73P-C bei M57

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas MiMeDo
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

MiMeDo

Aktives Mitglied
Guten Morgen!

Heute früh war es also soweit, die C-Komponente
vom Kometen Schwassmann-Wachmann zog
am Ringnebel in der Leier (M57) vorbei.

Mein Standort war praktisch ideal für die Beobachtung <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />:
04:45 Monduntergang
05:15 (ca.) grösste Annäherung
05:30 Beginn astronomische Dämmerung
(alles MESZ, gilt auch in Spanien).

Dazu standen 73P/M57 praktisch im Zenit.

Soweit alles bestens, bloss das Wetter ist schon
das ganze Frühjahr sehr unzuverlässig.
Die Wolkenvorhersage war, naja, bescheiden... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/frown.gif" alt="" />

Trotzdem mal den Wecker auf 4:00 gestellt,
das Geraffel (10"-Dobson) war eh noch im Auto.
Nachdem mich mein Kleiner um 3:45 geweckt hatte,
hab ich rausgeschaut...
der Mond tief im Westen war zu sehen,
aber sonst alles voller Wolken. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/frown.gif" alt="" />

Also wieder ins Bett, Wecker trotzdem "sicherheitshalber"
auf 10 vor 5 gestellt. Und dann... tatsächlich!, im Zenit
waren Sterne zu sehen! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Also die ganze Ausrüstung von der Tiefgarage aufs Dach
verfrachtet und Punkt 5:15 gings los.
Sterne waren eigentlich nur im Zenit zu sehen,
aber immerhin alle 6 "wichtigen" Sterne in der Leier.

Dann der Blick ins Fernrohr... wow! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/shocked.gif" alt="" />
Was für ein Anblick. Der wie immer sehr hübsche
Rauchring von M57, und SEHR dicht daneben
ein längliches und etwas helleres Fleckchen.

Die Vergrösserung konnte ich gut bis 240x steigern, <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />
die beiden passten locker zusammen ins Gesichtsfeld. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />

Der Komet war natürlich heller und länger (und "schmaler")
als M57, aber der Helligkeitsunterschied war moderat,
so dass der Anblick sehr harmonisch war.

Den Abstand schätzte ich auf etwa 4-6 Bogenminuten:
1/4 Okulargesichtsfeld (16'/4 = 4')
bzw. 4 Ringnebeldurchmesser (1,5'x4 = 6').

Das blieb allerdings nicht lange so,
denn der Komet raste förmlich weiter.
Ein schwaches Sternchen zeigte direkt die Bewegung,
und vor allem fiel auf, dass sich der
Positionswinkel deutlich änderte.
Der Kometenschweif war hierfür ein idealer Zeiger.

Nach etwa einer halben Stunde war der Abstand
schon wieder deutlich angewachsen, Ringnebel,
der erwähnte Stern und der Komet bildeten
in etwa ein gleichschenkliches, rechtwinkliges (beim Stern)
Dreieck, und der Schweif zeigte direkt auf den Nebel.

Leider waren die Bedingungen so schlecht,
dass vom Schweif nur wenige Bogenminuten gesehen
werden konnten. Unter besseren Bedingungen
wäre der Schweif vermutlich direkt über den Nebel
gezogen.

Trotz schlechtem Himmel war der Anblick aber beeindruckend <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />
und faszinierend, und hatte sicher Seltenheitswert.
Das Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Sonnige <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/cool.gif" alt="" /> Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten

PS: Die Nachführung des Dobsons im Zenit ist schon
etwas kurios: Zunächst muss man praktisch nur in Höhe
nachführen, und auf einmal in wenigen Minuten eine
viertel Umdrehung in Azimut! War aber kein wirkliches Problem.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben