammen,

ich bin aus der Urlaubspause zurück und habe heute zwischen 14:43 und 15:03 Uhr MESZ bei starkem Seeing, 27° C und feiner Schleierbewölkung die Spektroheliografen eingesetzt. Man sieht es der geminderten Qualität der heutigen Scans an.
Der H-alpha Scan zeigte im nordöstlichen Quadranten eine hohe Protuberanz.
Der Ca II K Scan zeigt erhöhte magnetische Aktivitäten überwiegend auf der Südhalbkugel. Ansonsten zeigten sich in meinen Daten keinerlei Auffälligkeiten.


CA II K - Spektroheliogramme

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H-alpha - Spektroheliogramme

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Protuberanzenaufnahme

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CS
Stephan
 
Hallo zusammen,

@Obwegeser : Alois, da wünsche ich dir viel Spaß mit diesem vielseitigen Gerät und vor allem klaren Himmel mit viel Sonne! Auf meiner Homepage habe ich versucht, meine Erfahrungen und Kenntnisse zusammenzutragen. Vielleicht findest du dort die eine oder andere Anregung:

www.schmelzingstadtastronomie.de

Ich bin gespannt auf deine Beobachtungen und freue mich immer über den Austausch!

@fotofreund : Marco, vielen Dank für dein positives Feedback, das freut mich!

CS
Stephan
 
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Beobachtung vom 10.08.2026


Hallo zusammen,

heute konnte ich zwischen 08:51 und 09:31 Uhr MESZ bei klarem Himmel spektroheliografische Beobachtungen durchführen. Die Bedingungen waren gegen kurz vor 9 Uhr so gut, dass ich mit dem NUV-SHG tatsächlich erneut den gesamten Spektralbereich von ~393,37 bis 397,01 nm – also von Ca II K bis Hε – abdecken konnte. Die Herausforderung liegt dabei in dem großen ROI zur Abdeckung aller Spektrallinien, welches die Framerate der Kamera reduziert. Für ein passendes X/Y-Verhältnis des Spektroheliogramms muss der Scan entsprechend langsamer erfolgen, in diesem Fall mit 8-facher siderischer Geschwindigkeit (13 Sekunden Aufnahmezeit statt 15-facher siderischer Geschwindigkeit). Dafür ist gutes Seeing Voraussetzung!


NUV-Spektroheliogramme

Die NUV-Aufnahmen zeigen ausgedehnte Plages auf der Südhemisphäre; Sonnenflecken sind nicht erkennbar. Die NUV-Aufnahmen umfassen die Spektrallinien Ca II K bei 393,37 nm, Ca II H bei 396,85 nm und Hε bei 397,01 nm. Ca II K und Ca II H zeigen vor allem chromosphärische Strukturen, wobei im Linienzentrum von Ca II K (K3) die höher gelegenen Schichten der Chromosphäre besonders deutlich werden, während der K1v-Flügel stärker von tieferen Schichten geprägt ist. Hε gehört zur Balmer-Serie des Wasserstoffs und liegt unmittelbar neben Ca II H. Besonders deutlich treten in diesen Linien Plages und die darüber liegenden, durch das Aufspreizen der Magnetfelder geprägten chromosphärischen Strukturen hervor, die in der englischsprachigen Literatur als magnetic canopy bezeichnet werden.

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H-alpha - Spektroheliogramme

Die H-alpha-Aufnahme zeigt im äußeren Linienflügel-Spektroheliogramm alle aktuell sichtbaren Aktiven Regionen mit Annotationen. In den Daten zeigten sich zudem Aktivitäten in AR4505.

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AR4505 im Detail

In den Daten zeigte sich eine Ellerman-Bombe in AR4505 am Ostrand der Sonne. In dieser Region fanden sich auch benachbarte Linienkernaufhellungen sowie Linienverbreiterungen – Indikatoren für erhöhte Aktivität. Ein Δλ-Scan zur Darstellung der Doppler- bzw. Geschwindigkeitsverteilung von −1 Å bis +1 Å um den Linienkern zeigt hier, dass die Emission der Ellerman-Bombe über einen größeren Bereich der H-alpha-Linienflügel nachweisbar ist. Die Ellerman-Bombe ist mit einem gelben Kreis markiert. Negative Δλ-Werte entsprechen dabei einer Verschiebung zu kürzeren Wellenlängen und zeigen Material mit Bewegung auf den Beobachter zu, während positive Δλ-Werte einer Verschiebung zu längeren Wellenlängen entsprechen und auf vom Beobachter wegbewegtes Material hinweisen.

