8x50 Klassiker

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Hallo Holger,

vielen Dank, daß Du einen so schönen Bericht über drei echte Porro-Klassiker geschrieben hast. Ich habe heute morgen gerade noch mal einen Blick durch mein Zeiss-West 8X50B geworfen und war wieder einmal begeistert von der Leistung dieses Fernglases. Es ist wirklich eine Schande, daß dieses Modell niemals mit einer modernen Mehrschichtvergütung angeboten wurde, so ausgestattet wäre es auch im Vergleich zu den besten Dachkants ein Knüller.

Ohne die Zeiss-Jena-Konkurrenten zu kennen - ich hatte wohl mal ein Dodekarem 12X50B - könnte man m.E. bei der Bewertung der drei Gläser auch etwas anderer Meinung sein, zum einen sind bei meinem 8X50B keinerlei Geisterbilder zu entdecken, ein Nikon HG war da nicht besser ( dies habe ich eben noch an einem hellerleuchteten Weihnachtbaum im Garten getestet )! Zum anderen hast Du die größere Handlichkeit und das geringere Gewicht des Westlers bei der Punktebewertung völlig unberücksichtigt gelassen. Ich gebe aber gerne zu, daß ich hier vielleicht eine etwas vorgefaßte Meinung habe, das 8X50B war das erste Toppfernglas, durch das ich in meinem Leben geschaut habe - damals war ich noch Schüler - und erst viele Jahre später konnte ich eines gebraucht in bestem Zustand erwerben.

Bitte mach weiter mit Deinen Fernglasberichten, ich freue mich schon auf den nächsten!

Viele Grüße

Manfred

 
Hallo Manfred,

Dein 8x50B hat keine Geisterbilder? Schau bei der nächsten Gelegenheit mal auf den Mond (mindestens Halbmond), das ist ja eine 'geeichte' Lichtquelle. Wenn Du dann nicht die beschriebenen Reflexe siehst, dann hat Dein Fernglas eine bessere Vergütung als meines (was ja durchaus der Fall sein kann, denn die Qualität wurde über die Jahre ständig verbessert).

Was die Benotung anbetrifft: Korrekt, ich gebe keine Punkte für geringes Gewicht, sondern eher für mechanische Robustheit und Wasserdichtigkeit. Das Gewicht gebe ich ja mit an, so dass jedermann selbst entscheiden kann, ob es ihm angemessen erscheint. Ich würde diese ganze Benotung ohnehin nicht zu ernst nehmen. Die Beschreibungen liefern (hoffentlich) genug Information, so dass sich jeder sein eigenes Bild machen kann. Mir gefällt am Zeiss auch dessen Kompaktheit - es wirkt gar nicht wie ein typisches 50 mm Porro, und der Grössenvergleich mit dem Nobilem/Octarem (Bild 4 im Bericht) spricht Bände!

Viele Grüsse,
Holger

 
Hallo Holger,

erstmal vielen Dank für den schönen Artikel! Da hast Du ja ein paar tolle Neuzugänge für die Fernglassammlung. Das Vergnügen mit einem Zeiss West 8x50 hatte ich noch nicht (nur mit dem alten 10x50), die beiden anderen Kandidaten kenne ich aus eigener Erfahrung. Allerdings liegt meine Zeit mit dem Nobilem Super schon ein paar Jährchen in der Vergangenheit. In Erinnerung geblieben ist mir das ziemlich "warme" Bild dieses Fernglases und ich bilde mir ein, daß das 8x50 Nobilem diesbezüglich deutlich besser abschneidet. Aber das kann auch tatsächlich Einbildung sein <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Zumindest schien mir damals das Nobilem Super in Transmission und Farbwiedergabe nicht auf dem Stand des Octarem/Nobilem. Bei dem vielen Glas würde mich das auch nicht wundern. Dafür ist das große Sehfeld natürlich eine Wucht.

Zum Vergleich Nobilem Super vs. Nobilem frage ich mich noch, ob sich das neuere Glas wirklich soviel billiger produzieren ließ wie das alte. Wenn ich nicht voll daneben liege, dann kostete ein Nobilem 8x50 in der DDR an die 1000 Mark und das dürfte nicht viel billiger gewesen sein wie das alte. Gut, beim Nobilem Super brauchte man größere Prismen. Ansonsten war der Aufwand beim Nobilem doch kaum geringer. Beide Ferngläser hatten die neuen Gehäuse mit nur noch einem Deckel, beide hatten Stulpendichtungen bei den Okularen und beim neuen Nobilem kam der Aufwand zum Verkitten der Prismen hinzu. Oder hatte das alte keine Okularabdichtung? Dann wäre der Fertigungsaufwand beim neuen Nobilem ja noch höher. Hast Du hierzu konkrete Informationen? Warum hat man das Nobilem Super eingestellt? War es wirklich zu teuer?

Eine Anmerkung habe ich noch. Du schreibst:
These binoculars, shortly after re-named 'Nobilem', were cheap compared to the Nobilem Super, therefore selling better, and soon supplemented with a 10x50 and several 7x50 models. When Docter took over the Zeiss plant in 1991, the 8x50 and 12x50 were, after a few years, replaced with the 8x56 and 15x60, whereas the 7x50 and 10x50 are still in production.
Das klingt so, als hätte Docter das 8x56 und 15x60 eingeführt. In einem alten Zeiss Jena Katalog findet man aber schon alle 6 Modelle, welche eine Zeit lang von Docter noch angeboten und später z.T. eingestellt wurden. Ist wirklich schade, daß die schöne Nobilem Reihe so gestutzt wurde. Noch schlimmer finde ich, daß man die "belederten" Versionen komplett gestrichen hat. So ein 8x50 Nobilem ohne GA wäre mein Traum. Dieses Fernglas ist ein gutes Stück leichter wie das 8x50 B/GA und irgendwie läßt es sich auch besser greifen. Aber man soll nicht meckern. Wir können froh sein, daß es überhaupt noch Hersteller von solch schönen Porrogläsern gibt. Schließlich ist nicht jeder dem Dachkantwahn verfallen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Eine Frage habe ich noch. Warum hast Du das schöne Nobilem Super aufgesägt? Und hast Du beim Streulichttest das große Loch abgedeckt? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Und noch eine Frage fällt mir ein. Ebenso aus längst vergangenen Tagen ist mir noch die plastische Bildwiedergabe beim alten Nobilem in Erinnerung. Nur weiß ich heute nicht mehr, ob die Erinnerung vom 8x50 oder vom 12x50 stammt. Jedenfalls war das Bild auf mittlere bis nicht zu nahe Entfernungen ziemlich beeindruckend. Gibt es bei den drei Klassikern und im Vergleich derselben zu moderneren Porrogläsern Unterschiede im Objektivabstand? Je weiter die Objektive voneinander entfernt sind, umso mehr wird doch das räumliche Sehen gefördert.

Frank.
 
Hallo Frank,

>> Ansonsten war der Aufwand beim Nobilem doch kaum geringer...


Soweit ich weiss, ist diese Teleobjektiv-Konstruktion mit Luftspalt deshalb teurer, weil sie eine hohe Genauigkeit in der Fertigung und Justierung erfordert. Wegen der geringen Fertigungstoleranzen lassen sich die einzelnen Prozessabläufe nicht so leicht automatisieren.

>> kostete ein Nobilem 8x50 in der DDR an die 1000 Mark und das dürfte nicht viel billiger gewesen sein ..

1000 Mark waren wirklich eine Menge Geld. Vielleicht war es auch so, dass Zeiss bei der Produktion des alten Nobilem weniger Gewinn einfahren konnte, weil es teurer zu produzieren war. Das neue Nobilem war dann vielleicht nicht billiger im Verkaufspreis, hat aber mehr eingebracht?

>> Oder hatte das alte keine Okularabdichtung

Das kann ich auch nicht sagen. Ich erinnere mich aber, dass in dem Bericht der Jenaer Rundschau erwähnt wurde, dass die Wasserdichtigkeit der neuen Modelle Octarem/Dodecarem verbessert wurde. In der Einleitung schreiben die ja auch so etwas wie "in der optischen Leistung lässt sich nicht mehr viel herausholen, dafür aber in der Verbesserung der mechanischen Konstruktion". Damit haben die sich bestimmt auf das Nobilem Super bezogen, das ja wirklich optisch spitze war, aber nicht wasserdicht.

