8" Einstieg in die Astronomie

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Heiko_s

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Hallo erstmal,

um mich kurz vorzustellen: Ich heiße Heiko und wohne in Stuttgart.

Ich spiele schon einige Zeit mit dem Gedanken mir ein Teleskop (für visuelle Beobachtung) zu kaufen. Da ich am Anfang überhaupt keine Ahnung hatte, was und wofür ich alles benötige hab ich mich erstmal auf einigen Seiten eingelesen und das Forum hier verfolgt.

Schließlich bin ich beim 8" Dobson (GS680) hängengeblieben.
8" f/6 Dobson von GSO - Öffnung 200mm - Brennweite 1200mm

Diese Bauform wurde ja schon oft empfohlen und ich denke, dass ich auch nach einigen Jahren meine Freude damit haben werde.

Jedoch eines macht mir Sorgen. Ich will eigendlich überwiegend in der Stadt beobachten (im Garten hinter dem Haus). Dort an dieser Stelle ist eigendlich ab 0 Uhr kaum noch ein Licht zu sehen, jedoch da es zwischen den Häusern ist begrenzt das ja die Beobachtungsmöglichkeiten enorm. Geschätzt würd ich sagen ab einer Steigung von ungefär 60° in Norden/Westen/Osten kann ich den Himmel sehen. Mal mit dem Auto am Wochenende zu einem guten Beobachtungsplatz fahren werde ich natürlich auch gelegendlich.
Meint ihr, dass sich das überhaupt lohnt müsste ich immer bessere Beobachtungsorte aufsuchen?

Achja, wollte mich eigendlich am Anfang eher den Planeten widmen aber wenn gerade keine Planeten "in Reichweite" wären, dann würde ich mich auch mal an Deepsky rantasten...

Zum Equipment, was ich mir so vorgestellt habe(Budget is etwa 600€):
- 8" Dobson http://www.teleskop-express.de/shop...---Deluxe---2--Ausstattung---8--Oeffnung.html
Dabei wären schon:
Super Plössl 9mm <- ich geh mal davon aus, dass das 1,25" ist
2" Weitwinkel ERFLE 42mm

Zusätzlich wollte ich noch min. ein drittes Okular anschaffen. Entweder 4mm für 300x Vergrößerung wenns das Seeing zulässt um die Planeten schön zu sehen oder eher was zwischen den 42mm und 7mm.. (aufjedenfall Weitwinklig)

Dann brauch ich am besten noch ein Filter gegen die Lichtverschmutzung hier in Stuttgart..
Hab mir mal http://www.teleskop-express.de/shop...ymium-2----allgemeine-Kontraststeigerung.html
angeschaut. Den könnte ich aber mit dem 1,25" Prössl nicht verwenden oder?

- Graufilter eventuell noch, aber hier stellt sich auch die Frage - 2" - 1,25" ?

weiter mit equipment:
- Justierlaser http://www.teleskop-express.de/shop...ewton-Justierlaser-1-25----Aktionsgeraet.html

Denke das sollte erstmal für einen Einstieg reichen - oder hab ich etwas wichtiges vergessen?

Ich weiß - ist viel auf einmal, aber will ungern bei der ersten Bestellung auf die Schnautze fallen ;)

Gruß und clear sky,
Heiko
 
Hallo Heiko,

Daumen hoch, klingt alles nicht so schlecht. Zuerst informieren ist nie schlecht.

Zu den Planeten: Wenn du rings um dich rum Hausdächer hast wirst auf die auch keine Sicht haben, über 60° kommt nen Planet nicht hinaus. Und selbst wenn er knapp überm Hausdach steht ist die Chance sehr hoch dass dort durch Abwärme schlechtes Seeing herrscht.

Der Skylight Filter den du da rausgesucht hast ist ziemlich schwach, der wird dir aus der Stadt raus nicht viel nützen. Meine empfehlung wär der Baader OIII in 2", dann kannst Nebel zumindest schonmal ganz gut beobachten, auch aus der Stadt herauß.

Von den Okularen solltest dir auf jedenfall am Anfang eher an eine ausgewogene Kombination halten. 300x wirst du nicht brauchen zum Start, das geht selten. Weitwinkelig ist schonmal gut, kann aber teuer werden. Hier würde sich der gebrauchtkauf anbieten, dann wird vieles einfacher.


Zu deiner Frage ob es sich lohnt: Auch ich muss jedesmal rausfahren um zu fotografieren und zu beobachten. Das mach ich auch unter der Woche. Man muss jedes gute Wetter ausnützen! Aber wenn einen mal der Astro Virus gepackt hat hilft nur mehr eins: Kaaaffffeee!

