4" APO wanted (?)

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Hallo Marcus,

in der Tat, ich hatte auch bereits angefangen in diese Richtung zu schauen, bin aber noch nicht so weit gekommen hier.

Das '?' im Thread-Titel hatte ich schon bewusst gesetzt da ich noch in der Findungsphase bin und ich finde die ganzen Anregungen die hier gekommen sind wirklich super (!) Viele Wege führen nach Rom, macht die Entscheidung welchen zu gehen aber nicht einfacher. Die ganzen Ideen muss ich erst einmal sacken lassen und dann entscheiden welchen Weg ich gehen werde.

Danke & Grüße
Heiko
 
Hallo zusammen,

hier noch ein Nachtrag zu diesem Thema. Ich hatte gestern die Gelegenheit durch einen sehr guten 4" APO (TS) zu schauen (@Matthias, vielen Dank!) und diesen auch zu vergleichen mit meinem 80 ED APO (Williams) unter einen ganz brauchbaren Himmel (~Bortle 5). Hier ein gar nicht so kurzer vergleichender Beobachtungsbericht ;)

Mein kleiner 80-er ist mit seinen 3 Kg deutlich einfacher handhabbar wobei auch der 4" mit seinen knapp über 4 Kg da noch sehr gut im Rennen ist. Für meine Porta ist der 80-er perfekt, der 4" aufgrund des höheren Gewichtes und des Hebels bereits grenzwertig. Bei Vergrößerungen bis 100x ist noch alles gut, darüber hinaus wird das Fokussieren zuweilen zu einem Geduldsspiel, sprich für den 4" braucht es eine etwas stabilere Montierung. Aus dem Rennen war hier mein 120-er Equinox, auf der Porta geht der natürlich gar nicht mit seinen über 6 Kg.

Der 4" APO (FPL53) zeigt für mich subjektiv am Stern (Vega) fokussiert praktisch keinen Farbfehler. Mit ein wenig Einbildung kann man einen Hauch von Blausaum sehen, da wird die Diskussion aber dann schon akademisch.

Der 80-er (FPL-51) zeigt hingegen einen Hauch Farbe auch im Fokus an Vega bei höchsten Vergrößerungen. Das ist nicht mehr akademisch aber auf der anderen Seite überhaupt nicht störend zumal der Farbfehler an Mond und Planeten praktisch nicht sichtbar ist. Ich habe noch einen 80/910 FH/Vixen zuhause und zw. dem 80-er ED APO und dem FH liegen da Welten.

Am niedrig stehenden Saturn zeigen sich im 4" APO deutlich mehr Details als im 80-er. Dazu ist das Bild natürlich auch heller was gerade bei Saturn recht angenehm ist. Während im 80-er die Cassini-Teilung vermutet werden konnte (die ist bei hochstehendem Saturn und gutem Seeing auch dort ohne Probleme zu sehen) war diese im 4" gestern sofort sichtbar.

Der Cirrus-Nebel war in beiden mit O3 gut und sofort zu sehen wobei das Bild im 4" etwas heller war was die Erkennung von Strukturen im Nebel deutlich vereinfacht hat. M57 war in der späten Dämmerung in beiden gut zu erkennen auch ohne O3, wobei der Ring auch hier im 4" einfacher zu sehen war als im 80-er.

Interessant war auch noch der Anblick von M13 im 4" der dort durchaus überraschend ansehnlich herüber kam, deutlich aufgelöst. Nebenan stand noch ein 12" Dobson der natürlich noch erheblich mehr zeigte was aber die Leistung des 4" APO nicht schmälerte. Ein weiterer überraschender Effekt zeigte sich an M27 der im 80 mm ED schön zu sehen ist inkl. der Hantelform, im 4" APO aber nochmals ansprechender aussah und interessanterweise im 12" Dobson gar nicht mal soviel besser, vermutlich weil dort der Himmelshintergrund deutlich heller war als im 4".

In Summe, der Sprung von 80 mm auf 100 mm ist deutlich zu sehen an praktisch allen Objekten. Die Zunahme des Gewichtes ist moderat und das Handling wird dabei aber nicht wirklich viel schlechter, allerdings ist eine etwas größere Montierung als die Porta sinnvoll. Im Sinne von 'jedes Fernrohr hat seinen Himmel' sind beide auch an Deep-Sky alles andere als Versager wobei der 4" APO den 80-er übertrifft, die 1,6 fache Objektivfläche des 4" macht sich hier deutlich bemerkbar. Der 12" Spiegel ist dabei nat. außer Konkurrenz wobei bei unruhigem Seeing das Bild in den APOs wenig überraschend ansehnlicher war.

Leider konnten wir parallel nicht durch den 120 Equinox beobachten, der direkte Vergleich von 100 auf 120 mm wäre auch noch interessant gewesen.

Wenn ich heute weder einen 80-er noch einen 100-er hätte würde ich mit dieser Erfahrung eher zu dem 4" APO tendieren, dieser hat schlicht mehr Reserven im Vergleich zum 80-er. Von der Leistung, Gewicht, Montierungsansprüche und handling her ist der 4" hier ein echter sweet-spot. Wenn es kleiner wird leidet die Leistung, wenn es größer wird leidet alles andere.

Der 80-er kann sein Potential da vielleicht eher als leichtes Urlaubs/Reise-Fernrohr ausspielen da er kleiner und leichter ist und weniger Ansprüche an die Montierung stellt.

Grüße & CS
Heiko
 
Hallo Heiko,

Schöner Bericht! Liest sich für mich nachvollziehbar. Kannst du noch die zwei Refis näher beschreiben, um die Unterschiede besser ein zuordnen.
Der 80er William Optics ist ja ein ED Duplet mit FPL-51, wenn ich das richtig verstanden habe.
Ist der 4" TS-Optics auch ein Duplet oder Triplet?

Gruß und CS
Thomas
 
Hallo Thomas,
danke und ja. Der 80 ED ist ein Williams ZenithStar 80 II ED (f 6,8 / blauer OTA) und der 4" ein TS-Optics Doublet SD-Apo 102 mm f/7 - FPL53 / Lanthan.
Grüße
Heiko
 
Hallo Heiko,

Eine sehr feine Kombi, der Williams und die Porta, hatte ich vor einiger Zeit auch genauso (siehe auch Profilbild). Vor allem hat er einen sehr geringen Farbfehler mit nur FPL-51. Da können manch neuere Refis nicht mithalten.
Ich befürchte auf Dauer wirst du aber mit dem TS-Optics 102mm SD-Apo auf der Porta nicht glücklich und dann die GP-E Monti und Stativ Gewichtsoptimieren, oder eine neu Alt/AZ Monti für den TS-Optics APO kaufen.
Meine Meinung ist, entweder den Williams Refi mit der Porta behalten oder die GP-E Monti und Stativ Gewichtsoptimieren für den 120er Equinox.

Gruß und CS
Thomas
 
Hallo Thomas,
ja, beide passen sehr gut zueinander und machen viel Spaß. Die GP-E habe ich schon lange nicht mehr. Falls es der 4" APO werden sollte dann muss da auch ein neuer Unterbau drunter was dann aber auch kein Hexenwerk wäre. Ist aber alles noch offen.
Grüße & CS
Heiko
 
In Summe, der Sprung von 80 mm auf 100 mm ist deutlich zu sehen an praktisch allen Objekten. Die Zunahme des Gewichtes ist moderat und das Handling wird dabei aber nicht wirklich viel schlechter, allerdings ist eine etwas größere Montierung als die Porta sinnvoll. Im Sinne von 'jedes Fernrohr hat seinen Himmel' sind beide auch an Deep-Sky alles andere als Versager wobei der 4" APO den 80-er übertrifft, die 1,6 fache Objektivfläche des 4" macht sich hier deutlich bemerkbar. Der 12" Spiegel ist dabei nat. außer Konkurrenz wobei bei unruhigem Seeing das Bild in den APOs wenig überraschend ansehnlicher war.
Na, Heiko, Du hast Dir die Antwort jetzt selbst gegeben. Du möchtest ein 100-mm-Teleskop, Du hast verglichen mit Deinem 80-mm-Teleskop und die 100 mm haben gewonnen. Der einzig offene Punkt ist die Montierung. Auf eine Porta II würde ich auch nicht mehr als 3,5 bis 4 kg draufsatteln. Also kauf Dir eine AYO, an der wirst Du ein (hoffenltich langes) Leben Freude haben, was beim Zeug aus Schina durchaus nicht gegeben ist. Falls das nicht überzeugt: Auf der nächsten Astromesse ein AYO II ausprobieren (nein, ich bin mit Kohler weder verwandt noch verschwägert noch bekomme ich Tantiemen).

Ich habe einen ähnlichen Weg beschritten, aber abwärts. Mein bestes und größtes Teleskop ist ein Vixen 103/795. Das wurde mit Starlight-Featherouch aufgepeppt und bei Wellenform optimiert. Laut Testbericht in einigen Punkten besser als ein vergleichbares Takahashi, in anderen Punkten natürlich schlechter. Aber was heißt in dieser Liga schon besser oder schlechter. Mit Zenitprisma und dickem Televue wiegt das Teleskop knapp 5 kg. Trotzdem wurde es seltener und seltener benutzt. Warum? Die Montierung. Belebach Uni 28, Vixen GP motorisiert und automatisiert, Batterie, Kabel, Steuergerät. Mehr und mehr kam ich mir vor wie der kleine Elektroinstallateur. Dann das Einrichten/Einnorden der Steuerung. Dann das Verheddern mit den Kabeln, etc. Und dann? War ich schon fast müde. Goto mag ganz nett sein, wenn man etwas sucht, was ohne schwer zu finden ist. Irgendwann sieht man dort, wo etwas zu sehen sein sollte, auch etwas. Das kann man aber auch ohne Schläuche, Drähte und Knöpfe finden. Irgendwann wurde mir klar, daß beobachten mittels Goto so ist, als würde man eine Stadt per U-Bahn besichtigen. Aussteigen, hoch, gucken, wieder runter, weiterfahren.

Bei mir führte der Elektrofrust zu zwei Entscheidungen. Erstens, noch kleiner, noch leichter, ein 72/420 mm Teleskop auf Vixen Porta II. Hurra, die große Freiheit. Mit einem Televue Panoptic 35 mm komme ich auf 5,7° wahres Gesichtsfeld. Das ist für mich der Himmel, nicht das 110. Häkchen bei der Messierliste. Das 103-mm-Vixen kommt jetzt auf eine AYO II, und dann ist der ganze Elektronik-Spuk Geschichte.
Dem Gedanken, zusätzlich ein 120-mm-Kometensucherteleskop zu kaufen, konnte ich widerstehen, denn ich will es klein, ich will es leicht, ich will es bequem. Selbstverständlich funktioniert Deepsky mit diesen "Kleinteleskopen" wie ein gigantomaner Großteleskopbesitzer (18 Zoll, ha ha) sie hier einmal zu benennen pflegte. Fotografie geht bekanntlich ja auch erst ab 300 Megapickel (Vorsicht, Zynismus). Wie ein Kollege hier schrieb, der tiefe Himmel ist ein Objekt fürs bloße Auge, unter anderem.

Schönen Gruß
Hans (Kleinteleskopbesitzer*)
____________________________________
*Anekdote am Rande, allen Großteleskopbesitzern gewidmet. L. van Beethoven hatte einen Bruder, dessen Ehrgeiz auf irdischen Besitz gerichtet war. Irgendwann hatte er es geschafft, ein Gut zu erwerben. Das mußte Ludwig dringend mitgeteilt werden, per Brief und mit dem Zusatz "Gutsbesitzer" bei der Unterschrift. Ludwig ist nicht darauf eingegangen, unterschrieb seinen nächsten Brief an den Bruder aber mit "Ludwig van Beethoven, Hirnbesitzer".

H.
 
Hi,

ah ha, mal wieder was Dogmatisches zur Teleskopwahl. ;)

Ich bin definitiv ein Hirnbesitzer und kein Gutsbesitzer und benutze aber trotzdem Newtons/Dobsons von 6 bis 20 Zoll.
Der 12 Zoll Dobson ist ein tolles Grab&Go Teleskop. 1 Minute Aufbau, keine Kabel.

Was da wohl Beethoven drauf antworten würde?

Gruß
Peter
 
Hallo Hans,

well, die Würfel sind noch nicht gefallen aber der Vergleich war durchaus erhellend. Ich bin ja durchaus gut ausgerüstet, daher muss ich da nichts überstürzen.

Und ja, die AYO ist in der ganz engen Auswahl so die Porta ersetzt werden sollte.

Die Orgie mit der GP kommt mir sehr bekannt vor. Es ist halt wie überall, die Medaille hat zwei Seiten. In meiner Vor-GOTO Zeit habe ich viel Zeit vertan mit Suchen und weniger mit Beobachten, mit GOTO viel mehr gefunden und gesehen, mit den genannten Nachteilen.

Zu den unterschiedlichen Öffnungen hatte ich mich ja schon geäußert s.o., das sehe ich ganz entspannt (jedes Fernrohr...).

Grüße & CS
Heiko
 
Bei den Anforderungen würd ich mir einen FC-100DC schnappen - ist der leichteste der 4" Taks und der einzige dessen Verkauf ich bereut habe - eben weil er so kompakt und leicht ist und außerdem eine top Optik hatte.

Ich bin ja etwas "retro" und nehme als g&g lieber den FS-102N der hat auch seine Vorzüge ist aber nicht so kompakt wie der DC. Mein FS hat übrigens auch einen SW120ED ersetzt - sehr gute Optik zwar aber irgendwie ist der bei mir nicht haften geblieben ;)

Stimmt Christoph,

ich habe zwar noch nie einen in Händen gehalten, was man hört ist der FC-100DC ein ganz feines Gerät. Ein FS-102 wird optisch nicht ganz mithalten können. Nichtsdestotrotz ist für mich der FS-102NSV erste Wahl als kompakter 4" APO-Refraktor. Die optischen Werte sind für meine Ansprüche gut genug und die Transportabilität ist dank verschiebbarer Taukappe sehr gut. Tatsächlich ist der Unterschied zu einem 80 mm f/7.5 APO nicht riesig, was die Ausmaße betrifft.

Hatte verschiedentlich überlegt meine 4" APO-Refraktoren zu verkaufen. Aber momentan ist selbst mit neuwertigen Geräten kein angemessener Preis zu erzielen. Bei meinem FS-102NSV kommt hinzu, dass ich sämtlich Original-Reducer, Flattener und sonstiges Takahashi-Zubehör dafür habe. So ein "Komplettsystem" würde ein Vermögen kosten, wenn ich es mir neu zusammenkaufen müsste. Und daran hat er recht niemand Interesse. Es ist illusorisch so etwas zu einem halbwegs vernünftigen Preis verkauft zu bekommen. Bei den von einigen Interessenten ungefragt für meinen FS-102NSV gemachten Angeboten kommen mir wirklich die Tränen. Man könnte meinen, es wäre ein Gefallen, den einem die Käufer mit dem Erwerb tun. :(:cry:

Kennst ja meine Meinung, was die Preisfindung angeht. Verramscht wird bei mir nichts und solche schönen APO-Refraktoren schon gar nicht.

PS. Den klassischen FS-102 mit feststehender Taukappe und "blauem Band" finde ich übrigens ein wunderschönes Teleskop. Bin auch irgendwie "Retro". :)
IMG_1554-adobe.jpg
 
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