3D druck: Welcher Drucker für die Astronomie und was gibt es zu beachten

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Schwastian Beinsteiger

Aktives Mitglied
Hallo Menschen des Forums,

ich überlege ab und zu mal 3D Druck zu betreiben, da ich öfters mal Kleinkram im Bastelformat benötige und nicht so oft irgendwelche Menschen im Forum zutexten möchte, vorallem da auch andere dinge wie zum Beispiel spezielle Legoteile auf der Liste stehen.

ohne mich wirklich viel belesen zu haben sieht dieser Drucker hier ganz überzeugend aus:

Neben oben angesprochenen Legoteilen stehen auch Rohrschellen, Taukappen, Bahtinovmasken oder auch mal Adapter mit Gewinde auf der Liste, aber auch mal ausgefallenere Dinge wie Spiegelzellen oder Okularkörper, kann also auch mal größer ausfallen.

Neben der Frage nach dem Drucker würden sich dann noch Fragen nach dem besten verwendeten Kunststoff (gibt ja mehrere zur Auswahl)
anfängerfreundliche Programme und einer Technik stellen.
Hab gehört es hängt viel davon ab wie man nun das Plastik von der Maschine zusammensetzen lässt, auch das man zwischen Vollmaterial und eben den "schweizer Käse" Varianten unterscheiden kann.

mit freundlichen Grüßen
Florian
 
Hallo Florian,

die Drucker dieser Marke sind seit Jahren etabliert, Ersatzteilversorgung gesichert und guter Support der Community.
Ich würde mich mal in diesem Forum umhören und gezielt nach Erfahrungen fragen. War da selbst jahrelang aktiv.
Wie bei allen Druckern dieser Preisklasse können hier und da Mängel in der Konstruktion auftreten, daher mal rumfragen.

Anfänger neigen dazu, möglichst große Drucker zu kaufen ("eierlegende Wollmilchsau"). Hab ich auch so gemacht, mir dann aber noch einen ganz kleinen geholt.
Der Kleine ist wesentlich präziser, da einfach die Verfahrwege kleiner und die Konstruktion stabiler ist.
Bei Teilen, die auf ein- und demselben Drucker erstellt worden sind, ist die Passgenauigkeit kein Problem. Wenn da die Teile im 1/10 Bereich abweichen, dann wirkt sich das auf alle Teile gleich aus.
Schwieriger wird es, wenn Du präzise passende Teile benötigst, die zu anderen Teilen passen müssen. Ein 3D-Drucker ist keine CNC Maschine. Eine heiße runde Plastikwurst verklebt sich mit einer weiteren und wird dabei etwas plattgedrückt...

Damit landen wir dann auch bei Deinen Beispielen. Da siehts etwas düster aus. Hatte auch mal kopierte Lego-Steine (Spritzguß). Die wollten kaum halten und wir reden hier von Präzision im 1/100mm Bereich. Ich glaube daher nicht, dass man da mit dem Drucker rankommt. Auch Gewinde sind ein Sache für sich. Mir gelingen gerade mal amerikanische Grobgewinde mit viel Trial & Error. Da muß der Drucker sehr sauber eingestellt sein (elektonischer Abgleich + mechanischer Abgleich) und zusätzlich müssen bei der Konstruktion am CAD Programm Design-Regeln beachtet werden. Ich glaube nicht, dass Du damit glücklich wirst, insbesondere nicht mit Feingewinden.
Einfacher wird das mit Drucker der Hobby-Klasse am oberen Ende (z.B. Ultimaker...). Aber da bist Du schon ein paar Tausender los. Da kan man sich das Zeug lieber direkt kaufen oder man nimmt das ganze als Hobby und ist bereit in Gutes zu investieren.

Was ich drucke, sind selbst entworfene Gehäuse, Halterungen (auch für Fokusserantriebe), Vogelfutterstationen und -häuschen, Ersatzteile (Stühle, Dunstabzughaubenschalter, Toaster,... Leuchten, Weihnachtsdeko, Halterungen für Schläuche, Kabelschellen, Okularablagen, usw...) Hab schon hunderte Teile gedruckt. Im Astrobereich drucke ich auch Bahtinov-Masken, kleinere Taukappen, Verschlussdeckel, Raspberry-Pi-Gehäuse und Halterungen für Kabel, Gehäuse für Flat-Masken, Bedienknöpfe,...
Hier mal meine Auswahl auf Thingiverse: Thingiverse - Digital Designs for Physical Objects

Am meisten Spaß machen halt die selbst entworfenen Teil. Ich nutze dazu FUSION360. Das ist für den Hausgebrauch kostenlos. Man könnte damit alles bis zur Rakete entwerfen... Eine tolle Einführungreihe bitet der hier an: https://www.youtube.com/c/knowhowschmiede/videos
Die Filmchen sind kurz und knackig und die Objekte können praktisch nebenbei parallel nachkonstruiert werden.

Ach ja, nebenbei... Taukappen werden ziemlich schwer. Das Material ist dafür einfach nicht wirklich geeignet.

Zum Kunststoff selbst..., man fängt immer an mit "PLA". Der Kunststoff ist recht einfach zu drucken und verzeiht grobe Fehler bei der Einstellung der Druckparameter.
PLA ist hoch belastbar, aber auch relativ wenig wärmefest. Wenn man die auftretenden Druckfehler beherrscht (Warping, Stringing, Elefantenfuß, Unter- und Überextrusion, usw.) kann man sich an PETG wagen. Hier wirds schon enger und die Druckergenisse sind nie so gut wie bei PLA. Dafür ist das Material viel wärmefester und ein wenig flexibler. Fehler in den Druckparametern haben größere Auswirkungen.

TPU ist ein elastischer Werkstoff, wobei die Elastizität vom Shore-Grad abhängig ist. Drucken ist schwieriger als PETG.

Darüber gibts dann z.B. ASA, ABS usw., Ist noch schwieriger und man braucht in der Regel eine Einhausung des Druckers, damit die Temperatur während des Druckes konstant bleibt. Ansonsten verzieht sich der Druck oder es zerreißt ihn.

Dann gibts noch Nylon, Kohlefaser,.... Hier werden hohe Drucktemperaturen benötigt und Stahldüsen. Nicht einfach zu handlen, da Stahl schlecht Wärme leitet und das will beherrscht sein. Auch die Haftung der Materialien am Druckbett ist kritisch.

Ach ja, was das Design-Programm oder eine Druckobjektdatenbank dann ausgibt, muß in einem "Slicer" in einen Maschinen-Code (G-Code) umgewandelt werden. Das Sharpcap unter den Slicern ist das kostenlose "CURA". Da hat man schon viele Druckprofile dabei und kann sich an das Optimale ranhangeln.

Fazit:
- langsam anfangen mit einfachen Materialien
- erster Drucker gerne preiswert kaufen und Erfahrungen sammeln (auch z.B. die preiwerten "ENDER" Drucker anschauen)
- später einfache Teile selbst konstruieren; tolles Gefühl, wenn das Objekt am Bildschirm in 3D am Drucker wächst

Ach ja, ich habe einen Artillery Sidewinder X1 sowie einen Monprice MINI Select V2; beides China-Kracher. Erster möchtet regelmäßig gestreichelt werden. Der Keline läuft einfach seit Jahren...

3D-drucken ist in der Regel ein eigenes Hobby, nicht nur ein Tool. Die Zeit muß man sich nehmen.
Hoffe, Dir geholfen zu haben.

Viele Grüße
Hartmut
 
... oder man bedient sich eines professionellen Druckshops, da kann man auch gesinterte Sachen bekommen, die viel präziser sind als man es mit Filamenten hinbekommen kann. Das kostet dann zwar, ist aber i.d.R. immer noch günstiger und einfacher, als es mechanisch fertigen zu lassen. Man braucht aber dann wirklich eine ordentliche 3D-Konstruktion oder entsprechende Files aus dem Web.

CS
Jörg
 
Ich würde Hartmut in allen Punkten zustimmen.
Ich hab mit dem hier angefangen : Anycubic Mega-S, auch dort bestellt, ist idR billiger als bei Amazon und der Support ist für eine China-Firma verblüffend gut !
Ich kann mir nicht vorstellen wie ich früher ohne ihn leben konnte, finde ihn sehr empfehlenswert und was er für den Kaufpreis alles kann ist Wahnsinn. Gerade im Astrobreich unverzichtbar, mit den genannten Einschränkungen...
 
Hallo Takeshi,

von den Dimensionen her dürfte das 99% der benötigten Teile abdecken, der Preis ist ja echt gut.

CS
Jörg
 
Hello There,


Hartmut, vielen vielen dank für deine Erläuterung, hast jetzt erfolgreich all meine Fragen beantwortet gleich so das keine neuen aufkommen. ?
das mit den Gewinden würde ich dann vermutlich wirklich erstmal sein lassen, da würde ich dann einfach auf TS zurück kommen die sowas direkt in Metall machen, war jetzt auch nur als i Tüpfelchen angesetzt weshalb mir der "Verlust" relativ egal ist, bei den Lego teilen würde ich auf fertige programme im Netz zurück greifen, wäre dann eher so ein probieren über studieren und würde sich auch eher an Technik Elemente richten die ohnehin Links und Rechts extra geklemmt werden (z.b. Schiffsschrauben)

wenn die Präzision bei größeren nicht so gut ist und man dann längerfristig auf einen weiteren kleineren setzt wurde ich an dieser Stelle gleich auf den "gleichen, ne nummer kleiner" setzen, gibts ja auch, und ist etwa ⅓ kleiner, hatte gestern Zeit zu überlegen und mir würde eine kantenlänge von 200mm reichen (theoretisch auch 160mm), muss also nicht die Version mit 300mm sein.

Bei programmen weiß ich jetzt definitiv Bescheid und welches Material ebenfalls.
Mit dem designen werde ich mich relativ schnell Reinfinden, ist quasi wie digitales Lego bauen ;)

Das mit den Druckshops würde ich nur ungerne machen, mir fallen ständig irgendwelche dinge ein, bin aber viel zu faul da extra jedesmal jemanden anzuschreiben und die Designs zu erklären, hab da mehr spaß mich selbst mit zu befassen, die wirklich präzisen sachen halten sich eher in Grenzen, andere dinge wiederum bräuchten mehrere Versionen damit ich zum Schluss vergleichen kann was am besten funktioniert z.b. der Okularkörper und dessen Abstände.

ich schau mir mal eure Links an, auch zu den anderen Druckern, bis ich eine Entscheidung fälle dürfen noch einige Tage vergehen, soll nichts überstürzt sein, fürs erste darf mein Laptop sich mit den Programmen vertraut machen, später wirds dann hoffentlich mal ein PC.

mit freundlichen Grüßen
Florian
 
Abgesehen von mechanischen Defiziten vieler Drucker hängt die Genauigkeit auch sehr vom Profil ab. Ich habe einen Selbstbau nach dem Vorbild des Hypercube Evolution und das Limit liegt bei M12x0.5 Gewinden, die wirklich nicht mehr schön sind und nur eben so gerade funktionieren. M42, T2 oder C-Mount sind alle kein Problem (PETG). Man braucht eine präzise Mechanik und einen Extruder mit Getriebe, weil die Extruderauflösung sonst zu gering ist, aber das ist kein Hexenwerk.

Die Einarbeitung ist nicht schwierig, kostet aber Zeit und technisches Verständnis ist auch gefragt. Ich habe auf www.moria.de ein paar Seiten zur Erstellung von Profilen.

Michael
 
Hallo,

eine Sache aus eigener Erfahrung, die ich noch anmerken möchte: Offene Drucker wie die aus diesem Thread vertragen Zugluft und Temperaturschwankungen nicht gut. Das Filament kühlt dann unterschiedlich schnell ab, im schlimmsten Fall bevor es mit der Lage darunter verschmolzen ist. Ich habe deswegen schon einigen Ausschuß produziert. Meine Abhilfe bestand darin, einen unten offenen Kasten aus Dachlatten und Sperrholz zu basteln, den ich über den Drucker stülpe. Oben ist Plexiglas, damit man sehen kann was der Drucker macht.

Ausserdem noch was zu den Kunststoffen: Egal welchen man nimmt, es stinkt in der ganzen Wohnung danach. Meine Frau verträgt das gar nicht, weswegen ich den Drucker entweder auf die Terrasse oder in die Garage stelle. Umso wichtiger ist ein Schutz vor Zugluft. Wenn ich nochmal einen kaufe, dann nur noch einen im geschlossenen Gehäuse.

Grüße
Maximilian
 
Hallo Florian,

ich habe auch den Mega-S nur mit dem Extruder war ich nicht zufrieden, das Filament war nur mit viel Gefummel reinzubekommen. Deshalb habe ich den Extruder durch diesen ersetzt: https://www.amazon.de/gp/product/B07HDKRFKT/ref=ppx_yo_dt_b_search_asin_title?ie=UTF8&psc=1
Gewinde und Adapter drucken habe ich aufgegeben, aber für Gehäuse und Kleinteile echt super. Wie Hartmut schon geschrieben hat mit PLA anfangen, die Gerüche halten sich damit wirklich in Grenzen.

Grüße
Dietmar
 
danke für den Hinweis, sollte ich damit Probleme bekommen werde ich darauf zurück kommen.

mir ist Grade aufgefallen das der oben genannte Drucker mit 20x20x20 Druckbereich in seiner Gesamtgröße ein klein wenig zu groß für den vorgesehenen Platz ist, grundsätzlich könnte ich das ganze einfach woanders unterbringen, jedoch wenn ich schonmal den Beitrag am laufen habe: gibt es ähnlich gute alternativen die 40cm länge, 35cm Breite und 40cm Höhe nicht übersteigen und ein Druckraum von etwa 17x17x17 bieten?

mit freundlichen Grüßen
Florian
 
Ich habe auch den Aniycubic Mega-S und drucke auch so einiges an Halterungen etc. Sehr empfehlenswert sind auch Einpressgewinde, die man mit einem Lötkolben in das Werkstück reinschmelzen kann. Feine Gewinde habe ich auch nicht so wirklich hinbekommen.
Sehr wichtig wind die Einstellungen die dann zu dem Filament passen und immer gut das Druckbett leveln.
Als Software zum Konstruieren empfehle ich Fusion360.

Grüße
Andreas
 
Hallo Florian,

ich drucke recht häufig Dinge für unser schönens Hobby, auch Taukappen für 10", ,, Feingewinde (M48 x 0,75, ...), Halter und selbst entworfene Adapter mit diversen Druckern: ASA mit dem Anycubic i3 Mega, TPU mit dem Fokoose, PETG-Taukappen mit den Ender 5 Plus: Wie Du siehst, es geht!
Wichtig für die meisten Bauteile: ASA als Material, weil Temperaturbeständiger als PLA und PETG und UV-Beständiger als ABS, aber der Drucker muss dafür in eine Einhausung.
Mein Anycubic hat eine "Pseudo-Selbstbaueinhausung und läuft damit seit Jahren.
Für weitere Fragen bin ich gerne für Dich (Euch!) da.

Viele Grüße,
Martin
 
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