Moustache in den Flügeln der H-alpha-Linie (Ellerman-Bombe):
EB_AR4505_Crop.jpg


Δλ-Scan von AR4505 mit Emissionen in den Linienflügeln (Ellerman-Bombe):
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In der Umgebung der Ellerman-Bombe zeigen sich zudem Veränderungen des H-alpha-Profils mit einer Aufhellung des Linienkerns bei gleichzeitiger Abdunklung der Linienflügel, was auf eine zusätzliche chromosphärische Aktivität in höheren Schichten hindeutet (gelb ist die Referenzlinie BASS2000; rot die beobachteten Daten).
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CS

Stephan
 
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Hallo Frank,

danke dir für deine positive Rückmeldung!

"Sicher" ist immer relativ - denn AR 4505 zeigt in Summe mehrere Indikatoren für Aktivität: sowohl eine Stelle mit Emissionen in den Flügeln aber weniger im Kern, die ich als Moustache/ Ellermann Bombe interpretiere. Direkt daneben zeigt sich aber auch eine Aufhellung des Linienkerns, welche ich in Kombination mit dem Spektralprofil von dieser Stelle (stärkere Absorption in den H-alpha-Flügeln bei gleichzeitiger Aufhellung des Linienkerns als erhöhte chromosphärische Aktivität/Mikroflare/Flare interpretiere.

AR4505: Erhöhte Aktivität
EB_AR4505_Crop_Phänomene.jpg



CS
Stephan
 
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Hallo Frank,

meine Aufnahme ist von 09:31 MESZ. Gerade in einer aktiven Region können mehrere Ereignisse räumlich und zeitlich sehr dicht beieinander auftreten. Gemeinsam mit deiner Beobachtung würde ich daher davon ausgehen, dass wir hier ein komplexes Muster transienter chromosphärischer Aktivität mit fließenden Übergängen zwischen unterschiedlichen Erscheinungsformen (Ellerman-Bomben, Mikroflares und Flares) beobachten.

CS
Stephan
 
Du hast Recht . Wenn man sich solch aktive Regionen anschaut da passiert so schnell etwas . Ich habe gerade mein Video auch nochmal angeschaut und man erkennt den Frare und die ellermans Bomb.
 
Beobachtung vom 11.08.2026


Hallo zusammen,

bei der heutigen Sonnenbeobachtung mit klarem Himmel konnte ich ab 09:14 Uhr MESZ erneut mehrere chromosphärische Spektrallinien erfolgreich erfassen. Am Ostrand zeigt sich ein Sonnenfleck. AR4505 hat sich aufgelöst.



NUV-Spektroheliogramme

Bei der heutigen Sonnenbeobachtung konnten mit NUV-SHG um 09:14 Uhr MESZ erneut mehrere chromosphärische Spektrallinien erfolgreich erfasst werden. Dazu gehören Ca II K (K3), der Flügel von Ca II K (K1v) sowie die Linienkerne von Ca II H und Hε. Die unterschiedlichen Linienformationen bilden magnetisch aktive Strukturen in verschiedenen Höhen der solaren Atmosphäre ab und zeigen damit aktive Regionen an.

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H-alpha - Spektroheliogramme

Ein besonderer Fokus der heutigen H-alpha-Beobachtung lag auf einer neu am Ostrand der Sonne sichtbaren aktiven Region mit einem bereits sichtbaren Sonnenfleck. Die Region trägt derzeit noch keine offizielle Bezeichnung. Mit dem VIS-SHG wurden ab 09:22 Uhr MESZ H-alpha-Aufnahmen der Region angefertigt. Dabei konnten mehrere Ellerman-Bomben-ähnliche Lichtemissionen in den H-alpha-Linienflügeln beobachtet und bis etwa 09:40 Uhr MESZ verfolgt werden. Ihre Lage und Morphologie zeigen Charakteristika, die mit den typischen Signaturen von Ellerman-Bomben vereinbar sind, wobei eine eindeutige Zuordnung aufgrund der derzeit noch eingeschränkten Beobachtungsgeometrie mit entsprechender Vorsicht erfolgen sollte: Die randnahe Lage der Region beeinflusst die Sichtbarkeit und das Erscheinungsbild der Emissionen. Durch das Limb-Darkening erscheint der photosphärische Hintergrund zum Sonnenrand hin schwächer, da wir dort überwiegend höhere und kühlere Schichten der Photosphäre sehen. Gleichzeitig führt das Foreshortening (perspektivische Verkürzung) dazu, dass Strukturen nahe dem Sonnenrand in der Bildebene verkürzt und geometrisch verzerrt erscheinen. Hinzu kommt die veränderte Sichtliniengeometrie: Die Beobachtung erfolgt in einem flacheren Winkel durch die solare Atmosphäre, wodurch sich die effektive Weglänge durch die beobachteten Schichten verändert. Zusammengenommen können diese Effekte den beobachteten Kontrast und die Morphologie der EB-ähnlichen Emissionen beeinflussen.

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Die heutige Beobachtung wurde mit @Frank_Slotosch abgestimmt, der die betreffende Region zeitgleich fotografisch in den Fokus genommen hat. Seine Aufnahmen stellen damit eine interessante Ergänzung zu den spektroheliografischen Beobachtungen dar. Ich bin gespannt auf seine Ergebnisse und darauf, welche zusätzlichen Details sich in den fotografischen Aufnahmen über den Sonnenfleck, die aktive Region und die beobachteten EB-ähnlichen Emissionen erkennen lassen.

Eine beigefügte Infografik dient als Interpretationshilfe für die dargestellten Spektrogramme mit den identifizierten Flügel-Emissionen (=Moustache-Profil):


Infografik Spaltaufnahme.jpg


Emissionen in den Flügeln der H-alpha-Linie, welche mit dem Moustache-Profil von Ellerman-Bomben vereinbar sind:

09:22 MESZ
EB_09_22_crop.jpg


09:26 MESZ
EB_09_26_crop.jpg


09:32 MESZ
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09:34 MESZ
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09:36 MESZ
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09:37 MESZ
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09:40 MESZ
EB_09_40_crop.jpg


In dem Beobachtungszeitraum zeigten sich in direkter Nachbarschaft des Sonnenflecks am Ostrand eine Reihe von Lichtemissionen in den Flügeln der H-alpha-Linie, die mit der Moustache-Signatur von Ellerman-Bomben vereinbar sind.

CS
Stephan
 
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Beobachtung vom 12.08.2026

Hallo zusammen,


die heutige Sonnenbeobachtung unter klarem Himmel von 08:40 bis 09:50 Uhr MESZ zeigt erneut eine deutliche Aktivität in der Region AR 4508. Neben mehreren chromosphärischen Spektrallinien konnte insbesondere der C1.75-Flare mit mehreren Flare-Kernen sowohl in den H-alpha-Spektroheliogrammen als auch im Linienprofil eindeutig nachgewiesen werden (Quelle: SpaceWeatherLive). Die dabei beobachtete Intensitätszunahme und Verbreiterung des H-alpha-Profils sowie die Emissionen in den Linienflügeln sind charakteristisch für die während des Flares auftretende erhöhte Aktivität. Zusätzlich liefert die beobachtete Severny-Moustache-Struktur einen Hinweis auf eine mögliche Ellerman-Bombe.



NUV-Spektroheliogramme

Bei der heutigen Sonnenbeobachtung konnten mit dem NUV-SHG um 08:40 Uhr MESZ erneut mehrere chromosphärische Spektrallinien erfolgreich erfasst werden: Ca II K (K3), der Flügel von Ca II K (K1v) sowie die Linienkerne von Ca II H und Hε.

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H-alpha-Spektroheliogramme

Die H-alpha-Spektroheliogramme wurden um 09:30 Uhr MESZ aufgenommen, zum Zeitpunkt des Peaks des C1.75-Flares in AR 4508. Man erkennt punktförmige Aufhellungen, insbesondere im Linienkern und im Linienflügel bei Δλ − 0,5 Å.

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AR4508 zum Zeitpunkt des C1.75 Flare (09:30 MESZ; Quelle: SpaceWeatherLive):
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Im Spektrum zeigt sich der C1.75-Flare durch mehrere (drei?) deutliche Aufhellungen des H-alpha-Linienkerns bei gleichzeitigen Emissionen in den Linienflügeln.




Spektralprofil Flarekerne.jpg


Der C1.75-Flare zeigt sich auch im Linienprofil als deutlicher Anstieg der Intensität und Verbreiterung des Linienprofils (rot) gegenüber der Referenzlinie von BASS2000 (gelb). Die Emission übersteigt dabei das photosphärische Hintergrundspektrum:

20260812_1739-671_profile.jpg




Ein Δλ-Scan zeigt die Emissionen des C1.75-Flares in mehreren Flare-Kernen über einen Bereich von Δλ ± 1 Å:

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Begleitend wurde noch eine mutmaßliche Ellerman-Bombe beobachtet. Ein Severny-Moustache, d. h. eine Emission in den H-alpha-Linienflügeln ohne gleichzeitige Aufhellung des Linienkerns, liefert Hinweise auf eine mögliche Ellerman-Bombe.

EB1.jpg



CS
Stephan
 
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