80er ED-/ Apo-Refraktoren - so viel Auswahl

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Ruminahui

Mitglied
Guten Abend zusammen,

Habe mich vor kurzem für einen 10" Dobson als stationäres Instrument entschieden und bin damit zufrieden.

Möchte meinen Gerätepark nun um ein kleines rucksack- und handgepäcktaugliches Teleskop ergänzen. Ich werde im kommenden Winter mehrmals in den Bergen sein, und möchte dabei die dortigen Bedingungen nutzen.

Ein 80er Refraktor soll es werden, und bei der Gelegenheit etwas aus der "Familie der Apo-Artigen".

Ich habe versucht, meine Hausaufgaben zu machen und die einschlägigen Info- und Diskussionsseiten in deutschen und englischsprachigen Foren gelesen, und die Datenblätter diverser Geräte und - soweit vorhanden - Testberichte studiert.
Einige der Threads liegen schon 8-10 Jahre zurück und beziehen sich teilweise auf optische Eigenschaften, denen andere Glassorten als heute verbaut zugrundeliegen.

Ich würde mich über eine kurze Einschätzung Eurerseits freuen, was einen solchen 80er Refraktor anbelangt.

Das Teleskop möchte ich hauptsächlich visuell einsetzen, dabei vor allem für Weitfeldbeobachtung und die erreichbaren Objekte aus dem Messier-Katalog.
Das Gerät soll Freude bereiten und sollte keine Gurke sein, d. h. im Wesentlichen das tun, was vom Hersteller in Aussicht gestellt wird. Muss bei mir nicht auf die optische Bank, um genau nachzusehen, wie schlimm der (Rest-)farbfehler ist.

Gelegentlich möchte ich auch mal eine DSLR anschließen (EQ3 mit Nachführung vorhanden), aber wirklich nur gelegentlich.

Auf dem Markt bekommt man derzeit aus China und Taiwan unter verschiedenen Labeln Geräte des Kalibers 80/480, 80/500, 80/560 und 80/600 in den Varianten ED, Doublet, Triplet etc.
Ich habe den Eindruck, dass je langsamer das Öffnungsverhältnis, desto weniger "Sonderglas" wird verbaut.

Unterschiede gibt es noch beim Tubusmaterial - Alu vs. Carbon, dem OAZ und sonstigem Zubehör.

Gibt es aus Eurer Sicht so ganz spontan ein Gerät, wo ihr sagen würdet:
passt auf jeden Fall? Vielleicht sogar ein guter Allrounder für den o. g. Einsatz?

Ist eher ein guter Doublet sinnvoll, oder doch ein Triplet?

Vielen Dank vorab für Eure Antworten und schöne Grüße,

Rolf

 
Hallo Rolf,

ich habe mit den Refraktoren 80/600 FPL53-Glas sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Optik ist hervorragend. Mit einem 40 mm Plössl bekommt man 3° Gesichtsfeld - und zwar randscharf.

Nachteilig sind die Okularauszüge, was im wesentlichen dem Preis von ca. 650 Euro geschuldet ist. Ich kann nur 1 1/4 Zubehör empfehlen. Daraus folgt: für fotografische Aufgaben ist er nur sehr beschränkt brauchbar.

Gruß Sternenhundklaus
 
Hallo Rolf,

habe die selbe Frage mir selbst gestellt und ca. 1,5 Jahre mit 10 oder mehr Refraktoren verschiedenster Hersteller und Preislagen rumgetestet. Jede Marke/Optik hat was für sich.

Meine Zielsetzung war Rucksacktauglichkeit bzw. Reisetauglichkeit und schnelles Aufbauen. (Habe nun Stativ/Optik/Zubehör alles in einer Tasche und ist überall innerhalb von Minunten einsatzbereit). Unterm Strich kann ich dir für mich wichtige Punkte aus o.g. Tests mitteilen:

1. Rein visuell reicht ein 2-Linser, 3 oder 4 Linser sind zum Teil sehr teuer, aber mein Hauptproblem für o.g. Anwendung ist, dass diese Teile dann schwer sind und zum Teil relativ lange zum Auskühlen brauchen können.
2. Nicht zu kurz: Teleskope mit schnellem Öffnungsverhältnis (f6 und kürzer) sind zwar recht kurz, aber hier ists gar nicht leicht, gutes Gerät zu finden. Auch schlägt hier u.U. die Bildfeldkrümmung zu, was mir z.B. überhaupt nicht gefällt. Dazu kommt noch, dass mit größerem f/ auch bei einem 2-Linser die Farbe weniger wird. Geht u.U. bis visuell Null.

Das waren meine beiden Hauptgründe, mir einen gebrauchten 80/600 Skywatcher Volksapo zuzulegen. Unkritisch mit vielen Okularen, mit 2" 100 oder 82 Grad hast große Felder und auch an Jupiter oder Saturn Freude. Deep Sky geht dann halt öffnungsbedingt nur eingeschränkt, aber auch da kann man sich nächtelang mit befassen. Die bekannte "Standardkerzen" gehen trotzdem problemlos Vor allem wenn man in den Bergen gute Himmelsbedingungen hat, überrascht ein 80mm Gerät und man wundert sich, was man damit alles sehen kann!

Bitte beachten, es handelt sich um einen subjektiven Eindruck aufgrund eigener Erfahrungen, andere Leute, andere Meinungen. :-)

CS

Matthias

 
Hi Rolf,

mit dem visuellen Schwerpunkt bist Du mit einem 2-linser von Qualität gut gerüstet. FPL53 kostet deutlich mehr als das FPL 51, ist aber zusammen mit dem Partnerglas NBM51, bei 80mm f/7 fast farbfehlerfrei. Das ist eine Optik, die z.B: im William Megrez II Fluorite 80/555 verbaut ist. Bei EBAY gibts gerade eine Auktion - ich habe damit nichts zu tun.
Ich habe aber ein solches Teleskop und bin mit der Leistung sehr zufrieden.

Die Gründe, Gewicht und Auskühlzeit, hat Matthias genannt.
Auch der 71/432mm Lacerta Apo kommt in Frage? Optisch sind die auch gut mit wenig Farbe. Da gibts Ähnliche mit mehr Farbe. Carbontuben braucht man nicht wirklich.

Schnellere Geräte, sind als Dublett, eher keine Wahl.

Fotografisch nutzbar ist er, wobei das bei mir keine große Rolle spielt. Höchstens mal ein Mondbild oder so - hier ein Einzelbild mit EOS - http://www.deepsky-brothers.de/Bild...Planeten Sonne Kometen/Kopie von IMG_1199.jpg

Wenn es um Widdefield geht, könnte aber auch ein Großfernglas in Betracht kommen. Dann werden Montierung und Stativ auch nicht so schwer.

Mal so als Idee
CS
 
Hallo Rolf,


bei mir hat sich für den rein visuellen Einsatz ebenfalls ein 80/600 Skywatcher Volksapo eingefunden. Im Fokus ist er so farbrein daß alles inklusive Jupiter ohne Abstriche Spaß macht, ich kann wenn man kein schnelleres Öffnungsverhältnis haben möchte dieses Gerät visuell empfehlen fotografisch kann ich nix sagen. Der OAZ ist halt kein Luxus sorgfältig die Gängigkeit eingestellt traegt er aber auch 2" Zubehör...einziger kleiner Nachteil ist die nicht einschiebbare Taukappe, meine Lösung: die kommt wenn es mobil sein soll einfach in den Okularkoffer zum Platzsparen ist das Drehpack mit dem dicksten Okular gepolstert da drin.


Viele Grüße Felix
 
Hallo an alle,

vielen Dank für Eure Antworten und Tipps.

Dann wird es einer der f/7 Refraktoren werden. Welcher genau, werden dann das Drumherum wie OAZ und evtl. Angebote bei den Händlern oder auf dem Gebrauchtmarkt entscheiden.

@Antares: Danke für den Tipp mit dem William Megrez. Habe noch nicht angebissen, werde das Angebot nochmal überschlafen.

Viele Grüße und CS,

Rolf
 
Hallo Rolf,

Ich habe den Eindruck, dass je langsamer das Öffnungsverhältnis, desto weniger "Sonderglas" wird verbaut.

Um das zu wissen müsstest du die Partnergläser kennen.
Das ED Glas ist ja eh ein Sonderglas also ist in einem ED logischerweise immer mindesten eines verbaut.
Es gibt in einem ED also nur beim Partnerglas beide Möglichkeiten also Standard oder Sonderglas.
Wenn es da einen Trend gibt dann nicht in Bezug auf das Öffnungsverhältnis.
Das neue 80/ f/10 Doublet hat zb. auch 2 Sondergläser.
Es ist aber in letzter Zeit festzustellen das öfter auf ein Lanthan Glas verwiesen wird.
Mit so einem Sonderglas als Partnerglas zum ED kann in der Tat eine spürbare Verbesserung der Farbkorrektur gegenüber den meisten Standardgläsern erreicht werden.
Das kann so weit gehen das eine Optik mit FPL51 und einem Lanthan Glas wie zb. LAF53 als Partnerglas eine bessere Farbkorrektur erreicht als eine vergleichbare mit FPL53 und einem einfachem Standardglas als Partnerglas.
Man sieht das schön anhand des sekundären Spektrums der Glaspaarung.
Die Paarung LAF53/FK61 (FK61 ist mit FPL51vergleichbar) scheidet besser ab als etliche mit FPL53.
Es gibt aber mit FPL53 auch Paarungen die dann noch mal deutlich besser sind.
LAL14/FPL53 liegt zb. mit f/16000 auf einem Level das man von Optiken mit CaF2 kennt.

Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/ubb/download/Number/49498/filename/SP.jpg

@Antares: Danke für den Tipp mit dem William Megrez. Habe noch nicht angebissen, werde das Angebot nochmal überschlafen.
Unter dem Label William wird vieles verkauft, Gutes aber auch nicht so gutes.
Meist aber zu recht hohen Preisen.
Bei William zahlt man viel für schönes Aussehen.
Deutlich preiswerter kommt man meist wenn man Vergleichbares unter einer Händler Marke kauft.

Grüße Gerd
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben