Abbildung Newton Teleskop: Was mache ich falsch?

RodlJo

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

nach längerer, berufsbedingter Abstinenz bin ich in der vergangenen Wochen, wenn es das Wetter zugelassen hat, wieder mehr zum fotografieren gekommen. Auf dem Gebrauchtmarkt bin ich im November über einen 10 Zoll f4 Newton von Lacerta gestolpert und konnte nicht widerstehen :)

Da ich erstmal damit beschäftigt war, die Montierung zum laufen zu kriegen habe ich dem Newton nicht allzu viel Beachtung geschenkt und hatte die ein oder anderen "Abbildungsthemen" erstmal ignoriert. Durch meinen Versuch, die Abbildung zu verbessern habe ich leider alles verschlimmbessert und bekomme es aktuell partout nicht in den Griff.

Anbei mal ein Screenshot der Bildmitte: Sieht ja eigentlich ganz gut aus (aus einer 30 sec. Belichtung gecropped)

mitte.png


Wenn man allerdings in die Bildecken schaut, graut es mir.

Oben Links:
oben links.png

Unten rechts:
unten rechts.png


Das sieht für mich (auf Basis von Tommys Justage Primer) wohl wie ein ordentlich dejustiertes Teleskop aus. Nachführung lief ja "rund", siehe Bildmitte.

Anbei zu guter Letzt noch ein Screenshot vom OCAL, welchen ich direkt nach der testweise genutzten Wolkenlücke mal angesteckt habe um die Justage zu überprüfen. Klar, perfekt ist diese vermutlich nicht. Bin mir aber auch gar nicht sicher wann der perfekte Punkt erreicht ist. Offset sollte ja verhindern dass der FS perfekt rund wird, sofern ich das richtig verstanden habe.

Der rote Fleck ist vermutlich eine Offset Markierung, welche von Lacerta angebracht wurde. Der weiße Ring die HS Mittenmarkierung. Der Gradient im Bild ist Tau...Unterschätze ich einfach die Präzision, die ein solches f4 Teleskop in Bezug auf die Justage braucht ;) ? Der Grüne Ring ist, wenn auf die Kante des Korrektors fokussiert, deckungsgleich. Da ich vor der Verwendung die Justage mittels Laser überprüft habe, hätte die HS Markierung wohl eigentlich im Fadenkreuz sein sollen.
Screenshot (19).png


Über den ein- oder anderen Hinweis und Tipp wäre ich euch jedenfalls sehr dankbar!
Wäre ja zu schön, wenn man die wenigen klaren Nächte mal produktiv nutzen könnte...;)

Viele Grüßen danke! und allzeit CS
Johannes
 
Hallo Johannes,

da sehe ich gleich mehrere Dinge die man noch beachten sollte.

1. Die Justage ist für ein f/4 Teleskop noch nicht ausreichend genau. Weder der HS noch der FS sind hier wirklich zentriert. Da ist noch deutlich Luft drin.
Die Justage sollte dann auch bei schrägem Tubus überprüft werden, da Elemente sich je nach Winkellage des Tubus noch bewegen können. Beim ONTC vermutlich eher weniger.
2. Nie auf die Laserkollimation verlassen. Viele Justagelaser haben einen Winkeloffset, den man erst einmal überprüfen und ggf. korrigieren sollte. Das siehst du ja im Ocal.
3. Der Backfokus passt nicht. Da würde ich den Abstand mal in 0,2mm Schritten, evtl. hier sogar in einem 0,5mm Schritt vergrößern. Dazu benötigst du Abstimmringe bzw. Beilagscheiben mit 42 bzw. 48mm innendurchmesser, je nach Adaption.

CS,
Franz
 
Hallo Franz,

vielen Dank für die Rückmeldung!

1. Lässt sich der FS denn perfekt zentrieren? Ich habe mir um ein Haar einen Drehwurm justiert und bin immer wieder am „gleichen Punkt“ rausgekommen. Dachte dass der Offset einen perfekt konzentrischen FS verhindert? Auf jeden Fall sollte die Markierung auf dem FS auch ins Fadenkreuz? Die FS Halterung produziert schon Metallspäne… ;)

2. Danke für den Hinweis mit dem Laser. Ist auch immer ein Unterschied je nachdem wie fest man ihn im Auszug klemmt etc….

3. Darf ich fragen, woran du das festmachst? Sofern ich mich beim ausmessen des Imagetrains nicht vermesse habe, bin ich eigentlich bei 0,5mm zu viel. Der Korrektor braucht 55mm, stand jetzt habe ich 55,5mm.

Besten Dank und viele Grüße
Johannes
 
Das Schaubild von Dennis bestätigt meine Annahme.
Die 55mm sind ja auch nur ein Ausgangswert. Mit optischen Toleranzen muss man immer rechnen, daher werden genau 55mm selten passen. Und wenn du Filter zwischen Reducer und Kamera verwendest musst du sowieso nochmal ca. 1/3 der Filterdicke dazurechnen zum BF. Das ist Physik beim Strahlendurchgang durch eine Planparallelplatte.
Zum Punkt 1: Vermutlich sitzt dein FS-Halter nicht in der richtigen Tiefe (Z-Achse bzw. Längsachse). Dazu musßt du die drei Justageschrauben am FS lösen und mit der Zentralschraube den Fangspiegel vor bzw. Zurückbewegen. Ich würde anhand des Bildes oben sagen, das dein FS etwas mehr Richtung Teleskopöffnung bewegt werden müßte.

CS,
Franz
 
Moin Johannes,

für mich sieht es größtenteils auch nach unzureichender Justage aus.

Für mich sieht es so aus, dass schon einmal der Grüne ring mit dem Rand des Korrektors/ bzw. OAZ nicht übereinstimmt und du den Offset noch anpassen müsstest.
Des Weiteren ist die HS Spiegeleung (Blauer Kreis) und der HS bzw. Mittenmakierung (Kreuz) noch nicht passend. Da geht noch einiges.
Die beiden Punkte sind auch mit das Wichtigste.
Das der FS (Roter Kreis) nicht 100% passt ist erstmal nicht so schlimm, da ist es auch möglich, dass der FS Spiegel einfach fertigungsbedingt nicht exakt rund ist.

Bevor du an den Korrektorabstand gehst, solltest du die Justage noch einmal verbessen. Eine Baustelle nach der anderen und vielleicht genügt auch eine genauere Justage schon fürs erste.

Ich habe den 8 Zoll Lacerta und bei mir sieht es so aus.

Justage.jpg


Beste Grüße aus Hamburg
Mathias
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Johannes,

noch eine kleine Ergänzung. Den von dir angesprochenen Offset erkennst du an dem FS Schatten, also der Schwarze Kreis in der Mitte der HS Spiegelung. Der ist nicht Konzentrisch zum Rest.

Gruß Mathias
 
Hallo Johannes und hallo in die Runde,

Zwei kleine Anmerkungen möchte ich noch einbringen.
Auf deinen Bildern haben manche Sterne doppelte Spikes oder bilden Donuts aus. Ich würde hier noch mal die Fokusposition vor der nächsten Session prüfen. Nutzt du eine Bahtinov-Maske zur Fokuspositions-Einstellung?
Im angehängten Bild vom Ocal hast du jeweils 7 als OFFSET-Wert eingetragen.
Nach meiner Erfahrung mit dem OCAL kann man gerade hier entscheidende Fehler einbringen und sollte die festgelegten Werte kontrollieren und immer hinterfragen. Hast du auch die Kamera Offset Werte vom OCAL in der Software hinterlegt? Bei meiner Version, ich glaube V2 lagen die in einer Excel-Liste vor und mussten in der Software eingetragen werden.
Grüße Michael
 
Hallo Johannes und hallo in die Runde,

Zwei kleine Anmerkungen möchte ich noch einbringen.
Auf deinen Bildern haben manche Sterne doppelte Spikes oder bilden Donuts aus. Ich würde hier noch mal die Fokusposition vor der nächsten Session prüfen. Nutzt du eine Bahtinov-Maske zur Fokuspositions-Einstellung?
Im angehängten Bild vom Ocal hast du jeweils 7 als OFFSET-Wert eingetragen.
Nach meiner Erfahrung mit dem OCAL kann man gerade hier entscheidende Fehler einbringen und sollte die festgelegten Werte kontrollieren und immer hinterfragen. Hast du auch die Kamera Offset Werte vom OCAL in der Software hinterlegt? Bei meiner Version, ich glaube V2 lagen die in einer Excel-Liste vor und mussten in der Software eingetragen werden.
Grüße Michael
Im Zentrum sieht es ja gut aus. Und zum Rand hin sind die Sterne verzogen, daher die Doppelspikes.
Wie oben schon erklärt muss hier der BF korrigiert werden.

CS,
Franz
 
Hallo zusammen,

herzlichen Dank für die zahlreichen Antworten. Es hat ein paar Tage gedauert bis ich wieder dazu gekommen bin, nochmals zu justieren, was ja im Verlauf als Hauptfehlerquelle neben dem Backfocus identifiziert wurde. Klaren Himmel hatte wir seit Eröffnung des Threads leider nicht...das Thema Backfocus muss also noch etwas warten. Aber der Wetterbericht für die kommende Woche lässt insofern hoffen, dass vielleicht mal ein klarer Abend dabei sein wird :)

Das ist der aktuelle Sachstand:
Screenshot (32).png

Noch nicht perfekt, aber ein stückweit besser. Habe so meine Schwierigkeiten, den FS perfekt rund zu bekommen...Falls ein erfahrener Justierer hier mit einem Blick sieht an welcher "Schraube" ich noch drehen muss...

