Hallo Georg,
wie immer in der Astronomie: tausend Möglichkeiten – und letztlich abhängig davon, worauf du dich spezialisieren möchtest. Für alle Optionen empfehle ich Monokamera, denn die Bayer-Matrix in Farbkamers verhindert den Durchlass des monochromatisches Licht auf den Sensor - für Rot (Halpha) und blau/violett( Calcium) wäre nur jeder vierte Pixel angeregt. Das reduziert die Auflösung und führt stellenweise zur Streifenbildung.
Hier ein paar Grundgedanken zur Anregung:
1. Weißlicht/Photosphäre
Deinen Refraktor kannst du relativ günstig zur Weißlichtfotografie nutzen, am einfachsten mit einem objektivseitigen Frontfilter bzw. einer geeigneten Sonnenfilterfolie.
Bei einem Petzval-Design würde ich allerdings keinen Herschelkeil verwenden. Baader untersagt dessen Verwendung bei Petzval-Systemen ausdrücklich, da sich hinter dem Fokus weitere Linsenelemente befinden können, die der konzentrierten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Dazu gibt es zwar auch unterschiedliche Auffassungen, ich würde mich hier aber an die Herstellerangaben halten.
Am Herschelkeil können zusätzlich breitbandige Calciumfilter eingesetzt werden. Damit lassen sich insbesondere Fackelgebiete der unteren Chromosphäre bzw. photosphärischen Randbereiche etwas hervorheben. Das ist allerdings nicht mit einem schmalbandigen Ca-II-K-System vergleichbar – der überwiegende Teil des Lichts stammt weiterhin aus der Photosphäre.
2. Chromosphäre
Fotografisch sind dann vor allem H-alpha und Ca II H/K interessant. Hier benötigt man ein dafür ausgelegtes Filtersystem und eine entsprechende Energiereduktion.
Diese kann je nach System objektivseitig über einen ERF erfolgen. Das ist zwar größer und teurer, hat aber den Vorteil, dass die Energie bereits vor dem Eintritt in das Teleskop reduziert wird und gleichzeitig das Tubusseeing reduziert werden kann.
Bei kleineren Öffnungen kommen je nach Filtersystem auch interne ERF-Lösungen infrage. Hier würde ich mich aber unbedingt nach den Vorgaben des jeweiligen Herstellers richten.
Damit lässt sich ein vorhandener Refraktor beispielsweise mit einem spezialisierten H-alpha-System von Daystar, Solar Spectrum, Sun Dancer bzw. ähnlichen Anbietern/Modelle kombinieren. Für Calcium gibt es ebenfalls entsprechende Filtersysteme (z.b. Antlia Solar Discover).
Ein Double Stack ist meiner Meinung nach nicht zwingend der erste Schritt. Er kann den Kontrast und die Oberflächendarstellung verbessern, kostet aber zusätzlich Licht und Geld.
Wichtig ist bei einem modularen H-alpha-Aufbau außerdem das Öffnungsverhältnis des Teleskops. Je nach Etalon sind bestimmte F- Bereiche (~f30) bzw. eine geeignete telezentrische Anordnung erforderlich. Das würde ich deshalb bei der Auswahl unbedingt mit berücksichtigen.
3. Fertiges H-alpha-Sonnenteleskop
Die einfachste Variante ist natürlich ein fertiges H-alpha-Teleskop. Hier sind Teleskop, Energieschutz und Etalon bereits aufeinander abgestimmt und man kann direkt loslegen.
Dafür ist man später bei Erweiterungen etwas weniger flexibel. Außerdem hängt natürlich viel von der Qualität des verbauten Etalons ab.
4. Zum Petzval-Design
Bei einem Petzval würde ich vor der konkreten Anschaffung noch einmal genau das jeweilige Teleskop und das geplante H-alpha-System betrachten. Ein Petzval ist für H-alpha nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
Entscheidend ist, dass die nachfolgenden Linsengruppen nicht einer unzulässigen Energiebelastung ausgesetzt werden. Ein geeigneter objektivseitiger ERF ist deshalb bei einem Petzval eine besonders interessante Lösung – aber letztlich müssen die Vorgaben des jeweiligen Filterherstellers für genau diesen Aufbau eingehalten werden.
Und am Ende gilt immer: die Qualität des Etalons (H-alpha-Filter) schwankt und die Qualitätskontrolle korreliert mit dem Preis. Einige Filtersystem oxidieren und haben nur eine begrenzte zeitliche Haltbarkeit.
Egal ob fertiges Sonnenteleskop oder individuelle Lösung - der Kostenrahmen für kleinste Sonnenteleskope mit 40er Öffnung startet neu bereits im vierstelligen Bereich und nach oben gibt es keine Grenzen.
CS
Stephan