80 mm Quickie

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Stephan

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Nach mehrmonatiger Wolkenphase hat's heute auf die Schnelle geklappt! Die Begeisterung glüht noch nach, deshalb ist der Bericht auch schon fertig... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />



09.01.2003, 2000 - 2045, Rostock, Mecklenburg-Vorpommern

Geräte:

- Vixen Multi 80/400 Kurzrefraktor auf Hama Omega Pro II Stativ mit Baader Witty 1
- Noname-Zenitspiegel, TAL Plössl 25 mm (16x), Pentax XL 5,2 mm (77x), Vixen LVW 3,5 mm (114x), Vixen LV 2,5 mm (160x)

Ein Donnerstag Abend im Winter. Als ich vom Schreibtisch hochblicke, glänzt der Mond durch die Jalousie. Die hatten doch Bewölkung angesagt?! Ein kurzer Blick nach draußen - kristallklar! Na toll! Und ich muß arbeiten. Trotzdem werfe ich kurz das Planetariumsprogramm an und sehe, daß Saturn und Jupiter gut sichtbar im Osten stehen. Minuten später trage ich die New Polaris mit dem Multi 80 in die Küche und öffne das Fenster.

Seit einigen Tagen habe ich den Kurzrefraktor. Die Montierung besitze ich auch erst zwei Wochen. Die Kombi ist so klein, daß ich sie ständig aufgebaut im Zimmer habe, um bei Gelegenheit auf den Balkon zu gehen und einen schnellen Blick auf den Mond oder die Sonne zu werfen. Mit geschätzten 10-12 Kilo Gesamtgewicht ist das ein Kinderspiel.

Der Blick aus dem Küchenfenster zeigt leider nur Jupiter. Saturn ist schon zu hoch. Bei 16facher Vergrößerung sind die vier großen Monde schön zu sehen. Bereits bei 32facher Vergrößerung wird die Sache sinnlos. Die Außenluft hat -8°C und stürzt sich mit Elan durch's Fenster. Mist. Aber wozu hat man einen Kurzrefraktor?

Die Arbeit wird spontan links liegen gelassen. Der Kurze wird mit der Witty verpaart, diese wiederum schraube ich auf die Schnellwechselplatte des Manfrotto-Kugelkopfes. In den Rucksack damit! Das 25er TAL-Plössl und das 5,2er Pentax hinterher. Sicherheitshalber kommen das 3,5er LVW und das 2,5er LV auch noch mit. Rein in die Klamotten, Rucksack auf, Stativ in die Hand und los!

Nachdem ich ein halbes Jahr immer eine komplette Wagenladung durch die Gegend gefahren habe, um zu beobachten, kommt mir der kleine Rucksack schon irgendwie komisch vor. Ich laufe etwa 700 Meter und stehe auf einer kleinen Wiese hinter einer großen Garagenanlage. Hier ist es zwar nicht wirklich dunkel, aber mich trifft kein direktes Licht irgendwelcher Laternen und die Sicht ist ab 15° Höhe fast rundum unbehindert.

Ich stelle das Stativ hin und hänge den Rucksack daran. Schnapp, der Refraktor sitzt auf dem Kugelkopf. Zuerst ziele ich auf Saturn. Die grobe Ausrichtung geht ziemlich gut. Mit 16facher Vergrößerung ist auch kein Sucher notwendig. Die Feineinstellung mache ich mit der Witty, auch das funktioniert hervorragend. Schon bei dieser Vergrößerung erkenne ich zwei Saturnmonde, sowie eine deutliche schwarze Leere zwischen Planet und Ringsystem. Klasse! Im 5,2er Pentax bei 77fach ist dann blickweise die Cassiniteilung zu sehen. Außerdem glaube ich, ein Wolkenband zu erkennen. Der Kleine schlägt sich deutlich besser, als meine alte Russentonne. Ein kurzer Wechsel auf das 3,5er LVW bringt keine Punkte, zumal das Fokussieren dann schon zu einer sehr wackligen Angelegenheit wird. Bereits bei 77fach ist eine gehörige Portion Toleranz gefragt. Aber es geht und macht einfach Spaß!

Das nächste Objekt ist Jupiter. Die 16fache Vergrößerung zeigt die Planetenscheibe und die vier Monde in einer beeindruckenden Qualität. Der Wechsel auf 77fach kitzelt dann zwei deutlich sichtbare Wolkenbänder hervor. Für mehr Details steht Jupiter dann wohl doch noch einen Tick zu tief, die Sterne auf gleicher Höhe flimmern ziemlich arg.

Ein kurzer Blick auf die Plejaden. Fast schon zu groß für 16fach, aber trotzdem sehenswert. Der Hintergrund ist schön schwarz, die Sterne sind kleine funkelnde Punkte.

Zum Abschluß der Mond, der mich vom Computer weggelockt hat. Er ist so hell, daß doch noch das 2,5er LV zum Einsatz kommt. Was für ein Anblick! Man merkt zwar, daß hier nur 80 mm Öffnung zum Tragen kommen, trotzdem ist das Bild bei 160fach kontrastreich und detailliert. Zuerst blicke ich auf den Rand, um noch einmal genau nach dem blauen Farbsaum zu suchen, der den Kurzrefraktoren anhaftet. Er ist deutlich sichtbar, allerdings ist es mehr ein Violett und so dunkel, daß es nicht auffällt, wenn ich nicht hinsehe. Von der Breite her entspricht der Farbsaum etwa dem halben Durchmesser des Kraters Theophilus, den ich jetzt anvisiere. Und das aus gutem Grund. Vor einigen Tagen hatte ich auf einem Foto gesehen, daß am Grund des Kraters mehrere kleine Berge stehen (erfahrene Mondbeobachter mögen mir meine Terminologie verzeihen). Und wirklich, der Anblick im 2,5er sieht aus, wie auf dem Foto! Okay, bei aller Euphorie, nicht genau so, aber ich sehe drei kleine Gipfel im Zentrum des Kraters und finde das einfach schön...

So schnell wie alles aufgebaut war, verschwindet es wieder im Rucksack. Zehn Minuten später kann ich meine Jacke an die Garderobe hängen und bin glücklich! So schön die Beobachtungen mit meiner großen Nebeltonne sind, sie taugt eben nicht für solche "Quickies". Das ist es, was mir gefehlt hat: Mal eben für eine Stunde rausgehen und ein bißchen kucken, ohne viel Aufwand. Sehr positiv überrascht bin ich von den Leistungen der kleinen Optik. Ich hatte deutlich weniger erwartet.




 
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