>>In einem alten Zeiss Jena Katalog findet man aber schon alle 6 Modelle...

Danke für die Info! das muss ich dann mal korrigieren

>>Warum hast Du das schöne Nobilem Super aufgesägt?

Dieses schöne Demo-Modell wurde mal für 500 Euro angeboten. Ich habe mich lieber darauf beschränkt, ein Foto davon zu schiessen :-)

>>Gibt es bei den drei Klassikern und im Vergleich derselben zu moderneren Porrogläsern Unterschiede im Objektivabstand?

Das kann ich ja mal nachmessen. Mir scheint aber, dass diese Kurzbauweise des alten Zeiss und des Nobilem Super, wie auch des NVA DF 7x40, wegen der breiten Prismen zu einem grösseren Objektivabstand führt. Das sollte sich dann auch in der Plastizität bemerkbar machen.


Gruss,
Holger
 
Hallo,

ich bestitzte seit einiger Zeit ein Nobilem 8x50 B/GA (alte Armierung, grauer Riemen und harter Plaste Okulardeckel) und kann Deine Beobachtungen bezüglich Ghost Image und Stray Light nicht bestätigen. Mei Nobilem ist gerade in dieser Hinsicht und mit der "Image Sharpness" eingeschlossen, das Beste Glas das ich bisher hatte. Sowohl bei Mondbeobachtungen als auch bei tiefstehender Sonne, Dunst, an und auf Gewässern war es nahezu perfekt. Vergleichen konnte ich es bisher mit dem Zeiss 7x50 B/GA T*; Zeiss 8x56 B/GA T* Classic, Nobilem Super 8x50, Leica 8x50 BA Trinovid, Leica 10x50 BN Trinovid. Alle diese Gläser waren gerade in den o. g. Disziplinen dem 8x50 von Docter unterlegen oder gleichwertig, aber keinesfalls besser.

Ansonsten ein sehr professioneller und schöner Vergleichsbericht, wie immer.

Gruß

Robert
 
Hallo Robert,

Ich habe ja mal das Nobilem 10x50 getestet, und musste dabei feststellen, dass es im Streulichtverhalten besser abgeschnitten hat als mein Nobilem 8x50. Bei genauerem Hinsehen fiel mir auf, dass das (neuere) 10x50 einen anderen Innenanstrich hatte, der irgendwie rauer aussah und das schräg einfallende Streulicht besser absorbieren konnte. Sollte Dein 8x50 bereits mit dieser verbesserten Lackierung versehen sein, dann kann ich mir gut vorstellen, dass es das Streulichtproblem nicht mehr besitzt. Alle älteren Versionen, inklusive Octarem, leiden aber etwas unter Streulicht, wie mir schon einige Besitzer dieser Ferngläser bestätigt haben.

Bzgl. Geisterbilder würde mich mal interessieren: Wenn Du das nächste Mal den Mond beobachtest, dann achte mal darauf, ob Du ein einzelnes, schwaches und rötlich leuchtendes Geisterbild siehst. Es ist wirklich nicht dramatisch, und der Mond (oder eine helle Strassenlaterne) muss auch schon recht hell scheinen, damit es einem auffällt. Ich stimme auch zu, dass das Nobilem zu den besten Gläsern gehört. Wenn ich trotzdem etwas zum Meckern finde, dann liegt es daran, dass ich sehr pedantisch sein kann :-)

Gruss,
Holger

 
> Soweit ich weiss, ist diese Teleobjektiv-Konstruktion mit Luftspalt deshalb teurer, weil sie eine hohe Genauigkeit in der Fertigung und Justierung erfordert.

Hallo Holger,

das kann sein, ich weiß es auch nicht genau. Sicher ist es im Prinzip schwieriger, zwei Linsen zu fassen als eine. Ob das aber als Grund für zu hohe Produktionskosten reicht? Vielleicht war einfach zu der Zeit der Nobilem Super und Spezial Gläser der Markt nicht da. In der DDR sowieso nicht, wer konnte sich da ein 1000 Mark Fernglas leisten? Ottonormalbürger hat auf seinen Trabbi gespart <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />, da war für solchen Luxus kein Spielraum. Oder man hatte bei Zeiss Jena gerade keine Zusätze für's optische Glas und mußte teuer importieren. Das würde die Einstellung der Produktion auch erklären.

Da fällt mir nochwas ein. Schau Dir mal das Schnittbild zum Notarem in dem gescannten Katalog auf Deiner HP an. Die Objektive dieser Dachkantgläser scheinen auch Zweilinser mit einem recht großen Luftspalt zu sein. Sind das auch Teleobjektive? Falls ja, dann wird man wohl beim Notarem nicht zu einer Konstruktion zurückgekehrt sein, die wenig rentabel ist ...

> Mir scheint aber, dass diese Kurzbauweise des alten Zeiss und des Nobilem Super, wie auch des NVA DF 7x40, wegen der breiten Prismen zu einem grösseren Objektivabstand führt. Das sollte sich dann auch in der Plastizität bemerkbar machen.

Genau das war auch meine Vermutung. Wenn Du es nachgemessen hast, kannst Du die Ergebnisse ja gleich hier einstellen.

Frank.
 
Objektivabstände

Hallo Frank,

ich habe mal ein paar Werte ausgemessen. Alle Zahlen wurden bei etwa 66 mm Okularabstand ermittelt, plus-minus 2mm sind drin:

CZJ Nobilem Super: 24.8 cm
Docter Nobilem 8x50: 24.7 cm
Zeiss West 8x50: 24.0 cm
CZJ Jenoptem 7x50: 23.6 cm
Miyauchi Binon 7x50: 21.4 cm
CZJ EDF 7x40: 7.5 cm

Wie man sieht, sind die Unterschiede zwischen den 50mm Porro I Ferngläsern gar nicht so gross. Das Miyauchi (Porro II) ist etwas schlanker - ob sich diese 15% im Vergleich zum Nobilem schon in dem stereoskopischen Seheindruck bemerkbar machen, wäre ja mal interessant zu prüfen. Zum Vergleich habe ich mal ein Dachkant Glas dazu genommen - hier knallt der Unterschied natürlich voll durch.

Was das Notarem anbetrifft: Diese zweite Linse, die sich in einigem Abstand zum Objektiv befindet - ist das nicht die Fokussierlinse?

Gruss,
Holger
 
Re: Objektivabstände

Hallo Holger,

danke für die Info. Die Unterschiede zwischen den Porro's kann man wahrscheinlich vergessen. Auf den ersten Blick hätte ich schon vermutet, daß die großen Prismen beim Nobilem Super mit einem größeren Objektivabstand verbunden sind. So kann man sich verschätzen. Der Unterschied zum Dachkantglas ist schon ziemlich heftig. Da braucht man sich wirklich nicht zu wundern, wenn die Welt in Dachkantgläsern immer so flach ausschaut <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />.

Ich warte immer noch auf den Tag, wo Zeiss ein Top Porroglas auf den Markt bringt. Ein 8x40 FL Porro mit 150m/1000m Sehfeld wäre doch mal ein echter Fortschritt im Fernglasbau. Allerdings werde ich über das Warten auf so ein Fernglas wahrscheinlich in Rente gehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />.

> Diese zweite Linse, die sich in einigem Abstand zum Objektiv befindet - ist das nicht die Fokussierlinse?

Nein, ist sie nicht. Man kann die Objektivtuben beim Notarem komplett abschrauben, ohne Schaden anzurichten, und blickt dann aufs Prismensystem. Die Fokussierung erfolgt im Okular, wohl ähnlich wie beim russischen Foton (oder andersrum: beim Foton ähnlich wie beim Notarem). Ich habe gestern beim Kaffee mal so ein Objektiv zerlegt, es sind zwei einzelne Linsen mit großem Abstand zueinander. Die Linsen sitzen ohne Justagemöglichkeit (zueinander) fest in ihrer Fassung und nur das Objektiv an sich ist mit der üblichen Exzenterfassung justierbar. Das sieht schon so aus wie eins der Teleobjektive.

Frank.
 
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