10x25 = Nachtaktiv?

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MINI72

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Guten Tag!

Mich würde Eure Meinung zu dem Glas hier interessieren?

Wie glaubwürdig ist das Angebot?

Alexander
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: 10x25 = Nachtaktiv? - Unsinn!

Hallo Alexander,

zur optischen und mechanischen Qualität dieses Fabrikats bzw. Modells kann ich zwar nichts sagen, aber wenn ich schon den Begriff „nachtaktiv” lese, dann weiß ich, daß es kein seriöses Angebot ist, denn diese Bezeichnung ist nichts anderes als eine dreiste Lüge. Was ist denn daran nachtaktiv? Nachtaktiv wäre z.B. ein Nachsichtgerät mit Infrarotbeleuchtung und Umsetzung des Infrarotbildes in ein sichtbares Bild (über IR-Sensor und Bildröhre). Dieses Fernglas ist also zunächst einmal genauso „nachtpassiv” wie jedes normale andere 10x25 auch. Zweitens ist auch die sog. Rotvergütung eine Irreführung des potentiellen Käufers, denn während eine Vergütung die Transmission (natürlich für mehr oder weniger alle Wellenlängen des sichtbaren Bereichs) erhöht, erniedrigt diese die Transmission insbesondere im grünen Bereich und auch in Summe über den gesamten sichtbaren Bereich. Die Reduzierung im Grün hat allein den Nutzen, die beträchtliche chromatische Aberration etwas zu kaschieren, aber sie verdunkelt das Bild und verfärbt es.

Mein Rat: Finger weg von diesem Fernglas und seinem unseriösen Anbieter. Es gibt genügend andere Kompaktferngläser 8x20 und 10x25 in diesem Preisbereich, die zwar auch keine Spitzenmodelle sind (dazu muß man schon einige hundert Euro hinlegen), die aber zumindest ein helleres und unverfärbtes Bild liefern. Wozu soll eigentlich die Tarnfarbe gut sein? Damit man es nicht findet, wenn man es mal ins Gras gelegt hat? Oder soll es suggerieren, daß es sich um ein „kampferprobtes” Modell handelt? Wer mit solchem Quatsch statt mit guter Leistung wirbt, muß es wohl nötig haben.

MfG Walter E. Schön
 
Re: 10x25 = Nachtaktiv? - Unsinn!

Hallo Walter,

toller Komentar.
In einer Diskussion mit meiner Frau über das Thema "nachtaktiv" habe ich schon einmal vermutet, dass man solche Gläser vielleicht nachts festbinden muß, weil sie sonst morgens weg sind.

Gruß
Walter Wehr
 
Re: 10x25 = Nachtaktiv? - Unsinn!

Filtert dieses "Rotvergütung" nicht vorwiegend das rote Licht raus???
 
Re: 10x25 = Nachtaktiv? - Unsinn!

Ja! Von einer Rotvergütung heißt es, dass sie die bei weitem höchsten Lichtverluste aller Vergütungsarten haben soll.
Sowas bringt also nur Vorteile am Tage bei hellem Sonnenschein! (Wegen der dann vorhandenen Kontrastverbesserung.) Für nächtliche Himmelsbobachtung also am denkbar ungeignetsten.

Überhaupt: nachtaktiv? Nach welchen Verfahren arbeitet denn der Restlichtverstärker? Welche Batterien werden benötigt?
Wenn man die Abbildungen so sieht, ist an dem 10x25 überhaupt nichts Aktives dran. Scheint eher ein Blindgänger zu sein. Womöglich eins dieser Gimmicks mit roten Plastiklinsen.

Mein Eindruck: Finger weg davon!
 
Hallo Alexander,

bitte lies doch mal die homepage von Frank Schäfer oder irgendeine der hier so oft geposteten Fernglasseiten,
ehe Du so einen Schwachsinn verzapfst (immerhin bist Du ganz und gar nicht das erste mal hier auf der site und
müßtest es besser wissen:
Astrotaugliche Ferngläser fangen eigentlich mit 35mm Objektiven an (OK, 30mm bester Hersteller sind auch brauchbar),
Taschengläser selbst von Leitz (10x25 habe ich selbst) kann ich nur als untauglich einstufen! Umso mehr die
"Rotaugen" für 10€ (und wenn sie mehr kosten sind sie total überteuert). Sieht übrigens ziemlich genau aus wie
das Aldi 10x25 - das war gar nicht so schlecht für das Geld. ABER NACH DEM AUSSEHEN DARF MAN BEI FERNGLÄSERN
NIE GEHEN - NUR DAS DURCHSEHEN IST ENTSCHEIDEND (es gibt 1000ende Kopien von Zeiss, Leitz usw.)

Wenn Du nur so wenig wie möglich investieren willst, ist mein Standardtip: Lidl 10x50 für 18€
(aber bereits das Berkut 10x50 von www.optikost.de für 40€ müßte Welten besser sein- obwohl ich
es selbst noch nicht kenne)

Gruß
 
Hallo hanz!

Wieder mal "reizend" unterwegs, was?

Hab' ich irgendwo geschrieben, dass ich das erste Mal hier poste?

Hab' ich oben angedeutet, dass ich so ein Teil kaufen will?

Ich möchte was lernen; und wer nicht fragt, nicht gewinnt.

Wenn's Dich stört, dass ich hier poste - weiss ja nicht was ich Dir getan habe - musst ja meine Postings nicht lesen und schon gar nicht beantworten!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Trotzdem, danke an alle die sich trotzdem dazu "herasblassen" mir zu Antworten!!

Vielleicht hab' ich ja in ein paar Jahren auch die Erfahrung und das Wissen zu antworten und nicht nur Fragen zu stellen!

Alexander
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Alexander,

Walter hat sich ja sehr qualifiziert zu der "Gurke" geäußert!

Für die Meinung von "Hanz" habe ich Verständniss!!

Ein Fernglas für 10,-€ kann nichts taugen!!
Jeder (speziell die Leute, die sich in einem "Fernglas-Forum" rumtreiben) sollte das wissen!!
Deshalb kann ich verstehen, daß sich der Eine oder Andere schon über die Frage aufregt. (Ich lese solche Fragen auch nur mit einem kleinen Kopfschütteln <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />)

Wenn dieses Angebot bei "eBay" aber nun tatsächlich eines der sehr seltenen Superschnäppchen gewesen sein sollte, dann solltest Du bei der nächsten Gelegenheit keine Zeit verschwenden und in Foren nachfragen, sondern schnell zuschlagen!! Spätestens mit dem Eintrag in ein Forum, wäre das vermeidliche Superschnäppchen ohnehin weg! Ich würde es nämlich zuerst mal kaufen, (viele andere auch) bevor ich Dir zum Kauf raten würde!

Fränk
 
Ja, Fränk,
es gibt eben Foren <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> und Foren <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/mad.gif" alt="" /> !

Es gibt immer wieder Leute, die fragen das x-te Mal nach Zoom-Gläsern und keiner regt sich auf, obwohl ja ne' ganze Menge hier zu finden wäre.

Was soll's!

A.
 
Richtig: Rotvergütung schwächt Rot im Bild

(Zitat:) „Filtert dieses "Rotvergütung" nicht vorwiegend das rote Licht raus???“ (Zitat-Ende)

Hallo Florian,

es ist immer gut, wenn andere mitdenken, aufpassen und sich ggf. korrigierend zu Wort melden: Du hast natürlich recht, daß eine „Rotvergütung”, die in der Spiegelung rot erscheint, die Transmission im roten und nicht im grünen Bereich reduziert, denn was an der Linsenoberfläche gespiegelt wird, fehlt im durchgehenden Licht. Da war ich wohl (vielleicht aufgrund des eigentlich sehr simplen Problems, das vermeintlich keine volle Konzentration erfordert) nicht ganz bei der Sache. Eigentlich hätte ich das spätestens bemerken müssen, als ich die Rotvergütung als schlechte Maßnahme zur Reduzierung von Farbsäumen aufführte. Denn in den Farbsäumen sind massiv die Farben an den beiden Enden des sichtbaren Spektrums (Violett und Rot) enthalten und insbesondere eben Rot bis Purpurrot an der Grenze zu Infrarot, nicht aber Grün. Man kann das gut am Diagramm der Fokuslage in Abhängigkeit von der Wellenlänge (bzw. Farbe) sehen: Im Rot weicht die Kurve über einen besonders weiten Bereich besnders stark von der x-Achse ab. Genau diese Abweichungen möchte man „unsichtbar” machen, indem man das Rot über die „Rotvergütung” herausspiegelt. Wenn Rot gecshwächt wird, dominiert im Bild die Komplementtrfarbe Grün; das Bild hat somit einen Grünstich, der bei Tag wegen des dann besseren Farbensehens des Auges besonders auffallen sollte.

So kommt also auch Grün ins Spiel, was in meinem obigen Beitrag leider etwas durcheinandergeraten ist. Tut mir leid. Nichtsdestoweniger: Dieses Fernglas ist Schrott.

Noch ein Wort an „hanz”: Soviel Aggressivität ist nicht gut. Es gibt hier doch die Möglichkeit im Forum, erst eine „Voransicht des Nachricht” anzuzeigen, bevor man sie definitiv öffentlich macht. Dann sollte man sie sich speziell dann (nicht nur zur Korrektur von Tippfehlern) nochmals durchlesen, wenn sie solche Anschuldigungen enthält, wie „Schwachsinn verzapfen”. Ich kann in der Frage, was andere von einem bestimmten Fernglas halten, keinen Schwachsinn erkennen. Schwachsinn (oder kriminelle Täuschungsabsicht) ist wohl beim Anbieter dieses Fernglases im Spiel gewesen, aber doch nicht hier im Forum beim Fragesteller Alexander. Und er hat ja auch nirgendwo behauptet, daß es sich um ein astrotaugliches Fernglas handeln würde, wie Du ihm in Deiner schriftlichen Ohrfeige indirekt unterstellst. Du hast doch bisher viele sachliche Beiträge hier abgeliefert und mit Deiner Kenntnis und Erfahrung die Diskussionen bereichert und vielen bei Problemen geholfen. Es wäre gut, wenn Du zu dieser Art von Aufklärung zurückkehren würdest, statt wegen schlechter Laune Gift und Galle zu verspucken.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Richtig: Rotvergütung schwächt Rot im Bild

Bei einem Skipper durfte ich am Tage mal durch ein russisches 7x50-"Gurken"-Glas sehen. Das Bild war recht stark rosarot eingefärbt. Die Vergütung, oder hier wohl besser "Verspiegelung" schimmert in knalligem gelb. (Man kann sich in den Objektivlinsen selber sehen, wenn man draufschaut, also es war mehr eine Verspiegelung.)

Was war denn das für eine merkwürdige Vergütung?

Das Bild war jedenfalls grauenhaft und die Transmission, erkennbar an der Bildhelligkeit für ein 7x50 mehr als dürftig. Ganz abzusehen von dem Tunnelblick.

Kennt jemand so eine Art von Vergütung?
 
Vergütung sollte „etwas gut machen”

Hallo Ber,

der Name „Vergütung” bedeutet zunächst einmal rein sprachlich „etwas gut machen” (das vorher noch nicht gut oder nicht gut genug war). Der auf den Linsen- und Prismenoberflächen optischer Systeme übliche reflexmindernde hauchdünne Belag, der auch als „Vergütung” bezeichnet wird, soll die Transmission erhöhen (=> Lichtdurchlässigkeit verbessern) und Reflexe, die Lichtflecken im Bild und Streulicht erzeugen, reduzieren (=> den Bildkontrast verbessern). Wenn der Belag dieses Ziel erreicht, ist die Bezeichnung „Vergütung” durchaus gerechtfertigt.

Die rote Verspiegelung aber, die manche unseriöse Fernglashersteller auf die vorderste Objektivlinsen-Oberfläche aufbringen (aus gutem Grund nur dort, denn sie würde zusätzlich auf den anderen Linsenoberflächen noch mehr Unheil anrichten) und dann als „Rotvergütung” bezeichnen, müßte eigentlich „Rotverschlechterung” heißen. Ich bezweifle, daß diese Beschichtung in irgendeinem Wellenlängenbereich des sichtbaren Spektrums eine nennenswerte Transmissionserhöhung bewirkt. Im Gegenteil wird zumindest im Bereich der Spiegelfarbe (also meistens im Rot) durch gesteigerte Reflexion die Transmission sogar erheblich vermindert, also verschlechtert.

Man sollte alle Anbieter, die mit Begriffen wie „Rotvergütung” oder „nachtaktiv” für ihre Produkte werben, durch Nichtbeachtung und Kaufzurückhaltung strafen. Wer seinen Optikschrott mit solchen Begriffen einnebelt, gleicht einem Anbieter von im Wasserbad zu erhitzender Dosenravioli-Pampe, der sein Produkt ohne Biß mit dem Versprechen „zergeht auf der Zunge” anpreist. Leider aber gibt's genug zahnlose Gesellen, die das sowie den absolut „neutralen” Geschmack solcher Delikatessen lieben.

Guten Appetit wünscht

Walter E. Schön
 
Re: 10x25 Rotvergütung ruby coating

Hallo Alexander,

also erst mal Entschuldigung für die doch etwas zu ruppige Art, in der ich zum Ausdruck gebracht habe, daß 10x25
Taschengläser dieser Preisklasse gerade erst im thread Tchibo-Fernglas von Salamango vom 26.5. ausführlich
diskutiert wurden.
Aber jetzt ist ja durch Deinen thread erstmalig hier das Thema "Rotvergütung" ("ruby coating") etwas ins Laufen
gekommen und das halte ich für eine gute Sache, da noch niemand wirklich genaueres dazu gebracht hat
(Aufbau der Schichten, spektrale Transmission und Reflexion, warum wird das eigentlich gemacht usw...).
Habe selbst heute schon gegoogelt, bin aber nur auf wenig handfestes gestoßen, beste Aussage war bei
"Eagle-optics":
You will also hear about ruby coatings. These are seen as bright reddish-orange coatings on the objective lenses
of several binocular models. You see red because the coatings are reflecting this color off the glass, keeping most
of it out of the system. This skews all colors to the cool end of the spectrum and takes away from the overall
brightness of the binocular.
So why use it at all? If color fidelity and brightness are less important to you, then you may want this coating.
Shortening the color spectrum increases contrast and resolution somewhat. Best applications may be over water,
snow and ice. However, better glass and coatings are capable of excellent contrast and resolution without giving
up color and brightness.
Also zusammengefaßt: Kontraststeigerung durch Reflexion des roten Teils des Spektrums und dadurch aber
"kühlere Farben" (echt nett für den säuischen Grünstich). Bei Reflexion wird klar, warum das dann natürlich
eher eine "Verschlechtung" ist als eine Vergütung: eine Vergütung VERMEIDET Reflexionen und erhöht dadurch
den Durchlaß des Lichts - die "Rotvergütung" dagegen erhöht die Reflexion im roten Teil des Spektrums noch!

Bei Vergütung findet man dann wieder relativ wenig konkretes: Patentierte Worthülsen wie T* , M*, Ceralin..
oder die angeblich bei weitem beste: die EBC (electron beam coating???) von Fujinon die ein Fernglas mit
unglaublichen 95% Gesamttransmission möglich macht (kanns noch immer noch nicht ganz glauben).
Da ist der Schröder "technische Fotografie" (Buch) etwas klarer: single coating mit MgF2 ergibt relativ hell violettes
Reflexionsspektrum, 2fachSchicht grün (der derzeit übliche Minimalfall von Multicoating, multi = 2), 3-Schicht
dunkel violett usw (nur die Spektren sind abgebildet, die Interpretation ist von mir).
Interessant auch, daß das Ganze nur für Gläser des Brechungsindex 1,9 optimiert ist und
andere Gläser (vor allem die niedrigbrechenden) eigentlich andere coatings fürs Optimum brauchen (also
beim Blick in die Optik schön bunt ist mal sicher nicht schlecht). Man kann jedenfalls nicht so einfach sagen:
Grün = gut, violett = altes singlecoating! Und vor allem kann man nicht sagen "zu wenig coating drauf", da es
eine optimale Schichtdicke gibt und ob die nun über- oder unterschritten wird hat (zumindest theoretisch)
denselben Effekt.
Da man beim Fujinon anscheinend die Objektive kaum mehr sieht (so schwach ist der Reflex - daher auch
die extrem hohe Transmission, denn es wird nichts absorbiert sondern die Durchlässigkeit erhöht und daher
nichts mehr reflektiert) ist offensichtlich der Rest der Tophersteller da noch ganz schön gefordert (auf der
www.zeiss.com site wird schon 90% Transmission für das gesamte Glas als das non-plus Ultra dargestellt),
aber natürlich ist der Vorteil auch nicht die Helligkeit - das Auge arbeitet logarithmisch und da sind 5% mehr
echt zu vergessen), sondern das Streulicht, das den Kontrast versaut.

