300er Tele zum Teleskop - Glaswegkorrektor ?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Thomas_John

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

Eigentlich müßte sich aus einem guten Teleobjektiv doch auch ein nettes "Rich Field" Teleskop machen lassen. Schon wäre auch bei Reisen die Transportsituation wesentlich entspannter, denn auf ein Tele mit AF usw. kann man (ich zumindest) oft noch weniger verzichten als auf ein entsprechendes kleines Fernrohr.

Ich habe das jetzt mal ein bißchen ausprobiert mit verschiedenen Objektiven und bin schnell dahintergekommen, daß der optische Weg zu kurz ist, wenn man ein Zenitspiegel verwendenmöchte. (logisch)

Aber wenn ich den Fokus ca. 3 cm weiter rausbekäme, müßte es schon klappen (bei 2" statt 1.25" müßte man sicher noch 2 cm weiter einplanen, brauche ich persönlich aber nicht unbedingt). Dann könnte man einen kurzbauenden Adapter machen:

Kamerabajonett->Glaswegkorrektor->Zenitspiegel->Okularhülse

Wenn man nicht einfach normale Teile zusammenschraubt, sondern alles in einer Bastelaktion platzsparend direkt "hintereinanderknallt", müßten die ca. 3 cm schon ausreichen.

Bei Baader hab ich verschiedene GWK gesehen, aber leider nicht so wirklich Angaben darüber, wieviel Weg die nun schaffen. Natürlich wäre möglichst wenig Vergrößerung hilfreich, also den GWK so knapp wie möglich bemessen.

Ein Foto-Telekonverter hilft irgendwie bei meinen Versuchen zumindest nicht so recht weiter, der ist wohl einfach anders aufgebaut optisch, verlängert NUR die Brennweite, schiebt aber den Fokus nicht nennenswert weiter raus. Genauso ist Umbau des Objektives keine Alternative da die Foto-Optiken eben auch weiter als solche betrieben werden können sollen, ohne Einschränkung.

Angedacht hatte ich vor allem ein 300/4 Tele (Sigma APO 300/4 oder Canon 300/4L), die als Richfielder sicher Spaß machen (natürlich sauteuer, aber wenn man es zum Fotografieren eh schon dahat und auch mitschleppt, ist das eben ja wieder ganz was anderes).

Kriegt man evtl. GWK auch anderswo günstiger als bei Baader? Allerdings sollte die Optik auch gut sein, damit man sich den ganzen Spaß nicht direkt wieder kaputtmacht. Und kann mir evtl. jemand helfen, wo ich genauere Infos zu Vergrößerung und vor allem dem optischen Weg des GWK herbekommen könnte?

Thomas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Thomas,

ich selber habe damit keine Erfahrung gemacht, aber bereits davon gehört und würde dir eher davon abraten:

1. Ein 300er Tele ist für 6- bis 12-fache Vergrößerung gegenüber der Normalbrennweite (50mm) gerechnet und geschliffen. Ein 300er f/4 hat 75mm Öffnung und somit eine teleskopisch maximal sinnvollt Vergrößerung von 150-fach. Ein Tele wird kaum mit so viel Reserve gefertigt werden, da es die Produktionskosten und damit den Preis in die Höhe treiben würde.

2. Erfahrungsberichten zufolge zeigen solche Objektive bei mittleren bis hohen Vergrößerungen schnell ein sehr starkes sekundäres Spektrum.

Zum Farbfehler würde ich eine solche Optik mit einem 80/400mm-Refraktor vergleichen, die je einem 400mm f/5-Teleobjektiv entsprächen: Selbst die APO-Versionen zeigen hier zum Teil noch Restfarbfehler bei starken Vergrößerungen.

Bei alten MF-Ostblock-Objektiven kann man noch sehr gute Ergebnisse beim "Fernrohr-Umbau" erzielen, ich selbst habe es mal bei einem alten 600er-Tele f/5,6 live erlebt, als mein Fotohändler ein Okular dahinter hielt. Bei den modernen AF-Optiken bin ich da aus o.g. Gründen sehr skeptisch.

Eine Alternative wäre ein 66/400mm-Apo.

VG Christian
 
Hallo Christian,

bezüglich der Auflösung muß ich nochmal austesten, was mit dem besagten 300 mm Objektiv noch vertretbar wäre. Immerhin bringt so eine Optik an DSLR ja "pixelscharfe" Ergebnisse bei 10 oder auch 12 MP (1.5x Cropfaktor) und allein dafür müßte die Winkelauflösung ja schonmal mindestens um ca. 5 Bogensekunden liegen, wenn ich mich nicht arg vertue. Das ist grob geschätzt um den Faktor 3 weniger Auflösung als die theoretisch erreichbare, und das nährt eigentlich bei mir die Hoffnung, daß zumindest so bis 40x Vergrößerung, vielleicht auch 50x, die Bildqualität auch bei gutem Anspruch gut sein könnte. Dazu gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, mit niedriger Vergrößerung zu schauen.

Starke Farbfehler hat die Optik nicht, jedenfalls kann ich terrestrisch damit bei Offenblende auch in Situationen mit starken Hell-Dunkel-Kanten keine Farbfehler erkennen, diesbezüglich habe ich bei kurzen Achromaten ehrlich gesagt schon ganz anderes gesehen. Unter dem Strich wird die Frage, bis zu welcher Auflösung das Gerät mitspielt, sicher wesentlich entscheidender sein als die Farbfehler.

Ich werde das aber nochmal probieren, sofern es auch mal wieder eine klare Nacht geben sollte ;) .... erstmal ohne Bastelei (sondern einfach Geradweg) mit verschiedenen Okularen.

Die 30-50x würde mir für ein Reise-Teleskop eigentlich schon reichen, dazu käme der Vorteil, wie wenig zusätzliches Zeug mitzuschleppen wäre. Auch ein 66/400 ist ja im Gepäck schon ein ziemlicher zusätzlicher "Batzen" und würde wiederum am Tage mir ein Teleobjektiv mit Abblendmöglichkeit, AF usw. usf. absolut nicht ersetzen können. Dafür könnte ich im 66/400er in der Vergrößerung auch über 100x gehen - aber wozu? Den Mond und die Planeten kann ich mir im Endeffekt auch hier zuhause angucken.... dafür braucht es so oder so nichts "Reisetaugliches"....?

Für Leute, die erst das Teleobjektiv kaufen müßten, macht meine Idee natürlich vorn und hinten keinen Sinn. Wie gesagt, bei mir würde aber bei der Frage "300er Tele zum Fotografieren oder kleinen Apo einpacken" der Apo leider immer den kürzeren ziehen. Da (terrestrische) Fotografie bei mir fast immer an vorderster Stelle steht.

Viele Grüße
Thomas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Thomas,

ok. Ich hatte deinen Thread so gedeutet, dass das Objektiv erst gekauft werden soll, deshalb auch die APO-Alternative als Tipp.

Das ein Achromat der Größenordnung ein "Farbfernseher" ist, ist ja allgemein bekannt. Deshalb habe ich bewusst von Apochromaten gesprochen.

Ich bin gespannt, wie stark man mit dem angesprochenen Tele maximal vergrößern kann, ohne dass die Bildschärfe leidet.

VG Christian
 
Hallo Christian,

klar, erst ein Objektiv kaufen nur um damit astronomisch zu beobachten, macht überhaupt keinen Sinn. Diese Objektive sind ja oft auch sauteuer. Die hohen Preise liegen darin, daß man "apochromatische" Farbkorrektur (wohl meistens eher ED...) drin hat, flache Bildfelder bis KB, dazu Autofocus, tlw. sogar Bildstabi usw. usf. - also alles Sachen die astronomisch natürlich total uninteressant sind.

Ich habe einen Anbieter gefunden, der so einen ähnlichen Teleobjektiv - Teleskop - Adapter macht, wie ich mir überlegt hatte. Aber es sieht bei dem noch ziemlich "bastelig" aus und das fest angesetzte Okular trifft auch nicht meinen Geschmack:

http://asc.astronomie.at/shop.htm

Die Intention des Anbieters ist klar, mit seiner extrem "kurzbauenden" Lösung kommt man ohne Glaswegkorrektor aus.

Meiner Meinung nach müßte sich das aber auch in mechanisch schöner und mit Standard Anschluß für 1 1/4" (theoretisch auch 2") lösen lassen, eben unter Zuhilfenahme eines Glaswegkorrektors.

Zunächstmal werde ich aber mein 300er mal mit vorhandenen 9 mm und 6 mm Orthos "verheiraten", um zu sehen was so bis 50x rauskommt. Sollten die Ergebnisse gefallen, würde mir das wie gesagt schon auslangen.

Wo kann ich Infos bekommen, wieviel Lichtweg mit die verschiedenen GWK liefern würden? Ist Baader der einzige, der GWK anbietet oder gibt es evtl. auch günstigere?

Viele Grüße,
Thomas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Thomas,

Wo kann ich Infos bekommen, wieviel Lichtweg mit die verschiedenen GWK liefern würden? Ist Baader der einzige, der GWK anbietet oder gibt es evtl. auch günstigere?

Die einfachen Baader-GWK sind nichts anderes als Negativ-Achromaten, also eine Barlow-Linse. Wieviel "Weg" so eine Linse bringt hängt von ihrer Brennweite und ihrer Position im Strahlengang ab.

Es gelten die üblichen Formeln für Barlow- und Shapleylinsen. U.a. ergibt sich dass bei einer solchen Linse eine Lichtwegkompensation immer mit einer Brennweitenverlängerung erkauft werden muss. Je knapper die Linse vor dem ursprünglichen Fokus sitzt, um so stärker wird die Brennweitenverlängerung um einen bestimmten Lichtweg zu kompensieren.

Deine Situation entspricht genau dem Problem den Glasweg eines Binoansatzes auszugleichen. Es ist immer mehr oder weniger ein Kompromiss, entweder man hat eine starke Brennweitenverlängerung, oder müsste eine langbrennweitige (und große) Barlowlinse weit vor dem Originalfokus plazieren.

Eine Alternative zu den Baader-GWK sind die OCA von Siebert Optics. Damit lassen sich ca. 130mm Weg ausgleichen, bei ca. 1,5-facher Brennweitenverlängerung. Bestehen aus 2 Linsen, das erste Element kommt aber wie gesagt deutlich vor dem Brennpunkt zu liegen. Die OCA sind teurer als die GWKs, je nach Version so um die 150-200€ inkl. Einfuhrspesen.
Könnte aber bauraummäßig klappen, wenn dein Tele keine Linse ganz am hinteren Ende hat. Es gibt OCAs die kann man zerlegen und die beiden Linsen vor- und hinter den Zenitspiegel bauen. Schau am besten mal unter Siebert Optics

Noch günstiger als die GWKs geht wohl nicht, da die normalen Barlows zu kurzbrennweitig sind.

cs
Martin
 
hallo

hab vor einpaar jahren an ein 300/4 tele (Orestegor) ein zenitspiegel gebaut, etwas eng mit dem focus geht aber.
bei ebay hat das tele ~35 euro gekostet, zustand wie neu

gruß

 
Hallo zusammen,

300/4 ist auch die Kategorie von Objektiv, wo ich hauptsächlich dran denke. Da ich eben ein 300/4 da habe.

Das Auflagemaß von Canon EOS (also Abstand Objektivbajonett bis Fokuspunkt) liegt bei 44,0 mm. Von den baulichen Bedingungen her (innerhalb des Bajonetts stehen noch ein paar Kleinteile etwas hervor usw.) könnte ich das erste Glaselement von z.B. einem Glaswegkorrektor ca. 35-38 mm vor dem Fokuspunkt anbringen.

Zenitspiegel direkt an das Objektiv ansetzen => keine Chance auch nur ansatzweise in den Fokus zu kommen (ausprobiert). Es fehlen 3 cm mindestens um in den Fokus zu kommen. Je nach Okular wär es wohl optimal, wenn ich eher so 5 cm hinzugewinnen könnte.

Hat irgendjemand eine Idee, was für einen GWK ich für den Zugewinn dieser ca. 5 cm benötigen würde, wenn ich ihn eben ab 3,8 cm vor dem Fokuspunkt ansetzen könnte?

CS,
Thomas

PS. übrigens hab ich hier eine Aufnahme von 17P/Holmes gefunden, die offenbar mit baugleichem Objektiv gemacht wurde: ( Direktlink auf das Foto , hier die zugehörige Website mit Infos , nach "Sigma" suchen. Die Kamera war eine Audine KAF 3200, ich kenne die nicht... vermute mal, daß das eine mit recht kleinem Chip ist, oder?)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Thomas,

ich habe ein EF 200/2.8 mal adaptiert. Von EF auf T2, da einen kurzbauenden T2->1,25 Adapter ran. Dann das Glaselement einer Barlow abgeschraubt und vor einen 1,25" Zenitspiegel geschraubt, Oku rein, fertig. Warum kompliziert mit GWK's arbeiten?

Gruß

Matthias
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben