Hallo Boris,
Du hast ja schon einiges positives gehört - Link auf meine Seite war auch dabei, freut mich natürlich.
Im Moment hast Du ein Gerät, welches ich als meist abgeratenstes Teleskop 2007 bezeichne (oder war es 2006?).
Insofern ist es relativ leicht, ein besseres Teleskop zufinden, indem man eines wählt, dass eine "robuste" optische Konstruktion hat. Mit dieser Umschreibung kreise ich das Problem Deines Big Boss ein, diese Geräte leiden unter vielen Problemchen in der Ausführung eines eigentlich guten Optikdesigns. Es haben derweil schon einige erfahrene Sternfreunde versucht herauszufinden, ob diese 150/1400 Optiken nur schlecht zusammengebaut sind, oder ob die verbaute Optik an sich nicht gut ist. Ich bin im Moment auf dem Stand zwei zu eins für die schlechte Optik und das heißt die Serienstreuung bei diesen günstigen Optiken scheint wirklich schlimm zu sein... Nuja, ist keine empirische Erhebung, also...
Jedenfalls Du möchtest Dich verbessern. Der gewählte 200/1200 Dobson hat da optisch ein großes Potenzial. Aber sind ein paar Dinge zu beachten. Die Öffnung, klar das wichtigste, die ist größer. Die Qualität in der die Optik hergestellt wird, ist im Allgemeinen auch deutlich besser
Die Brennweite allerdings ist kürzer und ich möchte Dir vielleicht mal kurz darlegen, was daran so hängt.
Zunächst mal klar, die Brennweite bestimmt die Vergrößerung und wo ein 10mm Okular am Big Boss 140x lieferte, da kommen bei diesem Gerät nur 120x herum. Der 200/1200 hat aber natürlich das größere Potenzial vom nutzbaren Vergrößerungsbereich her.
Der 150/1400 kommt theoretisch so bei 220x an seine Grenzen und wieder theoretisch könnte man den z.B. bei der Mondbeobachtung bis 300x ziehen. So wie das Gerät umgesetzt ist, kann es aber gut sein, dass die Abbildung schon bei 100x nicht mehr so gut ist.
Der 200/1200 kommt bis 280x und lässt sich dann ggf. bis 400x am Mond hochziehen und in der üblicherweise anzutreffenden Qualität kann man sagen, dass bei guter Beherrschung des Gerätes auch umzusetzen ist. Mag sein, dass man im Auslieferungszustand bei 240x schon findet, dass das Bild flau wird. Wenn einen dass dann stört, kann aber etwas daran tun, indem man auf die Justage der Optik achtet und ggf. sich mal anschaut, wie das mit der Temperaturanpassung der Optik zur Umgebung so ist.
Soweit, so gut, aber ich bin da noch nicht fertig. 200/1200 bedeutet ein Öffnungsverhältnis von f/6, also 6x mehr Brennweite als Öffnung. Das ist schon eine recht ordentliche Lichtbündelung, die der Spiegel da leistet. Beim Big Boss sind es effektiv nur f/9,3. Das wirkt sich auf die Okulare aus. Es gibt einige Okulare, die sich bei f/9 ganz gut machen, die aber bei f/6 Schwächen offenbaren. Das zeigt sich indem das Bild am Rand unscharf wird. Leider wird in der Literatur fälschlicherweise oft einfach pauschal von Koma des Newtons gesprochen. Das ist aber nicht nur bei akademischer Betrachtungsweise falsch, sondern in der Praxis ist Koma (nicht nur bei f/6) so schwach ausgeprägt, dass der eigentliche Fehler, nämlich der Okularastigmatismus, deutlich kräftiger zuschlägt.
Unter anderem aus diesem Grunde ist die Okularwahl eine Wissenschaft für sich. Du bist dem Link hoffentlich gefolgt. Man sollte bei der Okularwahl überlegen, welche Kriterien einem selbst am wichtigsten erscheinen. Da Du nun bereits ein Gerät hast, bist Du in der Lage dazu, das weit besser einzuschätzen, als die Leute, die ein solches Gerät als ihr erstes Teleskop kaufen.
Du solltest also überlegen, ob Dir vor allem die Bildmitte wichtig ist, was beim Dobson aber bedingt, dass Du einen Planeten auch immer schön in der Mitte des Bildes halten musst, bzw. Du lässt den Planeten "durchlaufen" und akzeptierst, dass Schwächen bei der Randabbildung des Okulars das Bild schlechter machen, wenn der Planet ein Stück abseits der Bildmitte steht. Wenn man damit klar kommt, dann kann man nämlich zu Okularen greifen, die ein sehr kontraststarkes Bild liefern. Mit Kontrast meine ich nicht Schärfe, sondern ich versuche mal zu behaupten, dass "kräftige Farben" für einen guten Kontrast stehen. Ist natürlich relativ zu sehen, Jupiter ist einfach nicht kräftig gefärbt und bunter wird der im (ordentlichen) Teleskop auch nicht.
Demgegenüber gibt es Okulare, insbesondere Weitwinkelokulare, die an diesem Gerät einen sehr großen Bildbereich optimal scharf zeigen, dafür aber ist der Kontrast nicht ganz so gut. Das Bild wirkt etwas flauer. Schwer zu beschreiben - der Unterschied ist nicht groß, man braucht schon Beobachtungserfahrung und womöglich einen direkten Vergleich, um den Unterschied zu erfassen. Trotzdem gibt es viele Sternfreunde, denen das ungeheuer wichtig ist. Beim Dobson aber nimmt man dies ganz gerne in Kauf, weil dann ein Planet bei hoher Vergrößerung nicht so leicht verloren geht - falls man mal etwas zu heftig am Teleskop ruckt. Und natürlich kann man länger und entspannter beobachten, weil der Planet einfach etliche Sekunden länger im wirklich guten Bildbereich bleibt.
Und natürlich gibt es auch Beobachtungsobjekte, die selbst bei schwacher Vergrößerung noch das ganze Bildfeld im Okular ausfüllen. Auch da möchte man natürlich, dass möglichst viel vom Bild gut scharf ist.
Und bei allen diesen Überlegungen zum Okular muss man bedenken, dass f/6 schwieriger ist, als f/9. Das heißt die beim Big Boss beigelegten Okulare werden zwar am f/6 zunächst einmal grundsätzlich funktionieren, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Du abseits der Bildmitte bemerkst, dass die Abbildung schlechter geworden ist, als vom 150/1400 gewohnt. Insbesondere spielt das bei mittleren und kleinen Vergrößerungen eine Rolle, also Vergrößerungsbereiche, bei denen der 150/1400 nicht so sehr gehandicapped ist.
Nun sind die heute verkauften Cat-Newtons keine besonders guten Teleskope und es ist daher meiner Meinung nach wenig ratsam, viel Geld in Zubehör speziell für ein solches Gerät zu investieren. Beim 200/1200 lohnt es zwar, Zubehör anzuschaffen, und zwar in dem Maße das wirklich viele Besitzer eines solchen 200/1200 für 300 Euro ein Vielfaches an Geld für Okulare und weiteres Zubehör ausgegeben haben. Die müssen da nicht rot werden, ich schreibe Dir gerne Okulare für 2000 Euro auf und begründe Dir, warum jedes einzelne davon Vorteile hat, für die man den entsprechenden Preis zahlen mag.
Der Punkt ist also: Wenn im Moment nur um die 300 Euro da sind, dann muss man wirklich ganz genau überlegen, wie man mit vorhandenem Equipment die optischen Möglichkeiten dieser Optik überhaupt abrufen kann. Das Gerät nur mit dem beigelegten 25mm Alibi-Okular zu verwenden ist eine wirklich... äh... spääääährliche Lösung. Meister der Askese oder so...
Wenn nun vom Big Boss her noch ein paar Okus herumliegen und wenn dazu noch irgendwo etwas Asche auftaucht, mit der man das Zubehörpaket auf das Prädikat "sinnvoll" bringen kann, dann wäre das schon sehr, sehr gut.
Wenn aber zum Beispiel der Big Boss mit kompletten Zubehör zum Bleistift zu Ihbäh geht, dann muss man wirklich ernsthaft von einem Wechsel unter diesen Vorzeichen abraten. Man kann das Gerät dann nämlich eh nicht vernünftig ausnutzen, ehe man weiteres Zubehör, also Okulare, anschafft. Und dann ist es wirklich besser, noch eine Weile zu sparen, bis man sich ein brauchbares Komplettpaket zusammenstellen kann. (Das möchte ich übrigens auch betonen, ich meine man sollte sich sein Paket lieber selbst zusammenstellen als immer diese komischen KBM-Okularbrennweiten beigelegt zu bekommen. KBM: Keiner braucht mich!)
Naja. Was ist denn bei dem Big Boss an Zubehör vorhanden? Und wie kommst Du mit dem Suchen klar, sollte man das Thema Leuchtpunktsucher auch mal anschneiden?
Clear Skies
Sven