Adventswandertag mit dem Dobson und ein paar H-beta-Wundern...

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

StKorth_privat

Aktives Mitglied
Hallo in die Runde!

Nach vielen Wochen Wetterpause endlich einmal wieder eine Deep-Sky-Nacht aus meinem Meerbuscher Lichtloch heraus! In der Dämmerung war es noch zirrig, aber im Laufe des Abends wurde das eine der klarsten Nächte im Halbjahr!

Aber das Wetter hatte auch seine Schattenseite – die Gartenwiese zu betreten hatte etwas von Wattwandern, die Luftfeuchte ließ alles trotznass anlaufen.

Am Start: Einmal mehr mein 12“-f/5-Dobson mit einem Okularkoffer voller Nagler und daneben einer Rotte Nebelfilter – wobei heute hauptsächlich das Baader-H-beta mit 5.5 nm zum Einsatz kommen sollte. Der Sommerhimmeltest war ja schon vielversprechend, nächste Runde nun ein paar Winternebel.

Jupiter: Ein erstes Objekt, Seeing ganz passabel, der Taubeschlag auf dem Fangspiegel hilft gut als Graufilter, die Bänder und Zonen sind bei 167x sehr schön abgestuft (auch in Farbe) zu sehen, auffallend auch der lachsfarbene GRF. Die vier Galilei´schen Monde alle ganz einfach als Scheiben zu sehen.

Nach gut 20 Minuten sind die letzten Zirren weg, der Tau suppt weiter, aber die Transparenz nimmt zu! Also ran an die Deep-Sky-Tour, alle Optikheizungen arbeiten mit 100% Leistung, alle Optik ist klar.

Alle? Naja, an den Okularen habe keine Heizmanschetten, da muss ein Filztuch her – selbst, wenn ich noch eine Okularmanschette hätte, bei meinen vielen Vergrößerungswechseln wird das dann schnell zu einem Kabelalbtraum. Immerhin, die 1 ¼“-Nagler können in der Hosentasche pausieren und werden so warmgehalten. Aber für die 31mm- und 22mm-Boliden ist da kein Platz mehr.

NGC 7332: Über Scheta und Lambda Pegasi ruck zuck gefunden – und weil das Teil überraschend hell und einfach zu lokalisieren ist, müsste das in jedes Volkssternwartenwinterabendprogramm. Schon bei 115x direkt sichtbar, noch mehr Kontrast dann bei 214x; Sehr elliptisch, körnige Struktur, leicht zum Zentrum hin heller werdende, vergleichsweise gut definierter Rand.

NGC 7339: Im selben Gesichtsfeld wie NGC 7332 (hatte ich neulich einmal fotografisch vorgestellt), bei 115x nur indirekt sichtbar, aber sicher zu erkennen. Bei 214x geht´s es dann auch mit direktem Sehen, ebenfalls elliptisch, aber diffuser als der Nachbar.

Eta Cassiopeiae: schöner Doppelstern bei 115x, ca. 12“ Abstand, ähnlich helle Sterne, eine Komponente weißlich, die andere leicht rötlich.

NGC 281 (PacMan-Nebel): Der hellste Nebelteil nördlich des zentralen Sterngrüppchens ist bei 48x und mit H-beta-Filter direkt zu erkennen! Er zeigt sich als verwaschene Himmelsaufhellung ohne weitere Einzelstrukturen und mit einem schärferen Rand nach Süden hin. So viel habe ich von dem Nebel in Stadtnähe noch nie gesehen!

IC 63: Überraschung - nach ein paar entspannten Atemzügen zeigt sich der Emissionspart dieses Nebels nahe Gamma Cassiopeiae als relativ scharfrandiger Fächer, ist aber nur indirekt zu sehen (48x, H-beta-Filter). Es hilft, den hellen Einzelstern irgendwie aus dem Sehfeld zu schubsen.

IC 59: Das war dann doch zu optimistisch – von diesem Nebel keine Spur. Das muss ich mir wohl für eine Astroexkursion aufheben.

NGC 7635 (Bubble-Nebel): Hier ist 48x dann doch ein wenig zu schwach vergrößert, auch wenn der Nebelkomplex durch das H-beta-Filter hindurch besser vom Himmelshintergrund abgetrennt wird als mit OIII. 68x und OIII-Filter zeigt eher die Aufhellung nördlich des Zentralsterns, 115x und H-beta bringt den Balken besser hervor, der in die „Blase“ übergeht. Diese wiederum kann ich nicht packen.

NGC 869 + NGC 884: kurz einmal etwas Schönes ohne Nebelfilter – bei 48x wird man von einer echten Sternenflut begeistert, da und dort fallen einzelne Sterne durch einen leichten orange-rot-Farbton auf. Das 31mm-Nagler lässt ein genussvolles Bild auch ohne Koma-Korrektor zu – Typ 6-Design halt…

NGC 1491 (Footprint-Nebel): Bei 115x und mit OIII-Filter bewaffnet ist das Teil absolut einfach und direkt zu sehen, ein paar Einzelsterne sind in den Nebel eingebettet. Die Kontur erinnert mich überhaupt nicht an einen Fußabdruck, sondern viel eher an jenes Gebäck, was man auch „Schweineohr“ nennt. Das gilt auch für Fotografien.

IC 349 (Barnard´s Merope Nebel): Ein dickes Brett, die Okulare beschlagen immer schneller, so ist das Gleißen von Merope kaum zu bändigen. Im ersten Anlauf scheitere ich bei 214x und 429x, aber nachdem die hochvergrößernden Okulare ein paar wärmespendende Hosentaschenminuten hinter sich haben, lässt sich das längliche Nebelfilament immer wieder doch ausmachen.

NGC 1499 (California-Nebel): Eigentlich ein Paradeobjekt für H-beta-Filter, im ersten Anlauf sehe ich aber - nichts. Naja, auch bei 48x ist das Sehfeld zu klein, um das ganze Objekt zu überblicken – aber nach ein paar Minuten schält es sich dann doch in´s Okular. Vorsichtiges Schwenken nach Norden und Süden zeigt ganz eindeutig die Nebelränder, dazu kommen dann auch wolkige Strukturen aus dem Rest daher – nun ist es ganz einfach!

IC 434 (Pferdekopf-Nebel): Vorsicht ist geboten, die Gegend kenne ich einfach zu gut – ist denn da auch wirklich die H-II-Region, vor der der Pferdeschädel steht? Mit 48x ist das schwierig, aber bei 68x habe ich (mit H-beta-Filter) Gewissheit: Indirekt sieht man dort einen länglichen Nebelstreifen von Nord nach Süd verlaufend, dazu dann jener „ausbissene“ Part, der den Pferdekopf darstellt. Hin- und Herschubsen des Tubus hilf.

NGC 2024 (Flammen-Nebel): Auch 68x, auch H-beta-Filter, hier stört Alnitak fast noch mehr – aber die formlose Aufhellung ist dan.

NGC 2244 (Rosetten-Nebel): Bei 48x und mit H-beta-Filter auf Anhieb sichtbar, das ganze Feld ist mit Nebel-„Wolken“ gefüllt, die eher „flockig“ daherkommen. Die feinen Dunkelwolken kann ich aber icht ausfindig machen.

NGC 2174 (Affenkopf-Nebel): Auch hier nehme ich das 31mm-Nagler (48x) und H-beta-Filter, die HII-Region ist sofort zu erkennen, wenn auch natürlich nicht so kontrastreich wie auf bearbeiteten Deep-Sky-Fotos. Der Nebel zeigt sich als verschwommene „Box“ mit abgerundeten Ecken um den Sternhaufen herum, der Ostrand ist deutlich schärfer als der Rest.

M 42 (Orion-Nebel): Mein Absacker und Betthupferl, mittlerweile ist es 1:30 Uhr, die Weihnachtsbeleuchtungen der Nachbarn sind aus und ich habe noch einen letzten Arbeitstag vor mir, bevor es in die Weihnachtsferien geht. Der Nebel? Immer wieder schön, bei 48x hat man den Eindruck, da hat jemand ein Dia in den Tubus geklemmt… Weit ausgreifende Nebelarme und Unmengen an Feinstrukturen – herrlich!

Was bleibt, das ist der Wunsch, den Zwölfzöller endlich einmal unter dunklem Himmel zu nutzen, vielleicht bekomme ich das 2024 ja einmal auf die Kette!

CS, Stefan
 
Moin Stefan,

bin selber visuell nicht unterwegs, sondern mache nur ( mittelmäßige) Fotos.
Aber solche schön geschilderten visuellen Ausflüge lese ich sehr gerne.
Ist halt interessant, was mit guter Optik und ggf. Filtereinsatz von den unterschiedlichen Objekten gesehen werden kann bzw. wie sie sich darstellen.

Danke für den schönen Ausflug und entspannte Weihnachtstage.
lg
Wolfgang
 
Ein schöner Bericht, regt zum mitfliegen im Geiste an bei unserem Miesewetter hier.
Danke dafür.

LG
Olli

P.S.: Das Nagler 31 ist ein Type 5 ;)
 
Bleib am Ball, Stefan, das liest sich alles sehr spannend. Hier im Norden war schon länger gar nichts mehr möglich, immer nur Wolken, Regen und Wind.
NGC 7332 ist ein guter Tipp, das Volkssternwartenprogramm sieht in der Regel nur NGC 7331 vor ;), welche schon mein 60er Apo zeigen kann.

Was man auf jeden Fall anmerken muss: Du schaffst visuell 17 Objekte pro Nacht. Fotografisch wären nach gängiger Vorgehensweise 0,25 bis 1 Objekt drin, d.h. die visuelle Beobachtung bringt eine bis zu 68-fache Ausbeute. Ich steige auf jeden Fall um!

LG
Jürgen
 

Anhänge

  • EAF_Nagler31mm.jpg
    EAF_Nagler31mm.jpg
    272,6 KB · Aufrufe: 129
Bleib am Ball, Stefan, das liest sich alles sehr spannend. Hier im Norden war schon länger gar nichts mehr möglich, immer nur Wolken, Regen und Wind.
NGC 7332 ist ein guter Tipp, das Volkssternwartenprogramm sieht in der Regel nur NGC 7331 vor ;), welche schon mein 60er Apo zeigen kann.

Was man auf jeden Fall anmerken muss: Du schaffst visuell 17 Objekte pro Nacht. Fotografisch wären nach gängiger Vorgehensweise 0,25 bis 1 Objekt drin, d.h. die visuelle Beobachtung bringt eine bis zu 68-fache Ausbeute. Ich steige auf jeden Fall um!

LG
Jürgen
Danke für den netten Kommentar, Jürgen! Diese eine Nacht war in der Tat doppelt gut - weil unerwartet und dann auch noch so klar. Da nimmt man die Feuchtigkeit gerne in Kauf.
Was die Anzahl der Objekte anbelangt - wenn ich es darauf anlegen würde, dann kämen auch mehr dabei herum. In meinem früheren Leben als Veränderlichenbeobachter konnte ich (ohne GoTo!) meine Stern im Zweiminutentakt einstellen, schätzen und das dann auch noch aufschreiben. Aber Deep-Sky-Beobachtung ist für mich nun einmal kein Wettbewerb, sondern eben Ausgleich zum Alltag - komplett entspannend. Einfach nur Teleskop raustellen, Atlanten auf den Tisch, Okular- und Filterkoffer dazu: Fertig! Da ist nichts mit Flatfield, Platesolve, PEC und Workflow - das einzige, was im Flow ist, bin ich!
Einerseits stauen ich schon, was man heutzutage mit 12 Stunden Belichtungszeit auf die Festplatte zimmern kann - aber das alles für nur ein Objekt? Nein, nicht mein Ding...

CS,
Stefan
 
Moin Stefan,

bin selber visuell nicht unterwegs, sondern mache nur ( mittelmäßige) Fotos.
Aber solche schön geschilderten visuellen Ausflüge lese ich sehr gerne.
Ist halt interessant, was mit guter Optik und ggf. Filtereinsatz von den unterschiedlichen Objekten gesehen werden kann bzw. wie sie sich darstellen.

Danke für den schönen Ausflug und entspannte Weihnachtstage.
lg
Wolfgang
Danke für das Lob, Wolfgang! Doch, mein 12-Zöller ist ein ganz Guter, wenn auch eben aus der GSO-Massenschmiede und ganz ohne Prüfprotokoll. Keine Ahnung, wie der vor sich hinstrehlt, aber er liefert - und sogar an Sonne, Mond und Planeten mit bemerkenswertem Kontrast.
Nebelfilter sind bei mir daheim ein Muss. Ich bin seit 1983 Sternegucker und praktisch in 98% meiner Beobachtungsnächte im Rhein-Ruhr-Raum zugange - schlimmer geht´s kaum in Deutschland. Aber was soll ich sagen, meine Familie und ich wohnen nun einmal hier, man muss das beste daraus machen. Immerhin habe ich einen dunklen Garten fast ohne Fremdlicht der Nachbarn.

CS,
Stefan
 
Hallo Stefan,
schöner, anschaulicher Bericht und lesefreundlich-knapp dokumentiert.

NGC 7339: Im selben Gesichtsfeld wie NGC 7332
NGC 7339 kann schon mal trickie sein, gerade bei Streulicht. Im C11 fand ich ihn neulich fast grenzwertig erkennbar.

die visuelle Beobachtung bringt eine bis zu 68-fache Ausbeute. Ich steige auf jeden Fall um!
...(grins)... - guck, geht doch.

Da ist nichts mit Flatfield, Platesolve, PEC und Workflow - das einzige, was im Flow ist, bin ich!
Einerseits stauen ich schon, was man heutzutage mit 12 Stunden Belichtungszeit auf die Festplatte zimmern kann - aber das alles für nur ein Objekt? Nein, nicht mein Ding...
Da mach' ich einfach mal ein fettes Ausrufezeichen dran.

Viele Grüße
Uwe
 
Hallo Stefan,

Ein echt schöner Bericht der Lust macht auf das Beobachten. Jetzt muss nur noch das Wetter bei mir mitspielen, damit mein kleines Refraktörchen raus kann / darf.
Wenn man auch nur visuell unterwegs ist, ließt man solche Berichte nur zu gerne.

Viele Grüße Mark
 
Hallo Stefan,

danke für den schönen Bericht, der zur Nachahmung anregt. Zum Pacman-Nebel kann ich noch beitragen, dass der oft auch mit OIII- oder gutem UHC-Filter gut sichtbar ist. Im Urlaub bei geschätztem mag 6-Himmel war er auch ohne erkennbar (40mm Okular an 8 Zoll f/t6), spätestens mit Filter auch unverkennbar mit der namensgebenden Form. Visuell also zum Glück kein so ganz schwieriges Objekt.

VG Klaus
 
Hallo Stephan,
habe mich über die vielen Beobachtungen mit deinem Dobson gefreut (selbst einen 12,5" auf Rockerbox). Beob. im Orionnebel: hier tummeln sich etliche Veränderliche. Ich habe von der Gegend zwei Karten zwecks Überwachung. Ideale Vergrößerung 304fach. ....viel Vergrößerungswechsel: habe ein Seben-Zom von 8-24 mm. War das viele Wechseln von Okularen satt.....
Aus einem alten Beobachtungszettel: vom 1.7.1992 bis 18.12.1992 einen 25x100 von Vehrenberg zum Beob. Veränderlicher Sterne hier gehabt, 1190 Schätzungen machen können. (Das ist schon lange her). Ein eigenes Gerät am 13.1.1995 gekauft = DM 1790,--.
Den Dobson habe ich seit 14.9.1998 und ein C 8 seit August vergangenen Jahres.
Würde mich freuen, wieder von dir zu hören (private e-Mail ?)
Viele Grüße Günther aus Bockenem
 
Hallo Günther!

Schön, von Dir zu lesen, PMs gerne an stefan.korth(ät)astrodigital.de ...
Die Veränderlichenbeobachtung fixt mich im Moment noch nicht (wieder) an, aber wer weiß?

CS,
Stefan
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben