26.8.: Kleinplanet Bertholda verfinstert SAO144929

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ClausPeter_H

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Liebe Sternfreunde,

einige von euch werden sich vielleicht noch an die Nacht vom 16. auf den 17.
September letzten Jahres erinnern, als der Kleinplanet (345) Tercidina einen
hellen Stern bedeckte.

Ein solches Ereignis steht in Kürze wieder bevor, und wieder kann man es von
Deutschland aus beobachten:

Am Dienstag den 26. August um ca. 23:43 MESZ bedeckt der Kleinplanet (420)
Bertholda den Stern SAO 144929 im westlichen Wassermann nahe der Grenze zum
Adler. SAO144929 steht gut 2 Grad nordöstlich von epsilon Aquarii (3.8 mag), und mu Aqr (4.7 mag) markiert den Weg auf halber Strecke.
Dies ist die Nacht vor dem Tag der größten Marsnähe, und SAO 144929 liegt nur
etwa 30 Grad westlich von Mars, so dass man sich für die Beobachtung der
Bedeckung nur für ein Viertelstündchen von Mars losreißen muss, wenn man
ohnedies aufgebaut hat.
Diese Bedeckung hat wieder einige günstige Bedingungen zu bieten:

- Zeitpunkt einigermaßen arbeitnehmerfreundlich: kurz vor Mitternacht.
- hellster Stern (8.6 mag), dessen Bedeckung in diesem Jahr von Deutschland aus
zu beobachten ist
- Die Bedeckung findet (für München) etwa 10 Minuten vor der Kulmination knapp
34 Grad über dem Horizont statt
- Der Helligkeitsunterschied zwischen Stern (8.6 mag) und Kleinplanet (13.6
mag) ist so groß, dass in kleinen und mittleren Instrumenten der Stern quasi
"ausgeknipst" wird
- Neumondnacht, daher kein Störlicht von der "Säufersonne"
- Bertholda könnte den Beinamen "Die Dicke" tragen, da sie immerhin auf 146 km
geschätzt wird, daher
- dauert die Bedeckung auf der Zentrallinie knapp 12 Sekunden
- ist der Schattenstreifen schön breit und zieht sich über Sachsen, Thüringen,
Hessen, südliches Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und die nordwestlichen zwei
Drittel Bayerns, also haben viele Sternfreunde die Gelegenheit zur Beobachtung.
Aber auch am Rand des Korridors lohnt die Beobachtung, denn einerseits gibt es
immer noch eine beträchtliche Unsicherheit, und andererseits könnte die dicke
Bertholda ja einen Mond haben, der der Entdeckung durch aufmerksame Beobachter harrt.

Weitere Details, Aufsuchekarten und eine Darstellung des Korridors, in dem die
Bedeckung beobachtbar ist, findet ihr hier:

http://sorry.vse.cz/~ludek/mp/updates/0826ber.html

Hier noch einige Tipps zur (visuellen) Beobachtung:

- Eine genaue Uhr zur Beobachtung mitnehmen, denn Bertholda wird einigermaßen
pünktlich sein, wenngleich man sich auch auf einige Sekunden Unsicherheit
einrichten sollte.
Es sollen auch schon Experten um Sekunden zu spät ins Okular geschaut haben...
- ein bißchen ausruhen, und nicht länger als ein bis zwei Minuten vor dem
nominellen Zeitpunkt ans Okular gehen, damit man beim großen Moment noch frisch
ist
- mit wenig Aufwand kann ein Beitrag zur Wissenschaft geleistet werden, wenn
Dauer und Zeitpunkt der Bedeckung gemessen werden. Dazu benötigt man eine
Stoppuhr mit der Möglichkeit, Zwischenzeiten zu speichern, möglichst eine DCF77
Funkuhr (wie z.B. mein Reise-Funkwecker von Aldi) und/oder einen Fernseher mit
Videotext, sowie die genauen geographischen Koordinaten des Beobachtungsorts.

Der Ablauf wäre dann etwa wie folgt:

1. An der Funkuhr wird die Senderruftaste betätigt, um sie aktuell mit den
PTB-Atomuhren zu synchronisieren (Die meisten Uhren machen das nur ein Mal am
Tag).
Rechtzeitig vor dem Ereignis wird zu vollen zehn Minuten, also z.B. um 23:20:00
oder 23:30:00 die Stoppuhr gestartet (notieren). So gibt es später wenig
Irrtumsmöglichkeiten über den Startzeitpunkt.
Wer keine Funkuhr hat, kann ersatzweise auch nach der Videotext-Zeit von ARD
oder ZDF starten, die erfahrungsgemäß nicht mehr als Zehntelsekunden von der
Anzeige der Funkuhr abweicht.

2. Alle Zeiten werden als Zwischenzeiten genommen. Bei jedem Verschwinden und
Wiedererscheinen des Sterns wird eine Zeit genommen, eventuell auch bei Beginn
und Ende der Beobachtung, sonst Blick auf die Uhr.

3. Standort, Wetter- und Sichtbedingungen, Zeitraum der Beobachtung, sowie
Instrumentendaten (Typ, Öffnung, Okular/Vergrößerung) notieren.

4. Die Beobachtung an die IOTA melden, z.B. über dieses Formular

http://sorry.vse.cz/~ludek/mp/results/iotarep.txt

5. Gelegentlich auf die Ergebnisseite gucken, ob die eigene Beobachtung schon
eingetragen ist:

http://sorry.vse.cz/~ludek/mp/results/

Im Zweifel helfe ich bei der Meldung weiter.

Tipps zur elektronischen Beobachtung:

- die genaue Erfassung der Zeit sicher stellen. Bei Video eine eventuelle
Möglichkeit zur sekundengenauen Zeiteinblendung nutzen.
Zeit genau einstellen, und durch Aufnehmen der genauen Uhr bzw. der
Videotext-Zeit eines der unter "visuell" empfohlenen Programme prüfen.

- bei der Aufnahme mit dem Computer Vorsicht bei den Zeitmarken der Dateien. Es
muss unabhängig geprüft werden, wie genau und zuverlässig die sind. Besser ist
die direkte Einblendung der Zeit ins Bild.

- eine Zeitsignatur kann auch mit dem Bild aufgezeichnet werden, wenn eine Uhr
zur Verfügung steht, die das DCF77 Zeitsignal (Sekundentakt) an einem Pin
ausgibt. Eine daran angeschlossene Leuchtdiode, seitlich in den Tubus leuchtend,
hellt periodisch den Hintergrund auf, und aus der Pulslängenkodierung kann die
genaue Zeit ermittelt werden.

- da die Aufmerksamkeit der Elektronik nicht nachlässt, kann die Aufnahme einige
Minuten vor dem Nominalzeitpunkt gestartet werden, um vorangehende
Sekundärereignisse zu erfassen.

- die zeitliche Auflösung (Bildrate) sollte so hoch sein, wie es die Öffnung des
Teleskops erlaubt, ohne dass aber der Computer beim Aufnehmen ins Stottern
kommt. Das kommt nicht nur der Präzision der Zeitmessung zu Gute,
sondern erlaubt unter Umständen auch eine Lichtkurve des Verschwindens bzw.
Wiedererscheinens des Sterns aufzunehmen. Daraus kann eventuell der Durchmesser
des Sterns abgeschätzt werden.

- Angaben zur Instrumentierung, hier insbesondere auch die Einstellungen von
Kamera und ggf. Software, der Lage des Beobachtungsortes und den Sicht- und
Wetterverhältnissen notieren.

Ein Wort der Warnung zum Schluss: es besteht eine endliche Wahrscheinlichkeit,
dass auch Beobachter in der vorausgesagten Sichtbarkeitszone keine Bedeckung
sehen, da die Voraussage mit einiger Unsicherheit behaftet ist. In diesem Fall
die Beobachtung trotzdem notieren und melden, erst danach den vorsorglich bereit
gestellten Träneneimer benutzen.

Euch allen beste Sicht auf den Mars und diese Bedeckung!

orangeblau grüßt

Claus-Peter Heidmann
 
Re: Zeiten im Videotext

Hallo Claus-Peter,

Wer keine Funkuhr hat, kann ersatzweise auch nach der Videotext-Zeit von ARD
oder ZDF starten, die erfahrungsgemäß nicht mehr als Zehntelsekunden von der
Anzeige der Funkuhr abweicht.

Da koennte es Probleme mit der Genauigkeit geben, wenn der Videotext nicht terrestrisch (ueber Antenne) und analog
empfangen wird. Da ist zum einen die Signallaufzeit Erde-Satellit und zurueck (ueber 0.2s) und der Verarbeitungsvorgang
beim digitalen Empfang, der wohl Verzoegerungen im Bild von mehreren Sekunden verursachen kann.
Ich weiss aber nicht, ob nur das Bild selber oder auch der Videotext betroffen ist.

Gruesse, Dixon
 
Re: Zeiten im Videotext

Hallo Dixon,

die Frage nach der Genauigkeit der Videotext-Zeit kam vor ungefähr einem Jahr schon mal, und ich hatte daraufhin die VT-Uhren aller über unsere Satellitenanlage empfangbaren ca. 25 Kanäle mit einem DCF77 Uhrenmodul verglichen. Mit einer einzigen krassen Ausnahme (Eurosport) war die Abweichung (Zeitdifferenz des Ziffernwechsels) geringer als eine Sekunde, und bei den empfohlenen Programmen sogar nur geschätzte ein bis zwei Zehntel Sekunden.

Du hast aber mit deinem Hinweis recht: sicherheitshalber sollte man die VT-Zeit mit einer DCF77 Uhr vergleichen. (z.B. DCF77 und VT Uhr gemeinsam mit einer Webcam aufnehmen und dann bei bekannter Bildrate die Bilder zwischen den Ziffernwechseln auszählen)
Eine konstante Differenz aufgrund von Signallaufzeiten kann man dann noch später korrigieren, weshalb man sich unbedingt notieren sollte, woher man die Referenzzeit bezogen hat.

Grundsätzlich strebt man eine möglichst hohe Zeitgenauigkeit an, aber im Falle von Bertholda ist die Vorhersage des Bedeckungszeitpunktes mit einer Unsicherheit von 10 Sekunden behaftet, so dass eine Beobachtung mit 1 Sekunde Zeitfehler immer noch zur Bahnverbesserung beiträgt.
Wer von Hand stoppt, muss ohnedies mit einigen Zehnteln Unsicherheit rechnen.

Mit dem terrestrischen digitalen Fernsehen habe ich keine Erfahrung. Vielleicht kann jemand von euch was dazu sagen, mit welchen Verzögerungen, und auch mit welchen Schwankungen derselben man da rechnen muss.

einstweilen beste Grüße

Claus-Peter
 
Hallo Claus-Peter,

vielen Dank für den Hinweis.
Ich konnte die Bedeckung erfolgreich beobachten.
Details siehe Forum "Beobachtungen visuell"

Herzliche Grüsse
Rainer

 
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