Vielen Dank für die Infos und Grafik zum Thema Backfokus, dass sollte sich ja dann im Feld durch testen lösen lassen. Wundert mich trotzdem etwas, da der Messchieber eig. sagt, dass ich bereits jetzt zu viel Abstand verbaut habe. Habt ihr da Erfahrungen mit dem TS Maxfield?

Bzgl. des Ocal: Ja, die Offset Werte aus der Excel habe ich eingetragen. Ansonsten nutze ich zum fokussieren einen Autofokussierer (Nina, Hocusfocus) der soweit auch gut funktioniert. Ich hätte die Doppelspikes auch auf die Justage geschoben? Vielleicht auch eine Mischung aus allem.

Herzlichen Dank vorab für die vielen sicher noch folgenden Tipps :)
 
Ich würde sagen, 'the Eagle has landed'. Vielleicht noch nicht perfekt, sollte aber eigentlich gut genug für eine saubere Sternabbildung sein.
Das mit der Rundheit des FS darf man nicht überstrapazieren. Wie hier im Forum schon öfters an verschiedenen Stellen berichtet, sind nicht alle FS wirklich 100% rund.
Etwas nicht 100% rundes rund zu justieren wird keinem gelingen ;) . Wichtig ist das du den FS mittig triffst (Markierung) und drum herum der HS-Rand konzentrisch zu den beiden äußeren Kreisen liegt. Am Ende mußt du mit den HS-Verstellschrauben nur noch den HS-Donut auf das Achenskreuz bringen.
Da du NINA und Autofokus erwähnt hast. Welches Fokusfeld verwendest du ? Ich versuche immer die inneren 20% und die u 20% bei der Fokusbewertung auszuschließen. Damit Fokusiert kann man eine Bildfeldwölbung, falls vorhanden etwas ausmitteln.

CS,
Franz
 
Ich verwende als Fokusfeld die inneren 80 Prozent. Wenn das Setup dann eines Tages mal ordentlich läuft sicher auch eine gute Idee deine Aufteilung zu nutzen. Jetzt bin ich noch interessiert daran, alle Problemchen erstmal zu finden und sich noch nicht zu "überdecken".

Habe gestern den klaren Abend im Mondlicht nutzen können, in der Hoffnung, dass "nurnoch" der Backfokus anzupassen ist. Wenn mich nicht alle täuscht, bin ich da jetzt +- 1mm im richtigen Backfokus. Wenn ich Abstände vergrößere/verkleinere ändert sich das Fehlerbild immer von A zu B orientiert an der obigen Grafik. Von daher wäre meine Vermutung, dass weitere Bildfehler aus andere Gründen existieren. Korrigiert mich daher gerne :)

Habe auch den von Spöckhöveler genannten Abberation Inspector genutzt und WENN ich die Ergebnisse richtig interpretiere, habe ich Probleme mit Verkippung oder Tilt? Im Anhang habe ich daher mal die Screenshots aus dem Abberation Inspector hochgeladen.

Ebenso anbei noch eine Belichtung aufgeteilt in die Bildecken. Die Bildmitte sieht soweit gut aus. Was auffällt ist die "Differenz zwischen links und rechts. Links haben die Sterne teilweise Doppelspikes und sind "ausgefressen", rechts sind die Sterne deutlich besser wenn auch noch nicht perfekt und die Sterne haben keine Doppelspikes. Wenn man sich die FWHM Map des Abberation Insepctors anschaut wirkt das so, als würde auch hier der Unterschied von rechts nach links wandern...

Als wie auch immer...Für weitere Hinweise und Tipps wäre ich sehr dankbar! Wäre ja schön, wenn die anstehende Mondphase mit vielen klaren Nächten zumindest schöne runde Sterne mit sich bringt :)

Herzlichen Dank!
 

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Hallo Johannes, es scheint demnach ein recht starker Tilt vorzuliegen. Woher der stammen könnte da kann ich nur raten!

Wenn die Kollimation wie oben von dir gezeigt eingestellt ist hatte ich zumindest bei keinem Newton so erhebliche Unterschiede bei der Abbildung gehabt. Das Fehlerbild mit elongierten Sternen und Sternen die doppelte Spikes ausbilden kenne ich überhaupt nicht.
Deshalb mal geraten:
Mögliche Fehlerquellen wären vielleicht nicht plane Flächen/lose Verschraubung im Imagetrain oder Verkippung durch den OAZ oder Tubus sobald die Aufnahme Kamera montiert ist. Dass OAZ oder Tubus sich derart stark neigen kann ich mir bei Lacerta-Optiken aber nicht vorstellen.
Vielleicht sitzt der HS lose und hat seitliches Spiel. Aber auch das kann ich mir bei Lacerta nicht vorstellen.
Sensor Tilt der Kamera (dann hilft ein Tilt-Adapter)
Lose oder gebrochene Kugellager im OAZ.
 
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