Viele Grüße

Daniel
 
Hallo Heiko,

sieht insgesamt alles recht gut aus, speziell den GSO 8" f/6 Dobson kann ich vorbehaltslos empfehlen. Mit ein wenig Tuning (Velourfolie etwa) lässt sich da echt ne Menge rausholen. Bei den Okularen solltest du aber vielleicht nochmal rangehen: 42 mm kann ich nicht empfehlen, denn damit erhältst du eine 28,5-fache Vergrößerung und eine AP von 7 mm, die geradezu nach gutem Himmel schreit und an deinem Beobachtungsplatz keinen Spaß machen wird, aquch weil eine ordentliche Dunkeladaption schwerlich möglich sein wird. Auch ist die Vergrößerung so gering, dass du bei hellem Hintergrund eventuell schon den Fangspiegel sowie die Streben sehen könntest. Nimm lieber das 32 mm Erfle, damit bist du sicher gut beraten und hast ebenfalls gute zwei Grad Feld. Empfehlenswert wäre noch ein Telradsucher, die Dinger sind wirklich absolute Spitze.

Kopfzerbrechen bereitet mir dein Beobachtungsort: Aus einer Großstadt wie Stuttgart kannst du Deep Sky eigentlich völlig vergessen, Planeten, Doppelsterne und Mond sind noch gut möglich, aber 300-fache Vergrößerung ist schon etwa viel. Schau dich lieber nach einem 6 mm Okular um, etwa ein Planetary.

Dein Achtzöller verlangt einfach ein Mindestmaß an Himmelsqualität, die an deinem Beobachtungsort einfach nicht gegeben ist, im Grunde musst du, um anständig beobachten zu können, zumindest 20 km raus aus der Stadt. Speziell auch die Tatsache, dass du erst den Himmel höher als 60 Grad genießen kannst, schränkt dich zu sehr ein. Deshalb: Wenn du spechteln willst, dann verlass die Lichtglocke ;-)

Vielleicht noch etwas grundsätzliches: Hast du schonmal den Himmel überhaupt mal mit dem bloßen Auge oder einem Fernglas beobachtet? Weißt du, was da oben abläuft? Kennst du die Konstellationen, sagt dir der Messierkatalog etwas? Wie siehts mit deinem Astrowissen aus? Ganz ohne gehts einfach nicht. Bevor du dich verrennst, nimm eine Sternkarte, schnapp dir ein Fernglas, und beobachte mal so.

Gruß und CS,
Marcel
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Heiko

Ergänzend würde ich dir noch als Orientierungshilfe den "Deepsky-Reiseatlas" empfehlen,in Verbindung mit einem Peilsucher wie Rigel oder Telrad eine extrem praktische Kombination.
Und auch die Freeware Stellarium leistet gute Dienste um sich erst mal einen Überblick zu verschaffen was Sternbilder und Beobachtungsobjekte angeht. Auch die Planetenbahnen werden angezeigt.

Gruß Frank
 
Hallo Heiko,

okay also ein 8" F/6 Dobson.
Lass dich nicht irre machen, der ist unter der Stadtlichtglocke genau so gut oder schlecht wie ein 3" Röhrchen oder ein 20" Dobson.
Du siehst, was die jeweilige Öffnung an Auflösung hergibt und zwar immer unter Abzug der Lichtverschmutzung und Du merkst mit jeder Öffnung jedes Mag mehr oder auch weniger Grenzgröße an einem Standort. Entscheidend ist, dass Du Dich mit dem richtigen Zubehör in die Lage versetzt, das Teleskop den Bedingungen anzupassen. Das bedeutet unter schlechten Bedingungen einen etwas höheren Aufwand, nicht nur finanziell, sondern auch an Kopfarbeit.

Das Stadtlichtfilterchen lass beim Händler, der bessere Stadtlichtfilter sind Okulare mit standortangepasster AP.

Das 42er WA ist da mit 7 mm AP sehr ungünstig und nur mit Nebelfiltern für entsprechende Objekte zu nutzen, dazu aber später mehr. Selbst an einem besseren Standort auf dem Lande setzte ich an 8" F/6 maximal ein 38 mm (6,4 mm AP) Okular ein, lieber ist mir meistens ein 28 mm Okular mit 4,7 mm AP.
Du solltest Dich Mal in einer mondlosen Nacht, zu Deiner bevorzugten Beobachtungszeit und an Deinem Standort hinstellen, und die freisichtige Sterngrenzgröße bestimmen.
Guckst Du dort
http://www.home.uni-osnabrueck.de/ahaenel/aol/lightpol.html
Das zweite Bildchen stellt z.B. die Polsequenz bzw. den kleinen Wagen dar.
Rein zufällig passt es gut, wenn das Übersichts- und Aufsuchokular für den jeweiligen Standort ziemlich genau die AP in mm liefert, welche dem zahlenwert der Ermittelten Sterngrenzgröße in Magnituden entspricht.

Liegst Du zu weit drüber saufen schwache Objekte im bei AP-Überschreitung zunehmend grauen Himmelshintergrund ab, Du kannst sie also nicht auffinden.
Da das erreichbare Feld gängiger Okulare zu den kleineren Brennweiten hin immer kleiner wird, geht man zur Aufsuche auch nicht zu weit unter diesen Wert, denn ein zu kleines Feld ist bei dr Aufsuche von Objekten auch nicht eben förderlich, da braucht man immer mehr Erfahrung und sollte im Starhopping fitt sein.
Mit angepasster AP hast Du aber immer einen dunklen Himmelsgrund und davor heben sich nun Mal unsere, zumindest in der Übersicht überwiegend noch neblig/diffus erscheinenden Objekte der Begierde nun Mal besser ab als vor "Mausgrau". Hinzu kommt der Vorteil, dass z.B. mit einem 30 mm Okular (5 mm AP) gegenüber einem 42er Okular (7 mm AP) schon eine sichtbar höhere Vergrößerung und Auflösung anliegt. Das Objekt erscheint größer/flächiger. Beide Vorteile zusammen ermöglichen an vielen erreichbaren Objekten, dass sie Deine Wahrnehmungsschwelle erreichen/überspringen können.

Das kann ein Stadtlichtfilter nicht. Er schwächt nicht nur den Skyglow, sondern auch jedes Objekt, welches kontinuierliches Licht (Sternenlicht) aussendet. Für Objekte die in Linien strahlen, also auf Filter reagieren, sind diese Filter zumindest visuell viel zu breitbandig.
Der Filter für solche Objekte aus der Stadt heraus ist ein harter, also sehr engbandiger O III.

Es bleibt zu hoffen, dass Dein Gartenstandort wenigstens etwa 5 mm AP ermöglicht, denn mit einem 32 mm WA oder einem 28 mm UWA in 2" Ausführung lassen sich noch knapp 2° Feld erzielen, nur wenige teurere oder langbrennweitigere Okulare bieten deutlich mehr Feld. Wenn z.B. ein 26er Nagler den Budgetrahmen deutlich sprengt und z.B. ein 26er Erfle ran muss, wird das Feld schon deutlich kleiner, da helfen nur gute Karten, Geduld und ein guter Sucher. außerdem braucht man dann eigentlich für den besseren Standort schon wieder ein zweites Übersichtsokular mit angepasster AP.
Der gute Sucher bietet sich ohnehin an, ich persönlich rate Einsteigern sehr gerne zu einem optischen 8-9x50 Winkelsucher und einem zusätzlichen Peiler, also "Rotunkt oder Riegl/Telrad. So ein optischer(Winkel)sucher hat zwar wieder das Problem zu großer AP in der Stadt, Starhopping funktioniert aber trotzdem.

Der Graufilter ist für Mond- und Planetenbeobachtung mit einem 8-Zöller immer sinnvoll. Häufig, nicht nur in der Stadt, kommt man seeingbedingt nicht Vergrößerungen um oder unter 1 mm AP, wodurch es zu Blendung und Überstrahlung von Details kommen kann/wird. Da hilft so ein Dämpfungsgläschen sehr.

So weit, so gut. Die weiteren Entscheidungen bezüglich der Okulare hängen, wenn Dir meine Überlegungen einleuchtend erscheinen, sehr von der Wahl des Übersichtsokulars ab.

Gruß und CS
*entfernt*

 
Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

Stellarium - danke für den link, genau soetwas hab ich gesucht :)

Habe schon des öfteren - zumindest versucht, von zuhause aus mit blosem Auge zu beobachten.
Eine klare Nacht ohne Wolken ist schon recht selten, aber wenn mal keine Wolken am Himmel sind, dann ist das zuordnen der Sterne zur Sternkarte eigendlich kein großes Problem.

Dann wollte ich mal durch ein Fernglas beobachten (das hat allerdings schon 20 Jahre aufm Buckel) aber die Fokusierung reicht nicht, dass die Sterne scharf werden. Ist ein 8x30 - aber zu diesem Zweck überhaupt nicht geeignet.. schade

Achja, ich wohne nicht direkt im Zentrum, sondern eher aufm Berg. 10 Minuten zu Fuß und ich bin bei der Sternwarte (auf der Uhlandshöhe, falls das wer kennt)

Werde dort demnächst mal vorbeischauen und versuchen mithilfe der Anleitung den Mag-Wert festzustellen..

Zudem hätte ich die Möglichkeit gelegentlich in Esslingen, sehr weit oben auf dem Berg, mein Teleskop aufzustellen. Zumindest wenn man es mit Stuttgart vergleicht: Ein Unterschied wie Tag und Nacht ;) und Richtungsbegrenzungen hab ich da auch keine.

Eines ist für mich noch nicht ganz Klar: Die Filter werden am Okular selbst befestigt - also wenn ich jetzt einen 2" Filter kauf, kann ich den auch nur bei 2" Okularen verwenden. Ist das korrekt so?

Gruß,
Heiko
 
Hallo Heiko

Den 2"-Filter kannst Du entweder direkt ans 2"-Okular schrauben oder zur Nutzung des Filters an 1,25"-Okularen ans 2"-Gewinde des Reduzierstücks. Somit kannst Du einen 2"-Filter mit beiden Okulargrößen nutzen, einen 1,25"-Filter jedoch nur am Okularen in 1,25".

Gruß Frank
 
Noch ein paar Worte zu deinem Beobachtungsplatz: Es kommt nicht allein darauf an, dass man keine Lampen direkt sieht. Auch die unsichtbaren Lampen erhellen den Himmel. Direkt geblendet werden ist natürlich extrem ungünstig. Aber wenn du die Deep Sky Beobachtungen nachvollziehen willst, die du hier im Forum liest, dann brauchts du einen guten Landhimmel. Die Milchstraße sollte strukturreich zu sehen sein.
 
Hi Heiko,

Jedoch eines macht mir Sorgen. Ich will eigendlich überwiegend in der Stadt beobachten (im Garten hinter dem Haus). Dort an dieser Stelle ist eigendlich ab 0 Uhr kaum noch ein Licht zu sehen, jedoch da es zwischen den Häusern ist begrenzt das ja die Beobachtungsmöglichkeiten enorm. Geschätzt würd ich sagen ab einer Steigung von ungefär 60° in Norden/Westen/Osten kann ich den Himmel sehen. Mal mit dem Auto am Wochenende zu einem guten Beobachtungsplatz fahren werde ich natürlich auch gelegendlich.
Meint ihr, dass sich das überhaupt lohnt müsste ich immer bessere Beobachtungsorte aufsuchen?

Ja das lohnt! Genauso geht es mir auch. Ich habe auch eine 8" f/6 und beobachte sowohl aus der Stadt im heimischen Garten mit begrrenzten Himmel (Bäume, Häuser) und begrenzter Durchsicht als auch auf dem Feld.

Auch für Planeten ist so ein Dobson durachaus geeignet. Jo, bis 300x (z.B. 4mm Planetery) lassen sich bei gutem Seeing an Doppelsternen und (seltener) an Deep Sky Objekten wie helle, kleine Planetarische Nebel und (noch seltener) am Planeten Saturn nutzen.

Gruß
Lots
 
Hallo Heiko,


... ich hab da mal was vorbereitet: :D
http://www.svenwienstein.de/HTML/stadtastronomie.html
Und auch das Aufsuchen von gutem Himmel halte ich für sehr lohnenswert:
http://www.svenwienstein.de/HTML/astro-exkursionen.html

Meine Erfahrung bei der ganzen Sache ist, dass zu oft behauptet wird, man könne aus der Stadt eine große Öffnung nicht brauchen. Das stimmt für die Beobachtung von Nebeln schonmal nicht und auch Sternhaufen gewinnen durch die Öffnung. Galaxien hingegen haben so ihre Probleme und auch die Planetenbeobachtung ist in der Stadt durch Luftunruhe wegen vieler Wärmequelle eingeschränkt, aber durch größere Öffnung wird das nicht "einfach so" schlechter.

Trotzdem ist guter Himmel so wichtig, dass man mit einem kleineren Teleskop, mit dem man guten Himmel aufsucht, an vielen Deepsky-Objekten (also Nebel, Sternhaufen und Galaxien) mehr sieht, als mit einem größeren Teleskop in der Stadt oder wenn der Mond am Himmel steht.
Eigentlich sollte man also zur Beobachtung schwacher Objekte die größtmögliche noch transportable Öffnung anschaffen. Dabei eingerechnet sollte der innere Schweinehund sein, den ganzen Kram zu verladen und zu befördern, damit das Gerät nicht einfach nur in der Ecke steht.

Clear Skies
Sven
 
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