8" Dobson aus dem 3D Drucker

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Herwig_Diessner

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Hallo zusammen,
auf Thingiverse - in der Maker-Szene sicher bekannt - habe ich den Bauplan für den 3D Druck eines 8" Dobsons gefunden. Zusammen mit einem guten Freund bin ich derzeit dabei, das Teleskop zu bauen, den Fortschritt zu dokumentieren und ggf. ergänzend notwendige Teile zu entwicklen.
Ziele des ganzen sollen sein:
  • Herausfinden, ob ein 3D gedrucktes Teleskop amateurastronomischen Ansprüchen genügen kann.
  • Ein Teleskop selbst bauen, das dann an eine Schule oder öffentliche Einrichtung in Berlin gespendet werden soll, damit Kinder und Jugendliche an die Astronomie herangeführt werden können.
  • Erweitern der öffentlich verfügbaren Baupläne für ein 3D gedrucktes Teleskop und Dokumentation, dass im Prinzip jeder mit Zugang zu einem 3D Drucker diese "open hardware" bauen kann.
  • Fertigstellen des Teleskops und seine erste öffentliche Nutzung bis zum Astronomietag 2018 (24.3.).
Die Idee entstand Ende 2017 während des 34C3 des Chaos Computer Clubs in Leipzig. Seitdem sind wir eifrig dabei, Teile zu drucken, Sponsoren zu finden und das Teleskop zu erstellen.
Seit 10 Tagen wissen wir: Wir können das Teleskop tatsächlich bauen und wenn jetzt nichts schlimmes mehr passiert am Astronomietag im neuen Motionlab in Berlin vorstellen und einsetzen.

Falls jemand den bisherigen Werdegang und den weiteren Fortschritt verfolgen möchte, kann gerne hier mitlesen.

Vielleicht gefällt ja der einen oder dem anderen die Idee, kommt am 24.3. zu uns ins Motionlab oder fühlt sich inspiriert, ein solches Projekt selbst anzugehen.
 
Hallo Herwig,

die Spiegel sind nicht aus dem Drucker, gell? Ehrlich gesagt wären das die beiden Teile die ich am faszinierendsten fände... ;)

Die FS Streben würde ich dann konsequenterweise auch nicht drucken, wenn die nur so klobig zu machen sind wie es auf dem Bild ausschaut.

Vielleicht würde es Sinn machen darüber nachzudenken bei welchem Fummelskram die 3D Druckerei sinnvoll Arbeit abnimmt, die FS Halterung selbst wäre vielleicht sowas. Dinge wie Höhenräder, spiegelbox, rockerbox sind ja selbst mit einfachsten Mitteln schnell gezimmert, die Toleranzen sind da zum Glück auch enorm.

Ich bin allerdings vorbelastet, weil ich im Grundschulalter viel Zeit in einem Tischlerschuppen verbracht (wenn auch nicht wirklich was gelernt) habe

VG
Michel aus Lönneberga, hihi,
ne Klaus
 
Hallo Klaus,

ein Spiegeldrucker, das wär's doch! Du hast Recht, die Spiegel wurden uns von Wolfi Ransburg von Teleskop Service für das Projekt dankenswerterweise gesponsort.
Und das grüne Filament ist Recyclingmaterial von 3dk.berlin - damit könnte man auch sagen: Das Dobson, das aus alten Joghurtbechern erstellt wird :-)

Bisher habe ich selbst auch viel aus Holz gebaut und - stimmt- wahrscheinlich hätte ich die großen Teile tatsächlich schneller mit Säge und Schleifgerät aus Holz herstellen können. Aber der Reiz liegt ja gerade darin auszutesten, was man alles mit einem Standard-3D-Drucker mit 20x20cm Druckfläche herstellen kann. Zunächst würde man ja nicht erwarten, ein 1m hohes Teleskop aus einem recht kleinen Drucker rauszubringen.

Mein eigener Reisedobson besteht natürlich vor allem aus Holz :-)
Aber ich bin doch erstaunt, wie gut nutzbar das 3D Teleskop ist. Zugegeben, ich habe noch nicht viel beobachtet - aber immerhin: Gestern Nacht hatte ich noch "First Light"! Der Orionnebel war deutlich zu erkennen - ehrlich gesagt, besser als erwartet.
Aber jetzt muss ich das Teleskop erstmal wieder zerlegen, um die 12mm Alustangen zu kürzen, dann sieht es auch besser aus.
 
Hallo Hrreig,

Schön, dann riecht es bestimmt auch noch gut nach Kirsche und Erdbeere mit einer feinen Prise Erdöl. Ich bin bei herkömmlichen Teleskopen ja immer froh um jedes Teil das nicht aus Plastik ist. Bricht doch immer irgendwann durch der Driss. Ist das hier auch zu befürchten, zB zunehmende Sprödigkeit durch Witterung? Oder fragt man das bei so einem Projekt besser nicht, weil der Spaß vor dem praktischem Nutzen im Vordergrund steht?

VG
Klaus

 
Hallo Klaus,

wie lange das gedruckte Recyclingmaterial unter Witterungseinflüssen ohne Veränderung bleibt, weiß ich leider (noch) nicht, aber die Belastbarkeit hat nach unseren Tests keinen Anlass zur Sorge gegeben.
Der Filamenthersteller 3dk.berlin hat viele Jahrzehnte Erfahrung in der Kunststoffproduktion, ich gehe davon aus, dass sich das durchaus positiv auch für die langzeitige Haltbarkeit des Materials auswirkt.
Der praktische Nutzen steht durchaus im Vordergrund - allerdings vielleicht nicht im herkömmlichen, Hobby-astronomischen Sinne: Wir wollen damit feststellen, ob über einen solchen Weg Schulen ihre Schulkinder für Technik, Astronomie, Making begeistern können. Wir haben eine fertige Basis aus Thingiverse gefunden und hergenommen um festzustellen, ob es für einen Schuleinsatz brauchbar und auch längerfristig nutzbar ist.
Ich bin selbst sehr gespannt, wie weit sich unsere Hoffnung hier bewahrheiten kann.
 
Hallo Herwig,

ich habe mir letztes Jahr über Weihnachten dasselbe Teleskop gedruck :huhu:
Dauertests konnte ich aufgrund des ständigen schlechten Wetters hier noch nicht machen, aber die ersten Versuche ware
bei mir doch sehr erfolgreich. Werde demnächst mal Bilder zeigen.

Gruß, Jürgen
 
Hallo !

Im Grunde entspricht das ja dem Geist von John Dobson, von daher finde ich es gut auch solche Wege auszutesten. Auch wenn Kunststoff für manche "Driss" sein mag, stellt das Vorgehen eine interessante Synthese verschiedener Fachbereiche dar. Unter dem Aspekt der Bildung und dem Sammeln praktischer Erfahrung in einem breiten Themengebiet sicher ein guter Ansatz. Ob das Ergebnis nun das beste aller Teleskope ist spielt, finde ich, keine große Rolle. Funktionieren wird es und bei solchen Projekten ist der Weg ein nicht unbeträchtlicher Teil des Ziels. Zumal ein spröde gewordenes Teil ja leicht durch ein neues ersetzt werden kann. Den 3D Drucker wird mal hinterher ja nicht wegwerfen und die Optimierung des Ergebnisses kann ja ebenfalls Teil des edukativen Prozesses sein.

Viele Grüße
Michael
 
Ich finde 3D Druck faszinierend, aber ein komplettes Teleskop würde ich nicht drucken. Ein 8Zöller mit 2mm starken Fangspiegelstreben, womöglich aus PLA? Nee, da hätte ich Angst, daß der Fangspiegel eines Tages den Hauptspiegel kontaktiert.

Aber, Teile für mein neues Teleskop drucke ich auch. Hier mal die Zeichnung für einen Okularauszug mit 9mm Linearführungen und motorischer Verstellung.
Link zur Grafik: http://thumbs.picr.de/32144371oi.jpg
 
Hallo Jörg,

ich hab das Dobson aus PET-G gedruckt, Fangspiegelspinne aber eine aus Metall gekauft. Das fand ich dann doch zu instabiel.
Es ist einfach faszinierend, das man auch was "sinnvolles" aus nem 3D Drucker bekommt :super:

Gruß, Jürgen
 
Hallo,

eine gelungene Synthese im Sinne einer effizienten und hilfreichen Nutzung ist für mich eher wenn man die passende Technik einsetzt wo sie Sinn macht und nicht wenn man auf Teufel komm raus alles aus dem armen Drucker quetscht. Wenn man den mutmaßlich spröde gewordenen Hobel nicht wegwirft, was macht man dann damit? Ich weiß es wirklich nicht.

Wobei ich natürlich nicht weiß ob es denn so kommt. Wenn ich mir rohre aus Kunststoff anschaue, die werden auch gelegentlich für den Regenabfluss genommen und halten draußen etliche Jahre. Ich bin da nicht so firm in der Materialkunde.

CU
Klaus
 
Hallo zusammen,

interessant ist es allemal, es geht ja (auch) um Machbarkeiten und gerade auch Teleskope wurden in der Vergangenheit aus allen möglichen Materialien gebaut.

Ich glaube, dass man mit dem 3D-Druck aber noch viele intelligente Detaillösungen entwickeln kann, die es bisher nicht gibt, sei es mangels Rentabilität oder weil es ohne diese Druckmöglichkeiten nicht möglich war.

Wie auch immer, derzeit entwickle ich zusammen mit einem, der Erfahrung in 3D-Druck hat eine solche intelligente Lösung: Eine Art 'Basis' für den Rigel Quickfinder, die am Finder außer zum Baterrietausch verbleiben kann und eine Standard Sucherschwalbe zur Verfügung stellt, sodass der finder an annähernd jedem Teleskop verwendet werden kann ohne dass man die Rigel Basen dafür nachkaufen müsste.
Ist rein technisch absolut unspektakulär und das größte Abenteuer dabei noch das ermitteln der richtigen Maße, aber was solls. Das Teil bringt am Ende auf jeden Fall einen gewaltigen Benefit, wie ich finde und ist mit 3D-Druck viel leichter herzustellen als mit herkömmlichen Mitteln.
 
Hallo Klaus,

es geht auch nicht darum, alles mögliche "rauszuquetschen".
Wenn man das ganze mit Sinn und Verstand macht hat man auch viele Jahre was davon.
Schau Dir mal die vielen Dobson aus Holz an, wenn diese nur drausen stehen, sind diese nach kurzer Zeit ebenso Schrott.

Und die Alternative soetwas mit einem eigenen Drucker herzustellen, ohne andere spezielle Maschinen für Holz und Metallbearbeitung
haben zu müssen ist schon eine gute Sache.

In diesem Sinne, allen gutes weiterbauen! :huhu:

Gruß, Jürgen
 
Hallo Jürgen,

ich drucke diesen 8" Dobson auch gerade. Es ist erst einmal ein Spaßprojekt, aber man kann die Teile am 3D-Drucker eben auch leicht ersetzen oder etwa mit einer motorischen Nachführung etc. versehen. Da ich noch ein altes Spiegelset von einem 8"-Newton rumliegen habe, sind die Kosten minimal.
Ich nutze dafür eine CR-10 S4 mit 400x400x400mm Bauraum. Dadurch lassen sich die meisten Teile des Dobsons in in einem Rutsch drucken.

Bilder von Deinem Dobson wären interessant.

Grüße

Erik
 
Hallo zusammen,
Ihr habt den Gedanken dahinter genau erkannt: Lernen, was derzeit mit dieser Technik möglich ist verbunden mit der Frage, ob man daraus was ernsthaft nutzbares machen kann.

Jürgen, welche Federn hast Du denn für Haupt- und Fangspiegel verwendet? Die bisher eingesetzten sind bei mir etwas zu schwach, um die Spiegel perfekt in Position zu halten.

Ansonsten sind wir fertig für den Astronomietag! Wir werden am Samstag das Teleskop im Motionlab Berlin einsetzen :-)

Wer es sich live ansehen will, hier gibts mehr Details:
https://community.motionlab.berlin/2018/03/astronomietag-motionlab

Ich freu mich schon wie verrückt!
 
Hallo Herwig,

Zitat von Herwig_Diessner:
Hallo zusammen,
Ihr habt den Gedanken dahinter genau erkannt: Lernen, was derzeit mit dieser Technik möglich ist verbunden mit der Frage, ob man daraus was ernsthaft nutzbares machen kann.

Könnte man! Nehmen wir z.B. dieses Celestron Firstscope 76/300, welches ich als Sucher für den großen Dobson verwende. Dort hat man sich die komplette Hauptspiegeljustage gespart und den Hauptspiegel einfach auf einen Abschlussdeckel geklebt. Hier eine kleine Justagezelle aus dem Drucker wäre so eine intelligente und nicht sehr teure Lösung.
 
Ich habe in den Tubus Langlöcher gemacht, damit ist eine begrenzte Hauptspiegeljustage möglich.
 
Hallo Herwig,

ich muss gestehen, ich hab Federn genommen, die ich zum Teil vom Bau meines 3D-Druckers übrig hatte.
Kann Dir aber nicht sagen, was für welche (genaue Bezeichnung/Herkunft) das sind :Trost:

Das Dobson habe ich mit einem selbstbau Prusa i3 gedruckt. Irgendwas über 100h Druckzeit und rund 4kg PET-G.
Vorlage war der Beitrag in Thingiverse ( Thingiverse ).
Hab nur ein paar kleine Anpassungen an meine Kaufteile vorgenommen.

Link zur Grafik: https://picload.org/image/daciwpol/3d_dobson.jpg

Zur besseren Übersicht habe ich das Bild mal freigestellt:
Link zur Grafik: https://picload.org/image/daciwpww/3d_dobson_1.jpg


Und noch ein Mond mit dem Handy von Hand durchs Okular (32mm) gemacht.
Der Blaustich kommt daher, dass die Aufnahme am Taghimmel gemacht wurde (unbearbeitetes Einzelbild,
nur ausgeschnitten):

Link zur Grafik: https://picload.org/image/daciwpoi/mond_dobson_handy.jpg


Gruß, Jürgen
 
Hallo Jürgen,
danke Dir für die Antwort und die Bilder! Wir sind heute auch fertig geworden mit unserem Dobson. Er ist justiert und ausbalanciert, so dass einer morgigen Erstbenutzung beim Astronomietag nichts mehr im Wege steht (außer vielleicht die Wolkendecke).
Wir haben auch ein paar kleine Anpassungen vorgenommen:
Fangspiegelspinne mit 2mm breiten Streben: https://www.thingiverse.com/thing:2837604
Spiegelzelle passend für TS-Optics 200mm f/5 Hauptspiegel: https://www.thingiverse.com/thing:2837571

Morgen in Berlin ist es live zu sehen: https://community.motionlab.berlin/2018/03/astronomietag-motionlab
 
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