Hallo Florian,
die Drucker dieser Marke sind seit Jahren etabliert, Ersatzteilversorgung gesichert und guter Support der Community.
Ich würde mich mal in diesem
Forum umhören und gezielt nach Erfahrungen fragen. War da selbst jahrelang aktiv.
Wie bei allen Druckern dieser Preisklasse können hier und da Mängel in der Konstruktion auftreten, daher mal rumfragen.
Anfänger neigen dazu, möglichst große Drucker zu kaufen ("eierlegende Wollmilchsau"). Hab ich auch so gemacht, mir dann aber noch einen ganz kleinen geholt.
Der Kleine ist wesentlich präziser, da einfach die Verfahrwege kleiner und die Konstruktion stabiler ist.
Bei Teilen, die auf ein- und demselben Drucker erstellt worden sind, ist die Passgenauigkeit kein Problem. Wenn da die Teile im 1/10 Bereich abweichen, dann wirkt sich das auf alle Teile gleich aus.
Schwieriger wird es, wenn Du präzise passende Teile benötigst, die zu anderen Teilen passen müssen. Ein 3D-Drucker ist keine CNC Maschine. Eine heiße runde Plastikwurst verklebt sich mit einer weiteren und wird dabei etwas plattgedrückt...
Damit landen wir dann auch bei Deinen Beispielen. Da siehts etwas düster aus. Hatte auch mal kopierte Lego-Steine (Spritzguß). Die wollten kaum halten und wir reden hier von Präzision im 1/100mm Bereich. Ich glaube daher nicht, dass man da mit dem Drucker rankommt. Auch Gewinde sind ein Sache für sich. Mir gelingen gerade mal amerikanische Grobgewinde mit viel Trial & Error. Da muß der Drucker sehr sauber eingestellt sein (elektonischer Abgleich + mechanischer Abgleich) und zusätzlich müssen bei der Konstruktion am CAD Programm Design-Regeln beachtet werden. Ich glaube nicht, dass Du damit glücklich wirst, insbesondere nicht mit Feingewinden.
Einfacher wird das mit Drucker der Hobby-Klasse am oberen Ende (z.B. Ultimaker...). Aber da bist Du schon ein paar Tausender los. Da kan man sich das Zeug lieber direkt kaufen oder man nimmt das ganze als Hobby und ist bereit in Gutes zu investieren.
Was ich drucke, sind selbst entworfene Gehäuse, Halterungen (auch für Fokusserantriebe), Vogelfutterstationen und -häuschen, Ersatzteile (Stühle, Dunstabzughaubenschalter, Toaster,... Leuchten, Weihnachtsdeko, Halterungen für Schläuche, Kabelschellen, Okularablagen, usw...) Hab schon hunderte Teile gedruckt. Im Astrobereich drucke ich auch Bahtinov-Masken, kleinere Taukappen, Verschlussdeckel, Raspberry-Pi-Gehäuse und Halterungen für Kabel, Gehäuse für Flat-Masken, Bedienknöpfe,...
Hier mal meine Auswahl auf Thingiverse:
Thingiverse - Digital Designs for Physical Objects
Am meisten Spaß machen halt die selbst entworfenen Teil. Ich nutze dazu FUSION360. Das ist für den Hausgebrauch kostenlos. Man könnte damit alles bis zur Rakete entwerfen... Eine tolle Einführungreihe bitet der hier an:
https://www.youtube.com/c/knowhowschmiede/videos
Die Filmchen sind kurz und knackig und die Objekte können praktisch nebenbei parallel nachkonstruiert werden.
Ach ja, nebenbei... Taukappen werden ziemlich schwer. Das Material ist dafür einfach nicht wirklich geeignet.
Zum Kunststoff selbst..., man fängt immer an mit "PLA". Der Kunststoff ist recht einfach zu drucken und verzeiht grobe Fehler bei der Einstellung der Druckparameter.
PLA ist hoch belastbar, aber auch relativ wenig wärmefest. Wenn man die auftretenden Druckfehler beherrscht (Warping, Stringing, Elefantenfuß, Unter- und Überextrusion, usw.) kann man sich an PETG wagen. Hier wirds schon enger und die Druckergenisse sind nie so gut wie bei PLA. Dafür ist das Material viel wärmefester und ein wenig flexibler. Fehler in den Druckparametern haben größere Auswirkungen.
TPU ist ein elastischer Werkstoff, wobei die Elastizität vom Shore-Grad abhängig ist. Drucken ist schwieriger als PETG.
Darüber gibts dann z.B. ASA, ABS usw., Ist noch schwieriger und man braucht in der Regel eine Einhausung des Druckers, damit die Temperatur während des Druckes konstant bleibt. Ansonsten verzieht sich der Druck oder es zerreißt ihn.
Dann gibts noch Nylon, Kohlefaser,.... Hier werden hohe Drucktemperaturen benötigt und Stahldüsen. Nicht einfach zu handlen, da Stahl schlecht Wärme leitet und das will beherrscht sein. Auch die Haftung der Materialien am Druckbett ist kritisch.
Ach ja, was das Design-Programm oder eine Druckobjektdatenbank dann ausgibt, muß in einem "Slicer" in einen Maschinen-Code (G-Code) umgewandelt werden. Das Sharpcap unter den Slicern ist das kostenlose "CURA". Da hat man schon viele Druckprofile dabei und kann sich an das Optimale ranhangeln.
Fazit:
- langsam anfangen mit einfachen Materialien
- erster Drucker gerne preiswert kaufen und Erfahrungen sammeln (auch z.B. die preiwerten "ENDER" Drucker anschauen)
- später einfache Teile selbst konstruieren; tolles Gefühl, wenn das Objekt am Bildschirm in 3D am Drucker wächst
Ach ja, ich habe einen Artillery Sidewinder X1 sowie einen Monprice MINI Select V2; beides China-Kracher. Erster möchtet regelmäßig gestreichelt werden. Der Keline läuft einfach seit Jahren...
3D-drucken ist in der Regel ein eigenes Hobby, nicht nur ein Tool. Die Zeit muß man sich nehmen.
Hoffe, Dir geholfen zu haben.
Viele Grüße
Hartmut