Zurück zur "Rotvergütung": kann hier jemand sagen wie das gemacht wird und warum (muß doch ordentlich
Geld kosten, könnte man doch besser ein simples single MgF2 coating draufmachen), ist da Farbstoff drin
oder ist der rote Farbton "echt"? Handelt es sich überhaupt um eine Mineralschicht oder ist das ganz einfach
auflackiert?

Fragen über Fragen, es ist nur klar, daß es nicht gegen Blendung hilft, wie oft angegeben. Und ich persönlich
ziehe ein einfaches "single coating" aus MgF2 unbedingt vor (obwohl es da auch schlimme Ausführungsvarianten
gibt, die ganz "Farbstoffblau" diffus streuen).

versöhnliche Grüße
 
Re: Alles halb so wild!!

Hallo Hanz, hallo zusammen!

Nächstes mal versuche ich meine Frage etwas genauer zu formulieren. War doch ein bisschen zu knapp.

Ist immer wieder erstaunlich was Ihr hier für ein Wissen auftischt! Werd' Wochen brauchen um das richtig zu verstehen was bis jetzt geschrieben wurde. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />

Was auch war, Schwamm drüber!!

Werd versuchen mich zu bessern. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Alexander

 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
„Sonnenbrillenlook” und Gedanken zur Transmission

(Zitat:) „Habe die komische Gelbgoldne "Verspiegelung" auch schon gesehen. Was soll der Sonnenbrillenlook?” (Zitat-Ende)

Hallo Alexander,

ohne daß ich Näheres über die verwendete Beschichtung weiß (Du merkst, ich vermeide die irreführende Bezeichnung „Vergütung”, weil es keine ist!), vermute ich doch, daß es um nichts anderes geht als bei den betreffenden Sonnenbrillen – nämlich aufzufallen, sich wichtig machen. Als in den späten 50er Jahren, als ich noch ein braver Schüler war, solche stark verspiegelte, damals aber nicht so bunte Sonnenbrillen chic und von jedem Stenz (= „halbstarken” Angeber) vorzugsweise im Schwimmbad bei der Musterung der sonnenbadenden Mädels getragen wurden, sollten sie verhindern, daß andere erkennen konnten, worauf sich die hinter den Spiegeln verborgenen Augen richteten. Das schaffte Verunsicherung und manchmal Provokation, und das was beabsichtigt.

Auffallen kann man heute mit solchen Sonnenbrillen nicht mehr so sehr, aber eine gewisse Provokation ist damit aus denselben Gründen wie früher noch immer verbunden. Heute sind solche Beschichtungen offenbar superbillig, denn man findet derartige Sonnenbrillen am Ständer neben der Tengelmann- oder Rewe-Kasse schon für nur 5 Euro. Billig sind solche Beschichtungen u.a. deshalb, weil ihre Schchtdicken nicht wie die von echten Vergütungen extrem genau einzuhalten sind. Halb so dick oder doppelt so dick macht nicht viel aus, während bei Vergütungen schon ein paar Prozent daneben die Wirkung merklich beeinträchtigen. Auch die Gleichmäßigkeit der Schichtdicke in völlig unkritisch. Der Farbton schließlich darf auch ruhig schwanken, ob richtig rot, orangerot oder goldgelb, spielt kaum eine Rolle; bei Vergütungen dagegen ist Farbneutralität anzustreben, die nur mit sehr hohem Aufwand eingehalten werden kann, da das Auge speziell nahe der Grauachse des Farbraums sehr empfindlich für Farbabweichungen ist. Schließlich kommt es bei den Substanzen zur Beschichtung auch nicht auf deren Brechungsindex an, so daß eine große Auswahl billiger und leicht aufzubringender Materialien zur Verfügung steht, während es bei echten Vergütungen darauf ankommt, ganz bestimmte und sogar je nach Brechnungsindex des Substrats unterschiedliche Brechungsindizes ziemlich genau einzuhalten. Bei Mehrschichtvergütung müssen die Brechungsindizes sogar von Schicht zu Schicht sehr fein abgestuft sein, damit die Reflexionsunterdrückung und Transmissionerhöhung überhaupt funktioniert. Wer hingegen „rotvergütet” (= rotbeschichtet), braucht sich um alle diese kostentreibenden Erschwernisse nicht zu sorgen. Somit sind Beschichtungsverfahren mit einfachen Geräten und billigen Substanzen möglich, welche die Kosten auf einen Bruchteil derer von echten Vergütungen senken, auch im Vergleich zur Einfachvergütung mit MgF2 (denn auch da sind Schichtdicke und deren Gleichmäßigkeit in engen Toleranzen einzuhalten).

Die von hanz mit Vorbehalt zitierten 95% Transmission der Fujinon-Gläser bezweifle auch ich. Die Aussagen in der Werbung werden leider nicht von den Fachleuten formuliert und in der Regel nicht einmal von diesen überprüft. So kommen dann Aussagen zustande, die manchmal (wie im Falle Steiner bezüglich der Schärfentiefe) haarsträubend sein können. Ich habe auch in eBay-Auktionen eines Leica- und Swarovski-Händlers im Raum Frankfurt (Dr. Lang) mehrfach Behauptungen von 99% Transmission des Swarovski 10x42 EL gelesen, und nach meinem Einwand per eMail hielt Dr. Lang es nicht für nötig, das zu berichtigen oder auch nur zu antworten. Es ist zwar möglich, die Transmission einer einzelnen Linse mit hochwertiger Vergütung auf 99% und knapp darüber zu bringen, nicht aber die eines so komplexen Systems aus mindestens 9 bis 10 Elementen in mindestens 6 Gruppen (also mit mindestens 12 Glas-Luft-Flächen). Man kann zwar für eine bestimmte Wellenlänge sehr nahe an 100% herankommen, aber über das volle sichtbare Spektrum sieht es dann doch ganz anders aus (Welligkeiten mit Mittelwerten bei schätzungsweise max. 99,5% Transmission für senkrechten Lichteinfall). Man muß schließlich noch bedenken, daß die Linsen nicht eben, sondern gekrümmt sind und der Lichteinfallswinkel deshalb und zusätzlich noch aufgrund des von 0° verschiedenen Sehwinkels stark über die Oberfläche der Linsen und Prismen variiert (schätzungsweise bis ca. 6° bei Objektivlinsen und Prisma sowie bis ca. 30° an den Okularlinsen eines Fernglases 8x50 oder 10x50). Die Transmission wird bei Abweichungen vom Einfallswinkel, auf den optimiert wurde, aber schlechter. Also vermute ich, daß pro Glas-Luft-Fläche eine Größenordnung von durchschnittlich 99,5% bei Objektiv, Fokussierlinse und Prisma sowie durchschnittlich 99% beim Okular (wegen der dort sehr viel größeren Einfallswinkelschwankungen!) auch mit den besten Vergütungen nicht übertroffen werden können, wenn man sich nicht nur auf den achsenparallelen Hauptstrahl beschränkt, sondern das Licht in der gesamten Austrittspupille betrachtet. Mit diesen Zahlen und der Annahme eines z.B. zweilinsigen verkitteten Objektivs (2 Flächen), einer Innenfokussier- oder zusätzlichen einzelstehenden Objektivlinse (2 Flächen) und eines Prismas oder zweier verkitteter Prismen (2 Flächen) mit je 99,5% Transmission sowie eines Okulars (evtl. mit Bildfeldebnungslinse) aus vier oder fünf Linsen in drei Gruppen (6 Flächen) mit je 99% Transmission kommt man dann auf eine maximale Gesamttransmission von 0,995ˆ6 · 0,99ˆ6 = 0,9136 = 91,36%. Das entspricht ziemlich gut den Zeiss-Angaben, widerspricht aber denen für die Fujinon-Gläser (von wem kommt eigentlich die Behauptung der 95% - von Fuji selbst oder von den Händlern?).

Nun bin ich doch tiefer ins Detail gegangen und habe mich mehr vom Ausgangspunkt dieser Diskussion entfernt, als ich beabsichtigt hatte. Aber wenn man sich gründlicher mit den angesprochenen Themen befaßt, kann es nicht ausbleiben, daß man vom Hölzchen aufs Stöckchen usw. in immer fernere Bereiche kommt. Ich hoffe, die obigen Gedanken fallen hier im Forum dennoch auf fruchtbaren Boden.

MfG Walter E. Schön
 
Re: „Sonnenbrillenlook” und Gedanken zur Transmission

Hallo Walter,

fallen Sie. (Die Gedanken auf den fruchtbaren Boden)

Wo kann man (ich) schon beim schlichten Lesen so viel lernen!

Danke <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
 
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