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aths

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Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)

Datum: 15.10.2003, ca. 22:40 - 0:50 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25", Vixen 45° Amici-Prisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Praktisch wolkenfrei, 3/4 Mond (abnehmend), wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims.

Besonderheiten: Cassini-Teilung erstmalig gesehen, etliche Mondkrater identifiziert, eine sehr erlebnisreiche Nacht gehabt.

Na, sollte ich heute wieder raus? Nach der Schlappe gestern? Am Nachmittag und Abend gabs noch kleine Wölkchen... doch Astro-Infizierte, die noch was auf der Abschlussliste abzuhaken haben, gehen raus. Zumal Uranus gerade kulminiert. Also in zwei Gängen das Gerät runtergetragen.

Dann Aufbau des Teleskops, das ging heute endlich mal halbwegs locker von der Hand. Eine aktuelle, mit CdC gedruckte Uranus-Suchkarte war auch dabei, übrigens hatte ich am PC festgestellt, mich letztes mal mit den scheinbaren Entfernungen verschätzt zu haben. Kein Wunder, dass mit dem 25 mm LV die auffälligen Sterngruppen in Marsnähe nicht zusammenhängend gesehen werden konnten.

Diesmal war ich schlauer: Im Fernglas sofort die hellen Sterne erkannt, die auch auf der Karte verzeichnet waren, und Uranus auf Anhieb gefunden. Mit dem Teleskop dauerte das Suchen etwas länger, da der Sucher völlig dejustiert war. Der wurde dann erst mal am Mars neu ausgerichtet, anschließend damit zum Uranus gefahren, und den weit entfernten Gasriesen mit 37x gesehen.

Ernüchterung. Sieht ja aus wie ein Stern. Soll das wirklich der siebte Planet sein? Bei 131x sah man ein kleines Scheibchen. Nun sehen helle Sterne bei entsprechendem Seeing ebenfalls wie Scheibchen aus. Allerdings war dieses Scheibchen zu dunkel, um Flächigkeit durch eine optische Täuschung zu erzeugen. Ich verglich das mit anderen schwachen Sternen, die in ihrer räumlichen Ausdehnung in der Tat deutlich kleiner waren, trotz vergleichbarer Gesamthelligkeit. Außerdem wurde mehrfach (im Fernglas, im Sucher) geprüft, mich auch ja an den richtigen Sternen orientiert zu haben. Es gab keinen Zweifel. Uranus! Endlich. (Fehlen nur noch Merkur, Neptun und Pluto.)

Mit dem freien Auge ein Blick zum Himmel. Was jetzt? Vega hatte mit seiner Helligkeit eine magische Anziehungskraft, und ich prüfte noch mal (kurz) die Beugungsringe. Dann wurde Epsylon Lyrae angefahren, und die beiden Doppelkomponenten konnten praktisch auf Anhieb getrennt werden. Man braucht eben Beobachtungserfahrung. Bei der schwierigeren Komponente dauerte die sichere Trennung etwas länger, insgesamt reichten aber einige Sekunden. M57 wurde heute mal ausgelassen, der Ringnebel war ja nun oft genug im Okular.

Inzwischen hatte Petrus davon Wind bekommen, dass wieder mal der Arne draußen sitzt und mit seinem Fernrohr im Himmel rumstochert, und schickte mir einige Wolken vorbei. Weil er aber am Vortage schon sein ganzes Pulver verschossen hatte, reichte es heute nur für einige wenige, dünne Schwaden. Beim Aufbau wahrte ich übrigens schicksalsergeben die völlige Ruhe, es kommt ja doch, wie es kommt.

Also dann, auf zum Mond. Der zu drei vierteln beleuchteten Scheibe wollte ich heute erneut mit dem Rükl zuleibe rükln, äh, rücken. Aber ich kam einfach nicht mit dem Rükl klar. Also wurde eben so auf den Mond geguckt. Versuche, das Bild über dem Okular abzufotografieren, brachten noch schlechtere Ergebnisse als bei der kürzlichen Wolkenloch-Hüpferei. So wendete ich mich schnell wieder der visuellen Beobachtung zu. Tolle Krater! Wenn man die nur mal identifizieren könnte...

Übrigens zeigte der Mondrand einen Saum, gelblich. Am Terminator gabs eigentlich keine Säume. Kann die Farbe durch atmosphärische Refraktion zustande kommen? Beim 9 mm LV war der Saum schon deutlich kleiner, und ich greife mal vor, als der Mond später höher stand, war der Saum auch im 7 mm LV sichtbar schwächer. Das Bild waberte jetzt noch, allerdings waren die "Waber-Blasen" recht groß, die Luft wirkte nicht "kochend".

Zwischendurch sah ich durch das Fernglas zu einem nebligen Fleck am Himmel, klar, zu den Plejaden. Im Fernglas einfach irre!! Immer wieder. Übrigens fing jetzt der Sucher langsam an, zuzutauen. Naja, beim Mond braucht's keinen Sucher... Dumm kann man ja sein, man muss sich nur zu helfen wissen! Als wir (im Studium) mal ein Problem in C++ lösen sollten, natürlich ohne Goto-Befehl, schrieb ich eine Endlos-Schleife mit spezieller Abbruch-Bedingung, um Goto zu simulieren. Wenn man also mit der Bild-Ausrichtung nicht zurecht kommt, sollte man ein Amici-Prisma haben...

Dazu müsste ich es nur mal eben holen. Gedacht, getan. (Es war 22:35 Uhr.) Oben noch fix ein paar Schluck warmen Instant-Kaffee getrunken, und auch den Karkoschka noch mitgenommen. Nun aber!

Ich identifizierte "Ritter" und "Sabine". (Oben nachgeschlagen wurde die Entdeckung gemacht, dass die nur ca. 30 km Durchmesser haben. Wow!! So nah kommt man ran...) "Arago" und "Manners" waren durch den Lichtwinkel am Terminator auch ziemlich eindrucksvoll. In der Nähe von "Arago" gibt es übrigens zwei Dome. Das fand ich sehr aufregend, statt nur Einkerbungen auch mal konvexe Gebilde zu sehen. Dank Terminator-Nähe konnte man das sehr gut erkennen, mit sanften Schattierungen. Die im Rükl eingezeichneten Rillen-Systeme waren allerdings nicht so deutlich, wie erhofft.

Das Amici-Prisma verschlechterte zwar ein wenig das Bild, aber damit musste man jetzt halt leben. Der Mond wurde weiter abgefahren, vor allem in der Gegend um "Bessel". "Sulpicus Gallus" identifiziert, ebenso "Bobiller". Eindeutig "Hornsby" als kleinen Krater gesehen. Laut Rükl nur 3 km Durchmesser. Wie ist das möglich? Zudem dort, wo der Rükl nur drei kleine Mini-Krater zeigt, in der Nähe einen vierten gesehen. ("Bessel F" und "G", sowie zwei weitere Krater darüber.) Ok, die vier Dinger waren nicht mehr als "Krater" zu sehen, eher als "irgendwas ist da" (helle Flecken, um genauer zu sein.)

Es machte Spaß, mit dem Justier-Knopf und der Justier-Welle nachzuführen bzw. den Mond "abzufahren". Was die Ausschwingzeiten betrifft, gar kein Vergleich zum "Revue" 60/700. Das sind Welten. Jedes Drehen am Rad war ein Genuss. (Diese Dinger sind ja auch aus Kunststoff, in der Nacht zwischen Prisma und Verlängerungshülse zu wechseln, ist kein Genuss: Kaltes Metall, was später zunehmend feucht wird.)

Im Plato konnten keine Krater ausgemacht werden. Ist man da auf spezielle Lichtverhältnisse angewiesen? Insgesamt konzentrierte ich mich auf zwei östliche Meere in Nordpolnähe, das Festland ist mir als Beginner zu kraterüberseht und damit zu unübersichtlich. Natürlich war Tycho mit seinen Strahlen wieder beeindruckend. Diesen Krater bewunderte ich ja bereits als kleiner Steppke im 8x30-Fernglas meines Vaters.

Der Abend sollte gekrönt werden durch ein neues Objekt. In den Karkoschka geguckt. Welcher Ausschnitt steht günstig? Seite N24? Hm, wenig Interessantes. N22? Ah ja, der Nordamerika-Nebel. Was, unter guten Bedingungen schon mit bloßem Auge sichtbar? Dann wohl unter schlechten Bedingungen auch im Teleskop. Also Deneb angefahren und von dort ausgehend gesucht. Der Sucher war jetzt praktisch zugetaut, aber im Okular war der Hauptstern des Schwans eindeutig zu sehen. Mit dem Fernglas den Nebel gesucht. Vielleicht bildete ich es mir nur ein, aber ich denke, "irgendwas" war da, ganz schwach. Leider nicht im Okular. Habe es mehrfach probiert, nichts zu machen. Naja. Übrigens taute jetzt auch das Fernglas zu. Verdammt. In der Nacht achtete ich eigentlich darauf, möglichst in eine Richtung zu atmen, dass in Richtung Ausrüstung keine zusätzliche Feuchtigkeit gelangt.

Oho, Orion geht auf! Sogar die Gürtelsterne sind schon sichtbar. Ob man noch für M42 bleiben sollte? Aber was zum Geier ist eigentlich dieser helle Punkt da drüben? Saturn?? Jetzt schon so hoch? Nachgeguckt, bereits bei 37x den Ring gesehen. Saturn.

Saturn! Mit 102x die Bauchbinde gesehen, diesmal unzweifelhaft. Mit 131x dann auch die Cassini-Teilung entdeckt. So sah ich den Saturn noch nie: Als plastische Kugel, mit geteiltem Ring. Na die Teilung war nicht umlaufend, und das Bild waberte auch, aber insgesamt war es bei 131x einigermaßen scharf. Gut, auch atmosphärische Refraktion störte, aber selbst damit konnte man leben. Da ich grob eingenordet hatte, reichte im Prinzip eine einachsige Nachführung. Wieder und wieder ließ ich den Ringplaneten durchs Gesichtsfeld laufen (Deklination musste kaum korrigiert werden.) Ich war völlig entrückt. Mir war jetzt klar, warum Astronomie das schönste Hobby von allen ist.

Der Planet als Kugel, nicht nur als blaßgelbliches Scheibchen, der Ring mit Reilung, ein äquatoriales Wolkenband... wie damals beim Orionnebel fingen die Augen vor Rührung an, zu tränen. So kann man natürlich schlecht beobachten, also zwinkerte ich mehrmals mit den Augen und riss mich zusammen — aber nur solange, bis der sechste Planet wieder so schön zu sehen war. Minutenlang führte ich nach, und gewöhnte mich dann natürlich mit der Zeit an die Faszination. Man könnte jetzt vielleicht hämen, dass mir offenbar schon die einfachen Dinge im Astro-Leben reichen, aber ich beobachte ja für mich, und mir gefällt's. Übrigens waren in Saturnnähe zwei ganz kleine weiße Pünktchen, offensichtlich Monde. Später nachgeguckt, auf jeden Fall Titan, und vermutlich noch Rhea.

Es war kalt. Doch M42 wollte ich nicht entkommen lassen. Gegen 0:25 wurde eine neue Pause eingelegt, oben fix ein paar Schlucke vom (inzwischen fast abgekühlten) Kaffee getrunken, und gleich wieder runter. Übrigens war im 5. Stock 'ne Flurparty. Zum Glück kamen die mehr oder minder trunkenen Gäste auf dem Rückweg nicht am Fernrohr vorbei, das ja auf einem Hügel steht, welcher aber durch eine Hecke ganz gut abgeschirmt ist.

Wieder unten, noch ein kurzer Blick auf den Saturn, dann eine kleine Stern-Party gefeiert: Castor (weißlich, vielleicht leicht bläulich?) und Pollux (eher orange, auf jeden Fall rötlich) je zwei mal angefahren, dann zu Aldebaran geschwenkt (ebenfalls rötlich, und sehr hell) und noch Beteigeuze eingestellt (wiederum rötlich. Ein beeindruckender Stern, übrigens.) Wieder eine Freude, das Gerät zu bedienen. Wahrscheinlich nervt das ewige darauf Herumreiten, aber man versetze sich in meine Lage: Jahrelang dieser Traum von einem guten Teleskop. All die Zeit war es nur Vorstellung, Fantasie, "Was wäre, wenn..." Nun ist so ein Gerät vorhanden, auch mit der Bedienung geht es inzwischen klar. Mit der GP zu arbeiten, stellt für mich quasieine sinnliche Erfahrung dar.

Nun endlich zu M42. Der Mond überstrahlte aber fast den ganzen Nebel, im Prinzip erkannte ich M42 vor allem durch das Trapezium und die drei Sterne im anderen "Flügel" (vom Nebel war nur das Zentralgebiet überhaupt sichtbar, auch indirekt war's kaum besser.) Bei 131x sah ich fast nichts. (Tau?) Weil der Sucher inzwischen sowieso fast nichts mehr zeigte, musste der Orionnebel ohne Sucher gefunden werden. Mit dem Fernglas sah ich noch mal Richtung Mars, aber auch das Binokular war inzwischen völlig beschlagen. Das Objektiv vom Teleskop aber noch nicht. So führte ich mir noch mal den Mond zugute, diesmal mit Zenitprisma. Das, und wohl auch die gewonnene Höhe, sorgten ein tolles Bild. Allerdings konnte ich somit wieder mal nichts im Rükl finden... Eigentlich sollte heute doch der Krater "Theophilus" betrachtet werden, das wurde nun nichts mehr. Mir war kalt, und der Hunger bohrte. Also Abbau. Um Stress zu vermeiden, wurde der Transport diesmal in drei Gänge aufgeteilt. Beim letzten Gang sah ich noch mal mit freiem Auge zum Siebengestirn. Einfach toll!


Fazit: Heute gelang das Ausrichten des Rohres ohne Probleme, wann man es dreht und wann man es schwenkt wurde intuitiv und fast immer richtig entschieden. Auf jeden Fall ist noch ein zweiter Justierknopf notwendig, um dann für das Gucken von der anderen Seite nicht erst den Knopf umstecken zu müssen. Ach ja, welchen Einfluss die atmosphärische Refraktion auf das Bild hat, wird meiner Meinung viel zu wenig besprochen. Der Einsteiger bekommt Begriffe wie Strehl, Überkorrektur und Astigmatismus um die Ohren gehauen, er wird gewarnt vor dem sekundären Farbfehler, der Koma und Dejustage. Dass bis mindestens 45° Höhe die durch atmosphärische Refraktion etliche Details in Farbsäumen ersaufen, Apo hin oder her, erfährt man leider nicht.

Man möge mir den Enthusiasmus dieses Berichtes nachsehen, so viel zu sehen, direkt nach der Wolken-Nacht, haut einen Noch-immer-Einsteiger eben um.
 
Hallo aths!

Wie immer ein schöner Bericht! Gute und weniger gute Nächte scheinen sich ja bei dir richig abzuwechseln!

Oben noch fix ein paar Schluck warmen Instant-Kaffee getrunken,...

...oben fix ein paar Schlucke vom (inzwischen fast abgekühlten) Kaffee getrunken,...

Mann Mann, kauf dir mal 'ne Thermoskanne! Nicht, dass wegen des in die Wohnung Gehens noch der APO draufgeht! Ich jedenfalls würde mein Teleskop in der Nacht nie verlassen; besonders wenn ich in einem öffentlichen Park beobachte... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" />


Wieder unten, noch ein kurzer Blick auf den Saturn, dann eine kleine Stern-Party gefeiert: Castor (weißlich, vielleicht leicht bläulich?) und Pollux (eher orange, auf jeden Fall rötlich) je zwei mal angefahren, dann zu Aldebaran geschwenkt (ebenfalls rötlich, und sehr hell) und noch Beteigeuze eingestellt (wiederum rötlich. Ein beeindruckender Stern, übrigens.)

Noch ein kleiner Tipp für die nächste Star-Party: <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Schau dir mal o2 Eridani an (im Karkoschka bei E2 zu finden). Der einfachste Weiße Zwerg. Nur 20.000km Durchmesser! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />
 
Hallo netnuk,

zum Glück kommen da nur ganz selten Leute vorbei, und die müssten sich erst mal die Mühe machen, auf den Hügel hochzugehen. Natürlich lasse ich das Teleskop nur in Notfällen und nur für sehr kurze Zeit unbeaufsichtigt.


Hi bino,

den Saturn hatte ich etwas dunkler als auf dem Bild, (so dass auch die Bauchbinde dunkler war) aber von den Details kommt das durchaus in etwa hin.
 
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