Hallo,
ein f/4,8-Gerät ist bezüglich einiger Faktoren deutlich zickiger als ein f/6. Die Justage ist schwieriger, leichte Dejustage wirkt sich stärker aus (mathematisch gesprochen: quadratisch).
Für dieselbe Abbildungsqualität am f/4,8er gegenüber einem f/6er ist das Okulardesign ebenfalls aufwendiger zu gestalten, was sich deutlich im Preis der Okulare niederschlägt. Unter f/6 würde ich das BW 30 nicht mehr einsetzen, es hat ja schon bei f/6 klare Schwächen (steht aber bei seinem Preis und 80 Grad von denen einiges gut nutzbar ist, allein da).
Ein f/4,8er hat fotographisch natürlich kürzere Belichtungszeiten gegenüber einem f/6er (quadratischer Zusammenhang), aber alle diese Geräte sind zunächst klar für visuelle Verwendung gedacht (und ausgelegt). Allein eine gut taugliche Montierung für Langzeitfotographie kostet ein Vielfaches, da würde man dann - wenn es denn ein Newton als Primäroptik sein soll - wohl konsequent ein Fotogerät wählen (gleich f/4 oder so, Korrektor, sehr steif, Fokallage, Fangspiegelgröße usw.). Visuell ist ein f/4,8er nicht lichtstärker, denn das Auge kann nicht länger belichten und über geeignete Okularwahl läßt sich ebenfalls der gesamte Arbeitsbereich nutzen (Vergrößerung, AP). Allenfalls Minimalvergrößerung in Hochweitwinkel bleibt beim f/6er als dezentes Mini-Manko zurück. (An f/6 geht AP 7 mm nicht mehr in 80 oder mehr Grad, weil das in ein Zweizollokular nicht mehr zu bauen ist, die Steckhülse ist schlicht zu eng. Am f/4,8 könnte man mit einem 31er Nagler 80 Grad haben. Die Frage wäre: braucht man dieses Quentchen Ultraminimalvergrößerung in Ultraweitwinkel? Ich würde meinen: das ist ein extremer Spezialfall, ein günstiges Zweitgerät als Weitfeldspezialist ist erheblich billiger, um auch das zu haben.)
Flex-Tube: hab ich auch schon häufiger im Web und auf Messen gesehen. Für Transport und mal eben ohne Verlängerungsfaktor Binokularansatznutzung schon nett. Ich frage mich bloß, warum sowohl Profi-Teleskope als auch Gitterrohr-Dobsons (egal ob kommerzielle Ware oder Selbstbauten) immer diese 6-8 statisch dreiecksbildenden hochsteifen Rahmen haben. Man will ja auch beim Schwenken auf Bogensekunden (!!! bzw. als Strecke im Gerät Sub-Millimeterbereich) stets alle optischen Elemente korrekt verankert wissen (Hauptspiegel, Fangspiegel, Okularauszug). Flexibel bei Transport und Bino heißt da hoffentlich nicht auch flexibel was die innere Ausrichtung der optischen Komponenten angeht. Vielleicht mal hier recherchieren, da gibt es sicher Nutzungsergebnisse zu. Den Werbetexten würde ich nicht allzuviel Bedeutung beimessen, was kritische Stimmen sagen und wie sie es begründen würde mich interessieren, wenn für mich ein Flextube in Frage käme.
Per *entfernt*schem Zoomset verzoomte Okulare: so manches moderne Okular - vorzugsweise weitwinklige wurden untersucht - besteht aus im wesentlichen 2 Teilen: unten das manchmal per Abschrauben zugängliche Negativglied (meist 1-3 Linsen) und dem eigentlichen, weiter oben liegenden Restokular mit seinen Linsen. Die Brennweite, die sich ergibt, hängt häufig vom Abstand der beiden Teile zueinander ab. Den kann man über das *entfernt*sche Zoomkit rein mechanisch zueinander abändern, die optische Achse bleibt dabei erhalten. Nun hat sich in der Praxis gezeigt, daß - ein geeignetes Okular vorausgesetzt - dies auch bei Abstandsänderung (alles hat Grenzen) weiterhin sehr gut bis recht gut arbeitet. So kommen differenzierte Praxiserfahrungen zu per mechanischer Verstellung verzoombar gemachten Okularen heraus. Es ist schon schön, das Gesichtsfeld so wählen zu können, daß ein Objekt ideal im Sternfeld zur Geltung kommt. Es ist fein, sich an die aktuelle Luftruhe im Hochvergrößerungsbereich heranzutasten. Mit (vorzugsweise guten) Barlow-Elementen (u. a. auch komakorrigierenden) läßt sich ferner eine in Grenzen freie Abstandswahl und damit der Effektivfaktor variieren.
Gegen gute Einzelokulare spricht sicher nichts, nur bei recht engmaschiger Besetzung kostet das a) Geld, b) Platz und bedingt c) häufigeres Herumgewechsel. Zoomokulare gibt es ja schon länger und sie haben natürlich ihre Anwender und Anwendungsfälle gefunden. Leider gibt es das Speers Waler Zoom 5-8 mm (gleichbleibend 82 Grad Gesichtsfeld) nicht mehr - das hat m. E. ein wenig die Zoomsets "vorweggenommen". Eigentlich funktioniert quasi jedes Zoom über soch einen Weg. Warum bietet der Handel solche Konstruktionen nicht wirklich an? Hmm. Mit 3-4 solcher Teile wäre man ja "fertig" und würde wohl nicht weiteres erwerben...
Grenzen: in den Extrembereichen des Verstellwegs mag die Abbildung schlechter werden, ab 20 mm aufwärts als Ergebnisbrennweite ist das kaum noch sinnvoll hinzubekommen. Eher unterhalb 15, da aber mit 2 Teilen dann füllend bis Vmax.
Die ganze Idee ist meines Wissens noch eher neu, die Durchdringung der Welt der Sternfreunde um Wissen und Erfahrung braucht sicher noch seine Zeit. In min. einem amerikanischen Forum ist darüber aber schon (positiv) berichtet worden. Ich denke: hochwertige Okulare mit großen Gesichtsfeldern haben wir und das ist sehr gut so. Verzoomt bei geeigneten Exemplaren steigert noch die Möglichkeiten und das ist eben noch BESSER. Davon ab kann man natürlich auch das Originalokular wieder zusammenschrauben.
Übersichtsokular: wenn Du Dein Teleskop festgelegt hast, und Deine Himmelsqualität an den Einsatzorten bekannt ist, dann die optimale Brennweite bestimmen. Himmelsqualität hier: Dunkelheitsgrad. Dunkel wie 15 km vor der Stadt? Sehr dunkel wie im Mittelgebirge, 40 km von Städten entfernt? Enorm dunkel, wie Alpenhimmel? In der Vorstadt würde am f/6er vielleicht 30 mm passen (5 x 6), im Mittelgebirge wäre wohl so 33-36 mm passender (5,5 bis 6 x 6), im Alpenbereich oder ähnlich genialen Standorten bis 42 mm (7 x 6). Es hängt von der Pupillenöffnung ab, die sollte bei Minimalvergrößerung möglichst exakt der Geräte-AP entsprechen. Im Alpenbereich mit nur 30 mm verschenkst Du Öffnung (die Augenpupille öffnet weiter als die Austrittspupille des Gerätes), in der Stadt mit 42 mm klappt zwar alles, aber der Himmelshintergrund ist unschön hellgrau und schwache Flächenobjekte saufen ab - kein Kontrast. Auch in der Stadt kann man so beobachten, aber Spaß macht es dann nur mit engem Filter (z. B. O-III bei geeigneten Objekten) und Beobachtungstuch zur Umgebungsabschirmung. Sollte also absehbar ein solcher Filter angeschafft werden sollen, wäre dennoch ein sehr lang brennweitiges Okular anzudenken. Dann macht es aber wohl auch schon richtig Spaß und es kommt nicht mehr auf ein Okular mehr oder weniger an, Hobbykosten pro Stunde muß man ja auch bedenken...
An einem f/4,5 z. B. muß man rechnen: 5 x 4,5, 6 x 4,5, 7 x 4,5, also immer Öffnungszahl mal AP in mm, die zum Grad der Dunkelheit paßt.
Moonfish heißt das glaube ich eher im angelsächsischen Sprachraum, hier eher BW 30, UW 30. BW-Optik ist glaube ich der Hersteller, die stellen auch andere Optik her. Natürlich spricht auch nichts gegen andere Übersichtsokulare, ich würde bloß deren Leistung, Gesichtsfeld und Preis in Relation sehen wollen. Ich selbst verwende Nagler 31 mm am f/5-Dobson, Panoptik 35 mm bei enormer Dunkelheit oder mit Filter, aber mein BW 30 macht am Reise-8"-f/6-Dobson eine brauchbare Figur und erspart mir Versicherung und Zusatzfluggepäck.
Schönen Einstieg, klare Himmel und stehende Luft wünscht
Matthias.