5 Saturnmonde mit 80mm Fernglas

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Schiefspiegler

Aktives Mitglied
Liebe Leute,

Ich war es bislang gewohnt, mit einem unobstruierten 110mm-Teleskop 5 Saturnmonde zu sehen - Titan, Rhea, Tethys, Dione, Iapetus - und hielt dies für eine recht gute Sache, wird doch in der Literatur oft geschrieben, hierfür seien 150mm nötig.

Nun gelang es gestern, trotz des Lichts der Rheinebene und trotz eines nahen Sky-Beams (Verderben komme über ihn!), mit einem 80mm-Fernglas alle Kandidaten zweifelsfrei zu sehen - bis hin zu Iapetus mit Mag 11.6!

Für mich ist es eine tolle Entdeckung, das ich gar kein Rohr aufbauen muss, um das, was mich im Frühling besonders interessiert - die Bewegungen der Saturnmonde - zu verfolgen. Mit einem Handgriff das Fernglas aufs Stativ stecken, fertig. Natürlich springen die Monde einem nicht so entgegen, ich muss da schon genau hinschauen. Aber die Grenzen eines kleinen Geräts auszuloten macht schon eine besondere Art Freude.

Wie sieht es bei Euch aus: Wo sind die gerätetechnischen Grenzen für die 5 Saturnmonde? Was ist das kleinste Instrument, in dem sie gesehen worden sind?

CS
Christopher
 
Hallo Christoph,
das habe ich noch nicht probiert, aber vorstellen kann ich mir das gut, was du beschreibst.
Angaben aus der Literatur kannst du oft vergessen, wenn es sich nicht gerade um eigene Erfahrungen handelt. Und gerade das bidäugige Sehen beim Fernglas macht vieles möglich. So habe ich im 10x50 schon fast alle Mesierobjekte gesehen, es fehlen nur noch ein paar Horizontkriecher.

Ich werds mal mit meinem 80/400er testen.
 
Servus Christopher,

so ungewöhnlich klingt mir die Erfahrung nicht. Auch wenn ich es selber noch nicht probiert habe, sprechen einfache Rechnungen dafür.

Ein 110mm Refraktor hat eine Lichtsammelfläche von r^2*pi = 55^2*pi = 3025*pi = ca. 9500mm^2
Ein 80mm Fernglas hat 2*r^2*pi = 2*40^2*pi = 2*1600*pi = 3200*pi = ca. 10000mm^2

Das Fernglas sammelt somit mehr Licht und das Gehirn kann bei beidäugigem Sehen auch Mängel ausgleichen. Inwiefern das Prisma im Fernglas die Sache verschlechtert kann ich nicht sagen.

Muß ich auf alle Fälle auch mal testen.

Bei Japetus mit 11.6mag habe ich allerdings ein wenig Zweifel, denn mit meinem 10"SC ist in der Stadt bei 12.2mag Schluß.

CS,
Peter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo,
ich habe sie neulich im Lidl gesehen! Der hat bekanntlich 70mm Öffnung. Aber das Seeing war aussergewöhnlich, wir hatten sehr trockene Luft aus Ost, fast Atakamaverhältnisse. Solche Gelegenheiten sind selten. Allerdings weis ich nun nicht, ob ich den fünften dabei auch bemerkt habe, mir fielen nur die Mondchen auf, die ich ja nicht immer sehen kann, wirklich gezählt habe ich dann auch nicht, ich machte schnell, weil mich noch was anderes interessierte.
Gruss von Anette
 
Hallo Kay, bin gespannt auf Deine Erfahrungen - denn das ist wirklich das Interessante, die konkrete Erfahrung, nicht die Berechnung. Da finde ich Deine Beiträge - und allein schon Dein Beiname "Der Astrominimalist" - immer wieder super.

Es war übrigens ganz ohne Zweifel Iapetus. Ich habe mich in den letzten 3 Jahren vor allem auf die Saturn-Monde konzentriert und kann aus Erfahrung berichten, dass Iapetus allgemein leichter zu sehen ist als die helleren Kollegen Dione und Tethys. Dies liegt einfach an dem größeren Abstand zum Planeten, damit ist das Problem der Überstrahlung nicht mehr gegeben.

Was mich daher sehr viel mehr beeindruckt hat als die Sichtung von Iapetus, war dann am 11. April die Trennschärfe bei Tethys: Tethys lief gerade direkt vor den Ringen nach rechts, und war somit nur etwa 2 Bogensekunden von der Vorderkante der Ringe entfernt – und dennoch zu sehen! Das sind Dinge, für die ich mich bisher ganz auf den 110mm Schiefspiegler verliess (nicht den 3-Zöller Apo, der mittlerweile nur im Schrank liegt – einfach zu wenig Öffnung am Saturn).

Bei dem 80mm-Fernglas handelt es sich übrigens um ein Zeiss Aspectem 80/500, Baujahr 1990/1991, mit Vario-Okularen die Vergrößerungen von 20fach bis 50fach erlauben. Dieses Glas macht die Fernrohre in meiner Beobachtungspraxis fast redundant! 50fach macht erheblich was aus gegenüber 40fach, besonders bei den Planeten.

Auch z.B. Vesta ist gerade damit schön, da der Sternenhintergrund sauber und unangestrengt (das Einblicksverhalten ist sehr angenehm) bis etwa 12 Mag dahinter steht und einen detaillierten Orientierungsrahmen für die Bewegung des Kleinplaneten abgibt.

Ihr merkt, ich bin ganz begeistert. Ist halt eine tolle Sache, das beidäugige Sehen.

Christopher
 
Na ja, mit diesem tollen Fernglas (eigentlich ist es ja fast schon ein Doppel-Achromat, oder?) ist Dein Beobachten ja auch nicht zu vergleichen mit einem "normalen" 80er Fernglas aus China & Co. Allein, dass Du die Vergrößerung ändern kannst, ist, meine ich, der Witz an Deinen tollen Beobachtungen.
 
Respekt!

Ich bin ja schon seit längerem auf einem mobilen Ersatz für meinen Refraktor, da ich beruflich ständig in der Weltgeschichte rumreise.
Aber sag mal, das ist aber nicht das Gerät für knapp 3000 Euronen, oder?

Grüße,

Micha
 
Hallo Friedel, ja, bei 50fach betrieben fühlt es sich schon eher wie ein Doppel-Fernrohr an. Von der Handhabung her ist es aber ein bequemes (stativgebundenes) Fernglas.

Hallo Micha, das Nachfolgemodell von Docter kostet leider wirklich um die 3000, ja. Die haben auch ein 40x80 im Programm, mit Nagler-artigen Okularen die 2 Grad Feld geben. Wenn eins preiswert gebraucht daherkommt, kann ich's nur empfehlen. Würde dann etwa so viel kosten wie ein 4-Zoll-Apo neu, und kann genauso viel Freude machen.

Unten am Gerät ist eine Montierung die einfach auf den 20mm-Bolzen eines alten Zeiss-Hartholzstativs gesteckt wird - fertig. Die Drehung im Horizontalen erfolgt auf dem Bolzne, jene im Vertikalen durch ein einstellbares Friktionsgelenk in der Montierung. Die Wirkungsweise ist wohl jener der Montierung für den 100mm-Miyauchi ähnlich, die ICS seinerzeit vertrieb.

Durch die etwas längere Bauweise des Glases in Verbindung mit der schlichten Form des Stativs (keine Querstreben) kann ich einfach einen Stuhl unters Stativ stellen, das Ganze dann an mich heranziehen (Stativ ist superleicht) und komme gut auch in 50 und 60 Grad Höhe am Himmel.

Im habe hier in den Foren ein paarmal gelesen, es gebe keinen Bedarf für 30x80 Ferngläser, deshalb seien sie so selten. Nun, ich verwendete vor dem Aspectem auch ein russisches 30x90 Glas mit 2 Grad Feld (gab's bei B+W Optik) und denke, wer durch solche Gläser eine Weile geschaut hat will sie nicht mehr missen. Mann muss sich freilich auf sie einlassen, und sie unbedingt mit einem Feldstecher ergänzen.

Grüße, Christopher
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben